Gebrauchtberatung: Suzuki GSX-R 600 Supersportler aus zweiter Hand: Suzuki GSX-R 600

Beim gnadenlosen Wettrüsten in der 600er-Supersportklasse konnte sich die kleine Gixxer bisher gut behaupten. Aus zweiter Hand ist sie sogar Spitzenklasse.

Foto: fact

Supersporter duellieren sich bekanntermaßen gern im abgesperrten Rund, dort, wo man es krachen lassen kann. Die Suzuki als seinerzeit jüngste, fitteste 600er hätte gleich bei ihrem Debüt 1997 Widersacherinnen wie Honda CBR 600 oder Kawasaki ZX-6R den Schneid abkaufen können. Hat sie aber nicht. Zu lahm auf der Piste, zu ungleichmäßig die Leistungsentfaltung, zu unbequem für den öffentlichen Straßenverkehr, wo sich im Gegensatz dazu manch anderer Supersportler als sympathischer Landstraßensprinter erwies. Nach der Modellpflege 1998 konnte sie zumindest auf der Rennstrecke gut mithalten, und nach der Renovierung für 2001 rückte die kleine GSX-R im Kielwasser der extrem erfolgreichen 1000er-Schwester in der Beliebtheitsskala weiter nach vorn. Ein Prachtkerl von Motor (115 PS), Top-Fahrwerk - ein echtes Attacke-Motorrad eben.

Diese klare Linie führten die Suzuki-Techniker auch bei weiteren Modellpflegen fort, machten die GSX-R 600 noch handlicher und stabiler (2004), verpassten ihr bärige Bremsen, ein extrem feinfühliges, ausgewogenes Fahrwerk und 125 PS (2006). Erstaunlicherweise bestach die GSX-R 600 ab 2008 durch Allroundqualitäten, wobei diese ihr wohl nur im direkten Vergleich mit Klassenkameradinnen zugestanden werden sollten. Aber ganz klar, über die Jahre hinweg hat sich die Suzuki entwickelt - und zwar positiv. Allerdings bescherte die anfängliche Erfolglosigkeit ihr einen Ruf als ewige Zweite, Dritte oder gar nur Vierte. Dennoch: Auch ohne viele Testsiege konnte sie genügend junge Supersporteinsteiger überzeugen, die sich gern auf dem Rundkurs duellieren - oder zumindest davon träumen, wenn sie auf dem Boulevard unterwegs sind. Die kleine Gixxer ist dafür genau richtig.


Tests in MOTORRAD:
1/1997 (T), 6/1998 (VT), 8/1999 (VT), 9/2000 (VT), 25/2000 (T), 1/2001 (VT), 6/2001 (VT), 9/2002 (VT), 6/2003 (VT), 10/2004 (VT), 4/2005 (VT), 6/2006 (VT), 6/2007 (VT), 9/2008 (VT)
T=Test, VT=Vergleichstest, Nachbestellungen unter 0711/182-1229

Internet:
Fansites: www.gsxr-freaks.info (gut besuchtes Forum), www.kurvenjaeger.org (für Fans von allen GSX-R inklusive Regionalbereiche)
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike14.htm

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Besichtigung

Pudelwohl fühlt sich die 600er auf der Rennstrecke, und diesem Ruf nach Wettbewerb gehen viele Besitzer auch tatsächlich nach. Bei der Besichtigung und Probefahrt also unbedingt nach Sturzschäden fahnden und auf ungewöhnliche Laufgeräusche aus Motor und Getriebe achten! Desweiteren ruhig auch unter der Vollverkleidung nachschauen, ob der Motor dicht ist und nirgendwo Öl austritt. Lenkanschlag auf Beschädigungen untersuchen, Spiel von Schwinge, Umlenkhebel und Radlagern prüfen und checken, ob die Bremsscheiben noch in Ordnung sind. Sind alle Punkte okay, haben die Vorbesitzer das Motorrad vermutlich nicht über Gebühr strapaziert und alle Wartungsarbeiten erledigt oder besser noch: von einer Fachwerkstatt erledigen lassen, denn von komplizierten Hightech-Vierzylindermotoren und Einspritzanlagen sollten halbversierte Hobbyschrauber lieber die Finger lassen. Populär, außer beim Typ WVCE wegen des beliebten Serienauspuffs: sportliche Schalldämpfer (zum Beispiel Akrapovic, Leovince, Bos). Für Einsteiger wichtig: Eine nachträgliche 34-PS-Drosselung kostet rund 250 Euro.

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Marktsituation

Enorm viele Privatanbieter versuchen ihre 600er-Suzi. zu veräußern, häufig handelt es sich um Maschinen mit wenig Kilometern (bis 20000), teils aus erster Hand, die überwiegend jünger als acht Jahre sind. Sie sollen meist ab 3500 Euro kosten, die Schnäppchendichte ist hier aufgrund des großen Angebots hoch. Selbst für topgepflegte, maximal drei Jahre alte Exemplare mit unter 10000 Kilometern können Private allerdings kaum mehr als 6000 Euro erwarten, denn in der Preisliga um 5000 Euro haben Händler häufig die besseren Offerten - inklusive Gewährleistung. Ältere GSX-R 600 bis Baujahr 2000 mit einigen Vorbesitzern und vielen Kilometern (mehr als 40000) sowie deutlich sichtbaren Gebrauchsspuren, aber immerhin unfallfreie Maschinen, finden sich schon ab 1800 Euro. Jüngere Einsteiger mit Sportfaible suchen danach. Die Wahrscheinlichkeit dabei ein faules Ei zu erwerben, ist jedoch relativ hoch.

Verfügbarkeit am Markt: Sehr hoch

Preisniveau in Euro Baujahre Km-Stand
Niedrig 1800-2900 1997-2000 25000-50000
Mittel 3000-5500 1998-2005 10000-30000
Hoch 5600-6900 2004-2008 5000-15000
  
Typ im Programm Verkäufe
AD 1997 bis 2000 5345
WVBG/WVB2 2001 bis 2005 6873
WVCE/WVCV 2006 bis 2009 4132
Foto: Archiv

Technische Daten

Motor:
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 67 x 42,5 mm
Hubraum 599 cm³
Nennleistung 92 kW (125 PS) bei 13500/min
Max. Drehmoment 68 Nm bei 11500/min

Fahrwerk:
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 66,2 Grad, Nachlauf 97 mm, Gewicht vollgetankt* 196 kg, Zuladung* 184 kg, Tankinhalt 16,5 Liter.

Messungen (MOTORRAD 6/2006):
Höchstgeschwindigkeit** 260 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 3,5 sek
Durchzug 60-100 km/h 5,3 sek
Verbrauch 4,9 l/100 km (Landstraße), 5,7 l/100 km (bei 130 km/h)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Foto: Archiv

Modellpflege

1997 Markteinführung der GSX-R 600, Typ AD, in Deutschland zum Preis von 15990 Mark (8176 Euro).

1998 Motor mit modifizierten Zylindern, Kolben, Zylinderkopf (110 statt 106 PS) und neuer Auspuffanlage, kürzere Endübersetzung, um 5 mm längerer Radstand, Verkleidungsscheibe 30 mm höher. Preis: 16190 Mark (8278 Euro).

2001 Typ WVBG, komplett neues Motorrad, Leistung nunmehr 115 PS. Preis: 18290 Mark (9352 Euro).

2004 Typ WVB2. Motor mit Titanventilen und 120 PS, schmalerer Tank und Rahmen, Upside-down-Gabel, mit Oberzügen verstärkte Schwinge, Radialbremse, neue Scheinwerfer, Schaltblitz, LED-Rückleuchte, um zwei Kilogramm geringeres Trockengewicht (161 kg). Preis: 9690 Euro.

2005 Sonderlackierung, angelehnt an den Look der Ur-GSX-R von 1985.

2006 Typ WVCE. Komplett neuer, kompakterer Motor (Nennleistung 126 PS), neuer Edelstahlauspuff, neuer Rahmen aus Alugussteilen, längere Schwinge, neue Upside-down-Gabel, leichtere Räder, leichtere Lichtmaschine, einstellbare Fußrasten, Ganganzeige, Wegfahrsperre, Reserve-Wegstreckenzähler, neue, integrierte Klarglasblinker, Tankinhalt 16,5 statt zuvor 17 Liter. Preis: 10740 Euro.

2008 Typ WVCV. Brennräume überarbeitet, Leistung unverändert, neuer Endschalldämpfer, leichtere Räder, elektronisch gesteuerter Lenkungsdämpfer, neue Verkleidung und Ram-Air-System, neu gestaltetes Heck, Tank wieder mit 17 Litern. Preis: 10300 Euro.

2010 Auf der Motorradmesse Intermot in Köln stellt Suzuki den neuen Typ WVC3 für das Modelljahr 2011 vor.

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