Gebrauchte Bikes bis 2.000 Euro

Motorrad-Gebrauchtberatung

Maximal 2.000 Euro durfte kosten, was die MOTORRAD-Gebraucht-Onkels diesmal unter die Lupe nahmen. Die vier entdeckten vor Ort reizvolle Angebote – vom Mini-Softchopper bis zur gut abgehangenen 1200er-Wuchtbrumme.

Motorrad fahren war noch nie so günstig wie heute! Wer einen Beweis für diese vermeintlich gewagte These sucht, sollte das Pferd von hinten aufzäumen. Konkret: mit den Nebenkosten. Fangen wir mit der Fahrerausstattung an. Für bereits 600 bis 800 Euro gibt’s das Komplettpaket in ordentlicher Qualität, also Helm, (Textil-)Kombi, Handschuhe und Stiefel.

Machen wir weiter mit den Versicherungskosten. Selbst blutige Fahranfänger müssen für die Haftpflichtprämie eines Mittelklassemotorrades kaum mehr als 200 Euro pro Jahr berappen. Kfz-Steuer? Immer noch auf dem lachhaft niedrigen Niveau von vor 30 Jahren, eine 600er kostet jährlich 44 Euro.

Kommen wir zum Haupt-Kostenfaktor, dem Gerät an sich. Man mache sich mal die überschaubare Mühe und suche in den einschlägigen Internet-Portalen nach Motorrädern zwischen 1.000 und 2.000 Euro. Gern auch mit Filterfunktionen wie "ab 35 PS" oder "bis 60.000 Kilometer". Allein beim Platzhirsch mobile.de werden dem Suchen-den über 2.100 Treffer genannt. ZWEITAUSENDEINHUNDERT! Wie kommt’s? Der Motorradbestand war noch nie so hoch wie heute, rund vier Millionen motorisierte Zweiräder stehen in deutschen Garagen und auf Hinterhöfen. Motorradfahrer waren aber (durchschnittlich) auch noch nie so zahlungskräftig und so alt wie heute, was Auswirkungen auf Verkaufsgründe wie "Neukauf" oder "Hobbyaufgabe" hat. Kurzum: Das Angebot an richtig günstigen und dabei oft richtig guten Motorrädern war noch nie so groß und bunt wie heute. Wer bereits einen Führerschein hat – und genau der ist die große Ausnahme von der Günstig-Regel – darf aus einem üppigen Angebot wählen.

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Tipps vom Gebraucht-Onkel Biebricher

Gute Zustände, überschaubare Kilometerleistungen und freundliche Händler gaben den Ausschlag für diese beiden Exoten. Die kleine Suzuki steht für günstiges, spielerisches Fahren, die multi-funktionale Aprilia für italienisches Flair auch auf schlechteren Wegen.

Gebraucht-Onkel Biebricher:"Wenn ich für Frau oder Tochter ein Motorrad aussuchen dürfte, wäre die Suzuki erste Wahl. Nicht nur, weil sie so gepflegt und günstig ist, sondern weil sie als Fliegengewicht das Fahren so einfach macht. Die Aprilia ist ein vollwertiges Allzweckbike, das eindrucksvoll zeigt, wie hoch die Einzylinder-Kultur früher mal entwickelt war."

Suzuki GN 250

Alte Liebe rostet nicht: So oft es geht, fahre ich in meine erste Heimat Ruhrgebiet, wo es alte Bierbuden und herzlich-raue Menschen gibt. Diesmal für ein Porträt von BMW-Tuner Manuel Galkus in die Industriestraße 8 in 44577 Castrop-Rauxel. Manuel gilt als Tuning-und Werkstatt-Geheimtipp. Seine Firma MGM gehört zum Geschäftsverbund Martin Knasiak Motorräder (MKM). Martin ist leider 2015 verstorben, doch seine Frau Beate kümmert sich jetzt kompetent um Bikes und Angestellte. MKM bietet nicht nur top gepflegte Gebrauchte und Oldtimer, sondern dank Manuels MGM auch Tuning, Umbau, Restaurierungen, TÜV, Werkstattservice, Transportdienste und vieles mehr. Wo ich nun schon mal da bin, frage ich, ob es auch Mopeds für unter 2.000 Euro gibt. Inhaberin Beate bittet Verkäufer Dennis, mir das günstigste Pferdchen im Stall zu zeigen: Eine Suzuki GN 250, super gepflegt und gewartet, gern mit frischem TÜV für 1.100 Euro. "Die Suzuki läuft super", erzählt Dennis. "Alles funktioniert geschmeidig, sie ist leicht, handlich, unkaputtbar, komfortabel und mit einer Sitzhöhe von nur 740 Millimetern ideal für Damen oder Einsteiger. Und so lahm ist sie mit 18 PS nun auch wieder nicht."

Aprilia Pegaso 650

Deutlich stärker ist das nächste Exotenfahrzeug, das ich später in meiner zweiten Heimat Rheinland entdecke: Die Aprilia Pegaso 650 leistet mit ihrem Rotax-Einzylinder 49 PS und steht in der Vogelsanger Straße 350 in 50827 Köln. In Köln gibt es den Dom, doch in Form der Firma von Peter "Pidder" Kaup noch eine weitere Kathedrale: für gebrauchte Motorräder, Motorrad-Ersatzteile und technisches Zubehör. Der Laden ist einzigartig: Mehr Atmosphäre und Detailwissen geht kaum. Pidder bietet mir sofort einen Kaffee an, dann kommen Kunden: "Eine Lampen-Steckverbindung für eine 76er CX 500." Pidder verschwindet im Lager und bringt den Stecker minutenschnell. Wahnsinn, er hat Tausende Teile im Kopf. "Die Aprilia ist ein schönes Motorrad mit Italo-Flair, aber nichts für Autobahnbolzerei", sagt der Meister. "Für 1.950 Euro kannst du sie mitnehmen, ich mache noch eine Inspektion und TÜV." Wer öfter auf die Autobahn muss, dem bietet Pidder leichte Zweizylinder in Form von mehreren günstigen Kawasaki ER-5 an. Doch ich bin ganz klar wegen der Aprilia hier. Trotzdem kann ich kaum verhindern, dass ich mich in Kaups unermesslicher Schatztruhe voller  Gebrauchtbikes verliere. Konzentrations-schwäche oder Kollateral-Phänomen?

Tipps vom Gebraucht-Onkel Dentges

Erstaunlich niedrige Tachostände und guter Zustand – beide Motorräder würden bei ordentlicher Wartung wohl locker sechsstellig laufen. Für die nächsten Jahre sollte gewiss sein: hoher Fahrspaß und Nutzwert, geringe Unterhaltskosten!

Gebraucht-Onkel Dentges: "Unglaublich schwer, sich zu entscheiden. Technisch und preislich liegen beide Angebote auf ähnlich gutem Niveau. Der Händler bietet mehr Sicherheit, die Suzuki ist zudem neuer. Die Honda hat mich allerdings schon vor über 20 Jahren mächtig angetörnt. Daher würde ich sie wohl auswählen als das fahrdynamisch reizvollere Motorrad."

Suzuki GSX 600 F

"Das Grün ist doch schon wieder Porno", grinst Händler Christoph Winkelmann und schiebt die schreiend auffällige Suzuki GSX 600 F vor die Halle. Recht hat er, denn genau deswegen bin ich auf die Offerte gestoßen. Pornobilder im Internet kennt man natürlich nur vom Hörensagen, aber es scheint zu funktionieren: Etwas macht dich an – und klick! Die dralle Suzuki machte mich Ende der 1990er zwar null an, nun aber geht es um verlässliche Partnerinnen, keine sehnigen Sportzicken, die einen andauernd überfordern. Die GSX 600 F wurde vor allem seit dem Facelift (Typ AJ, ab 1998) und wegen etwas magerer 78 PS allerdings sträflich unterschätzt. Als bodenständiges, jedoch keinesfalls dröges Tourenmotorrad. Bodenständig sollen ja auch die Leute aus der Region sein. Christoph, gelernter Schlosser, ist so ein Ruhrpottler, seit jeher Japan-Vierzylinder-Fan. Damit kennt er sich verdammt gut aus. Sein Konzept: Statt vorzeigbarem Ladengeschäft eine einfache, unbeheizte Großgarage mit kleiner Werkstatt, Ankauf nur von sauber gepflegten Maschinen, faire Preise. Die giftgrüne GSX 600 F wurde bis 2011 in einer Hand nur 7.750 Kilometer bewegt und dann offenbar gut eingemottet. Die zweite Hand, eine Frau, nutzte die Suzi als Übungsmaschine, daher auch die einzige bemerkenswerte Schramme. Ansonsten alles picobello. "Mit dieser Maschine kann man mindestens eine Saison komplett sorgenfrei fahren, ohne irgendwo Hand anlegen zu müssen", verspricht der Händler. Ich glaube es ihm bedenkenlos.

Honda CBR 600 F

Beim anderen (privaten) Angebot in Hagen habe ich bei Verkäuferin Nadine ebenfalls ein gutes Gefühl. Neubau-Einfamilienhaus, aufgeräumte Garage, nachvollziehbare Geschichte, warum die Honda CBR 600 weg soll: junges Familienglück, keine Zeit mehr zum Motorradfahren. Ihr Mann hatte die Honda vor drei Jahren – auch von privat – günstig geschossen, jedoch teure Standschäden übersehen. So mussten sie den innen korrodierten Tank für teuer Geld ersetzen. Jetzt aber steht die nur wenig benutzte Maschine top da. Bis auf die Reifen, Produktionsjahr 2002 und 2004. Haben zwar genügend Profil, ausgehärtet  wie sie sind, gehören sie aber  getauscht. Dann jedoch, mit modernen Reifen besohlt, kann die betagte Honda mit 100 PS und sportlich einstellbarem Fahrwerk fahrdynamisch sicherlich so verblüffen wie einst vor 20 Jahren. Preis: 2.000 Euro? Na ja, Verhandlungsbasis ...

Tipps von Gebraucht-Onkel Herder

Endlich mal etwas anderes als das ewige Zweiventilboxer-Retro-Einerlei: Mit dieser Kawasaki VN 750 kommen mutige Oldschool-Fans ganz groß raus. Wer dagegen ganz viel tourentauglichen Druck für wenig Geld möchte, sollte sich die ZRX 1200 S genauer anschauen.

Gebraucht-Onkel Herder: "Sie passen vermutlich nicht mehr in Ihre alte Fransenlederjacke, und mit der Schnürlederjeans wird’s auch mächtig eng. Egal, mit der VN als Drittmopped können Sie auch so zeigen, was für ein Trendscout Sie sind. Und wenn dann doch mal Kilometerklopperei angesagt ist, tut die ZRX gute Dienste – die hält auch weitere 100.000 Kilometer."

Kawasaki VN 750

Vor rund 30 Jahren erlebten sie ihre Hochphase: fiese Softchopper aus Japan, bei denen es völlig egal war, ob die Motorisierung zum Chopper-Grundgedanken passte. Hauptsache Hochlenker, Tropfentank, Sissybar, kurzer Auspuff, fettes Hinterrad und viel Chrom. Die Kawasaki VN 750, die schon seit Februar 2016 beim KTM- und Suzuki-Vertragshändler HJM Motorradtuning auf einen neuen Besitzer wartet, ist eine typische Vertreterin dieser aus heutiger Sicht recht skurrilen Gattung. Ihr wassergekühlter und technisch sehr aufwendiger Vierventil-Vauzwo ist eher ein Sport- als ein Choppermotor, der gern dreht und eher wenig drückt. Zum Technik-Overkill passt das völlig überladene Cockpit. Einer der beiden Vorbesitzer fand noch weiteren Platz für Zubehör und montierte Zusatzscheinwerfer, Heizgriffe, "Sportscheibe", USB-Port und eine Sissybar-Erhöhung. Die (Werkstatt-)Historie dieses Schätzchens lässt sich weitgehend nachvollziehen. Der letzte Vorbesitzer (Jahrgang 1953) gab die kardangetriebene und 50 PS leistende VN 750 auf eine noch tourentauglichere BMW R 1150 R in Zahlung, war mit der Kawa aber auch schon zuvor Werkstattkunde bei HJM. Ordentlicher und weitgehend originaler Zustand, kein Wartungsstau, gute Bereifung – für mutige Zeitgeist-Surfer gibt’s viele gute Gründe, den HJM-Mann Jan-Christian Vogt in Sachen VN 750 anzurufen (Tel. 0 47 46/72 66 30).

Kawasaki ZRX 1200

Beim Motorradhändler-Urgestein Dietrich Wundram von Bergmann & Söhne in Bremervörde (Tel. 04761/71190) sollten sich Big-Bike-Fans melden, die schon immer auf eine Kawasaki ZRX 1200 geschielt haben, denen die von 2001 bis 2007 als Neumaschine in drei Versionen (nacktes Basismodell, R mit Mini-Cockpitverkleidung, S mit Halbschale) verkaufte 120-PS-Wuchtbrumme aber bislang zu teuer war. Diese ZRX hat ungewöhnlich viele Kilometer auf der Uhr – was natürlich den rund 1.000 bis 2.500 Euro unterm üblichen ZRX-Preisniveau liegenden Tarif erklärt. In Zeiten, in denen man sich aber immer öfter mit Wenigfahrern und Standschäden beschäftigt, ist dieser bärenstarke Reihenvierer ein gutes Beispiel dafür, dass man als Gebrauchtmotorrad-Käufer keine Angst vorm anderen Ende der Laufleistungs-Skala haben muss. Vorausgesetzt, der Kilometerfresser wurde immer pfleglich behandelt, so wie in diesem Fall. Die fast 115.000 Kilometer sieht man dem aus dritter Hand stammenden Langstreckengerät kaum an. Der Rest fällt unter "Patina".

Tipps von Gebraucht-Onkel Lohse

Wenn Wiedereinsteiger nach langer Motorradabstinenz zurück in den Sattel streben, werden Hubraummaß und Zylinderanzahl eine entscheidende Rolle spielen. Budget-Limit 2.000 Euro, dafür aber maximales Big-Bike-Flair? Schauen wir uns diese Exoten von Triumph und Suzuki einmal genauer an.

Gebraucht-Onkel Lohse: Big is beautiful wusste schon ein Altkanzler unseres Landes, und wenn man auf die Startknöpfe der beiden Wuchtbrummen drückt, weiß man warum. Dieses beruhigende Wummern ist eine Wucht. Bei der Triumph begeistert der 1a-Pflegezustand. Wer so ein Schätzchen findet, kauft nicht falsch. Die bärige Suzuki ist eher was für stille Genießer.

Triumph Trophy 1200

Jeder, der sich mit der Marke Triumph beschäftigt, hat erst einmal die charismatischen Triples im Ohr und vorm Auge, mit denen 1991 der Re-Start glückte: Trident, Speed Triple, Daytona, Trophy. Drei Zylinder, 900 cm³, dazu ein ausgefeiltes Baukastensystem, das der Kultmarke aus dem Vereinigten Königreich ab 1991 einen zweiten Frühling bescherte.

Einige Frühlingsgefühle keimen trotz eisiger Temperaturen auch bei mir auf, als es über verwinkelte Odenwaldsträßchen zum ersten Verkäuferdate nach Unterfranken geht – ein fantastisches Motorradrevier! In Kahl am Main öffnet mir Thomas das Garagentor. Hinten steht eine 2007er Yamaha FJR 1300, die der 61-jährige Lkw-Fahrer aktuell bewegt: "Perfekt zum Touren, und auch meine Frau fährt da gerne mit!" Weshalb die alte Liebe, eine 1995er Triumph Trophy 1200, trotz ihres fulminant schimmernden "Night-shade"-Lacks (ein herrliches Royal-Blau mit leichtem Lila-Stich) nun ein einsames Dasein auf dem Hauptständer fristen muss. Die Zwölfer ist Exot hoch zwei. Denn beim Druck auf den Starter wummert ein Vierzylinder los. Wer von hinten auf die Trophy schaut, sieht rechts noch einen Zylinder rausgucken. Auch das ist typisch Baukasten – hat man doch einfach an die Dreier-Bank der 900er-Motoren einen vierten Brennraum drangehängt. Bei Thomas ist die Triumph nun in fünfter Hand. 2011 hat er sie vom Händler gekauft und seitdem 20.000 km draufgefahren: "Bodensee, Elsass, ansonsten habe ich mit Spessart, Odenwald und Taunus doch alles vor der Haustür." Dazu ist Thomas bekennender Schönwetterfahrer und Putzteufel: "Ich habe ein Motorrad auch schon mal 25 Stunden lang geputzt, bis ich zufrieden war." Das sieht man auch der Trophy trotz Alter und Laufleistung an. 400 Interessenten sind bei mobile.de schon virtuell vorbeigeschlendert – doch noch ist der englische Blaublüter zu haben.

Suzuki GSX 1100 G

Anders als die fette Suzuki GSX 1100 G "im unverbastelten Originalzustand", die Profi-Händler Maik Ludwig aus Primstal im Saarland im Sortiment hat. Beim ersten Telefonat noch Standuhr ("Vor zwei Jahren habe ich die in Luxemburg angekauft!"), hat nun ein 55-jähriger BMW-Fahrer nur wenige Stunden vor unserem Live-Termin zugeschlagen und seine R 1150 RT für die 1992er-Suzi stehen lassen. Der nackte Kardan-Tourer mit dem fein verrippten, luftgekühlten Big Four ist tatsächlich "on the road again". Jetzt in dritter Hand. Und demnächst werden mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die 50.000 Kilometer fallen.

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