Honda CX 500 C

Unsere Dogsitterin, selbst hartgesottene Motorradfrau, lacht sich kaputt: »Was hast du denn angestellt, dass du jetzt so etwas fahren musst?« Die beste Sozia von allen wirft mir ganz trocken einen »Scheidungsgrund« vor die Füße, als ich anbiete, sie dürfe mit der CX auch mal fahren. Und selbst an der Ampel wird gemotzt, indem Autofahrer die Scheibe runterkurbeln und stumpf rausbrüllen: »Dein Bremslicht brennt ständig!« Die Honda CX ist offensichtlich kein Sympathieträger.
Aber sie fährt. Sie brummt und lebt. Sie gibt eine Vielzahl mechanischer Geräusche von sich, die man nicht näher eingrenzen kann. Und auch nicht eingrenzen will. Hauptsache, es geht auf Knopfdruck einfach vorwärts. Und diesbezüglich zeigt sich der V2 bislang zuverlässig und unkompliziert. Das »easy going« hat noch einen weiteren Vorteil: Es ist für den Führerschein absolut ungefährlich. Auf der Landstraße pendeln sich Fahrer und CX auf knapp unter Tempo 100 ein, und Ortschaften werden wie selbstverständlich mit 50 km/h durchschritten. Zäh wird’s allerdings, wenn man hinter einem Lkw klebt und überholen will. Wer es gewohnt ist, nur kurz den Gasgriff aufzuziehen, um Kolonnen mit Warp drei nach hinten zu beamen, wird bei der CX schnell ins Gras beißen. Überholmanöver von Fahrzeugen, bei denen ein »Meiner ist 18 Meter lang« auf dem Heck klebt, sollten mit der 27-PS-Güllepumpe gut kalkuliert werden.
Wer denkt, dass sich der sparsame Tempoeinsatz an der Tankstelle auszahlt, hat sich geschnitten: Mit durchschnittlich 5,8 Liter Normalbenzin auf 100 Kilometer langt der Twin anständig zu. Eine neue GSX-R 1000 begnügt sich bei gemütlicher, aber im Vergleich zur CX deutlich dynamischerer Fahrweise mit gut einem halben Liter weniger.
Ohne viel Murren ist die 1981er Honda in den MOTORRAD-Fuhrpark übernommen worden. »Fährt, bremst, lässt sich ohne Kraftaufwand durch Kurven dirigieren, und alles sitzt am rechten Fleck«, kommentiert der Geschäftsführende Redakteur von MOTORRAD, Harald Humke, seinen ersten Ausritt mit der CX. MOTORRAD-Tester Rainer Froberg hadert zwar mit dem Fahrwerk (»Damals hat man wohl die Zug- und Druckstufendämpfung in die Sitzbank eingebaut«), findet dafür aber lobende Worte über die Handlichkeit: »Die kann man wie einen Panzer fast auf der Stelle umdrehen.«
Als Ersatz für den angerosteten Auspuffsammler (siehe Kasten »Rost«) wurde die CX mittlerweile mit einer Austauschan-
lage (ohne Krümmer) von Jama bestückt. Kosten: knapp 500 Euro. Die Montage gestaltete sich wider Erwarten zäh. Zunächst galt es, die festgebackenen Originalteile zu lösen, dann die neue Anlage auf die CX anzupasssen. Besonders problematisch: Der Bremshebel musste über eine eigens angefertigte Schraube neu justiert werden. Zu allem Überfluss blätterte bereits bei der ersten Ausfahrt der Lack an den Endstücken der Schalldämpfer ab. Da müssen trotz schlechteren Sounds wohl wieder die Originale ran. Das Auge fährt ja mit. Nach massivem Beschuss mit Stahlkies ist der stark angerostete Sammler eh richtig schick geworden. Demnächst steht der TÜV-Termin an. Es bleibt spannend. Joel

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