Gebrauchtberatung Yamaha YZF 600 R

Imagewechsel

Als unmittelbare Konkurrentin in der sportlichen 600er Klasse geriet die komfortable Thundercat schwer ins Abseits. Zu Unrecht: Als sportlicher Tourer heimst sie nach dem Debüt der R6 jede Menge Meriten ein.

Mir seinen supersportlichen 600er Vierzylinder-Modellen hat sich Yamaha immer etwas schwer getan. Nicht von der Technik, sondern von der Verkaufpsychologie her. Das war nie eine punktgenaue Ziellandung. Schon die FZR 600, die Vorgängerin der Thundercat, musste auf einen eigenen Namen und neben der FZR 750 und FZR 1000 eigentlich auch auf ein differenziert eigenständiges Aussehen verzichten. Ebenfalls mit einem schweren Manko musste auch die YZF 600 R Thundercat seit ihrem Debüt 1996 leben. Die Maschine hatte die effizienteste Verkleidung, die zivilsten Motor-Laufeigenschaften, die besten Bremsen Es half alles nichts: Die rund 15 Kilogramm Übergewicht zu den leichtesten der Konkurrenz vermasselten der Thundercat in den Vergleichstests die bessere Rennstrecken-Platzierung. Immer nur unter ‚ferner liefen’ anzukommen ist auf Dauer dem Image nicht förderlich.
Das änderte sich erst zu Beginn 1999, als Yamaha mit der R6 nicht nur das PS-Wettrüsten der Supersport-Klasse gegenüber der japanischen Konkurrenz gewann. Plötzlich begannen die vorher eher vernachlässigten, bürgerlichen Tugenden der Thundercat zu leuchten. Mit der für große und kleine Leute gleichermassen hervorragende Sitzposition, die auch für die Sozia noch genügend Beinfreiheit ließ, mit dem kräftigen, aber elastischen Triebwerk und einem relativ üppigen Wind – und Wetterschutz wusste die Thundercat plötzlich mit Tourerqualitäten auf der Straße zu überzeugen, die unter dem verengten Supersportblick kein Tester eindeutig zu loben gewagt hätte. Mit dem veränderten Blickwinkel sah die Gesamteinschätzung plötzlich ganz anders aus.
Die Geschichte mit dem Erfolg dieses Modells hätte also für Yamaha durchaus noch gut ausgehen können. Wenn Yamaha nicht ab 1998 mit der halbverkleideten Fazer, quasi a priori als Tourenmaschine konzipiert und noch einmal 3000 Mark preisgünstiger als die Thundercat, ins Programm geprescht wäre. Mit deren zielgenauen Erfolg ist die Luft für die rund 16 400 Mark teure Thundercat in Sachen Verkaufszahlen schon wieder dünn geworden.
Bisher ist die YZF 600 in Deutschland 3600 mal verkauft worden. Allerdings in der letzten Saison nur noch rund 300 mal. Die Verkaufszahlen von Fazer (mehr als 3000 ) und R6 (rund 2250 ) dagegen boomten in der Saison 1999 kräftig. Doch trotz dieser hausgemachten Absatzschwierigkeiten ist die Thundercat ein Modell, dessen Qualitäten ihre Fahrer rundum verwöhnt.
Allein die Sitzposition macht klar, warum der Thundercat ihr Imagewechsel von der Supersport-600er zum touristischen Passepartout-Bike so leicht gefallen ist. Mit den über der Gabelbrücke montierten Lenkerstummeln, einer fast als bequem zu bezeichnenden Sitzbank, nicht zu hoch montieren Fußrasten und einer genügend hohen Scheibe fühlt sích der Pilot sowieso eher für den langen Straßentörn für denSprint auf der Rennstrecke gerüstet.
»Da gibt es keine aufgezwungene Kauerhaltung, die den Oberkörper in die Knie und die Knie in die Achselhöhlen zwingt«, wie Testerin Monika Schulz die ersten Sitzproben so treffend beschrieb. Zumal auch das Vierzylinder-Triebwerk gegenüber dem Vorgängermodell der FZR 600 mit leichteren, geschmiedeten Kolben, einer geänderten Auspuffanlage und einer neuen Keihin-Vergaserbatterie mit Drosselklappensensor in Sachen Laufkultur und Gasannahme einen großen Fortschritt darstellte. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das YZF-Aggregat innerhalb der vier Vierzylindermodelle von Yamaha in der 600er Klasse den besten Kompromiss in Sachen Elastizität und Leistung zu bieten hat. Ab 3000/min beginnt das Programm, rund zu laufen, ab 6000/min setzt der Schub ein, der auf der Landstraße erst jenseits von Gut & Böse zum Ende kommt. Auch über die Laufleistungen des Motors ist innerhalb seines vierjährigen Einsatzes in der Thundercat nichts nachteiliges bekannt.
Einige sensible Fahrer monieren beim Einlegen von Gang eins und zwei leicht krachende Geräusche, die sie mit der Verwendung von vollsynthetischem Öl zu minimieren suchen, was auch gelingt. Yamaha erwähnt allerdings, dass damit zum Teil dann ein Kupplungsrutschen auftreten kann. Dann sollte wieder auf mineralisches oder nur teilsynthetisches Öl zurückgegriffen werden.
Durchgängig Lob auch für die Vorderrad-Bremsanlage. Deren zwei einteilige Festssattelzangenl verzögern wie aus einem Guss und stellen gerade im Alltag und während der Tour durch die Alpen mit Gepäck und Sozia eine Sicherheitsreserve dar, die keiner, der in ihren Genuss kommt, wieder missen möchte.
Souverän auch die Federelemente vorn und hinten, die sich, weilvoll einstellbar, auf nahezu alle Gewichts- und Farbahnverhältnisse justieren lassen. Für Vielfahrer allerdings ist zu beachten, dass bei Intervallen von nur 5000 Kilometern die Inspektionskosten von zirka 500 Mark zu Buche schlagen. Talentierte Schrauber ziehen es vor, zum Preis von zirka 90 Mark unter der Bestellnummer ZUB-28197-4T-VO ein Werkstatt-Handbuch zu kaufen und die nötigen Einstellarbeiten im Do-it yourself-Verfahren selbst zu tätigen.
Zum nötigen Kettenspannen, zur Ölkontrolle und für einem eventuellen Reifenwechsel fehlt allerdings ein Hauptständer, den einige Fahrer für ihren Tourensportler schmerzlich vermissen. Diese Klientel sähe es auch gern, wenn Yamaha ein komplettes Gepäck-System anbieten würde, erhältlich ist allerdings nur ein sogenannter Softpack zu zirka 375 Mark, der zwar schnell montiert ist, aber die möglichen Gepäckmenge doch drastisch reduziert.
Die stärkste Bremse für Gebrauchtkäufer ist der hohe Neupreis der Thundercat. Die wenigsten Exemplare des erst 1996 debütierenden Sporttourers haben Laufleistungen über 25 000 Kiometer. Deshalb sind Angebote untrer 10 000 Mark auch äußerst selten und können als Schnäppchen durchgehen. Da hat auch der Imagewechsel nach Einführung der R6 kaum einen Preissturz bewirkt.
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Lesererfahrungen - Yamaha YZF 600 R

Unregelmäßigkeiten und Schäden: Fehlanzeige. Thundercat-Treiber denken eher über einen anderen Schalldämpfer nach, um den Sound zu verbessern.
Für 10 500 Mark konnte ich letztes Jahr eine Thundercat, Baujahr 1996 mit 5700 Kilometern, ergattern. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass es genau die Kategorie von Motorrad war, die ich gesucht hatte. Über 9000 Kilometer (meistens mit Sozia) bestätigten auch die zutreffende Neueinstufung seitens Yamha als Sporttourer. Kein von mir bisher gefahrenes Bike vereinigt je nach Bedarf Sportlichlkeit auf der Haus- oder Rennstrecke und Tourerqualitätem mit Gepäck und Sozia wie diese Maschine. Thundercat, das heißt für mich: je nach Gemüts- und Verkehrslage kann man es mit der YZF 600 R gewittermäßig krachen lassen oder geschmeidig wie eine Katze über die Landstrasse schnurren. Alexander Mlinaric, PirmaensWer braucht denn im richtigen Bikerleben die ein Zehntel bessere Beschleunigung oder das Hanging off der Knieschleferfraktion? Das taugt nur zum Angeben am Stammtisch. Meine YZF und ich jedenfalls nicht. Ich mag sie genau, wie sie ist. Man kann mit ihr täglich zur Arbeit fahren oder wunderbar schnell touren. Bequeme Sitzposition gepaart mit herrlichem Wind- und Wetterschutz ermöglichen sportliches Fahren auch über Stunden hinweg. Bei Topspeed strahlt sie diese berühmte Ruhe aus, auch wenn der Tacho 250 anzeigt. Man weiß, dass man mal wieder viel zu schnell unterwegs ist und zu Hause die Familie wartet. Was mich allerdings gestört hat: das turbinenartige Gesäusel, das uns die Yamahatechniker als Sound verkaufen wollten. Nach Montage eines Remus Viper-Topfes wurde daraus ein sonores Brummeln. Und aus dem Krachen beim Gangwechsel ist seit Verwenden von BP Visco 5000 ein leises, beruhigendes Bestätigen des Gangwechsels geworden. Frank Küpferle, Inden/LucherbergNach 16 000 Kilometern bin ich mit meiner Thundercat bislang sehr zufrieden. Vor allem schätze ich, wie unkompliziert und recht komfortabel sich die Thundercat fährt. Selbst zu zweit lässt sich prima touren. Gut, dass sich der Motor mit durchschnittlich sechs Litern zufrieden gibt, Auch der sehr gute Windschutz lädt zum Touren ein. Außer einem kleinen Leck im Kühlsystem, das bei der 1000er Inspektion beseitigt wurde, hat mich meine Katze noch nie im Stich gelassen. Wenig gediegen: die Verarbeitung von Lack und Schweißnähten sowie die bröckelnden Schalthebengummis oder die labile hinere Bremslichtschalter-Aufnahme.Danny Pockrandt, Merseburg

Technische Daten - Yamaha YZF 600 R

Yamaha YZF 600 RTechnische DatenMotorWassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, je vier über Tassenstößel betätigte Ventile pro Zylinder, vier Keihin-Gleichdruckvergaser, 0 36 mm, kontaktlose Transistorzündung, keine Abgasreinigung, Sechsganggetriebe, ,E-Starter, Sekundärantrieb über O-Ring-Kette,, Hubraum 599 cm³, Nennleistung 72 kW (98 PS) bei 11 500min, FahrwerkStahl-Brückenrahmen, Telegabel, Standrohrdurchmesser 41 mm, verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, Alu-Zweiarmschwinge, Zentralfderbein über Hebelsystem angelenkt, verstellbare Federbasis, verstellbare Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Vierkolbensättel, schwimmend gelagerte Bremsscheiben, 0 295 mm, Scheibenbremse hinten, 0 220 mm, Alu-Gußäder, Federweg vorn/hinten 130/120Maße und GewichteSitzhöhe 790 mmTankinhalt/Reserve 19/3,1LiterGewicht vollgetankt 223 kgService-Intervalle alle 5000 KilometerTestwerteHöchstgeschwindigkeit solo/mit Sozius 234/213 km/h Beschleunigung 0-100 km/h solo/mit Sozius 3,6/5,3 sekVerbrauch 5,8Kraftstoff Normal Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungsarmatur 49 MarkBremshebelarmatur 228 MarkLenkerhälfte 147 Markein Rückspiegel 117 MarkBlinker vorn 49 MarkTachometer 208 MarkDrehzahlmesser 332 MarkScheinwerfereinsatz 345 MarkGabelstandrohr 309 MarkSchutzblech vorn 234 MarkVorderrad 795 MarkSchalldämpfer 967 MarkTank, lackiert 1176 MarkRahmen komplett 2480 MarkFederbein 952 MarkWasserkühler 973 MarkVerkleidung:Oberschale 615 MarkJe Seitenverkleidung 924 MarkVerschleißteileKettenkit 356 MarkBremsbeläge vorn, 145 MarkKupplungsreibscheiben 207 MarkBremsscheibe vorn 420 MarkLuftfilter 59 MarkÖlfilter 18 MarkStärken und SchwächenStärkenLaufruhiger, kultivierter MotorKomfortables FahrwerkErstklassige BremsenGuter WindschutzSchwächenEtwas pummeliges AussehenZu hohe Preisdifferenz zur FazerKein HauptständerTest in MOTORRAD1Test 61996Vergleichstest 71996Vergleichstest ) 21997Vergleichstest 22997Vergleichstest 81998Vergleichstest 8/1999Vergleichstest 23/1999Reifenfreigaben Typ 4TVvorn hinten120/60 ZR 17 TL 160/60 ZR 17 TL Pirelli MTR 01/02 Metzeler ME Z3 Dunlop D207 Bridgestone BT 56 Michelin Macadam 90XSchwacke-Gebrauchtpreise1996 (32 500 Kilometer) 8600 Mark1997 (24 100 Kilometer) 9450 Mark1998 (15 700 Kilometer) 11 300 MarkFußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

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