Gebrauchtberatung Suzuki DR 650 SE Schlank & rank

Echte Allround-Enduros, die auf der Straße wie im Gelände eine passable Figur machen, gibt es nicht mehr allzu viele. Die Suzuki DR 650 SE ist eine davon.

Foto: Bilski
Gebrauchtberatung Suzuki DR 650 SE
Gebrauchtberatung Suzuki DR 650 SE
Das waren noch Zeiten, als Maschinen wie die Yamaha-XT-Modelle oder Honda-XL Bestseller auf dem Motorradmarkt waren. Mit den einfachen, robusten und preisgünstigen Alleskönnern konnte man zum Brötchen holen fahren oder mit großem Tank auf Fernreise gehen. Aber seit den achtziger Jahren kam in dieser Kategorie aus Japan nicht mehr viel Neues. Statt dessen sind die Spezialisten im Aufwind, etwa die echten Geländemaschinen von KTM oder Husqvarna. Die Qualitäten der anspruchslosen Allrounder sind bei vielen in Vergessenheit geraten. Kein Zufall, dass nicht nur Suzuki nach der DR 350 und der gewaltigen DR 800 jetzt auch sein unauffälliges, aber solides Modell DR 650 SE vom Markt genommen hat. Ebenso segnet Hondas Dominator das Zeitliche.
Die letzten neuen DR werden zur Zeit abverkauft. Seit Ende 1995 verkaufte Suzuki rund 4000 Stück. Die Gebrauchte, die MOTORRAD aufspürte, ist eine von vier Exemplaren, die die Firma Limbächer in Stuttgart-Echterdingen zur Zeit anbietet. Die Maschine, Baujahr 1998, hat 13700 Kilometer auf dem Zähler und soll für 6499 Mark den Besitzer wechseln. Kratzer und abgeschmirgelter Lack an Rahmen sowie Auspuff zeugen von gelegentlichen Geländeeinsätzen.
Trotz gut dreimonatiger Standzeit springt der Motor beim zweiten Versuch an. Sein Laufgeräusch: unauffällig leise, kein Kolbenklappern im kalten Zustand. Ohne typische Einzylinder-Vibrationen gibt das Triebwerk über den gesamten Drehzahlbereich - auf eine Anzeige verzichtet Suzuki im Gegensatz zum Schwestermodell Freewind - sanft und gleichmäßig Leistung ab. Die Sitzposition ist kommod, nur die schmale Sitzbank wirkt bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt hart, wie gefroren. Die Schaltwege sind etwas lang geraten, Gewöhnungssache. Das Fahrwerk gibt sich weich und komfortabel, bei kräftigerem Bremsen vorn taucht die Telegabel im Straßenbetrieb tief ein, kein Wunder bei immerhin 260 Millimeter Federweg.
Wer eine gebrauchte DR 650 SE in Augenschein nimmt, sollte zuerst darauf achten, ob der Motor noch ganz dicht ist. Lecks an den Dichtungen von Zylinderfuß oder Kopfdeckel sowie am Dichtring an der Getriebeausgangswelle (unter dem Deckel vor dem Ritzel) erfordern einen Werkstattaufenthalt, also Kosten, die den Wert mindern. Viele DR-Besitzer haben ihre Maschine mit von Suzuki angebotenen Hauptständer(186 Mark) für Kettenpflege und Ölkontrolle und einem Motorschutzplatte für Geländeeinsatz (190 Mark) ausgerüstet. Häufig gehören auch nach seitliche Schutzbügel (JF Motorsport, Telefon 06002/910377, 150 Mark) dazu.
Geländefreaks rüsten ihre DR auch mit dem kleineren 14-Zähne-Ritzel aus, um die Übersetzung des zu langen ersten Gangs auszugleichen. Das schont bei trialartiger Fortbewegung die Kupplung. Für Fernreisende beinahe ein Muss: der 16-Liter- Acerbis-Kunststofftank (Büse, zirka 480 Mark). Der fasst zwar nur drei Liter mehr als das Orginal, aber bei dem maßvollen Verbrauch von zirka 4,5 Litern auf 100 Kilometer bedeutet das einen rund 75 Kilometer größeren Aktionsradius.
Auch die Federelemente werden häufig umgerüstet: Das bei Offroad-Touren schnell schlaff werdende Federbein muss seinen Platz zugunsten straffer gedämpften Exemplaren von Öhlins, White Power oder Wilbers freigeben (ab zirka 800 Mark), vorn kommen progressivere Gabelfedern der gleichen Hersteller (zirka 180 Mark) zu Einsatz.
Der Motor glänzt – im Gegensatz zum DR 650-Vorgängermodell – dank einer Nickel-Silizium-Karbid-Beschichtung mit bemerkenswerter Laufruhe und ist bei entsprechender Pflege bis zur ersten großen Überarbeitung für 60000 Kilometer und mehr gut. Ein für Einzylinder ausgesprochen solider Wert.
Erfreulicherweise ist auch die Drosselung für Einsteiger auf 34 PS bei einer Gebrauchten kein finanzieller Hochseilakt. Ein anderer Gasschieber (65 Mark) im Vergaser plus zirka eine halbe Stunde Arbeitskosten – fertig ist der legale Start. Und für Kurzbeinige hat Suzuki die Tieferlegung der original 88 Millimeter Sitzhöhe um volle vier Zentimeter schon ab Werk vorgesehen, das Federbein kann in der Umlenkung in zwei Positionen verschraubt werden.
Die Suzuki DR 650 SE bietet für Einsteiger und Fortgeschrittene gleichermaßen ein relativ breites Spektrum. Sie ist ein gelungener Kompromiss für Straßen- und Geländeeinsatz und somit gegenüber so mancher üppig daherkommenden Einzylinder-Reiseenduro das stimmigere Konzept.

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