Gebrauchtberatung Suzuki V-Strom 650 Tadellose Tourenmaschine für kleines Geld

Mittlerweile über zehn Jahre auf dem Markt, hat sich die Zweizylinder-Straßenenduro Suzuki V-Strom 650 einen guten Ruf als zuverlässige Begleiterin erarbeitet. Bei preisbewussten Interessenten fällt die voll tourentaugliche Gebrauchte gut ins Beuteschema.

Foto: Bilski

Das Facelift für das Modelljahr 2012 sollte der bis dahin als eher hässliches Entlein abstempelten Suzuki V-Strom 650 ein neues Image verleihen: moderner und attraktiver. Tatsächlich ist der neue Typ C7 (großes Bild) homogener designt, der schlankere Auspuff wirkt gefälliger, zwei PS gibt es obendrauf, der überarbeitete Motor ist etwas spritziger, und außerdem ist die Sitzbank bequemer und das neuere ABS arbeitet besser. Doch die Modellpflege trieb die 2010 ins Dreistellige abgerutschten Verkaufszahlen kaum hoch.

Denn die inneren Werte und der Grundcharakter der Neuen unterscheiden sich nur unwesentlich von der tapferen Vorgängerin, die sich von 2004 bis 2011 immerhin über 11.000-mal verkaufte. Und Interessenten an einer Suzuki V-Strom 650 wissen genau, was sie wollen: eine tadellose Tourenmaschine für kleines Geld. Das sind beide, der kantigere Typ WVB1 und der aufgefrischte Typ C7.

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Geringer Spritverbrauch, klasse Bremsen und toller Federungskomfort

Das Aussehen ist für viele Interessenten wohl eher zweitrangig. Die Liste an harten Fakten, warum man sich für die Suzuki V-Strom 650 entscheidet, ist lang: gute Ergonomie für Fahrer und Mitfahrer, geringer Spritverbrauch (kann mit weniger als vier Litern auf 100 Kilometer gefahren werden!), klasse Bremsen (ab 2007 auch mit ABS), formidables Fahrwerk, handlich, stabil in Kurven, narrensicheres Einlenkverhalten, toller Federungskomfort.

Und diese Zuverlässigkeit! 50.000 Kilometer auf der Uhr? Das bringt einen Eigner der Suzuki V-Strom 650 nicht ins Schwitzen, denn der zwar nicht mal 70 PS starke, aber bis 9000/min quirlig hochdrehende V2 gilt als äußerst standfest. Darüber geraten selbst komplett kopfgesteuerte Gebrauchtkäufer in herzliches Schwärmen. Zu Recht.

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Besichtigung

Das Gute verbessern – so der Anspruch von ­einigen Vorbesitzern. Als aufwertend gelten Koffersysteme (Givi, Hepco, SW-Motech, Touratech), ein besserer Windschild (z. B. Suzuki-Tourenscheibe) oder ein praktischer Hauptständer (Originalzubehör). Gut ist auch ein neues Federbein (z. B. Touratech), das bei voller Beladung mit Sozius Sinn macht. Einige Fans haben ihre Suzuki V-Strom 650 zwecks kürzerer Übersetzung mit einem anderen Ritzel (meist 14er) versehen.

Obwohl so eine Änderung weniger als acht Prozent der Gesamtübersetzung beträgt und nicht zwangsläufig ein neues Abgas- und Geräuschgutachten erforderlich ist, kann es bei der Hauptuntersuchung je nach Prüfingenieur Stress geben. Also vorher checken! Insgesamt kann man die Besichtigung jedoch recht entspannt angehen lassen, wenn das Scheckheft vollständig ist und der Allgemeinzustand der Gebrauchten gut ist – die solide Suzuki V-Strom 650 funktioniert bei regelmäßiger Wartung stressfrei.

Marktsituation

Mit gut 2500 Euro in der Hand kann man sich getrost auf die Suche machen. Wenn man mit ein paar Kratzern und bei nachlässiger Pflege durch den/die Vorbesitzer etwas angegriffenen Metalloberflächen leben kann, finden sich gut zehn Jahre alte Exemplare mit rund 40.000 Kilometern. Empfehlenswerter ist es jedoch, etwas mehr Geld zu investieren und auf die Pirsch nach einer tadellosen Suzuki V-Strom 650 mit nur einem oder zwei Vorbesitzern zu gehen – die Auswahl ist gut, in der Regel stehen keine langen Fahrwege zur Besichtigung an.

Gut ausgestattete Gebrauchte mit ABS (ab 2007) und weniger als 30.000 Kilometern sind ab 3500 Euro auszumachen. Bei der zuverlässigen Suzuki V-Strom 650 kann man getrost bei einem Privatanbieter zugreifen, wenn dieser übliche Händlerpreise deutlich unterbietet und das Motorrad nachweislich ordentlich gewartet wurde. Gut bei Gewerblichen: Dort stehen um 5000 Euro topgepflegte, nicht über drei Jahre alte und nur wenig gefahrene (unter 15.000 Kilometern) Maschinen mit Zubehör, die in Zahlung genommen wurden. Sie bieten guten Gegenwert. Aber bitte bedenken: Manche Händler verschleudern Vorführer und Neufahrzeuge bereits ab 6500 Euro!

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch

Preisniveau in Euro       Baujahrkm-Stand
Niedrig 2200-35002004-200825.000-50.000
Mittel 3600-49002004-201110.000-40.000
Hoch 5000-59002012-2014unter 10.000
Typim ProgrammVerkäufe
WVB12004-201111.060
C72012 bis heute     2823*

*Stand September 2014

Foto:
Gebrauchtberatung: V-Strom 650.
Gebrauchtberatung: V-Strom 650.

Technische Daten Suzuki V-Strom 650 (Typ C7, Modelljahr 2012)

Motor: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Kat mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub: 81,0 x 62,6 mm
Hubraum: 645 cm³
Nennleistung: 51,0 kW (69 PS) bei 8800/min
Max. Drehmoment: 60 Nm bei 6400/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.

Alu-Gussräder: 2.50 x 19; 4.00 x 17
Reifen: 110/80 R 19; 150/70 R 17

MAßE + Gewichte: Radstand 1560 mm, Lenkkopfwinkel 64,0 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg v/h 150/150 mm, Sitzhöhe* 850 mm, Gewicht vollgetankt* 232 kg, Tankinhalt 20 Liter.

Messungen (MOTORRAD 17/2012)
Höchstgeschwindigkeit**: 185 km/h
Beschleunigung: 0–100 km/h4,2 sek
Durchzug: 60–100 km/h5,4 sek
Verbrauch: 3,6 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangabe

Foto:
WVB1 (2004 bis 2011).
WVB1 (2004 bis 2011).

Modellpflege

2004 Offizielle Markteinführung (Typ WVB1) mit 67 PS und 214 Kilo Gewicht. Bereits Ende 2003 wurden die ersten Suzuki V-Strom 650 an Händler geliefert. Farben: Blau, Schwarz, Silber. Preis: 6990 Euro.
2005 Schaltereinheit für Stand- und Abblendlicht entfällt. Preis unverändert.
2007 Homologation nach Euro-3-Norm, daher modifizierte Zylinderköpfe, Doppelzündung und neue Motorabstimmung. Längere Schwinge, Radstand 1555 statt 1540 mm), Leergewicht um sieben Kilo erhöht. ABS. Preis: 7390 Euro.
2008 Kolbenringe, Lichtmaschine und Gleichrichter geringfügig geändert. Preis: 7530 Euro.
2010 Modifikationen bei Kurbelwellenlager, Anlasser und Kupplungshebeln. Preis: 7890 Euro.
2011 Getriebeausgangswelle und Distanzhülse geringfügig geändert. Preis: 8090 Euro.
2012 Neuer Typ C7. Leistung: 69 PS. Gewicht: 232 kg. Neue Zylinder, Kolben, Laufbuchsen. Steuerzeiten und Einspritzanlage modifiziert. Neuer Endschalldämpfer. Heckrahmen geändert, neue Abstimmung von Federbein und Telegabel. Neues, leichteres ABS (von Bosch). Neue Verkleidung, Scheinwerfer, Schalter. Neues Cockpit mit digitalem Multi-Instrument. Größerer Tankinhalt (22 statt 20 Liter). Preis: 8390 Euro.

Foto: Bilski
Beim neuen Typ C7 wirkt das Cockpit aufgeräumter.
Beim neuen Typ C7 wirkt das Cockpit aufgeräumter.

Im Detail

2004: Dreifaltigkeit beim Cockpit der Suzuki V-Strom 650 erster Serie: außen Tacho und Drehzahlmesser als Rund­instrumente wie in den 90ern, zentral das digitale Infocenter.

2012: Beim neuen Typ C7 wirkt das Cockpit aufgeräumter. Hübsch gestalteter Drehzahlmesser, augenfällig: Tempo- und Gang- und Kraftstoffverbrauchsanzeige, Uhr.

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