Gebrauchtberatung Yamaha FJ 1200 KILOMETERFRESSER

Yamaha FJ 1200 – »Schwermetall«, aber noch lange kein Alteisen. Als sportliches BigBike kam sie auf die Welt, als unermüdliche Reisebegleiterin erfreut sie ihre Besitzer.

Foto: fact
Gebrauchtberatung Yamaha FJ 1200
Gebrauchtberatung Yamaha FJ 1200
Die Summen 100 000, 175 000 oder 200 000 bezeichnen keine Kontostände eines MOTORRAD-Redakteurs, sondern stehen für Kilometerangaben, wie sie sich auf vielen Tachometern der als nahezu unverwüstlich geltenden FJ 1200 finden. 1986 kam die 1200er als Weiterentwicklung der FJ 1100 mit größerem Hubraum und modifizierter Verkleidung zu den Händlern. 1988 folgten die ersten Modellpflegemaßnahmen: Die Zündung wurde digital, das kleine 16-Zoll-Vorderrad musste einem 17-Zöller weichen, und beim Bremsen halfen nun die Vierkolbensättel aus der FZR 1000.
Dass der Reihenvierzylinder ein rauer Geselle ist, zeigt er vor allem in den Baujahren ´88 bis ´91 durch gelegentlich auftretende Vibrationsrisse an den Verkleidungsteilen. Erst 1991 wurde der Motor von seiner tragenden Rolle erlöst und in Gummi gelagert. Ab diesem Baujahr war die »EFF-JOTT« auch in der A-Version mit ABS für zirka 1000 Euro Aufpreis zu haben. Das ABS erweist sich als äußerst zuverlässig, nur bei mangelhafter Wartung und bei Modellen mit längerer Standzeit treten manchmal Probleme auf.
Der FJ-Motor beeindruckt auch heute noch: Spontan reagiert er auf jeden Gasbefehl und zieht die Fuhre aus tiefsten Drehzahlen gewaltig vorwärts. Unterhalb von 3000/min noch sehr rau, wird er mit zunehmender Drehzahl immer seidiger. Das Getriebe muss dank des guten Durchzugs nur selten betätigt werden, es stehen zudem nur fünf Gänge zur Verfügung, wobei der letzte schon knapp über Schrittgeschwindigkeit für zügiges Vorankommen ausreicht.
Der Sitzkomfort ist über jeden Zweifel erhaben, die Ergonomie passt, und das Gestühl verdient das Prädikat Couchgarnitur. Ob allein oder zu zweit, die FJ lädt immer zur großen Runde ein. Das Sportliche kommt ebenfalls nicht zu kurz: Im Einpersonenbetrieb sticht die FJ trotz ihrer Ausmaße zügig ums Eck, selbst schnelle Runden auf der Rennstrecke lassen sich mit ihr meistern, nur Modelle mit gummigelagertem Motor neigen bei hohem Tempo zum pendeln. Mit Beifahrer hingegen federt das Heck stark ein, und die Bodenfreiheit schrumpft bedenklich. Aber wer jagt schon ernsthaft mit Sozius um den Ring?
All diese Qualitäten haben der FJ 1200 über die Jahre hinweg viele Freunde beschert. Seit 1993 gibt es sogar eine Interessengemeinschaft (www.effjott-ig.de), die sich dem Erhalt und der Verbesserung ihres Lieblings widmet. Von den 8819 in Deutschland zugelassenen Yamaha FJ 1200 tummeln sich noch etwa 8300 auf unseren Straßen. Trotzdem sind gute Gebrauchte schwer zu bekommen. Es trennen sich nicht viele Besitzer vorzeitig von ihrem treuen Gefährt. Wenn sie es dann doch tun, haben die Fahrzeuge meist einen sechsstelligen Betrag auf der Uhr. Solche Laufleistungen gehen selbst an einer FJ nicht spurlos vorbei. Probleme gibt es vor allem im Bereich der Lenkkopflager, was sich in leichten Pendelbewegungen während der Fahrt äußert. Weiterer wichtiger Check-Punkt: der Ölverbrauch. Liegt er über einem Liter pro 1000 Kilometer, sind möglicherweise die Motorinnereinen verschlissen. Alles in allem ist die FJ ein solides, zuverlässiges Motorrad, das sich seinen eigenen Charakter bewahrt hat und diesen auch offen zur Schau stellt. Möge sie noch lange auf unsern Straßen weilen.

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