Gebrauchtberatung Kawasaki ZX-10R: gebrauchte Ninja

Auf der Rennstrecke durchaus wünschenswert: Verfolgter zu sein. Heißt dies doch: Ich bin schneller als andere. Die Kawasaki ZX-10R ist eine Verfolgte - auch auf dem Secondhand-Markt ist die große Ninja begehrt.

Foto: Bilski

Nix für Landstraßenbummler. Die Ninja ZX-10R ist radikal, vermittelt dem Fahrer immer das Gefühl, gehetzt zu sein - als säßen Verfolger im Nacken. 2004 debütierte die Zehner als Nachfolgerin der betulicheren ZX-9R, die mit ihren Allrounderqualitäten zwar auch viele Freunde fand, aber beim Wettkampf schon längere Zeit nur noch mühsam die Fahne für die Grünen hochhalten konnte. Es herrschte für Kawasaki also Handlungsbedarf, der Konkurrenz endlich mal wieder so ein richtig hartes Sportbrett an den Kopf zu knallen. Mit Erfolg: 175 PS, gepaart mit dem Handling und Gewicht einer 600er, damit geht's ab. Aber im schnelllebigen Supersport-Segment sind die Top-Rundenzeiten von gestern heute nur noch Mittelmaß.

Eine größere Modellpflege war dementsprechend auch nötig, denn erstens holten die Verfolger mit ebenfalls sehr flotten Maschinen auf. Und zweitens blieb von der Anfangseuphorie nach Kinderkrankheiten wie defekten Lichtmaschinen (teilweise mit Motorschäden) oder bruchgefährdeten, offenbar etwas zu filigranen Felgen nicht mehr viel übrig. Die Frischzellenkur 2006 hatte jedoch nicht die gewünschte Wirkung, in Vergleichstests fuhr die Kawa am Podium vorbei. Erst zwei Jahre später übernahm der Hardcore-Straßenrenner wieder souverän die Krone in der Sportlichkeitswertung. Fast 190 PS boten dafür beste Voraussetzungen. Und für 2011 legten die Japaner noch nach: 200 PS, unter 200 Kilo, elektronische Helfer, um die Leistung optimal auf die Straße zu bringen. Von dem andauernden "Tune-up" ab Werk profitieren in erster Linie Gebraucht-käufer: Die Preise für ältere ZX-10R purzeln. Diese sind jedoch alles andere als alte Eisen, und wohl nur die wenigsten Fahrer trauen sich, aus ihnen alles herauszukitzeln. So gilt für dieses Motorrad aus zweiter Hand: super Sport zum super Preis - zugreifen!

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Foto: Künstle

Besichtigung

Sollte zwar schon längst erledigt sein, aber trotzdem lieber nachweisen lassen: Alle 2004er Modelle wurden in die Werkstatt zurückgerufen und die Vorderradfelge wurde wegen Bruchgefahr getauscht. Außerdem gab es für das erste Modelljahr einen Rückruf wegen defekter Lichtmaschinen (Gefahr von kapitalen Motorschäden!). Generell gilt die supersportliche 1000er jedoch als solide und bereitet bei regelmäßiger Wartung kaum Ärger (ein norddeutscher Vertragshändler berichtet von einem tadellosen Exemplar mit über 130000 Kilometern). Allerdings wird das radikale Bike vergleichsweise häufig von Hobbyracern über den Rundkurs gepeitscht.

Derartige Eskapaden sind zwar artgerecht, die heftigen Strapazen tun aber auch einer ausgewiesenen Sportmaschine auf Dauer nicht gut. Also unbedingt auf Sturzspuren und auffällige Motorgeräusche achten. Erfahrungsgemäß spielen die Verkäufer etwaige Einsätze herunter ("nur mal ein, zwei Runden") - deshalb Umbauten checken (nicht straßenzugelassener Auspuff, Fußrastenanlage, Racing-Kettensatz etc.). Und bei versicherungsgünstig gedrosselten Maschinen (98 PS): Fahren sie heimlich offen? Ist illegal.

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Foto: fact

Marktsituation

Auffällig viele private Anbieter, rund die Hälfte aller Angebote. Die Zehner ist gefragt, bei Fans speziell die erste Serie (2004/2005), die mitunter etwas überteuert ist. Das Nachfolgemodell (2006/2007) ist weniger populär und wird bei gleicher Laufleistung und gleichem Pflegezustand gleich teuer angeboten - um 5000 Euro gibt es richtig leckere Stückchen. Die leistungsstärkeren Typen E und F (2008 bis 2010) bieten als kompromisslose Straßenburner eine hervorragende Basis für ein nach wie vor wettbewerbstaugliches (Hobby-)Rennmotorrad. Gesucht wird die Kawasaki, egal welches Baujahr, meist in der Markenfarbe Grün, andere Farbvarianten sind günstiger. Fertige Rennumbauten sind in der unteren Preisliga (um 4500 Euro) attraktiv. Auf höherem Preisniveau führen Hinweise auf Renneinsätze jedoch zu Preisabschlägen: von einigen Hundert bis zu 2000 Euro bei sichtbaren Sturzspuren. Picobello gepflegte, serientreue Gebrauchtmaschinen mit Neuwertcharme (unter 10 000 Kilometer) gehen gut, lassen sich über 8000 Euro aber nur sehr zäh verkaufen, denn fabrikneue Vorjahresmodelle werden mancherorts von Händlern schon für knapp über 10 000 Euro feilgeboten.

Verfügbarkeit am Markt: hoch

Foto: Bilski

Modellpflege

2004
Markteinführung des Typs ZX 1000-C in Deutschland. Leistung: 175 PS. Farben: Blau, Grün, Schwarz. Preis: 12995 Euro.
2005
Getriebe modifiziert. Farbvariante Silber statt Blau. Preis: 11495 Euro.
2006 
Neuer Typ ZX 1000-D, komplett überarbeitetes Modell mit neuem Rahmen und neuer Verkleidung, überarbeiteten Federungselementen, Lenkungsdämpfer, modifizierter Einspritzung. Silber entfällt. Preis: 13145 Euro.
2007
Zusätzliche Farbe Orange. Preis: 13485 Euro.
2008
Neues Modell (Typ ZX 1000-E) mit nunmehr 188 PS und geändertem Fahrwerk, neuen Verkleidungsteilen und Bremssätteln. Preis: 13545 Euro.
2009
Orange entfällt, dafür Weiß. Preis: 13995 Euro.
2010
Beim Typ ZX 1000-F Auspuff und Verkleidung überarbeitet. Preis: 14595 Euro.
2011 
Typ ZX 1000-J und -K (ABS-Version) mit neuem Fahrwerk und Motor (200 PS, elektronisch geregelt, drei Betriebsmodi), Traktionskontrolle und neuer Verkleidung. Gewicht: 198/201 (ABS) Kilogramm. Preis: 15495/16495 (ABS) Euro.

Foto: Jahn

Technische Daten

(Typ ZX 1000-C, Modelljahr 2004)

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Einspritzung, ungeregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 76 x 55 mm
Hubraum 998 cm³
Nennleistung 128,4 kW (175 PS) bei 10800/min
Max. Drehmoment 111 Nm bei 8400/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Upside-down-Gabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alugussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 190/50 ZR 17

Maße+Gewichte

Radstand 1410 mm, Lenkkopfwinkel 66,5 Grad, Nachlauf 91 mm, Sitzhöhe* 825 mm, Gewicht vollgetankt* 200 kg, Zuladung* 175 kg, Tankinhalt 18 Liter.

Messungen (MOTORRAD 6/2004)
Höchstgeschwindigkeit** 295 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 3,2 sek
Durchzug
60-100 km/h 3,6 sek
Verbrauch
5,5 l/100 km (Landstraße),
6,2 l/100 km (bei 130 km/h)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Fansites: www.zx10ninja.de (Technik- und Tuning-Tipps, Termine, Treffen, Videos - buntes Forum mit vielen aktiven Mitgliedern)
Gebrauchtangebote: http://markt.motorradonline.de/bike983.htm

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