Gebrauchtberatung: Harley-Davidson V-Rod Der wassergekühlte V-Twin als Gebrauchte

Die Harley-Welt musste zwei Revolutionen verkraften. 1909: Die Amis bauen den ersten V-Twin. 2001: Sie fertigen den ersten wassergekühlten V-Twin.

Foto: Jkuenstle.de

Zugegeben: Bei den einleitenden Worten fehlt der Zusatz „serienmäßig“; denn bereits Mitte der 90er-Jahre sorgte Flüssigkeit bei Harley-Davidson für thermisch gesunde Twin-Verhältnisse. Allerdings nur bei bedingt frei verkäuflichen Rennmaschinen. Die für die US-amerikanische Superbike-Meisterschaft gebaute VR  1000 nahm ab 1994 das vorweg, was ab Modelljahr 2002 unter der perfekt passenden Bezeichnung „Revolution Engine“ eine komplett neue Baureihe begründen sollte: Wasserkühlung, obenliegende Nockenwellen, Vierventil-Zylinderköpfe und 60 statt der seit 1909 gepflegten 45 Grad Zylinderwinkel.

Der Aufschrei der Harley-Jünger hielt sich in Grenzen. Zum einen, weil die geliebten Luftgekühlten auch weiterhin im Programm blieben. Zum anderen, weil der durchzugsstarke und dabei äußerst kultivierte V-Rod-Motor der Marke ein modellübergreifendes Image bescherte, das alle Harleys-sind-lahme-Eisenhaufen-Lästereien verstummen ließ: in 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h, in rund 14 Sekunden auf Tempo 200 und dann noch längst nicht am Ende - noch Fragen? Harley machte von Anfang an gar keinen Hehl daraus, dass die V-Rod nur das erste von weiteren Modellen einer neuen Baureihe sein würde. Vier Schwestern sollten folgen. Und das mit höchst unterschiedlichem Erfolg. Ausgerechnet das fahraktivste V-Rod-Derivat floppte: Für die Street Rod fanden sich in Deutschland nur 436 Käufer - ihre unmotivierte Form schreckte einfach zu sehr ab. Die wegen ihrer mittig montierten Fuß-ras-ten besonders bei etwas kürzeren Menschen beliebte Erstauflage der Night Rod brachte es in ihrer kurzen Bauzeit hierzulande auf immerhin 919 Exemplare. Erfolgreicher - und als Gebrauchte am begehrtesten - ist mit bislang gut 1500 Stück die Night Rod Special. Die pure V-Rod begeisterte bisher sogar 3600 deutsche Harley-Revolutionäre.

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Foto: HD
Harley-Davidson V-Rod 10th Anniversary Edition.
Harley-Davidson V-Rod 10th Anniversary Edition.

Besichtigung / Marktsituation

Besichtigung
Absolut standfeste Mechanik, etwas pflegeintensiveres Drumherum - so lässt sich die Langzeitqualität der V-Rod-Modelle zusammenfassen.  Besonders die beiden ersten Baujahre  mit ihrem hohen Anteil nur bedingt geschützter Alu-Oberflächen benötigen eine sehr sensibel pflegende Hand. Nicht umsonst kommunizierte Harley-Davidson für diese Schätzchen gesonderte Pflegetipps. Ein Blick auf die Scheibenräder verrät meist sofort, wie genau es der Vorbesitzer damit genommen hat. Und wo der Blick schon nach unten gerichtet ist: Welche Reifen sind montiert? Keine ganz unwichtige Frage, denn bei einigen Harleys ist noch die erschreckend lange haltende, aber nicht wirklich überzeugende Dunlop-Erstbereifung montiert. Wenn dem so sein sollte, lässt sich leichter über den Preis verhandeln. Viel besser: Metzeler ME 88. Die beliebtesten V-Rod-Umbauten: bis 2007 ein 240er-Hinterrad inklusive Heckumbau (rechtfertigt keinen Mehrpreis - im Gegenteil); Mini-Blinker (meist Kellermann); Auspuff (Slip-on von Remus oder Sebring, bringt rund 500 Euro Aufpreis; Kess-Tech bis zu 1000 Euro); Lenker (besonders bei der Night Rod Special). Selbstgänger bei solchen Umbauten: Papiere prüfen; das gilt natürlich auch fürs original Serviceheft.

Marktsituation
Die Beliebtheits-Hitparade ist eindeutig:  Als Gebrauchtmaschine am gefragtesten ist ganz klar die Night Rod Special, gleichauf mit der V-Rod Muscle, von der aber erst wenige auf dem Markt sind. Unverbastelte (wichtig!) Originale der beiden ersten Modelljahre rangieren direkt dahinter. Der cleane Alulook hat diese Modelle mittlerweile zu gefragten Sammlerstücken reifen lassen. Die V-Rod-Zwischenphase (2004 bis 2006) wird bestenfalls gleich teuer, meist aber sogar etwas günstiger gehandelt. Seit 2007 rollt die V-Rod ab Werk auf einem 240er-Hinterrad, was für die potenzielle Kundschaft ziemlich wichtig ist und die V-Rod gebraucht deutlich beliebter (und natürlich entsprechend teurer) macht. Das ab 2008 optionale ABS wird bei Gebrauchten mit 500 bis 1000 Euro Aufpreis honoriert. Die Street Rod und auch die Standardausführung der Night Rod rangieren in der Beliebtheitsskala am unteren Ende und lassen sich meist nur über den Preis verkaufen - der für Gebrauchtverhältnisse aber immer noch recht amtlich ausfällt.

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Foto: Harley-Davidson
Auspuff der modellgepflegten Harley-Davidson Night Rod Special 2012.
Auspuff der modellgepflegten Harley-Davidson Night Rod Special 2012.

Modellpflege

2002
Ab Herbst 2001 erstes Modelljahr der V-Rod (VRSCA), 20068 Euro.
2003 
Keine Änderungen, 20185 Euro.
2004
Verlängerte Wartungsintervalle (8000 statt 4000 km); fünfter Gang länger übersetzt; Instrumente überarbeitet (Tankanzeige, 240- statt 220-km/h-Skala); das magerer augestattete „Sparmodell“ VRSCB ergänzt das Programm (19025 Euro); VRSCA für 20185 Euro.
2005
Hinterachse verstärkt; Motorbelüftung optimiert, neues Gehäuse fürs Ansaugsystem; Speedsensor verbessert; vordere Motorbefestigung geändert, härtere Silentblock-Lagerung; neuer Klarglasscheinwerfer für VRSCB (18560 Euro); VRSCA 20185 Euro; neues Modell: Street Rod (VRSCR) für 16155 Euro.
2006
VRSCB nicht mehr im Programm; VRSCA erhält die Brembo-Bremssättel der Street Rod; neue Kolbenringe; Seitenständer leichter erreichbar; Cockpit erneut überarbeitet (unter anderem mit Zeituhr); V-Rod 17425 Euro; Street Rod im Preis unverändert; neues Modell: Night Rod (VRSCD) für 16995 Euro.
2007
Tank 18,9 Liter; Zündschloss bei allen Modellen am Lenkkopf; schmalerer, stärkerer Sekundärzahnriemen; neue Bremsbeläge und -leitungen; Elektrik überarbeitet; Wegfahrsperre serienmäßig; V-Rod mit 240er-Hinterradreifen, Heck verbreitert; Street Rod mit neuem Lenker; V-Rod 17525 Euro; Street Rod 16255 Euro; Night Rod 17095 Euro; neues Modell: Night Rod Special (VRSCDX) für 17895 Euro.
2008
Street Rod und Night Rod nicht mehr im Programm; Hubraumerhöhung auf 1246 cm³ (Bohrung 105 statt 100 mm), 125 PS, max. 115 Nm (V-Rod) beziehungsweise 111 Nm (Night Rod Special); neue Slipperkupplung; ABS als Extra verfügbar; neue Radlager und neue, hohlgebohrte Radachsen; Seitenständerschalter neu; V-Rod mit Drahtspeichenvorderrad; V-Rod (VRSAW) 17975 Euro; Night Rod Special 18355 Euro.
2009
ABS serienmäßig; neue obere Gabelbrücke; Preise unverändert; neues Modell: V-Rod Muscle (VRSCF) für 18445 Euro.
2010
Neue Hauptbremszylinder; blei-freie Ausgleichsgewichte an den Rädern; Preise unverändert.
2011
V-Rod nicht mehr im Programm; neue Reifen (Michelin Scorcher); Preis für V-Rod Muscle unverändert; Night Rod Special 17495 Euro.
2012
Night Rod Special stark überarbeitet (Upside-down-Gabel, Federbein, leichtere Räder, Sitz, Lenker, Fußrasten, Heck, Rücklicht); Comeback der V-Rod als Jubiläumsmodell „10th Anniversary Edition“ (VRSCDX ANV) für 17945 Euro; Preis für V-Rod Muscle unverändert; Night Rod Special 16295 Euro.

Foto: Harley-Davidson
Harley-Davidson Night Rod Special: Vor zwei Jahren trat die Night Rod Special an, die Schwarzböseste unter den V-Rod-Varianten zu sein. Jetzt ist dem Lackierer offenbar ein Sonnenaufgang in den Farbtopf gefallen, und die Night-Rod-Special-Welt sieht gleich viel freundlicher aus. Was nichts an der Macht des V2 ändert.
Harley-Davidson Night Rod Special: Vor zwei Jahren trat die Night Rod Special an, die Schwarzböseste unter den V-Rod-Varianten zu sein. Jetzt ist dem Lackierer offenbar ein Sonnenaufgang in den Farbtopf gefallen, und die Night-Rod-Special-Welt sieht gleich viel freundlicher aus. Was nichts an der Macht des V2 ändert.

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-60-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ungeregelter Katalysator, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen.
Bohrung x Hub 100 x 72 mm
Hubraum 1131 cm³
Nennleistung 86 kW (117 PS) bei 8300/min
Max. Drehmoment 105 Nm bei 6600/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahlrohr, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Aluscheibenräder 3.00 x 19; 5.50 x 18
Reifen 120/70 ZR 19; 180/55 ZR 18

Maße+Gewichte
Radstand 1710 mm, Lenkkopfwinkel 56 Grad, Nachlauf 99 mm, Federweg v/h 100/70 mm, Sitzhöhe* 690 mm, Gewicht vollgetankt* 285 kg, Zuladung* 179 kg, Tankinhalt 15 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 22/2001)
Höchstgeschwindigkeit** 221 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 3,6 sek
0-200 km/h 14,4 sek
Durchzug
60-140 km/h 9,3 sek
Verbrauch
5,8 l/100 km (Landstraße);
6,3 l/100 km (bei 130 km/h), Super

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