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Gebrauchte Motorräder Tipps für Käufer und Verkäufer

Perfekt, wenn Verkäufer und Käufer den Handel mit festem Handschlag zufrieden besiegeln. Neben Fairness und höflichem Umgang müssen beim Kauf und Verkauf von gebrauchten Motorrädern aber auch ein paar Regeln beachtet werden.

Beim Händler gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung. Das ist gut, aber keine Garantie dafür, dass es bei Problemfällen nicht dennoch zu ärgerlichen Auseinandersetzungen ums Recht kommt. Und wenn ein Motorrad-Einsteiger bei der Wahl des Modells daneben liegt, liegt das unter Umständen nicht nur am unerfahrenen Käufer, sondern mitunter auch an einem allzu geschäftstüchtigen Verkäufer. Profiverkäufer wissen meistens, welche Register sie ziehen müssen, um gebrauchte Motorräder an den Mann oder die Frau zu bringen. Unter Gewerblichen gibt es viele verschiedene Typen: mürrische, joviale, unaufgeregte, humorvolle, sachkenntnisreiche, verbindliche. Der Käufer kann selbst entscheiden, wo er sich gut aufgehoben fühlt und mit wem er am liebsten einen Deal machen möchte. In der Regel spricht sich der Ruf einzelner Händler herum – durchtriebene Schlitzohren halten sich nicht lange am Markt.

Ganz anders ist die Lage, wenn es sich um private Käufe oder Verkäufe von gebrauchten Motorrädern handelt. Schließlich geht es meist nur um ein Motorrad als singuläre Geschäftshandlung, und Käufer und Verkäufer sehen sich danach nie wieder. Dabei entpuppen sich beide Parteien, Käufer und Verkäufer, leider manchmal als skrupellos. Doch es sind nicht nur offensichtliche Betrüger, die den Gebrauchthandel verleiden. Manche unmöglichen Umgangsformen gelten zwar nicht als kriminell, nerven aber ungemein. Ganz vornweg: anmaßendes Gefeilsche, falsche Beschreibungen des Zustands der angebotenen Maschine und Unzuverlässigkeit beim Einhalten von Terminen. Wir haben auf den nächsten Seiten bzw. in der Bildergalerie ein paar wichtige Regeln für Käufer und Verkäufer von gebrauchten Motorrädern aufgeführt und mit Tipps für die Praxis angereichert, um Ärger und Frust beim Handel zu vermeiden und die Verschwendung wertvoller Zeit zu verhindern. Anders gesagt: Ein respektvoller Umgang und ein fairer Deal für beide bedeuten vor allem Spaß. Und genau das macht das gemeinsame Hobby Motorrad aus.

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Tipps für den Käufer

1. Offen sein für Alternativen.
Denn so erhöht sich das Angebot enorm. Am besten vorher schlau­lesen: Welche Motorräder traten in Vergleichstests gegen mein Wunsch­modell an? Häufig geraten bei der Recherche Modelle ins ­Visier, die besser passen würden. 

2. Zu zweit zur Besichtigung.
Vor Ort hat das Vorteile. Für einige Prüfpunkte bei der Inaugenscheinnahme des gebrauchten Motorrads (siehe Checkliste auf der nächsten Seite) benötigt man ­einen Helfer. Außerdem hält einen der Beistand mitunter von un­vernünftigen Entscheidungen ab. 

3. Genug Zeit mitnehmen.
Besichtigungen im Schnelldurchgang? Bitte besser vergessen! Wer zum Termin eilt und unter Zeitdruck das gebrauchte Motorrad begutachtet, übersieht vieles und trifft leicht ­eine Fehlentscheidung. Zeit für die Anfahrt großzügig berechnen.

4. Termine absichern.
Immer auch eine erreichbare Telefonnummer geben lassen und die eigene hinterlegen. Gerade bei längeren Anfahrten vor der Abfahrt Treffpunkt und -zeit bestätigen lassen. Und bitte fair sein: früh genug absagen, wenn man verhindert ist.

5. Nicht stressen lassen!
Verkäufer weisen gerne darauf hin, dass mehrere Interessenten scharf auf das Motorrad seien. Das stimmt zwar meistens nicht, soll den Käufer aber zum schnellen Kauf bewegen. Locker bleiben, es wird nicht das einzige gute Angebot sein!

6. Probefahrt ist ein Muss.
Viele Defekte und Schwachstellen an Motor und Fahrwerk lassen sich häufig nur während der Fahrt feststellen. Wer selbst (noch) nicht ­fah­ren darf, sollte die Proberunde durch einen erfahrenen Motorradfahrer absolvieren lassen.

7. Zusagen bescheinigen lassen!
TÜV wird angeblich noch gemacht, die Dreingabe-Koffer stehen noch auf Omas Dachboden – warum hat sich der Verkäufer nicht vorher drum gekümmert? Regel: Gezahlt wird erst, wenn alle Verabredungen erfüllt worden sind!

8. Vorsicht bei Wartungsstau!
Finger weg von gebrauchten Motorrädern, die schlecht gepflegt und technisch vernachlässigt dastehen (zu wenig Öl, lasche Kettenspannung usw.). Achtung bei warm gefahrenen Motoren. Will der Anbieter damit technische Probleme vertuschen?

9. Vordruck eines schriftlichen Kaufvertrags mitnehmen.
Zwar ist ein dahingekritzelter Vertrag auch gültig, aber ohne ausreichende Rechtskenntnisse vergisst man mitunter wichtige Punkte. Mit einem Vordruck passiert das nicht.

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Checkliste für die Besichtigung

Optimal, wenn man einen erfahrenen Schrauber dabei hat, der die Gebrauchte prüft. Oder eine Werkstatt erledigt den Check. Kann aber kosten und ist manchmal organisatorisch nicht möglich. Wichtig vor Ort ist es trotzdem, die wichtigsten Prüfpunkte strukturiert durchzugehen. 

Hier eine kleine Hilfestellung: 

Motor 
Sind Ventildeckel, Ölwanne, Zylinderkopf und -fuß sowie Motordeckel dicht und ohne Unfallspuren? Stimmt der Ölstand? 
Bei der Probefahrt sollte ein Helfer hinterherfahren. Wenn unter Last (Gas geben) blaue Fahnen aus dem Auspuff kommen, sind die Kolbenringe verschlissen. Tritt im Schiebebetrieb (Gas plötzlich wegnehmen) Blaurauch aus, sind die Ventilschaftdichtungen hin.

Auspuff 
Rost und Unfallspuren zu finden? Auspuff original oder ein Nachrüstteil mit Betriebserlaubnis? Mit Handballen gegen Schalldämpfer schlagen: Wenn es klappert, sind meist innen Bleche lose. Patschen während der Fahrt? Vermutlich ist der Auspuff undicht.

Bremsen
Scheiben riefig bei Fingernagelprobe, Beläge verschlissen (Sichtprobe)? Bremsdruckpunkt gut spürbar? Bei schwammigem Gefühl könnte Luft im System sein. Kunststoffleitungen auf Risse und poröse Stellen überprüfen. Betriebserlaubnis bei Nachrüstprodukten (häufig Stahlflexleitungen)? ABS-Kontrollleuchten checken.

Licht und Armaturen 
Funktionieren Abblend- und Fernlicht, Blinker, Rück- und Bremslicht sowie die Hupe? Unfallspuren an Griffen?

Verkleidung 
Hat die Kunststoffhaut Risse, wurde sie bereits aus­gebessert? Ist Lack abgeplatzt oder ausgeblichen? Sind alle Verkleidungsteile original beziehungsweise eingetragen?

Kette 
Pflegezustand gut? Lässt sich die Kette nicht nach hinten vom Kettenrad wegziehen? Durchhang bei verschiedenen Stellungen des Hinterrads fühlen. Bei sehr unterschiedlichem Durchhang ist die Kette ungleichmäßig gelängt. Kettenrad mit „Haifischzähnen“, Kettenspanner fast am Ende der Einstellskala: Ketten-Kit muss vermutlich getauscht werden.

Reifen 
Profiltiefe mindestens 1,6 mm, Reifenmodell und -dimen­sionen zugelassen? Produktionsdatum checken (vierstellige Zahl an Reifenflanke („4213“ steht z. B. für 42. Kalenderwoche 2013).

Gabel und Stoßdämpfer 
Alles trocken, kein Öl? Auch wenn man mehrfach ein- und ausgefedert hat oder nach der Probefahrt? 

Rahmen 
Roststellen? Besonders kritisch: Schweißnähte mit Rissen und Alurahmen mit tiefen Kratzern. Freihändig fahren: Motorrad darf nicht zur Seite ziehen, sonst eventuell Rahmenschaden.

Lager 
Reifen umfassen und quer zur Fahrzeugachse bewegen, um Radlagerspiel zu überprüfen. Schwinge bei aufgebocktem Motorrad quer zur Fahrtrichtung rütteln – es sollte kein Spiel zu fühlen sein. Vorderrad entlasten, Lenker von Anschlag zu Anschlag drehen. Rastet es ein, ist wohl das Lenkkopflager verschlissen.

Tipps für den Verkäufer

1. Gut gepflegt ist fast halb verkauft.
Zeit und etwas Geld in die Aufbereitung des Motorrads zu investieren, lohnt sich. Auf­gefrischte Kunststoffe, blank ge­putz­te Felgen und neue Verschleißteile steigern den Wert und locken mehr Interessenten.

2. Preis realistisch beziffern.
Seit es kostenlose Online-Inserate gibt, nerven manche Verkäufer mit Mondpreisforderungen nach dem Motto: Erst mal teuer anbieten und gucken – koscht ja nix. Machen Sie es anders: Erst ähnliche Offerten checken, dann Preis fair taxieren!

3. Keine Preisverhandlungen am Telefon.
Bei Interessenten mit langen Anfahrtswegen ist es okay, den groben Preisrahmen für das gebrauchte Motorrad abzustecken. Ansonsten gilt: Verhandelt wird nur beim Besichtigungstermin vor Ort! Gesprächseinstieg „Letzter Preis?“ – gleich auflegen!

4. Nur einer oder eine zählt.
Das gebrauchte Motorrad steht in den Inseraten, aber das Telefon still, und viele Online-Anfragen gab’s auch nicht? Geduld. Analysieren, woran es liegen könnte: etwa an einer zu hohen Preisforderung? Nicht vergessen: Ein Interessent reicht als Käufer!

5. Sich keine Zeit rauben lassen.
Manche Typen schwatzen ­einen am Telefon oder bei der Besichtigung zu und stellen zudem komische Forderungen. Klarstellen: Sie wollen Ihr Motorrad verkaufen, mehr nicht. Labertaschen lieber abwürgen!

6. Interessenten freundlich festnageln.
Höflich nach genauem Namen und Telefonnummer fragen („Falls bei mir was dazwischenkommen sollte, gebe ich Bescheid – und andersherum bitte auch, okay?“). Das erhöht die Chan­ce, nicht versetzt zu werden.

7. Vor Probefahrt Dokumen­te zeigen lassen.
Der Interessent sollte sich ausweisen können und unbedingt seinen Führerschein vorzeigen. Es ist legitim, wenn der Verkäufer während der Probefahrt den Ausweis als Sicherheit einbehält.

8. Kaufvertrag ist bindend.
Schriftliche Aussagen – etwa zu Un­fallfreiheit oder Kilo­me­ter­leis­tung – sind verbindlich. Also nur so dokumentieren, wie es der Wahrheit entspricht. Genauso bindend gelten Zusicherungen des Käufers (Restzahlung, Ummeldung etc.).

9. Erst Geld, dann Ware.
Bargeld ist ehrlich, dennoch ist Vorsicht geboten, insbesondere bei großen Scheinen (im Zweifel bei Bank prüfen lassen!). Bei ­Zahlung durch Überweisung Fahrzeugpapiere erst nach vollständiger Bezahlung aushändigen.

Foto: Dentges
Achten Sie als Verkäufer sowohl auf den Anzeigentext wie auch die passende Bebilderung. 
Grundregel für Inseratfotos: das Wesentliche zeigen.

Am besten das Motorrad formatfüllend und ...
Achten Sie als Verkäufer sowohl auf den Anzeigentext wie auch die passende Bebilderung. Grundregel für Inseratfotos: das Wesentliche zeigen. Am besten das Motorrad formatfüllend und ...

Richtig anbieten

Der passende Anzeigentext

In manchen Inseraten kann man die halbe Lebens- oder teilweise auch Krankheitsgeschichte des Anbieters nach­lesen. Das hat dort nichts zu suchen. Genauso wenig interessieren sich potenzielle Käufer für schwülstig zitierte Meinungen anderer („Alle waren bisher von dieser tollen Maschine begeistert“, „Die Werkstatt war voll des Lobes ob des Zustands“ etc.). 

Gar keine weiteren Infos als Modellname, Erstzulassung und Preis zu geben, ist aber ebenfalls nicht empfehlenswert. Besser: kurz und prägnant Pflegezustand, Zusatzteile und Wartungshistorie sowie etwaige Macken an der Maschine beschreiben. Und peinliche Rechtschreibfehler sowie falsche Modellbezeichnungen vermeiden, lieber den Text noch mal genau prüfen!

Die passende Bebilderung

Günstige Kompaktkameras und gute Smartphones liefern bereits eine taugliche Bildqualität, aber in der Masse von Internetanzeigen haben gestalterisch einwandfreie Fotoansichten die beste Wirkung. Ganz wichtig ist eine aus­sagekräftige Vollansicht der Maschine. Die Perspektive zählt: zum Beispiel von einem etwas erhöhten Platz aus knipsen (beim Bild oben war es eine Parkbank). Oder man stellt sich etwa 20 Meter weit weg, geht in die Hocke und zoomt das Motorrad in Drei­vier­tel-Schräg­ansicht oder formatfüllender Seitenansicht heran. 

Möglichst neutralen Hintergrund wählen (Freifläche, Betonwand). Zirka fünf Details auswählen, dabei nur das Wesentliche wie etwa den Kilometerstand oder Kratzer sichtbar ablichten. 

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