Gebrauchtberatung Yamaha XJ 900 S Diversion Stets zu Diensten

Zehn Jahre war sie fast unverändert auf dem Markt. Böse
Zungen behaupten: wie langweilig! Doch auch ohne herausragende Merkmale erfreut sich die XJ 900 S großer Beliebtheit.

Foto: fact
Ein beliebter Klassiker: XJ 900 Diversion S
Ein beliebter Klassiker: XJ 900 Diversion S
Liebe Kollegin XJ 900 S Diversion,
wir sind hier zusammengekommen, um Sie nach nunmehr fast zehnjähriger Amtszeit zu verabschieden. Vorweg ein paar persönliche Worte. Ich möchte im
Namen aller Motorradfahrer und Motorradfahrerinnen sprechen, wenn ich sage: Sie waren und sind eines der freundlichsten und verbindlichsten Zweiräder, die es gibt. Deshalb schätzen wir Sie und werden Sie bestimmt nicht vergessen.
Doch lassen Sie mich nun auf Ihre Dienstjahre zurückblicken. Als Sie bei uns auf dem deutschen Markt anfingen, übernahmen Sie das Aufgabenfeld der verdienten XJ 900 F. Ein schweres Amt, denn
im Ressort »Reise-, Freizeit- und Alltagsdienste« war ein vielseitiger und vor
allen Dingen sehr zuverlässiger Mitarbeiter
gefragt. In dieser Position muss man ein Gefühl für die breite Masse mitbringen.
Sie haben die Sporttätigkeiten zusammengestrichen und in die Reiseförderung investiert. Nein, Sport war nicht Ihr Ding. Ihre weiche Front und dazu das straff
abgestimmte Federbein – was haben wir manchmal geschmunzelt, wenn jemand Sie schnell ums Eck zwang und Sie dann einen wahren Eiertanz vollführten. Wobei Sie mit Ihrer Weigerung genau richtig lagen. Schließlich gab es im Jahr 1994 schon genügend Mitbewerber, die sich
mit sportlichen Höchstleistungen gegenseitig überboten. Da brauchten Sie wirklich nicht mithalten.
Sie hingegen konnten die Tourenfahrer wieder zu langen Reisen bewegen und förderten gleichzeitig den partnerschaftlichen Umgang miteinander. Es mag vielleicht pathetisch klingen, aber wer in der heutigen Zeit kümmert sich noch um die Belange vernachlässigter Sozias? Es ist doch kein Wunder, dass wir in unserer
Motorrad fahrenden Gesellschaft immer mehr allein fahrende, vereinsamte Menschen vorfinden, weil der Platz für zwei stets knapper wird. Sie aber boten jedem Mann und jeder Frau, ob klein oder
groß, Ihre bequeme Sitzbank an, schützen
Ihre Passagiere dank großer Halbschalen-
verkleidung vor Wind und Wetter. Niemand musste absteigen, um die Kette zu schmieren. Kardan sei Dank.
Mit Tankrucksack und Koffern ausgerüstet, konnte man Sie europaweit antreffen. Ihr Freizeit- und Beförderungskonzept verbuchte nicht zuletzt deshalb große Erfolge, weil Ihr starker Vierzylinder-Motor mit Laufruhe und konstanten Fahrleistungen bestach. Außerdem waren Sie extrem ausdauernd und zuverlässig.
Zugegeben, bei Betriebsfeiern, die zu Drehzahlorgien entarteten, haben Sie manchmal über den Durst getrunken, aber das verzeihen wir. An und für sich waren Sie ja genügsam und haben akribisch auf die Kosten geschaut. So war damals bereits Ihre Einstieggehaltsforderung von knapp über 15000 Mark angenehm bescheiden, da können sich die jüngeren Kollegen bei Ihnen einiges abschauen.
Als Neufahrzeug wird man Sie künftig nur noch selten antreffen und Ende des Jahres in dieser Funktion wohl gar nicht mehr. Umtriebig wie Sie sind, werden
Sie sich aber sicherlich nicht gänzlich
aufs Altenteil zurückziehen. Mir ist schon von einigen Kollegen zu Ohren gekommen, dass sie sich nun verstärkt auf dem Gebrauchtmarkt engagieren wollen. Recht so, denn wer rastet, rostet, heißt es doch so schön.
Meine liebe XJ 900 S, ich wünsche Ihnen viel Glück auf all Ihren Wegen und danke herzlich für alle Dienste, die Sie geleistet haben. Ich bin mir sicher, dass
Sie uns noch lange erhalten bleiben.

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