Gebrauchtberatung Suzuki VL 1500 Intruder LC Mobile Sitzgruppe

Cruisen – die US-Spielart genüsslicher Fortbewegung hat hierzulande mit der Suzuki VL 1500 reichlich Freunde gefunden. Lohnt der Gebrauchtkauf des mobilen Sofas?

Foto: Jahn
Gebrauchtberatung Suzuki VL 1500 Intruder LC
Gebrauchtberatung Suzuki VL 1500 Intruder LC
Auf die optisch eher unspektakuläre VS 1400 ließ Suzuki Ende 1997 die in allen Bereichen gewaltigere VL 1500 Intruder LC folgen. Ein üppigeres Vorderrad und eindeutig barockeres Styling sollte auf die eher schlanke Choppermode die fetten Jahre des Cruisens einleiten. So wie Honda mit der VT 1100 Shadow oder Yamha mit der XVZ 13000 einige Jahre früher. Konsequente Modellphilosophie hin oder her, immerhin hat die üppigste Art der Fortbewegung im aktuellen Suzuki-Programm der VL1500 bisher gut 6500 Käufer beschert.
Das in Bohrung und Hub vergrößerte VL 1500-Triebwerk erhielt per um 180 Grad gedrehtem, hinteren Zylinderkopf für eine weniger asthmatische Beatmung parallele Fallstromvergaser, ein völlig neues Fahrwerk mit steiferer Schwingenlagerung half dem stolze 315 Kilogramm vollgetankt wiegenden Gefährt zu mehr Sicherheitsreserven als die nervös pendelnde 1400er je zu bieten hatte.
Obwohl der Respekt beim Platznehmen auf dem immerhin mit 170 Zentimetern Radstand fast dinosauriermäßige Ausmaße annehmenden Untersatz groß ist, sorgen das bequeme Sitzkissen, der ausladenden Lenker und die üppigen Trittbretter schnell für gut Laune. Jawohl, der Brocken lässt sich erstaunlich leicht dirigieren, trotz der gewöhnungsbedürftigen Sitzposition. Mit erfrischender Behändigkeit lässt sich die VL 1500 mühelos und zielgenau durch die Gegend schwenken, egal, ob lang gezogene Kurven oder engere Kehren. Bei diesen sollte nur der Radius entsprechend weiter gewählt werden, damit die veritablen Trittbretter nicht zu früh selbst in ziviler Schräglage über den Asphalt kratzen.
Beim Bremsen heißt es, sofort und energisch die Fußbremse hinten miteinzubeziehen, weil die Einscheibenbremsanlage vorne die gut sechs Zentner Gewicht allein nicht effektiv genug in denn Griff bekommt. Ab 2002 trägt Suzuki dieser Tatsache mit einer zweiten Bremsscheibe vorn Rechnung. Leider lässt sich diese Modifikation nicht ohne kostspielige Umbaukosten nachträglich realisieren.
Die Kupplung, die das reichlich anfallende Drehmoment verkraften muss, benötigt erstaunlich wenig Handkraft, ein Anti-Hopping-Mechanismus verringert beim raschen Herunterschalten die Gefahr eines blockierenden Hinterrads. VL-Besitzern, die über rutschende Kupplungen klagen, empfehlen die Händler mineralisches Öl der Viskosität 10 W 40 statt vollsynthetischem Schmierstoff. Außerdem sind seit 2000 andere Kupplungsfedern im Einsatz.
Zu den Verbrauchswundern gehört die VL ob ihres imposanten Auftritts nicht gerade. Außerdem verlangt die Charakteristik des großen V2-Aggregats häufigeres Schalten, als man bei einem Cruiser vermuten würde. Durchzug schon ab Leerlaufdrehzahl ist keine VL-Disziplin, beim Gasaufziehen im letzten Gang schüttelt sich der Bolide so unwillig, als wolle sich der Motor aus der Verankerung reißen. Unter sechs Litern ist auf der Landstraße kaum auszukommen, auf der Autobahn, ohnehin nicht das Einsatzgebiet der großen Suzuki, fließen deren acht durch die Düsen. Ein Umstand den Tourenfahrer, die bei dieser wohl abgestimmten Komposition aus poliertem Aluminium und lackiertem Blech von der großen Reise träumen, zumal ein Sozius und Gepäck darauf bequem Platz finden, nicht begeistern dürfte. So wie auch die Cruiser-typischen Sitzposition, die eher für Kurztripps oder zum Flanieren denn zu längeren Urlaubstour taugt.
Bei dem hohen Bestand von rund 6500 gebrauchten 1500er-Intruder könnte man entsprechend viel günstige Angebote vermuten. Doch dem ist eher nicht so. Die Preise bewegen sich je nach Jahrgang zwischen 6000 und 7500 Euro. Darunter wird sich nur nach sehr geduldiger Suche etwas finden lassen. Zumal die meisten VL wie auch andere Modelle dieser Spezies häufig nur geringe Kilometerleistungen aufweisen. Man sagt den Cruiserfahrern gern nach, dass sie Schönwetterfahrer seien. Bei dem glänzenden Auftritt kein Wunder.

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