Gebrauchtberatung Yamaha XJR 1200

Gut drauf

XJR-Fahrer scheinen Sonnyboys zu sein. Alles ist stets im grünen Bereich, leichte Unpäßlichkeiten beim Fahrwerk werden dem Big Bike nicht übelgenommen. Eher die Frage, ob das Folgemodell XJR 1300 eventuell den Gebrauchtpreis drückt.

Wer sich für eine so mächtige Maschine mit soviel Hubraum entscheidet und bewußt auf jede die ästhetische Silhouette verhunzende Verkleidung verzichtet, hat seine Entscheidung aus dem Bauch getroffen. Über die Wahl einer Yamaha XJR 1200 diskutiert man nicht, man trifft sie. Basta. In Deutschland seit dem Debüt 1995 immerhin rund 7000 Fahrer für das unverkleidete Big Bike entschieden. Und, wenn man den positiven Lesererfahrungen Glauben schenken will, haben sie es nicht bereut.
Herzstück der gut fünf Zentner schweren Maschine ist das luftgekühlte Vierzylinder-Triebwerk mit 1200 cm3, das schon in dem vollverkleideten Modell FJ 1200 äußerst erfolgreich und zuverlässig die Reiseklientel von Yamaha bedient hatte. Kritik an diesem bewährten Trumm Motorentechnik kommt denn auch kaum auf. Der Vierzylinder hat einen souveränen Antritt schon bei niedrigen Drehzahlen, bietet viel Reserve beim Überholen und kann schaltfaul zügig bewegt werden, ohne daß er angestrengt wirkt. Diese Charakteristik wollen XJRler nicht mehr missen. Probleme gab es lediglich bei einigen Exemplaren am Zylinderkopf im Bereich der Ölsteigleitung, wo Öllecks auftraten. Yamaha wußte um die undichte Stelle und regelte Schäden auch nach der Garantiezeit noch kulant. Ab Baujahr 1998 finden Rechteckringe und eine geänderte Zylinderkopfdichtung Verwendung.
Sollte bereits mit Mineralöl bei normaler Fahrweise die Kupplung rutschen, bietet Yamaha mittlerweile eine verstärkte Tellerfeder an, die in den ersten beiden Jahren auf Garantie, später auf Kulanz gewechselt werden kann. Fahrer, die ihrem Motor kräftemäßig noch etwas auf die Sprünge geholfen haben, bauen eine verstärkte Kupplung mit sechs Federn ein, damit nichts mehr rutscht (Firma Wössner, Telefon 0 76 21/63 552).
Die XJR 1200 wurde in Deutschland nur mit 98 PS ausgeliefert. Wer mehr PS haben will - natürlich mit Eintragung - hilft der Leistung folgendermaßen auf die Sprünge: Die Ansaugstutzen der FJ 1200, Dynojet-Kit Stufe 1, ein K&N-Filter und ein Luftfiltereionsatz vom französischen XJR-Cup katapultieren die Leistung au fbis zu 125 PS. Ein Gutachten durch Austausch der Ansaugstutzen gibt es von Alpha-Technik (Telefon 0 80 36/30 07 20).
Unruhiger ging es auf der Fahrwerkseite zu. Auch Tourenfahrer mit eher gemütlichem Fahrstil monieren die zu weiche Telegabel vorn. MOTORRAD probierte (Heft 13/1998) vier härtere Federpaare aus, von denen sich die von Technoflex (Wilbers Products, Telefon 0 59 21/60 55) und WP (Baehr, Telefon 06335/50 04) zum Preis von jeweils zirka 170 Mark am wirkungsvollsten erwiesen.
Die hinteren Federbeine dagegen sind zu straff abgestimmt. So stellt sich sowohl im Solo- als auch im Soziusbetrieb nie die richtige Balance zwischen Vorter- und Hinterradfederung ein. Das wird auf schlechten Straßen wirklich wackelig und unangenehm. WP- oder Öhlins-Federbeine mit Ausgleichsbehältern kosten ab zirka 1300 Mark und beruhigen Fahrer und Maschine sehr effektiv.
Mit der serienmäßigen 130er Vorderradreifen sind viele XJRler nicht ganz einverstanden. Das Einlenkverhalten ist eher störrisch, beim Bremsen in Schräglage kann das Aufstellmoment unangenehm werden. Die meisten Fahrer wählen die Reifengröße 120/170, in der Bridgestone mit dem BT 57 einen beliebten Pneu bietet, der sowohl beim Touren, Heizen wie auch bei Nässe gute Allroundeigenschaften bietet. Gutachten gibt es bei diversen Reifenhändlern oder bei Bridgestone direkt. Für Leute, die es hinten gern etwas breiter lieben, hat Bridgestone auch den entsprechenden180er Hinterradreifen im Programm.
Für ein unter Big Bike-Fahrern so beliebtes Modell gibt es natürlich eine Interessengemeinschaft. Die kommuniziert munter im Internet. Ihrem Initiator Bernd Poschen, Telefon 0 228/ 31 99 01 - Email 0171/42 73 800 sind wir für einige interessante Informationen dankbar.
In der Saison 1999 wird die 1200er durch das Modell XJR 1300 abgelöst. So sehr das die bisherigen Fahrer beunruhigen mag, XJR 1200-Fahrer in spe kann das eigentlich nur anregen, ihren Kaufwunsch einer Gebrauchtmaschine gezielt und umsichtig in die Tat umzusetzen. Denn eines ist klar: Mit Einführung des noch hubraumgrößeren Modells wird das Preisgefüge desalten rutschen. Bisher gelten in etwa folgende Gebrauchtpreise: XJR 1200 mit mehr als 50000 Kilometern aus dem Debütjahr 1995 werden deutlich unter 10 000 Mark gehandelt. Maschinen mit 25 000 Kilometern - für den soliden Motor eigentlich mal gerade die erste Warmlaufphase - gehen je nach Zustand um die 12000 bis 13000 Mark über den Ladentisch. Stand: Jahreswechsel. Doch wie gesagt: Je nachdem, wie die 1300 einschlägt, können die Preise mit dem Beginn der Saison noch kräftig sinken.
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Lesererfahrung - Yamaha XJR 1200

Einige XJR-Treiber wollen mehr Leistung, fast alle ein ruhigeres Fahrwerk. Viele experimentieren mit unterschiedlichen Reifendimensionen. Nur beim Aussehen sind alle einig: Daran gibt’s nichts zu verbessern.
Der Erstbesitzer legte die Maschine nach wenigen Kilometern auf die rechte Seite. Davon zeugen noch heute ein paar ausgebrochene Kühlrippen und Kratzer am Auspuff. Trotzdem ist sie meine Black Beauty. Ein wichtiger Kaufgrund war für mich auch das gelungene, neoklassische Erscheinungsbild. In allen Einsatzbereichen macht dieses Motorrad eine gute Figur. Man könnte fast sagen, hier ist sie, die eierlegende Wollmilchsau.Dierk Marten, LübbeckeEigentlich müßte ich diese Maschine längst verkauft haben, aber immer, wenn ich vor ihr stehe, bringe ich es einfach nicht übers Herz. Kleinere Garantie- und Kulanzarbeiten durch Yamaha: Gabelsimmerringe neu (1000 Kilometer); Zylinderkopf undicht; O-Ring Ölsteigleitung und Dichtung neu (6000) ; Zylinderkopf undicht, Kopf geplant (12000); Schwingenlager ausgeschlagen (17000); beide hinteren Stoßdämpfer undicht, Dämpfer neu (22000); Gabeldichtringe undicht, Austausch der Standrohre (22000).Axel Bold, MerzigMit der XJR 1200 SP bin ich viel unterwegs und finde die gut gepolsterte Bank auch bei längeren Touren sehr bequem, auch der Beifahrer sitzt entspannt. Für den mittlerweile serienmäßigen Standrohrschutz aus Plastik paßt bei älteren Jahrgängen auch der der Triumph T 595 Daytona (zirka 35 Mark).Josef Fuchs, NiederwinklingDen Originalzustand der Kenny Roberts Replica habe ich wie folgt verändert: offene Ansaugstutzen der FJ 1200, K&N-Luftfilter, Ansaugrohr im Luftfilter auf drei Zentimeter gekürzt und eine Vier-in-eins-Anlage von Schüle mit ABE montiert. Diese Maßnahmen machten dann eine verstärkte Kupplung notwendig. Weiterhin kam die Racing-CDI-Einheit von Over zum Einsatz. Dieses Set-Up bringt 111 PS am Hinterrad. Schade, daß Yamaha mit der XJR 1300 nun das ausgereifte Motorrad bietet, das sich die 1200er Treiber teuer über Zubehör bauen müssen.Jürgen W. Kraft, E-mailÜberarbeitungsbedürftig ist der Kettenschutz. Ich habe ein Alublech angenietet, das die Kette nun effektiver vor Dreck und Spritzwasser schützt. In Verbindung mit einem Scottoiler ergibt sich daraus ein langes Kettenleben.Reinhart Feldmann, LeipzigDaß sich der 130er Knackwurst-Vorderradreifen so stur auf das Einlenken in Kurven auswirkt, hätte ich nie geglaubt. Deshalb ersetzte ich ihn durch einen 120er ME Z1 von Metzeler. Eine Devil-Racing- vier-in-eins bringt nicht nur mächtig Druck in Richtung roten Bereich, sondern auch glatte drei Punkte in Flensburg.Andreas Weck, StraubenhardtDas Motorrad hat jetzt 16000 Kilometer drauf und ich bin trotz Fahrwerksunruhen in langgezogenen Kurven und schlechter Tanklackierung begeistert. Wünschenswert für die Zukunft wäre ein geregelter Kat, aber keine 1300er.Klaus Hillenbrandt, Moers Weil eine Reihe Elektrokabel zu dicht und stramm über dem Luftfilterdeckel verlaufen, wird ein einfacher Wechsel zur quälenden Fingerübung.Martin Harth, SteinauMit der Originalbereifung (Bridgestone BT 56) war das Einlenkverhalten neutral, mit der 130/170er Kombination hatte ich keine Probleme. Trotzdem rüstete ich auf 120/180 von Pirelli MTR 01/02 um. Mit zwei Personen lag die Maschine zwar satter und setzte auch nicht mehr mit den Rasten auf, dafür fiel sie bei langsamer Fahrt übers Vorderrad in die Kurven. Der Hinterreifen maß 187 Millimeter in der Breite. Bei der Metzelerpaarung ME Z4 120/180 maß der Hinterradreifen lediglich 178 Millimeter. Die Maschine rollte damit wesentlich gleichmäßiger in Schräglage, jedoch nicht so harmonisch wie mit den Originalreifen. Also werde ich das nächste Mal wieder die Originalreifen montieren.Ulf Diehl, WaiblingenUm das Lenkerschlagen bei hoher Geschwindigkeit in den Griff zu bekommen, rüstete ich auf 120/180er Bridgestone BT 54 um. Obendrein gönnte ich meinem Bike noch ein paar Hyperpro-Gabelfedern vorn, und die kleinen Probleme waren gelöst.Uwe Schubert, Sontra

Technische Daten

Technische DatenMotorLuftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende Nockenwellen, vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, vier Mikuni-Gleichdruckvergaser, 0 36 mm, kontaktlose Transistorzündung, keine Abgasreinigung, Drehstromlichtmaschine 340 W, Fünfganggetriebe, E-StarterHubraum 1188 cm3Nennleistung 98 PS (72 kW) bei 8000/minFahrwerkDoppelschleifen-Rohrrahmen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 43 mm, Alu-Kastenschwinge, zwei Federbeine hinten, Federbasis verstellbar, Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln und schwimmend gelagerten Bremsscheiben vorn, 320 mm, Scheibenbremse hinten, 267 mm, Leichtmetall-GußräderMaße und GewichteFederweg vorn/hinten 130/110 mmNachlauf 103 mmRadstand 1500 mmSitzhöhe 790 mmTankinhalt/Reserve 21/4,5 LiterGewicht vollgetankt 253 kgZul. Gesamtgewicht 460 kg TestwerteHöchstgeschwindigkeit solo/mit Sozius 198/193 km/hBeschleunigung 0-100 km/h solo/mit Sozius 3,7/4,7 sekVerbrauch 8 Liter Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungsarmatur 291 MarkHandbremsarmatur 313 MarkLenker 135 MarkRückspiegel 54 MarkBlinker vorn 53 MarkTachometer 195 MarkDrehzahlmesser 319 MarkScheinwerfer komplett 539 MarkGabelstandrohr 408 MarkSchutzblech vorn 158 MarkVorderrad 884 MarkSchalldämpfer 817 MarkTank lackiert 1023 MarkRahmen komplett 2401 MarkVerschleißteileKettenkit 337 MarkBremsbeläge vorn und hinten 161 MarkKupplungsbeläge, ein Satz 147 MarkBremsscheibe vorn 396 MarkLuftfilter 69 MarkÖlfilter 12 MarkGabeldichtring 15 Mark Stärken und SchwächenStärkenDurchzugsstarker MotorKompakt gefälliges DesignBequemer Soziusplatz SchwächenZu weiche TelegabelFederbeine überdämpft Mit 130er Vorderradreifen unhandlichRelativ hoher Benzinverbrauch Test in MOTORRAD1Test 19/1994Vergleichstest 22/1994Vergleichstest 15/1995Vergleichstest 5/1996Vergleichstest (King Replica) 8/1997Test (Sarron Replica) 13/1998 Reifenfreigaben Typ 4 PUvorn hinten130/70 ZR 17 170/60 ZR 17Bridgestone BT 54 F Bridgestone BT 52 RDunlop D202 F Dunlop D202Metzeler ME Z2 Front Metzeler ME Z2Pirelli MTR 03 Pirelli MTR 04Alternativbereifung120/70ZR17 170/60 ZR17Bridgestone BT 57 F Bridgestone BT 57 R120/70ZR17 180/55ZR17Bridgestone BT 50 F Bridgestone BT 50 R Bridgestone BT 54 F Bridgestone BT 54 RSchwacke-Gebrauchtpreise1995: 8800 Mark (31500 Kilometer)1996: 9600 Mark (23100 Kilometer)1997:10800 Mark (14700 Kilometer) Fußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

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