Gebrauchte Motorräder für 2500 Euro 15 Motorrad-Kauftipps für 2500 Euro

Motorräder zum amtlichen BAT-Tarif gibt es wie Sand am Meer. In der Fülle der Angebote tummeln sich ehrliche Alltagskräder, aber auch manche Schätzchen, die echtes Kultpotenzial haben und sich zum gesuchten Liebhabermotorrad mausern werden. 15 Tipps für 2500 Euro.

Foto: Fotolia

Für zwo fünf, denkt sich der kritische Konsument, wird sich ein ordentliches Gebrauchtmotorrad finden lassen. Grundsätzlich stimmt die Aussage schon, muss aber wie so oft im Detail relativiert werden. Zuallererst stellt sich die Frage, in welcher Motorradkategorie gesucht wird. Wer es auf prestigeträchtige Sportler abgesehen hat, wird mit dem Etat von 2500 Euro nicht wirklich entspannt kaufen können. Zeitgemäßes Turngerät ist bei diesem Einsatz noch nicht zu bekommen, und das ältere Material, das angeboten wird, fährt sich auch wie ein altes Motorrad. Bei jüngeren Objekten, die zu dem Preis gerade noch so infrage kämen, muss mehr als dreimal hingesehen werden, um nicht böse auf die Schnauze zu fallen. Bei der Besichtigung sollten alle neuralgischen Stellen genauestens auf Sturzspuren abgescannt werden, am besten hat man für die Suche einen erfahrenen Freund an der Seite. Weiterhin sollte bei massiv umgebauten Bikes kritisch hinterfragt werden, ob nicht zum einen Sturzspuren kaschiert werden sollen und desweiteren der Teileaustausch auch 100-prozentig legal ist: Sind Auspuff, Blinker, Lenker oder Rasten auch typgeprüft und falls notwendig eingetragen? Viel sinnvoller könnte es sein, bei der Suche nach einem Sportler auf den Sammlereffekt zu setzen und aus der Fülle der Gebrauchtangebote ein Objekt herauszufiltern, das an der Schwelle zum Kult- oder Liebhabermotorrad steht. Hier zählt natürlich eine gepflegte Basis, nach Möglichkeit im Originalzustand.

Gleiches gilt für Interessenten, die nach einer großvolumigen Reiseenduro Ausschau halten: Neuere Typen vom Schlage einer Honda Varadero oder Triumph Tiger kratzen zwar auch schon an der 2500er-Grenze, sind dafür aber so kräftig hergenommen worden, dass eine vierstellige Investitionssumme fast schon mit einkalkuliert werden muss. Viel interessanter sind deshalb die „Großenduros“ aus den Neunzigern wie Transalp, Africa Twin, DR Big oder Super Ténéré, die allesamt als Liebhaberobjekte gelten. Aber auch hier sollte ein gepflegter Originalzustand im Mittelpunkt des Kaufinteresses stehen.

Vor einem großen Problem stehen indes die Liebhaber von Choppern & Cruisern. Für 2500 Euro spitzt bei kaum einem Anbieter ein lukratives Angebot aus der Garage hervor. Teilweise muss man bei den Modellen bis in die späten Achtzigerjahre ausweichen, um überhaupt eine interessante Auswahl zusammenzukratzen. Ohnehin kommen für diesen Tarif meist nur kleinvolumige Mittelklasse-Chopper infrage. Echte Hubraumschlegel sind bei 2500 Euro Mangelware.

Im Gegenzug gibt es allerdings eine breite Auswahl an top gepflegten Fahrzeugen mit einer - gemessen am Alter - nahezu lächerlichen Laufleistung.

Die besten Karten haben die Kaufwilligen, die lediglich ein schnörkelloses Bike zum Fahren suchen. Alltagstauglich, solide, die berühmte Brot-und-Butter-Ware. Die schmeckt bei zwo fünf am besten.

Anzeige

Naked Bikes

Anzeige
Foto: Archiv

Suzuki SV 650/S

Mit der SV 650 hat Suzuki - einmal mehr - in die Vollen gegriffen. Die SV ist nicht nur das klassische Brot-und-Butter-Bike, sondern konnte mit charismatischem V-Twin eine starke Fangemeinde aufbauen, die ihrem Motorrad über lange Jahre die Treue hält (Kontakt über www.svrider.de). Die 650er kann Gebrauchtinteressenten gleich mit einer Reihe handfester Vorteile locken: große Auswahl dank hoher Stückzahlen (ca. 25000 Modelle im Bestand), oftmals Liebhaberstatus mit entsprechend überdurchschnittlichem Pflegezustand, günstige Ersatzteilbeschaffung, viele Extras erhältlich, geringer Wartungsaufwand, ideal für Selbstschrauber. Die hier abgebildete nackte SV ist jedoch deutlich seltener zu finden, viel beliebter war und bleibt die S-Version mit Halbschalenverkleidung (bei einer etwas sportlicher ausgelegten Sitzposition). Zwischen 1999 und 2002 wurde die SV, wie hier zu sehen, mit runden Formen und Vergaser-Motor ausgeliefert, ab 2003 folgte die kantige Generation mit Einspritzmotor. Den MOTORRAD-50000-Kilometer-Test absolvierte die 650 zuverlässig, aber mit erhöhtem Verschleiß.

Technische Daten: (Modelljahr 2001)
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 645 cm³, 52 kW (71 PS) bei 9000/min, 62 Nm bei 7500/min, Gitterrohrrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/60 ZR 17, 160/60 ZR 17, Gewicht vollgetankt 189 kg, Zuladung 211 kg, Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 204 km/h, Verbrauch 4,3 l/100 km

Plus

  • Geringes Gewicht dank Alu-Fahrwerk und kompaktem Aufbau
  • wartungsfreundlich durch praktischen Klapptank
  • ausgewogene Fahrdynamik spricht Einsteiger und alte Hasen an

Minus

  • Weiche Gabel (bis 2001 nicht verstellbar), sollte mit härteren Austauschfedern bestückt werden
  • Zündschloss hakt oft
  • Kettenpflege wird durch fehlenden Hauptständer erschwert
Foto: Archiv

Honda Hornet 600

Während hierzulande Suzuki Bandit und Yamaha Fazer nachgefragt wurden, flog Südeuropa ab 1998 auf die bissige Hornet. Rund um den modifizierten Motor aus der CBR 600 F strickten die Honda-Mannen einen flotten Landstraßenfeger. Anfangs störten lasche Bremse und eigenwilliger 16-Zoll-Vorderreifen, die aber in der Modellpflege im Jahr 2000 gegen mehr Biss (Bremse) und mehr Größe (17-Zöller) getauscht wurden. Problematisch im unteren Preissegment (Typ PC 34/36): im Streetfighter-Look heftig verbastelte Hornets - nicht allein wegen fehlender Eintragungen Finger weg und nach gepflegten Originalen fahnden. Für Reisefans ist die bis 2004 angebotene „S“ interessant, die „neue“ Hornet (PC 41, ab 2007) sprengt noch das Budget von 2500 Euro.

Technische Daten: (Modelljahr 2003)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 600 cm³, 71 kW (97 PS) bei 12000/min, 63 Nm bei 9500/min, Zentralrohrrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17, Gewicht vollgetankt 202 kg, Zuladung 188 kg, Tankinhalt 17 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 229 km/h, Verbrauch 5,0 l/100 km

Plus

  • Honda-typisch sauber verarbeitet
  • bei guter Pflege langlebige Technik
  • weiß unterlegte Rundinstrumente (bis 1999) sehr gut ablesbar

Minus

  • Bikes aus Einsteigerhand mit Sturzspuren und Kupplungsschäden
  • Umrüstungen nicht immer eingetragen
Foto: Archiv

Kawasaki ZRX 1100

Echte Superbike-Kultur für schmales Geld: Kawasaki hat die passende. Offerte für Liebhaber der alten Schlegel. Das beste in diesem Fall: Die ZRX sieht zwar schwer nach einem Achtzigerjahre-Boliden aus, ist aber ein (modernes) Retro-Kind der späten Neunziger. 1997 erscheint die ZRX 1100 in Anlehnung an die 1983er-Z 1000 R von US-Superbiker Eddie Lawson. Das Gebrauchtangebot ist überschaubar, und gute Exemplare sind schnell vergriffen, wenn eine von den 7000 Stück, die in Deutschland verkauft wurden, angeboten wird. Die Liebhaber der Big-Block-Kawa sind schwer auf Zack, vor allem wenn es sich
um die grün-weiße „Replica“ handelt. 2001 wird die 1100er von der ZRX 1200 abgelöst, die als ebenso problemlos gilt, aber noch zu teuer ist.

Technische Daten: (Modelljahr 1999)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1052 cm³, 78 kW (106 PS) bei 9000/min, 98 Nm bei 7000/min, Doppelschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 170/60 ZR 17, Gewicht vollgetankt 249 kg, Zuladung 211 kg, Tankinhalt 20 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 224 km/h, Verbrauch 5,1 l/100 km

Plus

  • Fahrwerk gefällt durch Stabilität, ist voll einstellbar
  • Vierzylinder ist druckvoll und läuft sehr kultiviert
  • gut gepflegte Angebote aus Liebhaberhand

Minus

  • Soziusfußrasten zu hoch angebracht
  • Hauptständer fehlt, erschwert Pflegearbeiten
  • Verbrauch zum Teil sehr hoch

Sportler

Foto: Archiv

Suzuki GSX-R 750 SRAD

Quirlige 600er oder prestigeträchtigere 1100er? Weder noch. Wenn es für diesen Tarif um eine echte GSX-R geht, muss es der Griff zum Original sein. Schließlich ist die 750er die Mutter aller Gixxer und kann stolz auf eine mittlerweile 27-jährige Geschichte zurückblicken. Zumal sie sich im Alltagsgeschehen noch als das bessere Motorrad erweist: keine hochdrehende 600er-Orgel, keine fette Plunze wie die GSX-R 1100 W. An der Schwelle zur Supersport-Moderne steht die Baureihe GR7DB, besser bekannt unter dem Kürzel SRAD (für „Suzuki Ram Air Direct“). Die Bucklige verabschiedete sich mit damals hypermodernem, den Grand Prix-Rennern nachempfundenem Brückenrahmen vom filigranen Doppelschleifenrohr der Vorgänger. Mit Druck in den Luftschnorcheln bringt sie es auf 128 PS, dazu das sensationelle Gewicht von 208 Kilo - wobei das pummelige Heck nach mehr aussieht. Unter heutigem Verständnis aus alten Tests zu zitieren, würde der GSX-R 750 nicht gerecht werden. Viel passender ist es, die SRAD-Version, in der schließlich der Wechsel vom Vergaser auf Einspritzung (ab Baujahr 1998) vollzogen wurde, als gepflegtes Liebhaber-Motorrad in Besitz zu nehmen.

Technische Daten: (Modelljahr 1998)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 749 cm³, 99 kW (135 PS) bei 12300/min, 82 Nm bei 10300/min, Brückenrahmen, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 190/50 ZR 17, Gewicht vollgetankt 207 kg, Zuladung 188 kg, Tankinhalt 18 Liter, Sitzhöhe 800 mm, Höchstgeschwindigkeit 261 km/h, Verbrauch 8,5 l/100 km

Plus

  • Elastischer Motor mit hoher Drehfreude
  • Fahrwerk ist voll einstellbar und lässt sich sauber abstimmen
  • bei guter Pflege sehr langlebige, robuste Technik (beim Kauf deshalb auf lückenlose Historie achten!)

Minus

  • Bei harter Rennbelastung kann Zylinderkopfdichtung angeschlagen sein und durchblasen
  • hoher Verbrauch bei sportlicher Gangart
  • Konstantfahrruckeln bei niedertourigem Bummeltempo


Technische Daten: (Modelljahr 1998)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 899 cm³, 105 kW (143 PS) bei 11 000/min, 101 Nm bei 9000/min, Brückenrahmen, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17, Gewicht vollgetankt 212 kg, Zuladung 177 kg, Tank-inhalt 19 Liter, Sitzhöhe 800/830 mm, Höchstgeschwindigkeit 274 km/h, Verbrauch 6,6 l/100 km

Foto: Archiv

Yamaha YZF 600 R

Die Suche im 600er-Revier ist etwas für Nervenstarke. Die „neue“ Supersport-Generation, die ab der Jahrtausendwende in den Handel gelangte, ist schon für 2500 Euro zu bekommen, entpuppt sich aber meist als Großbaustelle: böse umgebaut, mies nachlackiert, nach Bodenkontakt mehr schlecht als recht gerichtet. Tipp: einen Gang zurückschalten und nach einer top gepflegten 600er mit Youngtimer-Potenzial suchen. Möglichst zuverlässig, komfortabel und universaltauglich: ein Fall für die „Donnerkatze“.

Technische Daten: (Modelljahr 2000)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 599 cm³, 72 kW (98 PS) bei 11500/min, 66 Nm bei 9500/min, Brückenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/60 ZR 17, 160/60 ZR 17, Gewicht vollgetankt 223 kg, Zuladung 169 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstgeschwindigkeit 234 km/h, Verbrauch 6,1 l/100 km

Plus

  • Motor kultiviert und laufruhig
  • Fahrwerk komfortabel und individuell abstimmbar
  • Bremsen erstklassig und standfest

Minus

  • Gewicht sehr hoch
  • Gebrauchtangebote sehr überschaubar
  • Service-Intervalle mit 5000 Kilometern sehr kurz bemessen
Foto: Archiv

Kawasaki ZX-9R

Sie hat das erfolgreiche Erbe der GPZ 900 R angetreten und macht auch als Sport-Oma noch eine gute Figur. 1994 schickte Kawa die ZX-9R ins Rennen, die neben ihren sportlichen Eigenschaften auch durch reichlich Komfort punkten konnte. Wer also die souveräne Leistung des einstigen Superbikes nun als Fast-forward-Tourer nutzen will, ist hier genau richtig. 1998 folgte eine umfangreiche Renovierung, bei der vor allem Abspecken angesagt war. Minus 33 Kilo zeigte die Waage gegenüber dem Vorgängermodell an, beim Komfort wurden zum Glück keine Abstriche gemacht. Bisweilen nervten einige Typen mit Gabelflattern, besonders bei harten Bremsmanövern auf welliger Piste. Abhilfe schafften „weichere“ Bremsbeläge mit weniger Biss.

Technische Daten: (Modelljahr 1998)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 899 cm³, 105 kW (143 PS) bei 11 000/min, 101 Nm bei 9000/min, Brückenrahmen, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17, Gewicht vollgetankt 212 kg, Zuladung 177 kg, Tank-inhalt 19 Liter, Sitzhöhe 800/830 mm, Höchstgeschwindigkeit 274 km/h, Verbrauch 6,6 l/100 km

Plus

  • Motor mit bulligem Antritt und explosiver Entfaltung nach oben
  • hohe Laufleistungen bei guter Pflege
  • Ergonomie für Fernreisen geeignet

Minus

  • Getriebeschaden droht bei herausspringenden Gängen
  • Gabelflattern bei zu bissigen Bremsbelägen

Tourer

Foto: Archiv

Triumph Sprint ST

Phase zwei in der Erfolgsgeschichte von Triumph: die charakterstarken Triples mit moderner Technik auf die Straße zu schicken. Seit 1999 begeistert die Sprint ST schnell reisende Touristen. Unter der Vollverkleidung werkelt mit unverkennbarer Soundkulisse der knapp ein Liter große Dreizylinder mit Einspritzung und vorbildlicher Abgasreinigung durch einen G-Kat. Das Fahrwerk gefällt flotten Solofahrern genauso wie schwer bepackten Reisepaaren. Ab Werk ließ sich die ST dazu passend mit Koffern und Topcase ordern, was aber durch den hohen Mehrpreis nicht viele Abnehmer fand. Gebrauchte werden meist mit einem Zubehör-Gepäckkit angeboten.

Technische Daten: (Modelljahr 2000)
Wassergekühlter Dreizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 956 cm³, 77 kW (105 PS) bei 9300/min, 95 Nm bei 7500/min, Brückenrahmen, Telegabel, Einarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17, Gewicht vollgetankt 242 kg, Zuladung 163 kg, Tankinhalt 21 Liter, Sitzhöhe 820 mm, Höchstgeschwindigkeit 237 km/h, Verbrauch 5,5 l/100 km

Plus

  • Motor agil und zuverlässig
  • standfeste Technik für hohe Laufleistung
  • Fahrwerk spurstabil und reisetauglich
  • Verarbeitung im Detail sauber und hochwertig

Minus

  • Gepäckanbringung teils umständlich (Auspuffführung)
  • Zuladung für Tourer zu gering
Foto: Archiv

Suzuki GSF 1200/S Bandit

Das Volkskrad von Suzuki. Von der ersten Baureihe GV75A (1996 bis 2000) wurden in Deutschland über 18 000 Exemplare verkauft, mit den Typen WVA9 und WVCB (2001 bis 2006) kamen nochmals über 20000 Stück dazu. Aus diesem Pool lässt sich mit dem Köder von 2500 Euro gut fischen, wobei das besondere Augenmerk natürlich auf der ersten Baureihe liegt. Erste Frage bei der Recherche: klassisch nackt oder mit tourentauglicher Halbschale? Mögliche Variante: das Modell „SA“ (ab 1997) mit ABS, längerer Schwinge, modifizierten Rädern und größeren Bremsscheiben. Bei allen Modellen gleich: das luft-/ölgekühlte, durchzugsstarke Big-Four-Triebwerk mit feiner Verrippung.

Technische Daten: (Modelljahr 1997)

Luft-/ölgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1157 cm³, 72 kW (98 PS) bei 8500/min, 91 Nm bei 4500/min, Doppelschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 120/70 ZR 17, 180/55 ZR 17, Gewicht vollgetankt 244 kg, Zuladung 206 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 820 mm, Höchstgeschwindigkeit 222 km/h, Verbrauch 7,0 l/100 km

Plus

  • Sehr großes Angebot mit gut gepflegten Maschinen
  • idealer Landstraßen-Cruiser mit
  • laufruhigem Motor
  • bei guter Pflege sehr standfeste Technik

Minus

  • Lenkkopflager verschleißanfällig
  • Zubehörteile wie Auspuffanlagen nicht immer typgeprüft
  • Rost an versteckten Stellen
Foto: Archiv

Yamaha GTS 1000/A

Lust auf eine fahrende Studie, die immer noch avantgardistisch aussieht, mittlerweile aber Youngtimer-Reife hat? Dann sind Sie reif für die GTS 1000. 1993 wollte Yamaha mit dem auch heute noch ungewöhnlichen Sporttourer den Motorradolymp aufmischen und zeigen, was technisch machbar ist: Vorderradführung mit imposanter Achsschenkellenkung, ein (aus der FZR 1000 entlehntes) Triebwerk mit elektronisch gesteuerter Einspritzung, Abgasreinigung durch einen G-Kat, optional eine ABS-geregelte Bremsanlage (erkennbar an der Modellendung „A“). Auch beim Chassis geht man mit dem in Omega-Form um den Motor gelegten Rahmen unkonventionelle Wege. Das Feuerwerk an Innovationen wollte sich im Vergleich mit der damaligen Konkurrenz (BMW K 1100 RS, Honda CBR 1000 F oder Pan European) aber nicht wirklich entfalten. Doch, Hand aufs Herz, was zählt das heute noch? In Sachen Design bleibt die GTS ein absoluter Hingucker, der starke Motor begeistert durch Laufruhe und Durchzugskraft, Wind- und Wetterschutz passen ebenso zum Tourerkonzept wie die fernreisetaugliche Sitzposition. Auf das eigenwillige Fahrverhalten muss man sich aber einschießen.

Technische Daten: (Modelljahr 1994)
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 1003 cm³, 72 kW (98 PS) bei 9000/min, 102 Nm bei 6500/min, Omega-Rahmen, Achsschenkellenkung, Zweiarmschwinge, Reifen 130/60 ZR 17, 170/60 ZR 17, Gewicht vollgetankt 290 kg, Zuladung 210 kg, Tankinhalt 20 Liter, Sitzhöhe 780 mm, Höchstgeschwindigkeit 228 km/h, Verbrauch 7,3 l/100 km

Plus

  • Elastischer Sportmotor mit sattem Durchzug
  • Fahrwerk bleibt auch bei hoher Zuladung stabil
  • Sitzposition für Fahrer und Sozius mit sattem Platzangebot
  • ABS regelt sehr fein; Zuladung üppig

Minus

  • Fahrwerk sehr straff ausgelegt und für Alpentouristen zu unhandlich
  • Kettenantrieb passt nicht zum Tourerkonzept
  • störrischer 130er-Vorderreifen, sollte auf 120er umgerüstet sein (Gutachten vorhanden)

Enduros

Foto: Archiv

BMW R 1100 GS
Schnell noch das Original sichern, bevor die luftgekühlte Boxergeneration austickert und die GS mit Wasserboxer das Gelände umpflügt. Die erste Vierventil-GS startete 1994 und wurde das sinnstiftende Erfolgsmodell der Bayerischen Motoren Werke. Bis 1999 wurden in Deutschland knapp 22000 R 1100 GS-Motorräder verkauft. Ab Werk blieb sie (bis auf Farbwechsel) optisch unverändert, dafür rückten ihr die Besitzer zu Leibe und kürzten wie wild Schnäbel- und Scheiben. Für diese Bastelbuden gilt: Finger weg, selbst wenn eine vergleichsweise niedrige Laufleistung lockt. Besser ist der Griff zum Originalzustand mit lückenloser Historie. Da lassen sich auch viele Kilometer in Kauf nehmen.

Technische Daten: (Modelljahr 1994)
Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-Boxermotor, 1085 cm³, 59 kW (80 PS) bei 6750/min, 97 Nm bei 5250/min, tragende Motor-Getriebe-Einheit, Telegabel mit Längslenker, Einarmschwinge, Reifen 110/80 H 19, 150/70 H 17, Gewicht vollgetankt 260 kg, Zuladung 190 kg, Tankinhalt 25 Liter, Sitzhöhe 840 mm, Höchstgeschwindigkeit 199 km/h, Verbrauch 5,0 l/100 km

Plus

  • Robuster, gut zugänglicher Boxermotor für Selbstschrauber geeignet
  • Kardanantrieb sauber und wartungsarm
  • viele Extras meist inklusive

Minus

  • Hohe Laufleistungen sind meist die Regel
  • viele Eigenumbauten schmälern die Auswahl beträchtlich
Foto: Archiv

Kawasaki KLR 650

Für alle, die beim Thema Enduro noch einen leichten, kompakten Einzylinder vor Augen haben und auf ein möglichst junges Baujahr Wert legen, sei in der Preisklasse 2500 Euro der KLR-Eintopf empfohlen. Immerhin blieb die 650er bis 2004 im Programm, Kaufinteressenten können bei dem zuletzt 5000 Euro teuren Single auf ein junges Baujahr, wenig Kilometer und zumeist Erstbesitz spekulieren. Der Ackergaul macht zwar eine authentische Figur, praktisch können aber weder Motor noch Fahrwerk als echte Geländegänger überzeugen. Auf der Straße wird es ab Tempo 100 zäh, von Fernreisen ist abzuraten. Dafür punktet die Kawa das ganze Jahr über als erfrischend grüner Nahverkehrsersatz.

Technische Daten: (Modelljahr 2002)
Wassergekühlter Einzylinder-Viertakt-Motor, 652 cm³, 31 kW (42 PS) bei 7000/min, 47 Nm bei 5000/min, Einschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 90/90-21, 120/90-17, Gewicht vollgetankt 186 kg, Zuladung 184 kg, Tankinhalt 14 Liter, Sitzhöhe 870 mm, Höchstgeschwindigkeit 151 km/h, Verbrauch 5,8 l/100 km

Plus

  • Mit 34-PS-Drossel für Einsteiger geeignet
  • überschaubare Technik
  • preiswert instand zu halten
  • für wenig Geld als junge Gebrauchte zu bekommen

Minus

  • Gabel und Federbein im echten Geländeeinsatz schnell überfordert
  • hoher Lenker erschwert Enduroeinlagen
Foto: Archiv

Yamaha XTZ 750 Super Ténéré

Mit der 2011 vorgestellten XT 1200 Z Super Ténéré will Yamaha an glorreiche Zeiten anknüpfen, als der klangvolle Name in den Wüsten dieser Welt zu Hause war. So zum Beispiel 1991, als die Wettbewerbsversion der 750er die ersten drei Plätze der legendären Rallye Paris Dakar belegte. 1988 wurde die Super Ténéré vorgestellt und blieb bis 1996 im Programm. Schnell etablierte sich die Zweizylinder-Enduro auf Augenhöhe neben Konkurrenten wie der Honda Africa Twin und ist heute ein ebenso gesuchtes Liebhabermotorrad. Dass sie damals mit den üblichen Vorstellungen, die man von einer Enduro hatte, radikal brach, zeigt sie anhand ihrer Eckdaten auf: Wie die Vierzylindermotoren aus den Straßenbikes wird auch der Reihentwin mit fünf Ventilen pro Zylinder bestückt. Die Leistungsausbeute ist beachtlich: 69 PS, 4,9 Sekunden beim Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 und knapp 180 als Spitzenwert auf dem Tacho machen klar, dass ihre Heimat auf keinen Fall das schwere Gelände ist. Obwohl die Optik mit Faltenbälgen an der Gabel, Motorwanne und Handprotektoren auf Offroad-Einsätze abgestimmt ist: Hohes Gewicht, hoher Schwerpunkt und der bauchige Tank vereiteln das in der Praxis gewaltig. Bei der Suche sollte man Zeit investieren, heruntergerittene Umbauten ausblenden und den Fokus auf gut gepflegte Originale legen.

Technische Daten: (Modelljahr 1989)
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 749 cm³, 51 kW (69 PS) bei 7500/min, 67 Nm bei 6750/min, Doppelschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 90/90-21, 140/80-17, Gewicht vollgetankt 234 kg, Zuladung 176 kg, Tankinhalt 26 Liter, Sitzhöhe 865 mm, Höchstgeschwindigkeit 177 km/h, Verbrauch 8,5 l/100 km

Plus

  • Motor mit kultiviertem Lauf, elastisch und durchzugsstark
  • Fernreisequalitäten mit großer Reichweite und ab 1990 auch im Zweipersonenbetrieb machbar
  • standfeste Bremsanlage ab Modelljahr 1990

Minus

  • Hohe Sitzposition bietet kleineren Fahrern keinen sicheren Stand
  • ausladendes Heck erschwert formschlüssige Montage von Koffern
  • hoher Verbrauch bereits bei zurückhaltender Gangart

Cruiser / Chopper

Foto: Archiv

Suzuki VS 800 Intruder

Wenn sich im Chopper-Revier ein Name neben Harley-Davidson etabliert hat, dann der von Tante Trude. Das Vorgängermodell der hier vorgestellten VS 800 Intruder erschien bereits 1986 als VS 750. Der Motor bildete dann die Basis für das klassisch gezeichnete Naked Bike VX 800, das 1990 in die Läden wanderte. Zwei Jahre später erfolgte schließlich der Reimport des Motors in das Langgabelfahrwerk, und der Mittelklasse-Chopper von Suzuki bollerte mit 805 Kubik durchs Land. Stilistisch war bei Suzukis Intruder-Linie nicht böse blühender Barock, sondern spartanische Aufmachung angesagt. Als echter Blickfang tritt der klassisch gestylte, fein verrippte Vauzwo bei der Intruder ins Rampenlicht und kaschiert die moderne Wasserkühlung gekonnt. Darum gruppiert sich glänzender Chrom, der wartungsarme Kardan sorgt zudem für entspannte Putzorgien. Das Fahrwerk arbeitet bei Bummeltempo noch entspannt, erst wenn mehr Fahrt aufgenommen wird, kämpft der Easy Rider mit dem 21 Zoll großen Vorderrad - was aber genretypisch für die damalige Fahrzeuggattung ist. Gleiches gilt für die Fahrt zu zweit. Die Motorisierung wie Zuladung wäre zwar ausreichend, aber ergonomisch betrachtet ist die traute Zweisamkeit auf Tante Trude ein Desaster. Das Gebrauchtangebot kann sich dafür aber sehen lassen.

Technische Daten: (Modelljahr 1992)
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 805 cm³, 37 kW (50 PS) bei 6400/min, 63 Nm bei 4000/min, Doppelschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 80/90-21, 140/90-15, Gewicht vollgetankt 219 kg, Zuladung 191 kg, Tankinhalt 12 Liter, Sitzhöhe 740 mm, Höchstgeschwindigkeit 154 km/h, Verbrauch 6,7 l/100 km

Plus

  • Durchzugsstarker Motor, dank Wasserkühlung sehr standfest
  • Auspuffsound typisch, für einen V2 kernig
  • Gebrauchtangebote überdurchschnittlich gut gepflegt und mit sehr geringen Laufleistungen

Minus

  • Geringe Reichweite durch kleinen Tank und hohen Verbrauch
  • letzter (fünfter) Gang zu kurz übersetzt; Schräglagenfreiheit gering
  • Bremse mit sehr schwammiger Wirkung
Foto: Archiv

Moto Guzzi Nevada 750

Müssen Originale immer aus den USA und die Nachbauten immer aus Japan kommen? Wie wäre es denn mit einem authentischen Italiener im Softchopper-Dress? Erstaunliches Durchhaltevermögen muss dem Guzzi-Angebot für Easy Rider unterstellt werden. Erstmals 1993 auf der Bühne und über die Jahre natürlich immer wieder leicht modifiziert, als „Nevada Classic“ bis heute im Programm. Wer ganz genau hinschaut, sieht nicht nur weich gespülte Softchopper-Optik der Achtzigerjahre, sondern findet auch leichte Anleihen an die damals populär werdenden Muscle-Bikes - Stichwort Yamaha Vmax. Auch wenn die Kultmarke vom Comer See in das wilde Kopiergeschäft mit einstieg: Die Nevada ist und bleibt ein Original.

Technische Daten: (Modelljahr 1997)
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 744 cm³, 36 kW (49 PS) bei 6200/min, 61 Nm bei 3000/min, Doppelschleifenrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 100/90 V 18, 130/90 V 16, Gewicht vollgetankt 197 kg, Zuladung 203 kg, Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 770 mm, Höchstgeschwindigkeit 163 km/h, Verbrauch 5,4 l/100 km

Plus

  • Fahrverhalten sehr lebendig, alles andere als Chopper-like
  • Sound authentisch und typisch Guzzi
  • gedrosselt auch für Fahranfänger geeignet
  • mit Windschild und Koffern durchaus tourentauglich

Minus

  • Als gepflegte Gebrauchte nicht leicht zu finden
Foto: Archiv

Yamaha XV 535/S Virago

Über viele Jahre behauptete sich die kleine Yamaha an der Spitze des Motorradbestands in Deutschland. Kein Wunder, war sie doch über eine extrem lange Bauzeit (1988 bis 2004) auch als beliebte Fahrschulmaschine in aller Munde beziehungsweise jeder Hand. Für unsere Budgetplanung von 2500 Euro bringt die XV 535 den riesengroßen Vorteil mit, dass aus einem riesengroßen Bestand gefischt werden kann. Zwar kann die XV in der aktuellen Chopper-Gigantomanie mit Standard-Hubräumen von zwei Litern nicht mehr mithalten, lockt aber als stressfreies Freizeitmobil mit robustem Motor, geringem Gewicht und pflegeleichtem Kardanantrieb. Für 2500 Euro ist die Virago in neuwertigem Zustand mit vierstelliger Laufleistung zu bekommen.

Technische Daten: (Modelljahr 1996)
Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, 535 cm³, 32 kW (44 PS) bei 7500/min, 46 Nm bei 6000/min, Pressstahlrahmen, Telegabel, Zweiarmschwinge, Reifen 3.00 S 19, 140/90-15, Gewicht vollgetankt 196 kg, Zuladung 219 kg, Tankinhalt 13,5 Liter, Sitzhöhe 715 mm, Höchstgeschwindigkeit 163 km/h, Verbrauch 5,7 l/100 km

Plus

  • Sauberer Kardan erleichtert Pflegearbeiten
  • Motor spritzig und durchzugsfreudig
  • niedrige Sitzhöhe bringt sehr guten Stand

Minus

  • Bremsen auch für einen Chopper zu lasch
  • Fahrwerk kommt schnell an die Grenzen
  • Soziusplatz quasi nicht vorhanden

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel