Gebrauchtkauf

Zephyr 750

Ein Hingucker zum kleinen Preis: Glänzt die Zephyr 750 nur mit äußeren Werten, oder hat sie auch Nehmerqualitäten im harten Alltagsbetrieb?

Ob sich die Marketing-Strategen bei Kawasaki von Anfang an darüber klar gewesen sind, was sie mit ihrem »Aus alt mach neu«-Konzept anrichten würden? Waren es nicht dieselben Strategen, die die motorradfahrende Welt glauben machen wollten, daß vollverschalte Sportler à la ZZ-R 1100 der Trend der 90er Jahre seien? Und dann das: Präsentieren die Japaner doch Ende 1991 ganz frech einen absoluten Hingucker, der aussah wie die legendäre Z 1. Kopieren sich quasi selber. Entstauben den altehrwürden Z 650-Vierzylindermotor, bohren den luftgekühlten Zweiventiler auf und pflanzen ihn in einen Doppelschleifen-Rahmen aus Stahlrohr mit zwei vielfach verstellbaren Federbeinen hinten. Alles schon mal da gewesen. Nur das schreckenerregende Fahrverhalten des Urahnen Z 1 ließen sie wohlwissend da, wo es hingehört: im Museum.Das Konzept der Zephyr ging jedenfalls auf. Seit ihrer Einführung im Jahr 1991 haben allein die offiziellen Vertragshändler 9515 Maschinen an den Mann und insbesondere die Frau gebracht: Für viele Zeitgenossen war und ist die Zephyr 750 die langersehnte Alternative zum vollverkleideten Renner.»Daß man mit ihr auf der Autobahn nicht glücklich wird, müßte jedem, der sich für die Zepyhr entscheidet, im voraus klar sein. Wer aber Fahrspaß auf Landstraßen sucht, der ist mit dieser Maschine bestens beraten«, charakterisiert MOTORRDAD-Leserin Mechtild Camps ihre Zephyr 750, stellvertretend für die vielen Zuschriften. Mit dem relativ geringen Gewicht, den guten Bremsen und einem durchzugsstarken Motor ist die Zephyr 750 ein Landstraßenfeger. Allzu sportlichen Vortrieb hindert lediglich die zu weiche Abstimmung der Vordergabel. Progressive Gabelfedern der Marke WP für 169 Mark (Wilbers Products, Telefon 0 59 21 / 60 57), von Wirth-Federn (Telefon 0 41 03 / 9 17 70) für 149 Mark oder Hyperpro für 269 Mark (Firma Micron, Telefon 0 91 1 / 9 36 74-11) schaffen Abhilfe. Alle Federsätze werden inklusive TÜV-Gutachten geliefert. Ganz forsche Zeitgenossen greifen gleich zu komplett neuen Teilen: Der Kawasaki-Händler und nach eigener Aussage »bekennende Zephyr-Extremist« Peter Hilb aus Limburg/Lahn montierte an seiner privaten Maschinen kurzerhand die Vordergabel der Kawasaki ZX-6R inklusive der Bremsanlage und des Vorderrads. Paßt nach Auskunft des erfolgreichen MOTO aktiv-Rennfahrers problemlos und wurde ihm vom TÜV anstandslos in die Fahrzeugpapiere eingetragen.Zephyr-Fahrer nutzen ihre Motorräder jedoch nicht nur für sonntägliche Kurztrips, sondern auch für ausgedehnte Urlaubsreisen. Laufleistungen von 70000 Kilometern und mehr sind keine Seltenheit. Was für zügige Landstraßenhatz gut taugt, wirkt sich auf Langstrecke mitunter allerdings nervig aus: die kurze Getriebeabstimmung. Um das Drehzahlniveau und den Spritverbrauch zu senken, montieren viele Zephyr-Besitzer deshalb ein 16er Ritzel, wie es diverse Zubehörhändler anbieten. Erwähnenswert hierbei: Änderungen an der Endübersetzung sind eintragungspflichtig. Überhaupt greift die Zephyr-Gemeinde gerne und oft ins Zubehörregal. Ganz oben auf der Einkaufsliste steht der Z1-Hochlenkerumbau, wie ihn beispielsweise die Firma Micron für 269 Mark inklusive TÜV-Gutachten anbietet. Wer etwas mehr Kleingeld übrig hat, tauscht die serienmäßigen Gußfelgen gegen klassische Drahtspeichenräder, die ab 1996 zur Serienausstattung gehören: Felgenspezialist WiWo (Telefon 0 26 76 / 615) weiß Rat.Beim Thema Reifen gehen die Meinungen je nach Einsatzzweck und Temperament auseinander. Tourenfahrer zeigen sich über die Laufleistung vom Dunlop K 505 begeistert, während die Sportfraktion die japanischen Gummis strikt ablehnt. Die Metzeler-Kombination ME Z 1 und 2 steht hier ganz hoch im Kurs, als einzigen Nachteil beklagten einige Leser die langen Lieferzeiten. Zephyr-Spezialist Hilb schwört gar auf Pirelli Dragons in Corsa-Rennmischung und bezeichnet die gebotenen Fahrleistungen des luftgekühlte Reihenvierzylinger der Zephyr mit ursprünglich 72 Pferdestärken ( 76 PS ab Baujahr 1995) als absolut ausreichend. Der Motor hat dank der Lagerung in Silentblöcken eine ordentliche Laufkultur. Auch sonst bietet das Triebwerk kaum Anlaß zur Kritik. Von kapitalen Motorschäden wußte kein einziger Leser zu berichten. Einen Schwachpunkt stellt sicherlich die Ventildeckeldichtung des ersten Modelljahrgangs dar. Kawasaki erkannte das Problem und verwendet inzwischen eine verstärkte Dichtung, die zudem aus einem anderen Werkstoff gefertigt ist. Sollten trotz getauschter Dichtung immer noch Ölundichtigkeiten auftreten, dann liegt das daran, daß die Reste der alten Dichtung nicht sauber entfernt wurden. Ansonsten beschränkete sich Kawasaki auf eine behutsame Modellpflege. Von 1991 bis 1995 erfolgten keine wesentlichen technischen Änderungen am Erfolgsmodell. Das beim Modellstart kritisierte Kaltlaufverhalten bekamen die Techniker ab dem Modelljahrgang 1995 mittels Vergaserheizung in den Griff. Besitzer älterer Maschinen rücken diesem Problem mit einem Dynojet-Kit und K&N-Luftfiltern von Micron, beides nicht legal, zu Leibe – mit zweifelhaftem Erfolg. Genauso könnte die Suche nach einer gebrauchten Zepyhr verlaufen. Das Angebot ist gering; selbst 1991er Modelle werden bei gutem Zustand nicht unter 7500 Mark angeboten. Beim damaligen Neupreis von 9990 Mark ein erstaunlich geringer Wertverlust.
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Lesererfahrungen (Archivversion)

Die Zephyr 750 hat eine überzeugte Anhängerschaft, die über kleine Macken ihres Lieblings gerne hinwegsieht. Und sie hängen an ihr: Hergeben will die Zephyr so schnell niemand.
Meine geliebte KEFIR kaufte ich 1993. In der ersten Saison verabschiedete sich ein Gewindezapfen im Kupplungskorb. Ansonsten gab es während 35000 Kilometern keine größeren Mängel. Von dem alten Trick, die Exzenter umzudrehen, um mehr Bodenfreiheit zu erlangen, kann ich nur abraten, da dann der Bremssattel an der Schwinge anschlägt. Ein Umbaukit mit hohem Lenker macht das Z1-Feeling komplett. Sinnvoll sind zudem progressive Gabelfedern. Thomas Raab, MünchenGekauft habe ich meine Zephyr im März 1994 und bin bisher 15000 Kilometer gefahren. Im großen und ganzen bin ich mit der Maschine zufrieden, auch wenn’s anfänglich Probleme mit der Ventildeckeldichtung gab. Sie wurde an meiner Zephyr siebenmal gewechselt. Laut Importeur und Vertragswerkstatt handelte es sich lediglich um Ölnebel, der nach längerer Fahrt allerdings sehr flüssig wurde.Schwierigkeiten hatte ich außerdem mit der rutschenden Kupplung. Durch viel Spiel im Kupplungszug läßt sich Problem mindern, ganz abstellen konnte ich es nicht.Uli Kobert, KerpenMit meiner Zephyr 750 bin sich seit April 1991 52000 Kilometer gefahren – fast nur auf Landstraßen. Lediglich der Simmerring am linken Standrohr war ab Kilometer 30000 immer wieder undicht. Kawasaki zeigte sich großzügig und spendierte ein neues Standrohr auf Kulanz. Der einzig echte Mangel ist meiner Meinung nach der schlechte Lack. Mit der Originalbereifung benötigte ich auf den ersten 41000 Kilometern drei Sätze Reifen. Seitdem habe ich auf Metzeler ME Z 1 und Z 2 umgerüstet. Selbst bei Nässe bietet dieser Reifen noch gutes Fahrverhalten.Mechthild Camps, MünsterNachdem ich die viel zu weiche Gabel mittels White-Power-Kur endlich nicht mehr durchschlug, ist meine Zephyr perfekt: kräftig genug, wieselflink und Fahrspaß pur auf kurvigen Landstraßen. Wenn Öl aus dem Luftfilterkasten elkelig auf die polierten Motordeckel sabbert, lautet mein Tip: Links am Luftfilterkastendeckel eine zweite Ablaßöffnung basteln, die entleert den Kasten nämlich auch dann, wenn das Motorrad auf dem Seitenständer steht. Die erforderlichen Teile gibt’s für wenig Geld beim nächsten Aquarienbedarf. Bei einem defekten Drehzahlmesser beziehungsweise Benzinuhr muß man nicht gleich ein neues Instrument kaufen: Vorsichtig den Haltering zwischen Ober- und Unterteil des Gehäuses aufbördeln, reparieren beziehungsweise die abvibrierte Leitung der Benzinuhr wieder anlöten und ebenso vorsichtig wieder zusammenbauen.Andreas May, BurgwedelEigentlich kann ich nur Positives berichten. Lediglich mit der Lackqualität am Tank und dem Rostschutz an den Schweißnähten am Krümmer war ich anfänglich nicht glücklich. Bei den Krümmern griff ich zur Selbsthilfe und lackierte das auf Garantie getauschte Neuteil mit silberfarbenem Auspufflack. Mit der Serienbereifung (Dunlop K505) war ich mehr als unzufrieden. Sehr gute Erfahrungen machte ich dageben mit dem Bridgestone-Pärchen BT 54 F/R. Fahrspaß ohne Ende vermittelt die Zephyr auch bei flotten Runden auf der Nordschleife. Bis zum Zeitpunkt einer eventuellen Katalysatorenpflicht kommt bei mir kein anderes Moped in die Garage.Ralf Nenninger, WerneckDie Leserbriefe geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Außerdem kann MOTORRAD keine Garantie für die Gefahrlosikeit der geschilderten Umbaumaßnahmen leisten.

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