Gebrauchtberatung Suzuki RF 600 R Schlitz und Donner

Suzuki machte der RF 600 R viele Schlitze ins Kleid, aber nicht alle fanden es wunderbar. Über die Qualitäten des Motors sind die Meinungen jedoch weniger geteilt.

Das Jahr der geschlitzten Motorrad-Verkleidungen war ganz klar 1992: BMW mit der K 1100 RS und Suzuki mit der RF 600 R präsentierten sich mit ihrem stark an den Testarossa von Ferrari angelehnten Design der Öffentlichkeit.
Obwohl das Erscheinungsbild der Suzuki RF 600 R für Aufsehen sorgte, hielt sich das Kaufinteresse in Grenzen. Etwa 5000 Stück sind in Deutschland zugelassen - für eine 600er Sportmaschine nicht allzu viel. Das eigenwillige Design fand offensichtlich nicht bei allen Motorradfahrern Zustimmung.
Die inneren Werte der kleinen RF -1994 wurde ihr in Form der RF 900 R eine große Schwester zur Seite gestellt - waren allerseits anerkannt. So bekam die Suzuki im ersten großen 600er-Vergleichstest Bestnoten in der Motorwertung. »Samtweicher, turbinenartiger Lauf« und »äußerst präzise, mit kurzen Wegen schaltbares Getriebe« überzeugten die Tester und ließen der Konkurrenz zumindest in diesen Kriterien das Nachsehen.
Apropos Getriebe: In den unteren beiden Gängen neigt die RF zu nervigen Heulanfällen. Rauhe Zahnrad-Oberflächen sind für diese unangenehmen Geräusche zuständig. Auf die Haltbarkeit des Getriebes hat die Geräuschentwicklung glücklicherweise keinen Einfluß. Dies zeigte sich bei der Dauertest-Maschine von MOTORRAD, deren Motor nach 50000 Kilometern zerlegt wurde und kaum Anlaß zur Kritik bot (MOTORRAD 3/1995).
Die wenigen negativen Eigenschaften der RF 600 R spiegeln sich in den Leserzuschriften wider. Schlechte Lackqualität, rostanfällige Krümmer, hoher Verbrauch, nervende Vibrationen bei hohen Drehzahlen und Probleme mit den Zündkerzen gehören zu den meistgenannten Ärgernissen. Ab dem Modelljahr 1995 verbesserte sich zumindest die Lackqualität, und Edelstahlkrümmer verhinderten fortan frühzeitigen Rostansatz.
Der Spritverbrauch unter Vollast blieb trotz leicht geänderter Zündbox nahezu unverändert und konnte auf 100 Kilometer durchaus zweistellige Literbeträge erreichen. Wohlgemerkt bei Autobahn-Vollgasfahrten - der Durchschnittsverbauch der Dauertest-Maschine betrug 6,8 Liter. Ein Wert, der sich bei gemäßigter Landstraßenfahrt noch deutlich unterbieten läßt.
Und auf der Landstraße fühlt sich die Suzuki am wohlsten - solange der Fahrbahnbelag mitspielt, läßt sie sich mühelos durch die wildesten Kurvenkombinationen dirigieren. Wird es gar zu holprig, stößt die Gabel vor allem im Zweipersonenbetrieb an ihre Grenzen, und der Sozius hat alle Hände voll zu tun, auf dem ungemütlichen Sitzbrötchen Haltung zu bewahren. Doch nicht nur der Sozius, sondern auch der Fahrzeuglenker wird auf eine harte Probe gestellt. Für Menschen über 175 Zentimeter sind längere Etappen aufgrund der extrem angewinkelten Beine kaum schadlos zu überstehen. Dafür bietet die Verkleidung ausreichenden Windschutz.
Wem das Original-Teil trotzdem nicht ausreicht, der kann sich bei JF-Motorsport, Telefon 06002/1771, für 169 Mark eine noch höhere Spoilerscheibe mit ABE zulegen. Bei der gleichen Firma gibt es einen Gepäckträger zum Preis von rund 300 Mark. Mit den entsprechenden Koffern ausgestattet, steht der großen Reise nichts mehr im Weg - bis auf den Fahrkomfort in beladenem Zustand. Um diesen zu steigern, tauscht man vor der Urlaubsfahrt das Original-Federbein gegen das etwas längere Pendant von White Power, Telefon 05921/6057, für zirka 800 Mark. Das verhindert nicht nur das Durchschlagen auf welliger Fahrbahn, sondern bietet neben vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten auch etwas mehr Bodenfreiheit für die ganz sportlichen Fahrer.
Bevor sich Sport- und Tourenfahrer mit ihrer RF 600 R auf den Weg machen, muß diese zunächst einmal die Startprozedur über sich ergehen lassen - und damit gibt’s häufig Probleme. Nahezu alle Leser beklagen sich über verölende, defektanfällige Zündkerzen, die obendrein schlecht zu erreichen sind und deren Wechsel sich deshalb sehr zeitaufwendig gestaltet - große Teile der Verkleidung müssen demontiert werden.
Als beliebteste Reifenpaarung für die RF kristallisierte sich unter der Leserschaft der BT 50 von Bridgestone heraus. Er kann so ziemlich alles deutlich besser als die Originalbereifung von Dunlop. Knapp hinter dem Bridgestone rangieren der TX 15/25 von Michelin und der Metzeler ME Z1.
Kommen wir zu den Gebrauchtmarkt-Preisen. Eine RF des Baujahrs 1995 kostet in gutem Zustand noch rund 10000 Mark. Modelle von 1993 gibt es für 2000 Mark weniger. Das Angebot auf dem Markt ist erstaunlich groß - Kaufinteressenten haben gute Chancen, eine RF 600 R zu bekommen. Solange sie mit dem eigenwilligen Schlitz-Design zurecht kommen, wird ihnen das Motorrad viel Freude bereiten - denn Motor und Fahrwerk sind absolut zuverlässig und fast nicht kaputtzukriegen.

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