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Ratgeber zum Motorrad-Gebrauchtkauf Schnäppchen und Ladenhüter

Geduldig, gelassen, gesprächsbereit. Für einen professionellen Motorradhändler dürfen das keine Fremdworte sein. Selbst wenn die MOTORRAD-Gebraucht-Onkels bei ihm aufschlagen und die Staubdicke seines Bestandes messen wollen. Acht Motorradhändler zwischen Nordseeküste und Schwarzwald rücken mit ihren Standuhren raus.

Ohne diese Geduld, Gelassenheit und Gesprächsbereitschaft wäre ein professioneller Händler im Tagesgeschäft allerdings auch schnell aufgerieben. Jeder, der schon mal ein Gebrauchtbike verkauft hat, weiß, dass sich eine gewisse Nervosität breitmachen kann, wenn sich auf das Inserat hin keiner meldet. Trotz attraktiver Fotos, umfassender Beschreibung und eines akzeptabel erscheinenden Preises.

Als Privatmensch ist man dann schnell geneigt, das Angebot entsprechend anzupassen. Was in erster Linie natürlich über den Preis geschieht. Also runter mit der Summe, und jetzt klingelt hoffentlich schnell das Telefon. Vorsicht, auf den Internetplattformen tummeln sich viele Profis, die dieses Angebot schon längst gescannt und auf ihrem virtuellen Parkplatz abgelegt haben. Bei denen leuchten jetzt die Augen, und so mancher hat Blut geleckt. Deren Faustregel: Wer so schnell nachgibt, lässt sich natürlich auch noch weiter drücken. Abgebrüht beobachtet man weiter und wartet auf den nächsten (freiwilligen) Nachlass. Und jeder weiß: Vor Ort ist noch mehr möglich.

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Nach 15 Jahren verliert Motorrad kaum noch Wert

Für die Profis im Gewerbe wäre so eine Taktik natürlich tödlich. Selbst wenn sie im Tagesgeschäft mit anderen Durchsätzen kalkulieren, fangen sie sich aber immer wieder die ein oder andere Gurke ein, die dann plötzlich doch entgegen aller Erwartung stehen bleibt und über Monate oder sogar Jahre im Laden zustaubt. Was tun? Bei noch jungen Gebrauchten kann eine lange Standzeit natürlich fatale Folgen in Sachen Wertverlust haben. Entsprechend schnell ist dann der Punkt erreicht, an dem der Profit ausbleibt. Natürlich sind scharf kalkulierende Händler dann eher geneigt, einen entsprechenden Abschlag zu gewähren. Hauptsache weg mit dem Ding – und man geht noch mit einem Plus raus. Soviel zum Punkt „Gesprächsbereitschaft“.

Grundsätzlich anders sieht die Sache bei alten Schätzchen aus. Jetzt kommen die besagte Geduld und Gelassenheit ins Spiel. Hat das Bike erst einmal 15 oder mehr Jahre auf dem Buckel, verliert es kaum noch an Wert. Dann juckt es kaum, dass so ein Gebrauchtbike 365 Tage oder mehr in der Ausstellung steht. Der Preis ist ohnehin schon mit spitzer Feder kalkuliert, eher sind Händler dann geneigt, noch einen Satz Miniblinker oder ein Paar Handschuhe auf die Sitzbank zu legen. Hauptsache, da geht dann wieder was...

 

Standschäden bei Motorrädern erkennen

Wer beim Händler kauft, sollte auf einer Werkstatt-Durchsicht bestehen. Was bei seriösen Adressen auch kein Thema ist. Anders sieht es aus, wenn die berühmte Standuhr von privat angekauft wird. Die Paarung „Hohes Alter/kaum gelaufen“ kann meist mehr Probleme als Vorteile bescheren. Unser Standschäden-ABC:

Auspuffanlage: Flugrost an den Oberflächen? Harmlos. Dramatischer sind Auswölbungen entlang der Prallbleche – die zeugen von starken Korrosionsschäden. Klopfprobe: Wenn’s klappert, ist der Topf hinüber. Ersatz aus dem Zubehör: ab rund 300 Euro.

Batterie/Elektrik: Bei Standuhren ist der Starterakku (ohne Anschluss ans Frischhaltegerät) meist hinüber. Eine neue Batterie ist ab 50 Euro zu bekommen. Der Austausch brüchiger Kabel, oxidierter Steckverbindungen und poröser Isolierungen kostet zwar kaum, raubt aber Zeit und Nerven.

Bremsen: Flugrost auf den Bremsscheiben? Nicht schön, aber schnell abgeschliffen. Problematisch sind versteckte Schäden: Festsitzende Kolben, ausgehärtete Dichtungen, korrodierte Sättel. Im günstigsten Fall kann es ein Reparatursatz noch retten (inklusive Arbeitslohn rund 100 Euro pro Bremse). Obligatorisch: der Austausch von Bremsflüssigkeit.

Fahrwerk: Gabel und Federbein/e können top aussehen, aber spröde Dichtungen und zugesetzte Innereien müssen teuer aufgearbeitet werden. Manches können Geübte selbst machen (z.B. Gabeldichtringe), sonst müssen Profis ran (Federbein-Service ca. 150 Euro/Stück).

Gummi/Kunststoffteile: Ausgeblichene Armaturen können mit Pflegemitteln für wenige Euro wieder gerichtet werden. Teurer: der Austausch von porösen Bremsleitungen (Stahlflex-Ersatz ca. 100 Euro) und Ansaugstutzen (inklusive Lohn ab ca. 100 Euro). Reifen mit rissigen Seitenwänden und älter als sechs Jahre? Runter damit – ein neuer Satz kostet 200 Euro.

Rahmen: Schwierig, wenn sich Rostnester gebildet haben. Auch an versteckten Stellen (z.B. unterm Tank) kontrollieren. Sanierungsarbeiten lohnen nur bei Liebhaberstücken.

Tank/Vergaser: Kondenswasser und damit Rost im Tank, Benzinreste und damit Ablagerungen in den Vergasern. Auch hier muss der Aufarbeiter ran. Tanksanierung rund 100 Euro, Vergaserservice inkl. Einstellung ab 100 Euro.

Motorradhändler in Norddeutschland

Erfahrung schützt vor Standuhr nicht. Um diese alte Verkäuferweisheit bestätigt zu finden, machte sich Gebraucht-Onkel Klaus Herder (54) in seine norddeutsche Heimat auf und besuchte die BMW- und Triumph-Dealer seines Vertrauens. Dort stieß er auf ein Tourer-Komplettpaket und einen fast schon vergessenen Supersportler.

Foto: Klaus Herder
Hamburg, BMW R 1200 RT, EZ 3/2010, 34.747 km, 10.990 Euro.
Hamburg, BMW R 1200 RT, EZ 3/2010, 34.747 km, 10.990 Euro.

Hamburg, BMW R 1200 RT, EZ 3/2010, 34.747 km, 10.990 Euro: Stüdemann-Motorradverkäufer Kuno Woweries (53) kann sich nicht wirklich erklären, warum das Käuferinteresse bislang spurlos an der komplett ausgestatteten BMW vorbeigegangen ist. Top-Zustand, seriöse Historie, liebevoll mit Rückstrahlern dekorierte Heckpartie – da stimmt doch eigentlich alles. Okay, die Farbe muss man mögen. Und beim Preis sollte mittlerweile was gemacht werden, das ist den Stüdemännern wohl durchaus bewusst.

Foto: Klaus Herder
St. Michaelisdonn, Triumph Daytona 675, EZ 1/2007, 24.600 km, 6.390 Euro.
St. Michaelisdonn, Triumph Daytona 675, EZ 1/2007, 24.600 km, 6.390 Euro.

St. Michaelisdonn, Triumph Daytona 675, EZ 1/2007, 24.600 km, 6.390 Euro: Heller & Soltau-Chef Ingo Heller (60) ist passionierter Frauenversteher und führt seit mittlerweile drei Jahren ab und an einfühlsame Gespräche über Wunschtarife und realistische Preisgestaltung. Zwischenzeitlich geriet die im Auftrag zu verkaufende Daytona ein wenig in Vergessenheit, was nichts daran ändert, dass hier ein echtes Schätzchen auf einen neuen Besitzer – oder noch besser – eine neue Besitzerin wartet.

Über die Standuhren

Seit 1971 ist Stüdemann Hamburgs Dealer für schwer BMW-abhängige Motorradfahrer. Ich kenne den Laden seit 1980 und schätze die Jungs als Profis mit jeder Menge Herzblut, bei denen es ausschließlich um BMW und um nichts anderes geht. So wie bei dieser R 1200 RT, die ihre ersten Lebensmonate als Stüdemann-Vorführer verbrachte und dann in liebevoller Seniorenhand gelandet war. Besagter älterer Herr gab wohl im Frühjahr 2015 das Motorradfahren auf, und da war es eine Ehrensache, dass sich die Stüdemänner um die Weiterverwertung kümmern wollten. Was eigentlich kein Problem sein sollte, denn der bereits von der umfangreichen 2010er-Modellpflege profitierende Luxustourer hat praktisch alles, was die Zubehörpreisliste hergab – alles dran und drin. Hat komplett mal deutlich über 20.000 Euro gekostet und steht sich heute für die Hälfte des Tarifs die Reifen platt.

Woran liegt’s? „In Silber oder einer dunklen Farbe wäre sie vermutlich längst weg“, mutmaßt Stüdemann-Boss Jochen Ernsting. Doch in Polarblau-Metallic mutierte sie zur sprichwörtlich grauen Maus. Die ursprüngliche Preisvorstellung wurde bereits nach unten korrigiert, doch auch der aktuelle Preis wird sich wohl nicht halten lassen. Auch eine alte Verkäufer-Weisheit: Über den Preis geht irgendwann alles.

Das wird auch das Motto für die Triumph Daytona 675 sein. Der kompakte Dreizylinder steht in St. Michaelisdonn, im tiefsten Dithmarschen, nicht weit von der Nordsee entfernt. Dort kümmern sich Ingo Heller und die Soltau-Brüder Hauke und Botho seit 1986 um Kawasakis und seit 1992 um Triumphs. Ingo lernte vor ein paar Jahren auf einer Hamburger Motorradmesse eine nette Triumph-Fahrerin kennen, die fortan den Weg an die Westküste wählte, um ihre Daytona in pflegende Hände zu geben. Vor rund drei Jahren machte die Familienplanung dem munteren Angasen aber ein vorläufiges Ende, und seitdem ist die Daytona im Auftrag zu verkaufen.

Von einer solch langen Verweildauer war nicht wirklich auszugehen, denn bei der Daytona stimmt eigentlich alles: schwarz, umfall- und unfallfrei, scheckheftgepflegt, neue Reifen, Extras (LED-Blinker, MRA-Racingscheibe, Sturzpads), HU, AU und Inspektion bei Kauf neu. Und trotzdem: Keine Besichtigungen, keine Probefahrten, noch nicht mal unmoralische Preisgebote. Zugegeben: Die erste Preisvorstellung der Auftraggeberin mit einer Sieben am Anfang war illusorisch, und auch der aktuell aufgerufene Preis wird nicht zu bekommen sein. Aber wenn doch jemand auftaucht, womöglich weiblich, und dem Frauenversteher Ingo tief in die Augen schaut, müsste er oder sie mit einem Kurs, der irgendwo zwischen 5.500 und 5.900 Euro liegt, auf der Daytona durchstarten können.

Klaus Herder: "Es lässt sich nicht immer rational erklären, warum Motorräder viel länger als geplant stehen bleiben. Die BMW und die Triumph sind dafür die besten Beispiele. Beides durchaus beliebte Gebrauchtmaschinen, aber irgendwie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Konsequenz für Schnäppchenjäger: hart verhandeln – und zuschlagen!"

Motorradhändler im Süden

„Hallo! Sie haben doch bestimmt ein Motorrad rumstehen, das Sie schon ewig nicht verkauft kriegen!“ Wer mit so einer Telefonansage beim Händler anklopft, darf nicht enttäuscht sein, wenn sich dieser um eine Antwort drückt. Darum hat Nachwuchs-Gebraucht-Onkel Tobias Beyl (28) komplett aufs Telefonieren verzichtet und ist einfach mal losgefahren.

Foto: Tobias Beyl
Kraichtal-Menzingen, Aprilia RSV 1000 Tuono, EZ 02/2003, 15.400 km, 2.990 Euro.
Kraichtal-Menzingen, Aprilia RSV 1000 Tuono, EZ 02/2003, 15.400 km, 2.990 Euro.

Kraichtal-Menzingen, Aprilia RSV 1000 Tuono, EZ 02/2003, 15.400 km, 2.990 Euro: Comic-Fans aufgepasst! Schlagt jetzt bei diesem einmaligen Angebot zu und sichert euch eine exklusive Tuono im Spiderman-Design! Den passenden Helm liefert seit Neuestem übrigens HJC. Ansonsten könnte sich vielleicht auch ein FC-Bayern-Fan mit dem blau-roten Kunstwerk anfreunden – Stichwort Trikot-Replica. Denn angeblich gibt es ja zu jedem Topf den passenden Deckel. Wer sich berufen fühlt, greife zu!

Foto: Tobias Beyl
Braubach bei Koblenz, Kawasaki VN 1700 Voyager, EZ 08/2009, 42.350 km, 10.490 Euro.
Braubach bei Koblenz, Kawasaki VN 1700 Voyager, EZ 08/2009, 42.350 km, 10.490 Euro.

Braubach bei Koblenz, Kawasaki VN 1700 Voyager, EZ 08/2009, 42.350 km, 10.490 Euro: Der dicke V2 steht seit Mai 2015 im Laden. Dabei durfte Geschäftsführer Gero den Schlüssel schon oft aus der Hand geben, denn für Probefahrten kommen regelmäßig Interessenten vorbei. Warum sie dann aber doch nicht zuschlagen, können weder sie noch Gero erklären. Der un- und umfallfreie und bestens ausgerüstete Cruiser aus erster Hand bietet dem ernsthaft Interessierten ein Top-Angebot zu einem günstigen Preis.

Über die Standuhren

Natürlich reagieren Händler mitunter sehr überrascht (zugegeben eher negativ), wenn man einfach bei ihnen reinspaziert und nach Ladenhütern fragt. Aus reiner Vorsicht besuche ich deshalb nicht den Händler meines Vertrauens, sondern plane eine schöne, knapp 400 Kilometer lange Tour durch das nördliche Baden-Württemberg. Nach 75 Kilometern steuere ich das Motorradland Kraichgau an, spaziere unter einer „ausgestopften“ Yamaha hindurch und zur Tür hinein. Verkäufer Marcel (34) führt mich an zahlreichen glänzend-roten Ducatis vorbei in einen Raum voller Schätzchen, die allesamt auf einen neuen Besitzer warten. Eine von ihnen: die Aprilia RSV 1000 Tuono. Marcel schiebt sie vor, es fallen Begriffe wie „Einzelstück“ oder „Sonderanfertigung“.

Tatsächlich könnte man es kaum treffender beschreiben. Spiderman-Blau trifft Spiderman-Rot, dazu noch Spiderman-Spinnweben und als Zugabe: Eine Spinne auf dem Tank. Zweifellos durfte sich hier ein Airbrush-Künstler austoben und erschuf ein Unikat. Leider nur verkauft sie sich in diesem Kostüm nicht. Wobei ... So ganz richtig ist das nun auch wieder nicht. Im Sommer 2015 wurde sie eben doch verkauft. An einen Koch. Der sie allerdings nach einem halben Jahr und lediglich 800 Kilometern aus Zeitmangel wieder zurückbrachte. Nun steht sie wieder hier im Laden.

2.990 Euro soll sie kosten, damit ist sie das günstigste Händlerangebot im Netz. Erstzulassung 2003, aus zweiter Hand, erst 15.400 Kilometer auf der Uhr. TÜV würde sie neu kriegen. Da kann man eigentlich nichts falsch machen. Man braucht nur ein ausreichend großes Ego und wahrscheinlich eine farblich passende Lederkombi. Oder alternativ eine Spraydose.

„Neu lackieren.“ Das ist auch einer der beiden Tipps, die mir der nächste Händler mit auf den Weg gibt: Wenn sich ein Bike nicht verkaufen lässt, werden schon mal die Felgen neu lackiert. Oder das ganze Motorrad. Standuhren hätten sie deshalb keine. Aber er hat noch einen zweiten Tipp für mich: Erst am Tag zuvor habe er mit einem Händlerkollegen gesprochen, der bereits seit zwei Jahren eine VN 1700 im Laden stehen habe. Ich lasse mir die Adresse geben und flitze außerplanmäßig in Richtung Koblenz zu Moto Rickert. Und da steht sie: eine VN 1700 Voyager mit sage und schreibe 844 Tagen Standzeit. 13.600 Aufrufe habe sie im Netz, 181 Parkungen. Und bereits unzählige Probefahrten. Leider nur wollen die Interessenten allesamt nochmals eine Nacht drüber schlafen, mit ihrem Geldbeutel Rücksprache halten oder nochmals mit ihrer Frau vorbeikommen. Und dabei bleibt es. Erklären kann es Geschäftsführer Gero nicht. Deshalb wird er den scheckheftgepflegten Cruiser weiterhin pflegen, die Radio-Antenne ersetzen, wenn sie wieder mal geklaut wurde und jedem Interessenten eine Probefahrt anbieten. Kommt Zeit, kommt Käufer. Hofft er.

Tobias Beyl: "Die leicht angelaufenen Chromblenden sind tatsächlich der einzige Kritikpunkt an der amerikanisierten Japanerin. Sonst steht sie super da und sieht gut aus. Etwas anders ist das freilich bei der Tuono: Technisch top, aber das Spiderman-Design ist wohl wirklich nur etwas für echte Fans."

Motorradhändler in Franken und Thüringen

In Franken gibt es lecker Schäufele mit Klößen, im Thüringer Wald finden sich die besten Rostbratwürste. Grund genug für Gebraucht-Onkel Thorsten Dentges (45), sich in diesen Regionen bei Händlern umzuschauen. Die rassige, aber kaum gefragte MV stand beim riesigen Angebot in Erfurt traurig in der Ecke, die preiswerte Honda in Hof war indes gut exponiert. Ohne Erfolg.

Foto: Thorsten Dentges
Hof an der Saale, Honda VTR 1000 F, EZ 7/1998, 24.990 km, 2.490 Euro.
Hof an der Saale, Honda VTR 1000 F, EZ 7/1998, 24.990 km, 2.490 Euro.

Hof an der Saale, Honda VTR 1000 F, EZ 7/1998, 24.990 km, 2.490 Euro: Geschäftsführer Khan Davgan (41) befürchtet, dass die guten Zeiten für alltagstaugliche, solide Sporttourer vorbei sind. 98 PS sei für junge Sportfahrer zu wenig. Außerdem schrecken ein Vergaser-Motor mit recht hohem Verbrauch sowie fehlendes ABS viele Käufer ab. „Inspektion gemacht, Gabel neu gedichtet, und mit dem Preis bin ich doch schon unten – was soll ich sonst noch machen?“, fragt sich der Verkäufer.

Foto: Thorsten Dentges
Erfurt, MV Agusta Rivale 800, EZ 10/2013, 5.879 km, 8.990 Euro.
Erfurt, MV Agusta Rivale 800, EZ 10/2013, 5.879 km, 8.990 Euro.

Erfurt, MV Agusta Rivale 800, EZ 10/2013, 5.879 km, 8.990 Euro: Im Laden brummt’s samstags, wenn viel Laufpublikum kommt. Dennoch interessiert sich kaum jemand für die Rivale. „Wohl zu sportlich für Tourenfahrer. Auf dem Mini-Soziusplatz ist Mitfahren echt kein Spaß“, gibt Verkäufer Michael Andrzejak (44) zu. Hauptproblem aber: Neben der Rivale steht eine jüngere Brutale mit ABS. Zum gleichen Preis. „Uups“, sagt Michael und entscheidet subito, die Rivale 800 Euro günstiger anzubieten.

Über die Ladenhüter

Das Firmengebäude von Stärker Profil Motorrad liegt direkt am Zubringer zur Erfurter Altstadt. Der Glaskasten mit unzähligen davor geparkten Motorrädern ist an der viel befahrenen Weimarischen Straße kaum zu übersehen. Anders die arme Rivale im Verkaufsraum: Trist steht sie abseits in der Ecke. Ich hatte mich bewusst auf gebrauchte MV Agusta gestürzt, da ich dort eine sehr hohe Standuhrendichte vermutete. Was Michael Andrzejak, seit vier Jahren MV-Vertragshändler, bestätigt. Die Rivale aus dem Angebot parkt mittlerweile schon über ein Jahr zwischen seinen Mittelklasse-Bestsellern von Triumph (Street Triple) oder Suzuki (GSR 750) – Marken, die er ebenfalls vertreibt. Der Vorbesitzer erwarb die Maschine als Vorführer, spulte in einem Jahr gut 5.000 Kilometer drauf, merkte, dass sich die recht sportliche Rivale für Touren nicht gut eignet, kaufte deshalb bei Stärker was anderes. Die Preise von MVs waren seinerzeit noch okay, folglich nahm der Händler den Fehlkauf seines Kunden für teuer Geld zurück.

Nun käme zwar ab und zu mal ein Interessent vorbei, sagt Andrzejak, aber nach Probefahrt heiße es immer: „Nicht so bequem, zu radikal.“ Die MV-Preise seien mittlerweile gefallen, und die Rivale irgendwie weder Fisch noch Fleisch, beklagt der Händler. Und das Exemplar habe kein ABS, auch das störe die meisten Interessenten. Etwas doof außerdem, dass direkt daneben preisgleich eine ähnlich konzipierte Brutale steht. Mit Bremsassistent. Logisch, der Preis muss runter, meint auch Andrzejak und ergänzt leicht sarkastisch: „Aber selbst zum Ankaufpreis wird das Teil wohl noch eine Weile hierbleiben.“ Recht hat er, zum Redaktionsschluss finde ich jedenfalls die makellose Rivale noch inseriert – für 8.190 Euro.

Am Preis dürfte es bei meiner nächsten besichtigten Gebrauchten nicht liegen, warum keiner kaufen will. Die Honda VTR 1000 F vom Motorsport K-Team im fränkischen Hof steht super da und soll nur 2.490 Euro kosten. Damit liegt sie im Vergleich auf niedrigem Preisniveau und ist günstiger als viele von Privatleuten angebotene Gurken gleichen Alters. Händler Davgan ließ bei der Honda die Vergaser reinigen, erneuerte die Gabel-Simmerringe, machte den TÜV neu. Reifen sind gut, das Fahrzeug steht sauber und gepflegt da, der Mini-Kratzer an der Verkleidung stört nicht. Knapp 25.000 Kilometer sind für die betagte Maschine eine sehr akzeptable Laufleistung, und eine absichernde Gewährleistung gibt es beim Händler ohnehin. Trotzdem steht die VTR wie Sauerbier. Mehr als 70 Gebrauchtbikes verkauft Davgan im Jahr, normalerweise haben die Maschinen nach spätestens vier Wochen einen neuen Besitzer. Die Honda verweilt schon seit Monaten. Ob es an der Farbe Silber liegt? Daran, dass die 1000er so viel verbraucht, dass Pfennigfuchser die Kosten gegen den günstigen Verkaufspreis hochrechnen? Davgan kann auch nur spekulieren und hofft weiter auf einen Käufer, der das prima Angebot über eine ultrasolide Maschine zu schätzen weiß.

Thorsten Dentges: "5.000 Euro unter Listen-Neupreis für eine kaum benutzte MV Agusta vom Händler. Bereit für einen frechen, seltenen Exoten – warum nicht die Rivale? Vernunftmenschen stöhnen nun auf, aber für sie gäbe es ja die dezent-silberne Honda. Garantiert auch keine Langweilerin."

Motorradhändler in Oldenburg und im Harz

Verkaufsprofis wie Ralf Biermann (links) und Sebastian Oertel sind schnellen Durchsatz gewöhnt. In der Saison sind die meisten Gebrauchtbikes innerhalb von sechs Wochen wieder mit neuen Besitzern auf der Straße unterwegs. Doch Gebraucht-Onkel Jörg Lohse (47) musste erfahren, dass auch Topseller von einst doch ungewöhnlich lange im Showroom stehen bleiben können.

Foto: Jörg Lohse
Oldenburg, Kawasaki ZX-9R, EZ 8/1999, 62.200 km, 2.250 Euro.
Oldenburg, Kawasaki ZX-9R, EZ 8/1999, 62.200 km, 2.250 Euro.

Oldenburg, Kawasaki ZX-9R, EZ 8/1999, 62.200 km, 2.250 Euro: Ralf Biermann von Kawasaki Schlickel in Oldenburg weiß schon, was das Problem bei der Ninja in Blau ist: „Jaja, die Kilometerleistung ist hoch. Andererseits haben wir hier schon ZX-Neunen mit 150.000 auf der Uhr in der Werkstatt gehabt. Durchsehen und weiterfahren.“ Der Check ist übrigens bei der von MOTORRAD top bewerteten Werkstatt inklusive. Genauso wie die Ducati 916-Front. Biermann: „Das hat ja auch nicht jeder ...“

Foto: Jörg Lohse
Teichhütte, Suzuki GSF 600 S Bandit, EZ 6/1997, 25.800 km, 2000 Euro.
Teichhütte, Suzuki GSF 600 S Bandit, EZ 6/1997, 25.800 km, 2000 Euro.

Teichhütte, Suzuki GSF 600 S Bandit, EZ 6/1997, 25.800 km, 2.000 Euro: Sebastian Oertel (27) setzt als freier Motorradhändler im Westharz auf das pralle Leben: „Eine bunte Mischung mit vielen Mittelklasse-Japanern, natürlich BMWs und zum Garnieren ein paar exotische Modelle wie die Benelli TNT.“ Dass ausgerechnet ein Volkskrad wie die 600er Bandit stehen bleibt – trotz geringer Laufleistung, frisch inspiziert, getüvt und mit neuen Verschleißteilen? Oertel: „Die Verkleidung, die Farbe ... Aber die geht noch!“

Über die Ladenhüter

Online Standuhren finden? Keine leichte Übung. Es sei denn, man sondiert in akribischer Kleinarbeit über Monate das Angebot. Puh, das ist zähe Beamtentaktik. Andere Idee: Nur die ganz neuen Anzeigen checken und nach Spuren fahnden, die auch digital angestaubt wirken – z. B. ein Winterbild in einem Spätsommer-Inserat. In Teichhütte stolpere ich über eine Suzuki GSX-R 750 K1 für dreifünf. Na, die steht doch garantiert schon länger. Ab in den Harz, mal angucken. Motorradhändler Sebastian Oertel lacht, als ich nach einem Standplatten frage. Nein, den Dreiviertel-Gixxer hat er tatsächlich frisch reingenommen. Und: „Die steht bei mir nicht lange!“

Ein altes Sorgenkind hat er schon: „Eine 600er Bandit. Die habe ich zum frühen Saisonstart vom Vorbesitzer angekauft, der Preis hat gestimmt!“ Für den Petrolhead, der seine Unternehmer-Existenz in wenigen Jahren aus einer jugendlichen Scheunenschrauberei heraus aufgebaut hat, ist es als freier Händler wichtig, „immer von allem etwas“ im Laden stehen zu haben: „Von 1000 bis 10.000 Euro. Alle wichtigen Typen dabei. Die Leute kommen zu mir rein und irgendwie findet dann jeder was!“ Nur die feuerrote Bandit fiel komplett durchs Raster: „Klar war die mal populär, aber in dieser Farbe und dann noch als S-Version mit Halbschale interessiert die heute kaum noch.“ Als Nackte, ist sich Sebastian sicher, hätte er sie schon drei Mal verkauft. Seine Prognose: „Die wird weiter stehen, dieses Jahr geht da nix mehr. Aber zum Saisonstart 2017 ist sie verkauft. An eine hübsche Wiedereinsteigerin ...“

Ähnlich gelassen begrüßt mich Ralf Biermann („Mein Alter? Gefühlt 46. Maximal ...“) bei Motorrad Schlickel in Oldenburg. Sein gerade frisch auf Mobile eingestelltes Angebot hat in Wirklichkeit schon über sechs Monate im Showroom verbracht. Eine 99er ZX-9R Ninja in Blau, mit knapp 70.000 km Laufleistung und – jetzt kommt’s – Ducati-916-Front. Dass so etwas zur Standuhr reift, ist doch mit Ansage, oder? Ralf knurrt zurück: „Die Ninjas sind bei uns super gelaufen, von denen haben wir in Hochzeiten 100 pro Jahr verkauft!“ Aber, bitteschön, mit dieser Front ...? Auch das kann der Kawa-Händler erklären: „Original hatte die ZX-9R damals nur einen Scheinwerfer, während alle Welt schon auf Doppelschlitze umgestellt hat. Das hier habe ich auf einer Messe gesehen und gedacht – das kriegen wir auch hin!“ So war es dann – mehr als zehn Kunden haben die ZX-9R seinerzeit bei Schlickel auf 916-Nase umbauen lassen. Knapp zwei Jahrzehnte später hat das aber schwer an Sex-Appeal und damit an Kaufreiz verloren. Das weiß auch der Chef: „Ich habe sie für eine Z 800 in Zahlung genommen. Von einem Stammkunden. Und die lasse ich nicht hängen!“ Die ZX-916R wird bei Schlickel überwintern, aber Ralf bringt das nicht aus der Ruhe: „Irgendwann steht jemand morgens auf, der dann genau diese hier kaufen will.“

Jörg Lohse: "Beim Motorradkauf muss natürlich die Sympathiewertung stimmen. Und nach dieser hätte ich gleich zweimal zugreifen müssen – sowohl beim engagierten Start-up-Dealer als auch beim herrlich kauzigen Kawa-Händler. Selbst wenn mir derzeit nicht der Sinn nach einer kleinen Bandit oder 916-Ninja steht."

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