Gebrauchtberatung Honda CB 1300/S Solide gemacht, nie überfordert

Solide gemacht, nie überfordert, fast immer prima gepflegt – kernige Big Bikes gelten als gute Investition. Und dann noch der Honda-Faktor: Ist die wassergekühlte Honda CB 1300 das Premium-Dickschiff?

Foto: Bella

Nicht alles, was Honda so vorstellt, zählt automatisch zur Familie, doch bei der Honda CB 1300 gab es nie Zweifel. Hier ist trotz Wasserkühlung noch CB 750 drin, das Teil atmet Bol d’Or, repräsentiert four-in-line at its best. Honda selbst verwies mit einer sehr beliebten rot-weißen Lackierung auf diese Traditionen, wollte so einerseits an die siegträchtigen Langstreckenrenner und andererseits an die japanischen Landesfarben erinnern.

Merkwürdigerweise fand die Honda CB 1300 von 1998 bis 2003 nicht nach Europa, erst ihre auf Einspritzung umgestellte Zweitauflage durfte den alten Kontinent mit ihrer Drehmomentwoge überschwemmen. Zwischen 3000/min und Begrenzer stehen nie weniger als 100 Newtonmeter an, die bringen auch über 260 Kilo gut in Schwung. Wenn er nicht gerade rangiert werden muss, macht der Bolide seine Pfunde schnell vergessen, überrascht im Kurvenlabyrinth gar mit einer über Klassenniveau liegenden Handlichkeit.

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Honda CB 1300 mit Fernreise-­Talent

Bei frühen Exemplaren wurde hin und wieder die Hoch­geschwindigkeitsstabilität kritisiert, mit Einführung der – zunächst – optionalen Halbschale (CB 1300 S) legte Honda 2005 noch mal nach und sorgte dank verbesserter Erst­bereifung für Ruhe. Gleichzeitig modernisierte ein anfangs ebenfalls aufpreispflichtiges ABS die wirkungsvollen Bremsen. In diesem Ornat gewann die Honda CB 1300 noch mehr Freunde, denn einerseits wirkt sie der legendären CB 1100 R wie aus dem Gesicht geschnitten, und andererseits besitzt sie so größeres Fernreise-­Talent. Über ihren beachtlichen Highspeed-Durst tröstet der dicke Tank hinweg, wer sie auf Landstraßen rollen lässt, kommt mit gut 5,5 Litern aus. Den Fahrer freuen hoher Sitzkomfort, seidenweicher Motorlauf und leichtgängiges Getriebe, die Sozia wünscht sich etwas tiefer angebrachte Fußrasten. Sonst nichts, aber trotz höchster Zufriedenheit ihrer Nutzer verschwand dieses Big Bike 2013 aus dem Programm.

Besichtigung

Weil die Honda CB 1300 schon ein Vorspiel in Japan hatte, kam sie 2003 sehr ausgereift auf den hiesigen Markt. Es gab einen einzigen heute noch relevanten Rückruf, und der betraf ausschließlich frühe 2003er-Modelle. Hier konnte im Lenkkopf­bereich eine nicht geglättete Schweißnaht des Rahmens den Kabelbaum anscheuern. Es ist fest davon auszugehen, dass bei allen betroffenen Motorrädern die Naht geglättet und dann neu lackiert worden ist. Ansonsten lohnt ein Blick auf die Zündspulenhalter, die in seltenen Fällen marode werden können. Bei einem verbauten Umrüstschalldämpfer darauf achten, dass er spannungsfrei montiert wurde. Andernfalls kann die hintere Krümmerhaltung gelitten haben. Auch eingeschworene Honda CB 1300-Fans finden es recht laut hinter der Halbschalenverkleidung. Noch lauter wird es allerdings mit Windschutzscheiben aus dem Zubehör, und auch bei den Windschilden für die nackte CB kommt jenes aus dem Honda-­Programm am besten weg.

Marktsituation

Grundsätzlich zählen klassische Big Bikes zwar zu den gesuchten, aber nicht zu den wirklich teuren Gebrauchten. Die Menge der angebotenen Maschinen wirkt preisdämmend, so auch bei der Honda CB 1300. Rund 3500 Euro sind nicht viel für viel Motorrad, und da geht es bei frühen Exemplaren mit über 50.000 Kilometern los. Wer 500 Euro mehr investiert, kriegt entweder die Halbschale dazu oder weniger Laufleistung, wer knapp 1000 drauflegt, kann auf ABS hoffen. Schon unter 6000 Euro ist Top-Zustand drin, quasi neuwertige Honda CB 1300 der letzten Baujahre rangieren zwischen 8000 und 9000 Euro.

Wegen des sehr hoch gezogenen Schalldämpfers tragen nur wenige ein Koffersystem – sieht leider echt blöde aus. Preissteigernd können bessere Gabelfedern und bei frühen Baujahren ein Powercommander wirken, auch gutes Tuning kostet extra.

Verfügbarkeit am Markt: hoch

Preisniveau in Euro   

Preisniveau in Euro    Baujahrkm-Stand
Niedrig

3000–4400

2003–2005

30 000–70 000

Mittel

4500–6900

2005–2009

20 000–50 000

Hoch

7000–9000

2008–2013

5000–15 000

Typim ProgrammVerkäufe
SC 542003 bis 2013      

5138*

*Stand Februar 2014

Technische Daten

(Honda CB 1300 SA, Typ SC 54, Bj. 2005)

Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, hydraulisch betätigte Mehrscheibenkupplung im Ölbad, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub: 78 x 67,2 mm

Hubraum: 1284 cm³

Nennleistung: 85 kW (116 PS) bei 7000/min

Max. Drehmoment: 117 Nm bei 6000/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarm-Kastenschwinge aus Alumi-
nium, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17

Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße + Gewichte: Radstand 1515 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 99 mm, Gewicht vollgetankt 264 kg, Zuladung 188 kg, Tankinhalt 21 Liter.

Messungen (MOTORRAD 9/2005):

Höchstgeschwindigkeit**: 230 km/h

Beschleunigung 0–100 km/h: 3,3 sek

Durchzug
60–100 km/h: 3,8 sek
Verbrauch: 5,6 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

Modellpflege

1998 In Japan erschien die erste Honda CB 1300, Modellcode SC 40. Ihr vergaserbestücktes und noch mit angedeuteten Kühlrippen (!) verziertes Triebwerk basierte auf jenem der vor allem auf dem Heimatmarkt sehr erfolgreichen X4, die über Grauimporte in wenigen Exemplaren auch zu uns fand.

2003 wandte sich dann die SC 54 mit Einspritzung, Kat und Sekundärluftsystem an die europäischen Märkte und füllte eine Lücke, die 1998 nach dem Wegfall der optisch und technisch durchaus ähnlichen CB 1000 entstanden war. Preis: 9990 Euro.

2005 Halbverkleidete S-Variante. Angesichts der gebotenen Leistung macht ein Windschutz Sinn, ebenso ein aus der CBF 600 übernommenes und gut arbeitendes ABS (600 Euro Aufpreis). Gleichzeitig etwas schlankere Seitendeckel, die Fahrer müssen die Beine weniger spreizen und kommen mit den Füßen besser auf den Boden. Gegen das öfter kritisierte harsche Ansprechverhalten des Vierzylinders und lästiges Konstantfahrruckeln helfen von nun an neue Einspritzdüsen und eine geänderte Software im Bordrechner. Preise: 10.090 Euro fürs Standardmodell, 11.290 für Honda CB 1300 S ABS.

2009 Um die Abgaswerte zu verbessern, erfolgten noch einmal einige Eingriffe in die Elektronik, die Maximalleistung sank um zwei auf 114 PS. Außerdem wurde nun eine Gabel mit 120 statt 106 Millimetern Federweg installiert. Preise Honda CB 1300/S: 12.000/12.490 Euro.

2013 Letztes Modelljahr in Deutschland (seit 2010 nur noch Honda CB 1300 S). Preis: 12.490 Euro.

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