Gebrauchtkauf

Yamaha XV 1100

Mit dem jungen Gemüse japanischer Chopper-Kopien hat die Yamaha XV 1100 eigentlich gar nichts gemein. Leider treibt sie mit vielen überflüssigen Gimmicks seltsame Blüten, die das solide touristische Erbe modisch verstecken sollen.

Chopper fahren ist in. Aber vielleicht möchten viele Fans der langen Gabeln dann doch nicht so ein ganz extremes Gefährt. Bestes Beispiel: die XV 535, die jahrelang die deutsche Hitliste anführte und noch immer Platz zwei belegt. Ein Motorrad, das zwar nach Chopper aussieht, aber dennoch leidlich zum Touren taugt. Das gleiche gilt für die XV 1100 Virago, die seit 1989 angeboten wird.Ihr V2-Motor ist ein guter alter, solider Bekannter, denn schon 1981 fand er sich im Tourer TR 1 und im Chopper XV 750 auf dem deutschen Markt. Schade nur, daß Yamaha bei der 1100er Chopper-Variante nicht das schlichte Design der 750er beibehielt, sondern den wehrlosen Chopper schmückte wie einen Weihnachtsbaum. Aber über Design läßt sich bekanntlich streiten - nicht umsonst konnte Yamaha in Deutschland bisher über 8000 Exemplare an den Mann oder an die Frau bringen.Unbestritten sind dagegen die inneren Werte der XV 1100. Der Motor ist ein äußerst angenehmer Zeitgenosse, da er für seinen Einsatz im Chopper auf Kraft aus tiefen Drehzahlen getrimmt wurde. Beschleunigen aus Leerlaufdrehzahl? Mit der 1100er kein Problem. Bereits ab 2000 Umdrehungen geht’s richtig vorwärts - und zwar ruckfrei. Vibrationen? Bei der XV zwar standesgemäß vorhanden, aber stets im erträglichen Rahmen.Erfreulicherweise ist das Triebwerk auch noch äußerst standfest - Laufleistungen von 80 000 bis 100 000 Kilometern sind keine Seltenheit. Der einzige wirkliche Schwachpunkt an dem XV 1100-Motor ist der Anlasser. Eine ärgerliche Modellkonstanz, da dieses Problem bereits von den Vorgängerinnen TR1 und XV 750 bekannt ist. Yamaha unterscheidet dabei drei Symptome. Krankheit Nummer eins: Bei Knopfdruck dreht der Anlasser ohne zusätzliche Geräuschentwicklung leer durch. Ursache: defekter Freilauf. Abhilfe: modifizierten Anlasserfreilauf einbauen, dessen Bestellnummer lautet 3LP-15570-00. Krankheit Nummer zwei: Beim Knopfdruck dreht der Anlasser leer, jedoch unter kreischender Geräuschentwicklung. Ursache: Rutschkupplung im Planetengetriebe des Anlassers verschlissen. Abhilfe: Anlasser oder zumindest den Planetenvorsatz austauschen. Krankheit Nummer drei: Beim Anlassen dreht der Motor unter ratternden Geräuschen nur teilweise durch. Ursache: Aufgrund zu geringer Vorspannung rastet das Einspurritzel nicht komplett ein. Abhilfe: Einbau zweier zusätzlicher Hülsen (erhöht die Vorspannung) und Austausch der serienmäßigen Schiebemuffe gegen ein modifiziertes Exemplar. Außerdem hat Yamaha den Verzahnungswinkel des Ritzels und der Führungshülse modifiziert - Bestellnummer 3LP-W1551-00. Sollte der Anlasser innerhalb der ersten beiden Jahre streiken, gilt das noch als Garantiefall. Später kann der Kunde immerhin noch auf Kulanz hoffen, Yamaha zahlt in diesem Fall wenigstens die Materialkosten. Auch das lohnt sich, denn ein kompletter Anlasser kostet immerhin rund 750 Mark.Neben dem Motor kann auch das Fahrwerk überzeugen: Es ist spurstabil und läßt sogar flotte Kurvenfahrt zu. Allerdings bremsen die tief angebrachten Fußrasten sportlichen Vorwärtsdrang durch allzu frühes Aufsetzen in Schräglage rasch ein.Die Sitzposition für den Fahrer ist für einen Chopper recht bequem - fast schon tourenmäßig. Dieser Eindruck verfliegt allerdings nach rund 200 Kilometern, da dann der XV-Treiber das Bedürfnis verspürt, die Beine auszustrecken, da die ausgeprägte Sitzmulde seinen Allerwertesten unbarmherzig fixiert. Der Beifahrer kommt von Anfang an zu kurz, denn das für ihn vorgesehene Plätzchen fällt deutlich zu knapp aus. Die vordere Doppelscheiben-Anlage verzögert überraschend gut, so gut allerdings, daß sich bei starken Verzögerungs-Aktionen die Standrohre der luftunterstützten Telegabel verwinden. Die Trommelbremse hinten dagegen funktioniert lediglich ausreichend. Und wenn ihre Bremsleistung nur noch mangelhaft ist, muß wahrscheinlich wieder einmal die Bremstrommel ausgeblasen werden - Abrieb bremst nicht. Die Federelemente der XV 1100 sind recht straff abgestimmt. Der Nachteil dieser Härte: Wenn Gepäck oder Beifahrer im Spiel sind, ist die Reserve der Federelemente schnell am Ende. Der Vorteil: Der Kardanantrieb kann sich so kaum mit lästigen Lastwechselreaktionen bemerkbar machen. Bemerkbar macht sich dagegen das Alter der Motorkonstruktion - beim Spritverbrauch nämlich. Unter fünf Liter geht’s nur ganz selten, dafür sind über zehn Liter Normalbenzin bei flotter Fahrweise überhaupt kein Problem. Am hohen Verbrauch kann man leider nichts ändern. Immerhin aber läßt sich die Reichweite erhöhen, indem der serienmäßig rund 17 Liter fassende Tank durch einen Bottich aus dem Zubehör ersetzt wird - zum Beispiel durch das rund 1000 Mark teure 23-Liter-Faß der Firma Lammers, Telefon 0 59 31/39 67. Die Modellpflege-Maßnahmen hielten sich stark in Grenzen, daher kann der Gebrauchtkäufer auch bedenkenlos auf einen älteren Jahrgang zurückgreifen. So erhielt die XV 1100 1991 eine elektronische Zündanlage und eine neue Regler-/Gleichrichter-Einheit. Ab 1994 bekam die XV einen neuen Tacho spendiert, und es gab sie nur noch mit Speichenrädern. Außerdem wurde die Auspuffanlage modifiziert - zu erkennen an den fehlenden Röhrchen an den Auspuffenden. 1996 wurde nochmals eine neue Regler- und Gleichrichtereinheit installiert, es finden andere Spiegel Verwendung, und die beiden Federbeine sind jetzt ganz gekapselt. Die Töne, die die XV von sich gibt, sind jetzt aufgrund einer neuen Auspuffanlage gedämpfter denn je. Chopper fahren ist in. So ist es nicht verwunderlich, daß sich die Gebrauchtpreise auf einem hohen Level bewegen: Die Jahrgänge von 1989 bis 1991 werden zwischen 5000 und 7000 Mark gehandelt. Die Modelljahre 1992 bis 1993 kosten meist noch zwischen 7500 und 9000 Mark, für jüngere Baujahre werden zwischen 9500 und 11 000 Mark verlangt. Neu kostet die XV 1100 Virago 15 480 Mark. Da dieser Chopper kaum Macken hat, lohnt sich der Gebrauchtkauf auf alle Fälle.

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Yamaha XV 1100 (GK) (Archivversion)

Meine XV 1100 habe ich im April 1993 mit 13 800 Meilen als US-Modell, Baujahr 1986, gekauft. Mittlerweile hat sie 25 500 Meilen, also etwa 41 000 Kilometer auf dem Buckel, darunter zwei Griechenland-Reisen. Nur der Anlasser machte von Anfang an Probleme. Durch ein neues Zahnrad und eine neue Schaltgabel war das Übel für 250 Mark Teilekosten behoben. Ihre Zuverlässigkeit und der Fahrspaß auch mit Sozius haben mich überzeugt.Markus Meister, MünchenMeine XV 1100 habe ich 1993 bei einem Grauimporteur für 11 500 Mark gekauft. Die Virago hat vom Fahrwerk her eher den Charakter eines Tourers. Die Original-Fußrastenanlage tauschte ich gegen eine vorverlegte von Burchard (670 Mark). Von der Dunlop-Bereifung wechselte ich auf Metzeler Marathon - Freigabe beim TÜV für 18 Mark. Die Laufleistung von 15 500 Kilometer hinten und das Kurvenverhalten, vor allem bei Regen, wurden deutlich besser. Der Motor zieht ab 1500/min ohne Leistungsloch mühelos bis in den roten Bereich kräftig durch. Zu bemängeln ist lediglich die Ölkontrontrolle, die viel zu früh aufleuchtet. Der fünfte Gang könnte etwas länger übersetzt sein. Die Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h und die Zuladung von 231 Kilogramm sind für einen Softchopper recht beachtlich. Der Spritverbrauch liegt zwischen fünf und acht Litern. Zu beachten ist auch die Abgasreinigung und die Warnblinkanlage, die bei dem Modell für Kalifornien serienmäßig sind. Nach 42 000 Kilometern hatte ich noch keine Defekte außer einer gebrochenen Tachowelle und Verschleißteilen. Die Inspektionen führe ich alle selbst aus, was an der XV nicht sonderlich schwer ist. Frank Haasler, LemgoIch fahre meine Virago XV 1000, Typ 2AE, jetzt die vierte Saison. Das relativ seltene Motorrad ist praktisch bis auf den Hubraum identisch. Aktueller Kilometerstand: 32 000. Gleich in der ersten Saison quittierte der Anlasser-Freilauf seinen Dienst. Der Schaden kündigt sich durch lautes Krachen beim Starten an. Folge: Anlasser dreht wie wild, hat aber keinen Kraftschluß zur Kurbelwelle. Zwei Monate später: Vergaser-Ansaugstutzen rissig. Zwei Monate später: Spannungsregler inklusive Gleichrichter defekt, Stromtotalausfall mitten im Rendsburger Nordostsee-Kanaltunnel. Warum baut Yamaha ein thermisch belastetes Elektrobauteil über den Vorschalldämpfer und obendrein unter den Seitendeckel, so daß garantiert keine kühlende Luftzirkulation stattfindet? Seit der zweiten Saison läuft die Maschine wie das berühmte Spinnrad. Unbedingt nach der Winterpause vor dem Starten neues Benzin in den Tank füllen und so lange die Schwimmergehäuse-Entleerungsschraube öffnen, bis frisches Benzin austritt. In Kurzform die Eigen- und Umbauten, die mich bis heute ungefähr 500 Mark gekostet haben. Die Wide Glide-Brücken von Fischer und die vorverlegten Fußrasten waren schon dran. Sitzbank: Soziusplatz zurechtgesägt und abgepolstert, Eigenbau-Lenker, Scheinwerferhalterung, Lampe von der SR 500,, anderes Luftfiltergehäuse, Demontage von Zusatztank und Benzinpumpe. Tip: Die Maschine läuft auch ohne Pumpe, und 12,5 Liter Benzin aus dem oberen Tank sind gut für 250 Kilometer. Radstand zirka 1,85 Meter, durch die Kurven schön langsam, Geradeauslauf hervorragend. Vor allen Dingen sieht sie jetzt nicht mehr so schwülstig aus.Ralf Sasse, Schalkholz Wir kauften uns unsere XV 1992, nachdem ich mich beim Händler davon überzeugt hatte, daß ich trotz meiner schmächtigen Statur (1,68 Meter, 62 Kilogramm) mit diesem 250-Kilo-Moped gut zurechtkomme. Für die meisten Geschwindigkeitsbereiche reicht der fünfte Gang. Der einzige Wermutstropfen ist die lausige Anlasser-Konstruktion: Nach nur 15 000 Kilometern wollte die Freilaufkupplung den Motor nicht mehr ins Geschehen mit einbeziehen. Die Preise für einen neuen Freilauf bewegten sich zu diesem Zeitpunkt zwischen 300 und 360 Mark. Da dieses Problem schon seit der TR 1 und der XV 750 SE bekannt ist, könnte Yamaha sich so ganz allmählich ja mal etwas Haltbareres einfallen lassen.Ralf Ernst, Diana Becker, WackersdorfMeine XV 1000, Baujahr 1986, habe ich mit 30 000 Kilometern gebraucht gekauft, jetziger Stand 98 000. Folgende Schäden taten auf: Bei 56 000 Kilometernmußte ich das Lenkkopflager austauschen, weil Brandspuren wegen mangelnder Masse zwischen Lampe und Rahmen das Lager zerstört hatten. Nach Verlegung eines Vier-Millimeter-Massekabels vom Rahmen zur Lampe an der Birnenfassung traten keine Schäden mehr auf. Bei 69 000 Kilometern hatte die Ölpumpe so starke Riefen, daß ich es vorzog, sie auszutauschen. Die Ursache ist das zu durchlässige Ölsieb. Nach dem Austausch gegen ein feinmaschigeres trat dieser Schaden nicht mehr auf. Wolfram Stibal, FreiburgLeider ist es nicht möglich, meine XV 1000, jetziger Kilometerstand 99 000, mit einem Fremdstartkabel anzulassen. Ich durchbohrte am Magnetschalter das Kunststoffgehäuse und schraubte eine Stahlwelle, Länge vier Zentimeter, Durchmesser zehn Millimeter, mit einem M 8-Innengewinde an den Pluspol des Magnetschalters. Sie ragt jetzt so weit aus dem Gehäuse heraus, daß das Anschließen eines Kabels möglich ist.Reinhard Thum, Untermünstertal

y (Archivversion)

Yamaha XV 1100Technische DatenMotorLuftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-V-Motor, Zylinderwinklel 75 Grad, je eine obenliegende zahnkettengetriebene Nockenwelle, zwei über Kipphebel betätigte Ventile pro Zylinder, wälzgelagerte Kurbelwelle, kontaktlose Zündanlage mit elektronischer Zündverstellung, zwei Mikuni-Gleichdruckvergaser, 0 40 mm, Drehstromlichtmaschine 280 Watt, Batterie 12V/20 Ah, E-Starter.Bohrung x Hub 95 x 75mmHubraum 1063 cm3Verdichtungsverhältnis 8,3 : 1Nennleistung 62 PS (45 kW) bei 6000/minMax. Drehmoment 8,7 kpm (85 Nm) bei 3000/minKraftübertragungPrimärantrieb über Zahnräder, Mehrscheibenkupplung im Ölbad, klauengeschaltetes Fünfganggetriebe, Sekundärantrieb über Kardan.FahrwerkPreßstahlrahmen, luftunterstützte Telegabel, Lenkkopf kegelrollengelagert, Standrohrdurchmesser 38 mm, Hinterradschwinge kegelrollengelagert, zwei Federbeine hinten, mit verstellbarer Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse mit Doppelkolbensätteln vorn,0 282 mm, Trommelbremse hinten, 0 200 mm, Leichtmetall-Gußräder.Federweg vorn/hinten 150/97 mmFelgengrößevorn 2.15 x 19hinten 3.00 x 15 Reifengrößevorn 100/90 H 19hinten 140/90 H 15Maße und GewichteLenkkopfwinkel 58 GradNachlauf 129 mmLänge 2335 mmRadstand 1525 mmSitzhöhe 715 mmLenkerbreite 730 mmTankinhalt/Reserve 16,8/3 LiterGewicht vollgetankt 245 kgZul. Gesamtgewicht 480 kgService DatenService-Intervalle alle 6000 kmÖlwechsel mit Filter alle 6000 kmMotoröl SAE 20/W 40 Füllmenge mit/ohne Filter 3,1/3,0 LiterZündkerzen NGK BPR 7 ESTelegabelöl SAE 10Füllmenge je Holm 396 cm3Ventilspiel kalt Einlaß 0,07 bis 0,12 mm Auslaß 0,12 bis 0,17 mm TestwerteHöchstgeschwindigkeit solo/mit Sozius 168/162 km/hBeschleunigung 0-100 km/h solo/mit Sozius 4,9/6,5 sekVerbrauch 7,5 LiterKraftstoff Normal bleifrei Ersatzteil-PreiseSturzteileKupplungs-Armatur 37 MarkLenker 67 MarkRückspiegel 52 MarkBlinker vorn 61 MarkTachometer 282 MarkGabelstandrohr 308 MarkSchutzblech vorn 293 MarkAuspuff ohne Krümmer 1589 MarkBenzintank 1053 MarkRahmen komplett 1653 MarkVerschleißteileBremsbeläge vorn, ein Satz 102 MarkKupplungsbeläge, ein Satz 98 MarkBremsscheibe vorn 324 MarkLuftfilter 41 MarkÖlfilter 15 MarkBeide Gaszüge 43 MarkTachowelle 27 MarkBatterie 161 MarkGabeldichtring 12 MarkAnlasser komplett 754 Mark Stärken und SchwächenStärkenElastischer, durchzugsstarker MotorReaktionsarmer KardanantriebBequeme, nicht zu choppermäßige SitzpositionSchwächenAnfälliger ElektrostarterÜberladenes, neobarockes Design Test in MOTORRAD1Test 7/1989Vergleichstest 10/1994Kurztest 26/1995 Reifenfreigaben Typ 3 LPvorn hinten100/90-19 57 H 140/90-17 70 HBridgestone Exedra G 535W Bridgestone Exedra G 536WDunlop Qualifier F17 Dunlop Qualifier K425 AlternativbereifungMetzeler Marathon Front Metzeler ME 88 MarathonContinental TKH 23 Continental TKH 24Yokohama F230 Yokohama R230Michelin Tarmac Michelin Tarmac 160/90 H 15Avon Roadrunner AM 20 Avon Roadrunner AM 21Fußnoten:1Tests können beim Verlag bestellt werden, Telefon siehe Kasten auf Seite xxx.

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