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Gebrauchtberatung Yamaha FJR 1300 Lohnt sich der Tourer heute noch?

Der deutscheste unter den japanischen Motorradherstellern war 2001 voller Hoffnung, den vollbärtigen Nordkapbeschickern einen äußerst dynamischen Japo-Hobel namens Yamaha FJR 1300 als Reisebegleiter unterjubeln zu können. Und das völlig zu Recht.

Was war das Schlimmste, was einem BMW-Motorradverkäufer vor 13 Jahren passieren konnte? Dass sich sein potenzieller Kunde vorab auf die brandneue Yamaha FJR 1300 setzen und womöglich sogar eine Probefahrt machen würde. Danach wäre der Interessent nämlich für die Weißblauen verloren gewesen. 

Aus gutem Grund: Die Yamaha FJR 1300 konnte damals alles, wirklich alles besser als vergleichbare Reisedampfer – nicht nur von BMW. Sie war viel dynamischer, weil (durchzugs)stärker und handlicher, machte aber trotzdem keine Kompromisse in Sachen Stabilität, Platzangebot und Windschutz.

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Jede Menge Fahrspaß und Testsiege in Serie

Und die Yamaha FJR 1300 bot genau das, was so manchem Motorrad-Kilometerfresser vor lauter einschläfernder Langstrecken-Bequemlichkeit längst abhandengekommen war: jede Menge Fahrspaß. Testsiege in Serie und sehr gute Verkaufszahlen waren die logische Konsequenz.

Der einzige BMW-Trumpf stach ab 2003 auch nicht mehr, denn dann gab es das zuvor auch für Geld und gute Worte von Yamaha nicht zu bekommende ABS endlich serienmäßig. Doch der Yamaha FJR 1300 ging es wie allen Trendsettern: Die Wettbewerber holten im Laufe der Zeit kräftig auf, überholten sie sogar zum Teil. Was nichts daran ändert, dass die liebevoll modellgepflegte FJR auch heute noch ein tolles (Gebraucht-)Motorrad ist.

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Foto: Gargolov
Das anfangs vermisste, dann oft gescholtene ABS bekam 2008 eine drei- statt zweistufige Bremsdruckregelung. Die Maulerei hatte danach (fast) ein Ende.
Das anfangs vermisste, dann oft gescholtene ABS bekam 2008 eine drei- statt zweistufige Bremsdruckregelung. Die Maulerei hatte danach (fast) ein Ende.

Besichtigung

Die guten Erfahrungen aus dem MOTORRAD-Langstreckentest über 100.000 Kilometer bestätigen auch Leser und Händler: technisch völlig problemlos, dazu top verarbeitet und auch nach vielen Jahren meist noch „gut im Lack“. Neukäufer der Yamaha FJR 1300 sind zudem meist erfahrene, pflegewillige und werkstatttreue Motorradfahrer, was die Sache für den Gebrauchtkäufer äußerst angenehm macht.

Echte Kinderkrankheiten gab’s bei der Yamaha FJR 1300 nicht. Defekte Ventilführungen (leichtes Tickern hörbar) kamen anfangs zwar vereinzelt vor, wurden von Yamaha aber meist problemlos auf Kulanz ersetzt. Qualitätsschwankungen bei der Kofferlackierung (Staub­ein­schlüs­se) dürften mittlerweile auch kein Thema mehr sein. Rückrufaktionen gab es 2006 für die Modelljahre 2001 bis 2005 (Ausgehen im Leerlauf, Austausch Drosselklappensensor) sowie 2011 (Elektronik­ausfall durch Massefehler, Modelljahre 2006 bis 2009, sowie vorderer Bremslichtschalter beim Modelljahr 2011).

Foto: fact
Immer schon sehr übersichtlich: Schnörkellose Analoginstrumente gab’s von Beginn an. Der Digitaltacho kam erst mit dem Wechsel zum 2013er-Modell.
Immer schon sehr übersichtlich: Schnörkellose Analoginstrumente gab’s von Beginn an. Der Digitaltacho kam erst mit dem Wechsel zum 2013er-Modell.

Marktsituation

Als Neumaschine gehört die Yamaha FJR 1300 schon seit einigen Jahren nicht mehr zu den Bestsellern – die Konkurrenz ist mittlerweile einfach zu zahlreich und zu stark. Der Beliebtheit auf dem Gebrauchtmarkt tut das allerdings keinen Abbruch, die meisten Händler nehmen sie gern in Zahlung und kaufen zum Teil auch extra an. Über zu lange Standzeiten muss sich dann kein Dealer Sorgen machen – einen realistischen Preis vorausgesetzt. Die FJR ist ein „Schnelldreher“. Größere Preissprünge lassen sich ziemlich genau an den wesentlichen Modellpflegejahren festmachen: 2003, 2006 und vor allem 2008. Am günstigsten sind die beiden ersten, noch ABS-losen Baujahre (EZ noch bis 2003!), die es mit sechsstelliger Laufleistung schon um 3000 Euro gibt. Für rund 6000 Euro findet man eine große Auswahl solider Ersthand-Schätzchen mit ABS. Ab acht Mille ist man für eine gute 2008er dabei. Ab Modelljahr 2009 wird das Angebot deutlich weniger – der entsprechende Neuzulassungsnachschub fehlt einfach.

Verfügbarkeit am Markt: sehr hoch

*Stand Juni 2014

Preisniveau in Euro     Baujahrekm-Stand
Niedrig 2900-49002001–200350.000–120.000
Mittel 5000-79002003–200725.000–60.000
Hoch 8000-11.9002008–20125000–35.000
Typim Programm      Verkäufe
FJR 13002001–20034443
FJR 1300 A/ASab 200311.415*
Foto: fact
Ultrakompakter Motor, mit­tragend im Alurahmen – bereits beim Urmodell 2001.
Ultrakompakter Motor, mit­tragend im Alurahmen – bereits beim Urmodell 2001.

Modellpflege

2001 Erstes Modelljahr Yamaha FJR 1300 (Typ RP04). Farben: Schwarz, Silber- und Blaumetallic. Preis 13.350 Euro.
2003 In Deutschland als Yamaha FJR 1300 A (Typ RP08) nur mit ABS. Vorn größere Bremsscheiben (0 320 statt 298 mm), neuer Hauptbremszylinder, modifizierte Federelemente, 40 mm höhere Verkleidungsscheibe, neues Staufach, integrierte Blinker, Wegfahrsperre serienmäßig. Preis: 14.290 Euro.
2004 Typ RP11 mit serienmäßigen Seitenkoffern und neuer Benzinpumpe. Preis: 14.790 Euro.
2006 Erste größere Modellpflege, Typ RP13: etwas längere Gesamtübersetzung, komplett neue Verkleidung, 35 mm verlängerte Schwinge, neuer Hilfsrahmen, Soziusrasten neu positioniert, neuer gebogener Kühler, Lenker und Sitzbank verstellbar, progressive Gasgriffumlenkung, Verbundbremse, neue Katalysatoren. Preis: 15.742 Euro. Zusätzliches Modell Yamaha FJR 1300 AS mit Halbautomatik-Getriebe und serienmäßigen Heizgriffen (17.794 Euro).
2007 Heizgriffe nun auch bei der Yamaha FJR 1300 A serienmäßig. Preise (A/AS): 15.794/17.794 Euro.
2008 Typ RP13A: neues ABS (drei- statt zweistufig), neuer Gasgriff mit linearer Wirkung, neue Lenkergriffe, Verkleidungsscheibe mit kratzfester Beschichtung, schwarze Instrumententafel, leichtere YCC-S-Einheit für Yamaha FJR 1300 AS. Preise: 15.750/17.750 Euro.
2011 AS-Modell nicht mehr im Programm. Preis Yamaha FJR 1300 A: 16.995 Euro.
2013 Komplette Überarbeitung: 146 statt 144 PS, neuer Auspuff, Ride-by-Wire, Traktionskontrolle, Tempomat, zwei Fahrmodi (Sport/Touring), straffere Federelemente, neues Cockpit, neue Frontpartie mit besserem Windschutz, LED-Blinkern. Preis: 17.595 Euro. Yamaha FJR 1300 AS mit verbesserter Schaltautomatik, Upside-down-Gabel und elektrisch verstellbaren Federelementen wieder im Programm (19.795 Euro).
2014 Zusätzliches Modell Yamaha FJR 1300 AE (A mit AS-Fahrwerk). Preis: 18.795 Euro.

Foto: jkuenstle.de
(Design-)Änderungen erfolgten meist nur in homöopathischen Dosen – was Gebrauchtkäufer freuen dürfte. Im Bild das 2006er-Modell. Man beachte im Vergleich zur 2003er (oben) die beiden fehlenden Verkleidungsstege.
(Design-)Änderungen erfolgten meist nur in homöopathischen Dosen – was Gebrauchtkäufer freuen dürfte. Im Bild das 2006er-Modell. Man beachte im Vergleich zur 2003er (oben) die beiden fehlenden Verkleidungsstege.

Technische Daten Yamaha FJR 1300

Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, zwei Ausgleichswellen, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.

Bohrung x Hub: 79,0 x 66,2 mm
Hubraum: 1298 cm³
Nennleistung: 106 kW (144 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment: 134 Nm bei 7000/min

Fahrwerk: Alu-Brückenrahmen, Telegabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Alu-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

MAßE + Gewichte: Radstand 1515 mm, Lenkkopfwinkel 64 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v/h 135/125 mm, Sitzhöhe* 800 mm, Gewicht vollgetankt* 283 kg, Tankinhalt 25 Liter.

Messungen (MOTORRAD 6/2003)
Höchstgeschwindigkeit**: 245 km/h
Beschleunigung: 0–100 km/h3,0 sek
Durchzug: 60–100 km/h4,2 sek
Verbrauch: 5,9 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

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