Gebrauchtberatung Triumph Bonneville

Sie kam spät, aber gerade noch rechtzeitig, um auf der Retro-Welle mitzuschwimmen. Die Briten hauchten einem großen Namen neues Leben ein und machten fast alles besser.

Foto: Triumph

Triumph Bonneville

Der Texaner Johnny Allen hatte 1956 in der Nähe von Bonneville im US-Staat Utah nichts Besseres zu tun, als mit einer 650er-Triumph die 300-km/h-Schallmauer zu knacken. Mit exakt 345,45 km/h donnerte sein mehr an eine Zigarre als an ein Motorrad erinnerndes Gefährt über den örtlichen Salzsee.

In einem Akt frühgeschichtlicher Marketing-Cleverness übernahmen die Briten den Tatort-Namen als Modellbezeichnung - fertig war DAS Superbike der 60er-Jahre, die 46 PS starke Triumph Bonneville T120. Die 120 standen für 120 Meilen pro Stunde, also für über 190 km/h. Mit vollem Tempo sauste Triumph 1983 in die Pleite, mit noch mehr Schwung legte 1991 eine neue Mannschaft am neuen Standort mit einem komplett neuen Modellprogramm wieder los.

Twins? Am Anfang Fehlanzeige, erst 2001 traute man sich wieder an den luftgekühlten Gleichläufer - und machte bis aufs Gewicht alles besser. Die brutalen Vibrationen des Vorbilds wollten die Ingenieure aber niemandem mehr zumuten und spendierten dem Motor zwei Ausgleichswellen und der Kurbelwelle eine vierfache Gleitlagerung. Resultat: sehr kultivierter Lauf, der für Puristen im unteren und mittleren Drehzahlbereich fast schon zu weichgespült wirkte.

Richtig Bums gabs mit dem 790er erst bei recht hohen Drehzahlen. Oder aber beim 865er-Motor, der ab 2005 schrittweise der Twin-Familie spendiert wurde. America und Speedmaster gehören auch zur Sippe und werden bei Gelegenheit gesondert behandelt.

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Foto: Triumph

Besichtigung

Bonneville-Erstkäufer spielen altersmäßig überwiegend in der Ü35-Liga, was den Gebrauchtkäufer freuen kann; denn typische Anfänger- und Heizer-Nachlässigkeiten wie mangelhaftes Warmfahren oder ruinöser Umgang mit der Kupplung sind so gut wie nicht zu befürchten.

Gebrauchte Bonnevilles sind meist überdurchschnittlich gut gepflegt. Die massive, sich nicht zuletzt im üppigen Kampfgewicht niederschlagende Konstruktion tut ein Übriges dafür, dass gravierende Mechanik-Macken so gut wie nie vorkommen.

Nahezu alle Motor-Innereien sind überdimensioniert, daher nur mäßig belastet und für ein langes Leben ausgelegt. Gebraucht-Bonnies im Originalzustand benötigen also nur das Standard-Besichtigungsprogramm (Reifen, Kette, Schwingen- und Lenkkopflager etc.).

Etwas anders sieht es bei umgebauten Modellen, speziell bei "getunten" Thruxtons aus: Auspuff, Lenker, Fußrasten, Bremsanlage, Luftfilter etc. - das Café Racer-Thema erfordert viel Sachverstand, der bei Umbau-Neulingen nicht immer vorhanden ist. Von den Eintragungen in die Papiere ganz zu schweigen.

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Foto: MRD

Marktsituation

Die Kilometerleistung der angebotenen Gebrauchtmaschinen ist meist niedrig. Nur ganz wenige Secondhand-Bonnevilles haben über 25000 Kilometer auf der Uhr, das Gros des Angebots bewegt sich deutlich unter 15000 Kilometern. Im Vergleich zu Wettbewerbsmodellen (z. B. Kawasaki W 650) werden erstaunlich viele Gebraucht-Bonnies von Händlern angeboten. Dort sind auch noch relativ viele Vorführer oder Tageszulassungen mit null Kilometern zu Schnäppchenpreisen zu finden.

Die nebenstehenden Zahlen gelten für die "normale" Bonneville (inkl. T100). Von der Thruxton wurden in Deutschland bislang 812 Stück zugelassen, das Gebrauchtangebot ist deutlich übersichtlicher. Der gebrauchte Café Racer wird ab 6000 Euro gehandelt, für einen Einspritzer sind mindestens 7000 Euro fällig.

Die Scrambler brachte es bislang auf nur 397 Zulassungen und steht sich als Neu- und Gebrauchtmaschine oft die Stollenreifen platt - die Nachfrage ist deutlich geringer als bei den Schwestermodellen. Sehr gute Gebraucht-Scrambler gibts ab 5500 Euro, Tageszulassungen sind ab 7000 Euro zu haben.

Verfügbarkeit am Markt: mittel bis hoch

Technische Daten

Daten (Triumph Bonneville; Modelljahr 2001)

MOTOR
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, zwei Gleichdruckvergaser, Ø 36 mm, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, E-Starter, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, X-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 86 x 68 mm
Hubraum 790 cm³
Nennleistung 44 kW (60 PS) bei 7300/min
Max. Drehmoment
62 Nm bei 3500/min

FAHRWERK
Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, Zweiarmschwinge aus Stahlrohren, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Doppelkolbensattel, Scheibenbremse hinten, Ø 255 mm.
Drahtspeichenräder 2.50 x 19; 3.50 x 17
Reifen 100/90 HR 19; 130/80 HR 17

MAßE+GEWICHT
Radstand 1493 mm, Lenkkopfwinkel 61 Grad, Nachlauf 117 mm, Federweg v/h 120/105 mm, Sitzhöhe* 755 mm, Gewicht vollgetankt* 226 kg, Zuladung* 204 kg, Tankinhalt/Reserve 16/3 Liter.

MESSUNGEN
(MOTORRAD 2/2001)
Höchstgeschwindigkeit 184 km/h
Beschleunigung 0-1000 km/h5,0 sek
Durchzug 60-140 km/h13,6 sek
Verbrauch 4,8 l/100 km (Landstraße)

INTERNET
Fansites: www.thruxton-forum.de, www.t5net.de, www.triumphrat.net, www.triumphbonnie.com
Profis: www.bonneville-shop.de, www.classicbike-raisch.de, www.lsl-motorradtechnik.de, http://markt.motorradonline.de

TESTS IN MOTORRAD
Bonneville: 20/2000 (FB), 24/2000 (FB), 2/2001 (VT), 10/2001 (VT), 13/2004 (VT), 9/2009 (FB)
Thruxton:
7/2004 (FB), 10/2004 (T), 26/2005 (FB), 2/2006 (VT), 10/2008 (T)
Scrambler: 8/2006 (FB)

FB = Fahrbericht, T = Test, VT = Vergleichstest; Nachbestel-lungen Telefon 0711/182-1229

*MOTORRAD-Messungen

Foto: Triumph

Modellpflege

2001 Markteinführung Bonneville, Neupreis 14460 Mark (7393 Euro); Leistungsangabe anfangs 60, später 61 PS, Zulassungen in D: 439 Stück.

2002 Markteinführung der besser ausgestatteten, ursprünglich nur als Jubiläums-Sondermodell gedachten Bonneville T100 (8360 Euro); Zulassungen Bonneville: 158, T100: 31.

2003 Zulassungen Bonneville: 100, Bonneville T100: 89.

2004 Markteinführung des Spar-modells Bonneville Black (7150 Euro) und des Café Racers Thruxton (8360 Euro); Zulassungen Bonneville: 53, Bonneville T100: 60, Bonneville Black: 74, Thruxton: 200.

2005 Hubraumerhöhung bei der Bonneville T100 von 790 auf 865 cm3, Leistung 68 statt 61 PS; Zulassungen Bonneville: 42, Bonneville T100: 121, Bonneville Black: 71, Thruxton: 156.

2006 Markteinführung der stollenbereiften Scrambler mit 865 cm3 und 54 PS (8750 Euro); Zulassungen Bonneville: 40, Bonneville T100: 158, Bonneville Black: 65, Thruxton: 101, Scrambler: 92.

2007 Hubraumerhöhung bei der Bonneville und Bonneville Black von 790 auf 865 cm3, Leistung 68 statt 61 PS; schwarzes Kurbelwellenge-häuse für Bonneville und Thruxton; Scrambler-Motor komplett schwarz; Zulassungen Bonneville: 41, Bonneville T100: 155, Bonneville Black: 116, Thruxton: 95, Scrambler: 104.

2008 Für alle Modelle Einspritzanlage "EFI" statt Vergaser, Tank und Embleme neu; Thruxton zusätzlich mit neuem Lenker und höher verdichtenden Kolben; Zulassungen Bonneville: 58, Bonneville T100: 162, Bonneville Black: 126, Thruxton: 144, Scrambler: 119.

2009 Markteinführung der besser ausgestatteten Bonneville SE (8890 Euro) und der Jubiläums-Bonneville T100 50th Anniversary (8990 Euro, weltweit auf 650 Stück limitiert); Bonneville mit Guss- statt Drahtspeichenrädern; Lenker, Sitzbank, Tankdekor und Gehäusedeckel überarbeitet; Bonneville T100 mit neuer Sitzbank, Lenkerbefestigung und Fußrastengummis neu, schwarzes Kurbelwellengehäuse; Bonneville Black entfällt; Zulassungen Bonneville: 72, Bonneville T100: 181, Bonneville SE: 44, Bonneville T100 50th Anniversary: 25, Thruxton: 116, Scrambler: 82.

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