Gebrauchtberatung Suzuki Intruder VS 1400 Prosit, Trude!

Ort: Höhenrestaurant Weilerhau, Filderstadt. Zeit: Freitag, 20.00 Uhr. Codewort: Intruder.
Zweck des konspirativen Treffens: Austausch von Infos über Suzuki VS 1400.

Foto: Suzuki
Suzuki-Cruiser VS 1400 Intruder
Suzuki-Cruiser VS 1400 Intruder
Bei einer Trude musst du wissen: Wie soll sie sein? Mit Fransen? Oder lieber breit und flach?« Torsten beugt sich bei dieser Erklärung nach vorne, beschwörender Blick, seine geöffneten Hände sind auf den Zuhörer gerichtet. Torsten kennt sich aus mit Truden. Und mit dem Gebrauchtkauf einer Suzuki Intruder VS 1400, die nichts anderes als eine Trude ist. Er organisiert regelmäßig einen Intruder-Stammtisch im schwäbischen Filderstadt. »Die meisten 1400er auf dem Gebrauchtmarkt sind Umbauten. Die vorverlegten Fußrasten an meiner sind eine Spezialanfertigung.« »Ein kleiner Fahrer fährt damit keinen Meter«, ergänzt Stammtischnachbar Sven und doziert über weitere sinnige und unsinnige Umbaumöglichkeiten.
Nach ein paar Minuten Zuhören schon gleich die erste Lektion gelernt: Eine VS 1400 wird gebraucht selten im Originalzustand verkauft. Deshalb sollte ein Interessent sich zunächst einen genauen Überblick über die einzelnen technischen und optischen Verände-
rungen des angebotenen Motorrads
verschaffen. Ist die Maschine »verbastelt«, kommen auf den Käufer bei weiteren Umbaumaßnahmen eventuell hohe Kosten zu. Entspricht dagegen
die angebotene Intruder weitgehend den Wunschvorstellungen, kann sich der Gebrauchtkäufer freuen, denn günstiger wird’s die entsprechenden Zubehörteile und die schon vom Vorbesitzer geleistete Umbauarbeit nicht geben.
Svens VS 1400 steht vor der Tür. Er ist gerne bereit, sie vorzuführen, auch wenn es draußen arktisch kalt ist und er seine Trude keineswegs feilbieten möchte. Aber dazu ist der Stammtisch ja da: um sich
mit Interessierten, egal, ob Intruder-Besitzer oder nicht, auszutauschen und offen für Fragen zu sein. Die vor der Kneipe geparkte Maschine macht an. Gerader Flachlenker, eine stilvolle Ledersitzbank, breite Reifen. Stahlflexleitungen, Nachrüst-Federbeine, steifere Gabelbrücken. Insgesamt eher dezente Chopper-Optik, die selbst einen eingefleischten Harley-Fan nicht kalt lassen dürfte.
Da war ein Perfektionist am Werk.
»Die Versicherung hat sie letztes Jahr auf 13000 Euro geschätzt. Wenn ich sie jetzt gebraucht anbieten würde, bekäme ich gerade mal 7000 Euro dafür, deshalb bleibt sie bei mir«, sagt Sven und blickt verliebt auf seinen Chrom-Schatz. Weitere tolle Umbauten könne man auf diversen Treffen sehen, die dort nicht selten ihre Besitzer wechseln. Einfach mal hingehen und umschauen, empfiehlt er jedem potenziellen Käufer einer Secondhand-Intruder. Termine und Infos fänden sich im Internet auf den entsprechenden Seiten, zum Beispiel unter www.intrudertreffen.de. Auf den Treffen könne man die individuellen Motorräder aus der Nähe anschauen, Probe sitzen, vielleicht auch mal fahren. Und die verlangten Preise seien meist fair. »Ist gerade gut, wenn du noch nicht so der Kenner bist, dann bekommst am besten eine Vorstellung von möglichen Umbaulösungen«, rät Sven. Zurück in die Kneipe, Bier bestellen, weiterreden.
Merke, Lektion zwei: Die meisten
Intruder wechseln ihren Besitzer von privat an privat. Die Szene ist sehr ausgeprägt, und es lohnt sich, mit ihr vor dem Gebrauchtkauf in Verbindung zu treten. An Stammtischen, auf Treffen oder über Internet-Foren wie zum Beispiel www.vl1500.de können wichtige Kontakte geknüpft werden, die unter Umständen direkt zum Traumbike füh-
ren. Eine Szene für VS 1400 im Originalzustand ist kaum vorhanden. Diese sind meist nur beim Händler zu bekommen – selten preisgünstig.
»Individualität ist Trumpf, die meist erschwinglichen Zubehörteile verführen ja geradezu zum Tunen«, meint Torsten. »Manche Maßnahmen bringen’s aber überhaupt nicht«, fährt er fort. »Wenn du zum Beispiel offene Luftfilter zur Leistungssteigerung benutzt, steigt der Verbrauch enorm.« Dabei sei die 1400er-Intruder
eigentlich ein sehr genügsames Motorrad. Wartungsfreier Kardan, der robuste Motor benötige bei den Service-Intervallen meist nur neue Kerzen und einen Ölwechsel. Mindestens 100000 problemlose Kilometer Laufleistung seien der Normalfall, versichert Torsten. »Gute Pflege natürlich vorausgesetzt. Das ist das A und O.« Die
vermittelten Infos verdichten sich.
Lektion drei: Eine regelmäßig gewartete VS 1400 macht kaum Schwierigkeiten. Trotzdem unbedingt auf eine ausgiebige Probefahrt bestehen, denn die Intruder hat ein schlechtes Kaltlaufverhalten, und nur bei warmem Motor und bei Höchstgeschwindigkeit können Mängel wie falsche Vergasereinstellung oder durch einen Umbau bedingte Fahrwerksschwächen erkannt werden. Kilometerstand durch Anruf bei Vor-
besitzern prüfen, denn viele Intruder-Fahrer nutzen Nachrüsttachos statt den Originalinstrumenten.
Nach weiteren Lektionen in Sachen
VS 1400 gibt es eine nette Verabschiedung. Umgängliche Menschen sind das, die Filderstädter Stammtischler. Geballtes Fachwissen in angenehmer Atmosphäre. Der Kopf ist nun voll mit Tipps und Tricks. An der Tanke wird ein Anzeigenblatt gekauft, daheim der Computer fürs Internet gestartet. Eigentlich kann beim Intruder-Kauf nun nichts mehr schief gehen.

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