Gebrauchtberatung Yamaha FZR 1000 Exup

Schmieren-Theater

Beim kräftigen Gasgeben verbrennt die Yamaha FZR 1000 mächig Öl. Mit dem Theater des häufigen Ölnachkippens hat sich die Klientel arrangiert. Die hohen Ersatzteilpreise versucht sie, durch den Kauf beim Gebrauchtteile-Händler zu umgehen.

Als sehr sportliches Big Bike war die Yamaha FZR 1000 Exup vor zehn Jahren konzipiert, heute wird sie jedoch kaum noch als Sportler eingesetzt. Allenfalls bei Zuvis taucht sie noch gelegentlich auf. Mit immerhin noch rund 7500 zugelassenen Exemplaren hat sie mittlerweile aber unter sportlich ambitionierten Fahrern der Reiseklientel viele Freunde gefunden. Das mit elastischer, harmonischer Leitungsentfaltung aufwartende Triebwerk macht’s möglich.
Häufig müssen dann die Lenkerstummel einem breiteren und höher positionierten Superbike-Lenker weichen, der die Sitzposition für lange Strecken erträglich macht und der Radführung quasi eine Servounterstützung bietet. Für die Reise zu zweit eignet die FZR sich aber kaum, da sich dann selbst eine Gepäckrolle nur schwer verstauen läßt. Das karge Platzangebot und die zu hoch angeschraubten Soziusfußrasten vermiesen einem Begleiter jedenfalls schnell die Laune.
Modelländerungen waren zweimal angesagt. 1991 kam statt der konventionellen Telegabel eine in der Federbasis verstellbare Upside-down-Gabel zum Einsatz, außerdem fand ein DE-Scheinwerfer mit breiter gefächertem und hellerem Fernlicht Verwendung. Am Motor wurde der Sockel des Ölfilters in den Kühlkreislauf integriert, der Wasserkühler größer und effizienter. Bei der zweite Modifikation erhielt die FZR 1994 das Verkleidungslayout im YZF-Design mit dem Mandelaugen-Look der Scheinwerfer und größere Bremsscheiben sowie Sechskolbenzangen.
Exemplare der ersten Exup-Serie sind für Gebrauchtkäufer insofern interessant, weil sie wegen höherer Laufleistungen meist günstiger als das Nachfolgemodell angeboten werden und die Telegabel als sensibler ansprechend gilt als das Upside-down-Teil. Die Sechskolbenzange des letzten FZR-Modells läßt sich übrigens an beiden ersten nachrüsten.
Yamaha bot alle drei Modellvarianten serienmäßig mit der Reifendimension 130/60 -17 vorn und 170/60-17 hinten an. Da aber viele Piloten kippeliges Fahrverhalten, Aufstellmoment beim Bremsen und schlechte Handlichkeit monierten, homologierte das Werk 120/180er nach, und fortan rollte die 1000er um einiges behender und problemloser daher. Wem die FZR mit diesen Reifengrößen beim schnellen Richtungswechsel im Sporteinsatz immer noch nicht handlich genug ist, der läßt andere Streben an der Hebelumlenkung für das Federbein montieren. Damit kommt das Heck höher, die Schräglagenfreiheit nimmt zu.
Generell berichten sportlich ambitionierten Fahrer über ein paar Macken, die die FZR bei hartem Einsatz mit der Zeit heimsuchen. Das Triebwerk genehmigt sich mit höheren Drehzahlen, zum Beispiel bei der Autobahnhatz, gern bis zu einem Liter Öl oder auch noch mehr. Offensichtlich klappt das Zusammenspiel von Zylinderlaufbuchsen und Kolbenringen mit wachsender Laufleistung nicht mehr so perfekt wie vorgesehen. Penible Kontrolle beim Tanken ist also angesagt, um keinen Exitus wegen Ölmangels zu provozieren. Gegen rutschende und in Folge rupfende Kupplungen setzte Yamaha in den ersten Jahren stärkere Federn ein. Ab 1994 ließ eine mittlere, schmale Lamelle die Klagen verstummen.
An der vorderen Zweischeiben-Anlage ist Bremsrubbeln keine Seltenheit. Der Grund sind seltener als anfangs bei der YZF 750 verzogene Scheiben. Abhilfe können häufig schon andere Bremsbeläge, wie zum Beispiel von Lucas, schaffen in hartnäckigeren Fällen schwimmend gelagerte Scheiben (ABM, ungefähr 1000 Mark).
Bei der Besichtigung einer gebrauchten FZR sollte das Augenmerk immer folgend aufgeführten Teilen zuerst gelten. Das vordere Schutzblech zieren oft erste Risse, und auch die Verkleidungsunterteile haben häufig Bruchstellen. Bei defekte, sabbernden Gabeldichtringen an beiden Gabeltypen weisen häufig auch die Tauch- oder Gleitrohre bereits Macken auf, die eine sorgfältige Öberflächenbehandlung verlangen, soll nicht der nächste Dichtring gleich wieder beschädigt werden. Der Austausch dieser Teile ist relativ teuer, was beim Kauf den Preis entsprechend mindern kann.
Auch das Exup-System im Sammler, verantwortlich für besseres Ansprechen des Motor im unteren und mittleren Drehzahlbereich, hat kein ewiges Leben. Die Steuerwalze entwickelt im Lauf der Zeit ein deutlich wahrnehmbares Eigenleben. Wenn sie beim Gaswechsel klappernde und quietschende Geräusche von sich gibt, ist Pflege nach der Demontage angesagt. Denn neu kostet das Teil immerhin gut einen halben Tausender.
Ebenfalls ziemlich kostspielig ist der Service einer FZR 1000 ist, obwohl nur alle 420000 Kilometer das Ventilspiel überprüft werden muß. FZR-Fahrer, die nicht selbst warten und schrauben können oder wollen, sollten das wissen. Ein Blick auf die Sturz- und Verschleißteil-Preise genügt. Genausowichtig wie eine gute Werkstatt sind dann Adressen, bei denen günstig Gebrauchtteile geordert werden können. Wenigstens ist das Angebot groß (siehe auch Gebrauchteile-Test Yamaha FZR 1000, MOTORRAD 7/1997).
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Lesererfahrungen

Wer gemütlich tourt, ist rundum zufrieden. Aber die FZR 1000 ist doch ein Bigbike. Die Heizerfraktion mault über den Öldurst und rubbelnde Bremsen.
Unsere Modelle von 1989 und 1991 (55000 und 40000 Kilometer) mit offener Leistung bremsen mit der hauseigenen Sechskolben-Anlage, die ohne Adapter auch an die Telegabel der 89er Jahrgangs paßt. Gußscheiben aus dem Zubehör sind unumgänglich. Kettenkits mit der originalen 532er Teilung halten länger als die angebotenenen 530er. Empfehlenswert: die Verwendung eines 16er Ritzels, da die Sekundärübersetzung ab Werk zu lang ist. Beide Maschinen sind gleich schnell und verbrauchen bei viel Gas bis zu einem, sonst 0,4 Liter Öl auf 1000 Kilometer. Magerer bedüst (Hauptdüsen 122,5 und 120) läuft der Motor besser und verbraucht auch weniger. Aus dem Gebrauchtteile-Angebot in weiser Voraussicht eine neuwertige Benzinpumpe und einen Luftfilterkasten mit Gummistutzen für zirka je 50 Mark sichern.Emil Herbák, Pulheim/László Nadler, BergheimMeine FZR habe ich 1991 neu gekauft und bin bis zu einem Pleuellagerschaden 90000 Kilomter damit gefahren. Außer einem defekten Gabeldichtring und Zahnausfall an einem Kunststoff-Zahnrad im Exup-Stellmotor bei 75000 Kiliometern gab’s keine Probleme. Da sich das Rad nur eine halbe Umdrehung drehen muß, kann man mit etwas Kleber die Einbaustellung so verändern, daß die bisher unbenutzte Hälfte zum Einatz kommt und das Geld für ein Neuteil sparen.Wolfgang Buchen, NetphenMeine FZR habe ich 1993 mit 15 000 Kilometern für 10000 Mark gekauft. Jetziger Stand: 60000. Die FZR ist, was Leistung, Fahrstabilität, Zuverlässigkeit und Langstreckentauglichkeit angeht, das Beste, was ich in 20 Jahren an Motorrädern bewegt habe.Peter Kunzelmann, WeilheimWenn man die drei gravierendsten Mängel der Exup kennt und sie verbessert, erhält man ein nahezu perfektes Motorrad. 1. Bereifung 130/60 vorn und 170/60 hinten austauschen gegen 120/70 und 180/55. 2. Rubbelnde Bremsscheiben vorn austauschen gegen schwimmende Gußscheiben (ABM). 3. Heck zu niedrig: Austausch der Umlenkstreben zur Anhebung des Hecks und damit mehr Schräglagenfreiheit.Dirk Sinß, Waldalgesheim Beste Erfahrungen habe ich mit Ariete-Gabeldichtringen und Lucas-Bremsbelägen gemacht. Seit ich auf Doppelabblendlicht und Philips-All Weather-H4-Glühlampen umgerüstet habe, werde ich nicht mehr so oft übersehen. Nach 70 000 Kilometern folgende Defekte: unzählige Gabeldichtringe, Kupplungsnehmerzylinder undicht, defekte Zündspule, klappernde Exup-Walze (Tip: nach Zerlegen mit Daimler Heißschmierpaste Teile Nr. 000 989 9151 an den Lagerungen behandeln).Rainer J. Maier, Kappelrodeck

Technische Daten

Technische Daten Yamaha FZR 1000 Typ 3 LEMotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende Nockenwellen, fünf über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, vier Mikuni-Gleichdruckvergaser, 0 38 mm, digitale Transistorzündung, Drehstromlichtmaschine 440 Watt, Fünfganggetriebe, E-Starter, Hubraum 1002 cm³Nennleistung 98 PS (72kW) bei 9500/min Leistung (ungedrosselt): 145 PS (107 kW) bei 10000/min FahrwerkBrückenrahmen aus Alu-Profilen, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Gleitrohrdurchmesser 41 mm, mit verstellbarer Federbasis, Alu-Hinterradschwinge, Zentralfederbein mit verstellbarer Federbasis und Dämpfung, Doppelscheibenbremse mit Vierkolbensätteln vorn, 320 mm, Scheibenbremse hinten, 267 mm, Leichtmetall-Gußräder, Federweg vorn/hinten 120/130 mmMaße und GewichteSitzhöhe 780 mmTankinhalt/Reserve 19/3,4LiterGewicht vollgetankt 242 kg TestwerteHöchstgeschwindigkeit Solo/mit Sozius 231/206 km/hBeschleunigung 0-100 km/h Solo/mit Sozius 3,7/4,6 sekVerbrauch 7,9 LiterKraftstoff Normal Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungs-Armatur 356 MarkLenker 358 MarkRückspiegel 117 MarkBlinker vorn 41 MarkTachometer 185 MarkGabelgleitrohr 407 MarkSchutzblech vorn 202 MarkVorderrad 975 MarkAuspuffanlage komplett 2257 MarkTank, lackiert 1233 MarkRahmen komplett 2724 MarkVerkleidung:Oberschale 531 MarkJe Seitenverkleidung 982 MarkScheibe 286 MarkVerschleißteileKettenkit 400 MarkBremsbeläge vorn, ein Satz 73 MarkKupplungsbeläge, ein Satz 127 MarkBremsscheibe vorn 623 MarkLuftfilter 50 MarkÖlfilter 18 MarkGaszug 81 MarkTachowelle 22 MarkBatterie 163 MarkGabeldichtring 17 MarkSteuerwalzen-System 504 Mark Stärken und SchwächenStärkenDurchzugstarkes TriebwerkRichtungsstabiles FahrwerkVentilspielkontrolle erst nach 42 000 KilometernSchwächenHoher Ölverbrauch Etwas zähe HandlichkeitBremsrubbelnTeure Ersatzteile Test in MOTORRAD1Test 7/1989Vergleichstest 9/191889Vergleichstest 13/1990Test (Upside-down-Modell) 24/1990Vergleichstest 1/1991Vergleichstest 3/1993 Fußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

Die Marktsituation

Von der Yamaha FZR 1000 mit dem Auslaß-Steuersystem Exup wurden von 1989 bis 1995 in Deutschland insgesamt 9200 Exemplare verkauft. Davon sind heute noch zirka 7500 Maschinen unterwegs. Die aktuelle Schwacke-Liste vermeldet folgende Notierungen:Gebrauchtpreise1989: (83 400 Kilometer) 5500 Mark1990: (75 000 Kilometer) 6300 Mark1991: (66 600 Kilometer) 7000 Mark1992: (58 200 Kilometer) 7600 Mark1993: (49 800 Kilometer) 8200 Mark1994: (41 400 Kilometer) 9500 Mark1995: (33 000 Kilometer) 10 900 MarkMöglich, daß diese Preise für Maschinen aus erster Hand und bei optimaler Pflege ihre Richtigkeit haben. In der Praxis werden FZR 1000 mit Kilometerleistungen zwischen 35 000 und 50 000 etwa zwischen 6500 und 7500 Mark gehandelt. Grundsätzlich gilt: Je weniger Vorbesitzer und je mehr Originalzustand, um so besser.Populärstes und weil erst seit 1992 angeboten, auch moderneres Konkurrenzmodell: die Honda CBR 900 RR. Die ultraleichte und wendigere Fireblade ist motorisch wohl noch solider einzuschätzen.Weitere Mitstreiter um das potentenste Bigbike der Generation frühe 90er: Suzuki GSX-R 1100, und zwar vornehmlich das ab 1993 wassergekühlte Triebwerk, sowie von Kawasaki die ZZ-R 1100 und die ZX-9R Ninja. Die sporliche Klientel fährt die in Deutschland offiziell nur mit 98 PS angebotenen Triebwerke natürlich in der offenen Version, die dann zwischen 140 und mehr als 150 PS leisten.

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