Gebrauchtberatung Yamaha XTZ 750 Super Ténéré Einmal Super, bitte!

Yamahas bisher größte Enduro: ein Verkaufsflop. Gebrauchtkäufer, die kleine Schwächen verkraften oder gar ausmerzen können, lassen sich davon nicht abschrecken. Sie finden ihre Ténéré super.

Foto: Dentges
Kann Auto und Motrorrad: Tester Bangemann.
Kann Auto und Motrorrad: Tester Bangemann.
Die Frage nach einem Super-Ténéré-Besitzer, der viele Erfahrungen mit diesem Modell gesammelt habe, wurde
in der Motorrad-Redaktion mit einem
süffisanten Lächeln beantwortet: »Suppen-Tätärä? Geh’ mal zum Bangemann,
der wird dir einiges erzählen können.«
Seltsame Andeutungen ließen vermuten,
Kollege Bangemann sei wohl nicht so glücklich mit seinem Gebrauchtkauf.
Christian Bangemann ist Testredakteur bei der Zeitschrift auto, motor und sport, schreibt also gerne über motorisierte Fahrzeuge, bastelt aber noch lieber an ihnen herum. Ein Kenner und versierter Schrauber. In der Garage parkt ein weißer VW Käfer von 1969 mit selbst getunten 79 PS unter der Haube, an dem es immer etwas zu warten gibt. Die Yamaha steht draußen unter einer schmucklosen Regenschutzhaube. »Meine vorherigen Motorräder waren diverse Yamaha XT. Die Super Ténéré habe ich mir eigentlich zugelegt, weil ich ein stressfreies Motorrad haben wollte«, erklärt Bangemann, holt Luft und erzählt weiter: »Und genau das ist sie.«
Wie, was jetzt? Kein Leidensepos, keine düsteren Geschichten von Pleiten und Pannen? »Nein, ich bin zufrieden.« Nichts zu schrauben gehabt? Bangemann schweigt. Etwa ein Sekunde lang. Dann: »Doch klar. Als ich sie 2000 gekauft habe, stand sie schon länger, und die Bremskolben waren festgegammelt. Da besorgte ich dann aber gleich ein spezielles
Austausch-Set von Kedo, und seitdem funktioniert die Bremse einwandfrei. Bei der Gelegenheit bin ich natürlich sofort
auf Stahlflex-Leitungen umgestiegen. Ich meine, ist doch sinnvoll, wenn man schon mal bei den Bremsen dabei ist.
Die Gabel war mir vorne viel zu weich, also habe ich nicht lange gewartet, sondern härtere Federn von White Power bestellt – wobei das eigentlich egal ist, die anderen tun’s genauso gut – sowie das Original-Federbein ganz vorgespannt, und jetzt ist alles astrein. Ach ja, und schließlich hat mich diese Gummilagerung des Lenkers mächtig gestört, weil man ja
gar kein Gefühl für die Straße bekommt. Die Gummis mussten runter und wurden
durch passende Metallscheiben ersetzt, nun fährt es sich anständig. So, das waren
die Sachen, die ich direkt nach dem Kauf des Motorrads gemacht habe, aber dann ging’s ja noch weiter.«
Stopp! Langsam! Jetzt bitte zum
Mitschreiben: Christian Bangemann hatte ein 1991er-Modell im Jahr 2000 mit
26000 Kilometer Laufleistung für 4800 Mark erworben. Heute, vier Jahre später und nach etwa noch mal so viel Kilometern, steht das Motorrad komplett anders da als beim damaligen Kauf. Besser. Die anfänglichen notwendigen Schraubmaßnahmen reichten dem Perfektionisten nicht aus. Er besorgte sich einen breiteren, weil langlebigeren 530er-Kettensatz; und um besser im Stehen fahren zu können, gab es für den Lenker eine spezielle Erhöhung von Touratech (Telefon 07728/9279-0 oder im Internet unter www. Touratech.de).
Eine bequemere Sitzbank aus Al-
cantara ließ er sich bei einem Sattler
maßfertigen. Einer typischen Super-Té-
néré-Schwachstelle, der Überhitzung des
Lichtmaschinenreglers, kam er mit einer
Eigenbau-Lösung bei. Er schnitt in die linke Seitenverkleidung zwei kleine Aussparungen, sodass der Fahrtwind zur Kühlung direkt auf den Regler strömt. Seitdem gab es keine Probleme mehr.
Nach einem Unfall hatte der mittlerweile überzeugte Super-Ténérist endlich einen Grund, sich um die in seinen Augen grässliche Originallackierung zu kümmern. Nun glänzt die XTZ in dezentem Schwarz, unterbrochen vom Chrom-Silber der massigen Sturzbügel. Die schnell rostende Auspuffanlage wollte zum Gesamtbild nicht recht passen, deshalb kamen Edelstahlkrümmer und ein schlanker Sportauspuff ans Motorrad. Letzterer harmonierte jedoch überhaupt nicht mit der Vergaserabstimmung, Bangemann griff reumütig wieder auf den Serientopf zurück.
Stichwort Vergaserabstimmung: An ihr hat sich der Hobby-Schrauber vergebens versucht. Selbst schlaue Tipps aus einem engagiert geführten Internetforum halfen nicht weiter. Doch Bangemann, der sonst alles am Fahrzeug selbst macht, sogar
die zeitaufwendige Ventilspieleinstellung,
wollte einfach nicht wahrhaben, dass diese Aufgabe eine Nummer zu groß ist.
Nun erklärt sich auch das süffisante Lächeln der Kollegen zum Thema »Bangemann und seine Suppen-Tätärä«. Rückblickend erinnert sich der Testredakteur
an diverse Alpentouren, als er bei jeder Pause an den Vergasern rumfummelte
und die Bergwelt mit widerhallenden Kraftausdrücken verzückte. Letztlich überließ
er seine Maschine dann doch einer
Fachwerkstatt. Seitdem läuft der Motor rund und verbraucht über einen Liter weniger Benzin.
»Die Yamaha verursacht jetzt keinen Stress mehr. Ein super Motorrad für große Menschen, die sich auf der Straße mit dem Platzangebot einer Enduro am wohlsten fühlen. Perfekt für mehr als einsneunzig«, versichert Bangemann. Fast perfekt, denn zum Kontrollieren der Zündkerzen müsse man das halbe Motorrad auseinander nehmen. »Dann wünsche ich mir manchmal eine BMW GS. Aber nur dann.“

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