Gebrauchtberatung Yamaha XVS 650 Drag Star Flacheisen

Auf dem Sektor Chopper/Cruiser hat Yamaha die Nase vorn. Derzeit ist die kleine Drag Star in. Gerade als Gebrauchtexemplar findet der flache Mittelklasse-Cruiser jede Mengen Interessenten.

Foto: Bilski
Gebrauchtberatung Yamaha XVS 650 Drag Star
Gebrauchtberatung Yamaha XVS 650 Drag Star
Die Vorläuferin der Yamaha Drag Star, die XV 535 Virago, ist seit ihrem Start 1988 in Deutschland fast 40000-mal verkauft worden. Die erst 1997 auf den Markt gekommene XVS 650 hat in nur fünf Jahren schon fast die Hälfte des alten Bestsellers erreicht und belegt in der Hitliste der meistverkauften Motorräder in Deutschland einen Spitzenplatz. Es muss also was dran sein an diesem Cruiser-Modell.
Mit rationalen Gründen lässt sich ihr Erfolg insbesondere bei Motorradneulingen kaum erklären. Da gibt es jede Menge vernünftigerer Bikes für diese Klientel. Die kleine Drag Star, das ist eine Entscheidung voll aus dem Bauch heraus. Wobei es ein Argument gibt, das speziell Einsteiger überzeugt: Die geringe Sitzhöhe von gerade mal 680 Millimetern nimmt jegliche Berührungsängste. Auch Fahrer mit nicht mehr als 1,60 Meter Körpergröße fühlen sich auf der Drag Star sofort wohl, weil sie die Füße sicher auf den Boden setzen können.
Das von MOTORRAD gefahrene Exemplar bot die Firma Limbächer aus Leinfelden-Echterdingen, Telefon 0711/7973030 für 8399 Mark an. Die XVS 650, Baujahr 1997, hatte 12500 Kilometer auf dem großen, in den Tank integrierten Tacho und an Zubehör lediglich einen breiteren, geraderen Lenker mit Ochsenaugen an den Enden montiert. Lack- und Chromqualität der vier Jahre alten Maschine sind gut, die mechanischen Motorgeräusche okay, lediglich die Auspuffranlage macht beim Gaswegnehmen mit einem dengelnden Geräusch auf sich aufmerksam. Wahrscheinlich hat in einem der beiden Schalldämpfer ein Einsatz den Vibrationen Tribut gezollt und sich gelockert.
Dass die kleine Drag Star nur 40 PS mobilisiert, stört sicherlich die wenigsten. Etwas enttäuschend jedoch ist der profan blecherne Klang des elastischen V-Zweizylinders – schon ab zirka 40 km/h kann der Fahrer im letzten Gang wacker beschleunigen. Da haben sowohl Harley-Davidson als auch die Nippon-Konkurrenz mehr Animation zu bieten.
Fußrasten samt Hebelei sind original extrem weit nach vorn verlegt. Wer die Beinhaltung auf Tourenmaschinen gewöhnt ist, muss sich erst mal umorientieren. Beim aktuellen 2001er-Modell hat Yamaha die Rastenposition für die kurzbeinige Klientel leicht zurückgenommen. Aufgrund der aufrechten Sitzhaltung und des geringen Federwegs hinten treffen auf holperigem Straßenbelag Schläge unkomfortabel direkt ins Kreuz. Das nervt und schränkt den Aktionsradius lustvoll entspannter Fahrweise doch merklich ein. Dass die Drag Star mit ihrem Radstand von über 1,60 Meter zum Spurrillen-Suchgerät wird, ist bei dem wegen der geringen Schräglagenfreiheit freiwillig eingehaltenen Tempo über Land eher kurzweilig. Der vordere Einscheiben-Stopper verzögert das gut 230 Kilogramm schwere Gerät zufriedenstellend, allerdings geht die Telegabel beim Bremsen schnell auf Block.
Weniger zufriedenstellend waren die Ergebnisse nach 50000 Kilometern Langstreckentest von MOTORRAD. Die Zylinder waren reif für eine Überarbeitung, die Kolben mit Bolzen und Pleueln austauschbedürftig, und die Ventile mussten neu eingeschliffen werden. Im Getriebe hatte ein Zahnrad des fünften Gangs aufgegeben, das Kegelrad des Kardans am Getriebeausgang zeigte Materialausbrüche. Und beide Schalldämpfer segneten während der zweieinhalbjährigen Testdauer vibrationsbedingt das Zeitliche. Dazu ist allerdings einschränkend anzumerken, dass die durchschnittliche Jahreskilometerleistung von XVS-650-Besitzern kaum mehr als 5000 Kilometer beträgt.
An einer gebrauchten Drag Star Interessierte sollten beim ersten Check darauf achten, dass die Simmerringe der Telegabel dicht sind, das Schalldämper-Innenleben noch nicht klappert und die Speichen, speziell des Hinterrads, noch die richtige Spannung aufweisen. Ob der Gebrauchtkäufer statt der normalen Drag Star lieber auf die Classic-Version zurückgreift, ist eine rein emotionale Entscheidung. Die Classic wartet mit richtigen Trittbrettern auf, einem 16- statt 19-Zoll-Vorderrad und geringfügig mehr Federweg, allerdings auch mit einem rund 1000 Mark höheren Gebrauchtpreis.

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