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Sie galt als hässlich als sie auf den Markt kam. Doch heute ist die Honda CX 500 Kult. Von der Urform der CX 500 wurden zudem jede Menge Modelle präsentiert. Die gesamte Modellhistorie gibt's hier.

Szene: Honda CX 500 Die Geschichte der Güllepumpe

Als Honda 1977 die CX 500 präsentierte, galt sie als hässlich, verkaufte sich aber blendend. Jetzt ist die Güllepumpe Kult. Wie das?

"So häßlich die Maschine aussieht, so gut fährt sie sich", urteilte Franz Josef Schermer in MOTORRAD 3/1978. Als Honda die CX 500 einführte, stieß ihr Aussehen auf wenig Gegenliebe. Die zwei bolligen Zylinder mit nahezu glatter Oberfläche wirkten neben den fein gerippten Triebwerken der Konkurrenz unförmig. Völlig aus dem Rahmen fiel der mächtige, schwarze Kühler. Luft­gekühlte Zwei- und Vierzylinder-Bikes der Mittelklasse, wie die Yamaha XS 500 und die Suzuki GS 550, hatten damals klare Linien. Was niemand von der CX behaupten kann. Die merkwürdige Lampenverkleidung und der Bürzel mit klobigem Licht eckten an. Das Styling sei eigenartig, meinte Gerrit Heyl in MOTORRAD 8/1979 zurückhaltend. Trotzdem gewann die CX 500 1978 und 1979 fast jeden Vergleichstest, ob in der gedrosselten Version mit 27 oder in der offenen mit 50 PS. Durchzugsstark, dabei aber gutmütig und komfortabel präsentierte sie sich als Verbindung von Sportler und Tourer. „Die neue CX 500 bricht mit allen bisher bekannten Traditionen im Motorradbau“, prahlte Honda in einer Pressemitteilung. Als erstes Motorrad glänzte sie mit schlauchlosen Reifen auf Comstar-Verbundrädern. Wasserkühlung und wartungsarmer Kardan waren damals Raritäten. Zu den Neuheiten gehörte ein quer eingebauter Zweizylinder in V-Form, wie bei Moto Guzzi, aber mit einem Zylinderwinkel von 80 Grad. Die Zylinderköpfe sind um 22 Grad zur Kurbelwellenachse verdreht, was mehr Raum für die Fahrerknie schafft. Die Kupplung dreht als gegenläufige Schwungmasse zur Kurbelwelle und verringert so das Kipp­moment des Motors. Der moderne Vierventiler wird über eine untenliegende Nockenwelle sowie altmodische Stoßstangen und Kipphebel gesteuert. Trotzdem erreichte der mit 78 mal 52 Millimetern extreme Kurzhuber mehr als 10000/min.
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Foto: Archiv
Dabei ist die CX 500 der VW unter den Bikes: Sie läuft und läuft. Bis zu 150000 Kilometer mit einem Motor sind keine Seltenheit. „Es geht halt selten was kaputt, und wenn doch, bekommst du an jeder Ecke Teile für das Moped“, erklärt John Wotsch, Präsident der Süddeutschen CX-Freunde einen ihrer Reize.

Das Motorrad kommt an: Allein 1981 verkaufte Honda vom Softchopper CX 500 C 5246 Stück und dazu 4746 CX 500 – Platz zwei hinter der Honda CB 400 N (5602) sowie Platz fünf der Topseller in Deutschland. Zusammen unschlagbar. Bei anderen Motorradfahrern stießen die Modelle, als biedere Fahrschul-Bikes verrufen, jedoch auf totale Ablehnung. Mit den Nachfolgern der CX 500 in Euro- und Turbo-Versionen konnte Honda nicht mehr an die früheren Verkaufs- oder Testerfolge anknüpfen. Die CX 650 und GL 650 gingen in so geringen Stückzahlen weg, dass Honda die Baureihe Mitte der 1980er-Jahre einstellte. Als der Zeichner Rötger Feldmann alias Brösel 1985 im Semmel-Verlach den Comic „Eiskalt“ veröffentlichte, in dem Titelheld Werner den Kühlkreislauf einer CX 500 zum Pumpen von Flüssigmist benutzt, bleibt der Name kleben. Der heutige Bekanntheitsgrad der CX 500 dürfte auch Brösels Fäkalhumor zu verdanken sein. Zweifellos war Werner unter jugendlichen Motorradfahrern kulturstiftend und die Güllepumpe spätes­tens jetzt ein dröges Spießer-Bike, mit dem niemand, der hip war, gesehen werden wollte. Dagegen blieben Yamaha XT 500 cool.
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Foto: Archiv
Die Fans der CX regten sich im großen Stil 1997, als die Freundeskreise von CX/GL-Fahrern im Norden und Süden der Republik gegründet wurden. Inzwischen kümmern sich auch daraus entstandene Vereine um den Erhalt der Maschinen – 25 Jahre nach Produktionsstopp. Immerhin 7875 CX 500, 7713 CX 500 C und 1707 CX 500 Euro fuhren 2009 noch auf Deutschlands Straßen.

Weltweit hat Honda 171349 CX- und GL-Modelle verkauft. Ihre Anhänger treffen sich in Dänemark, Frankreich, Schweden, Ungarn, den Niederlanden und in Groß­britannien, wo die CX wegen ihrer Zuverlässigkeit den Spitznamen „Old Faithful“ trägt. Auch den Freunden der Veränderung gefällt die CX 500. Eine Güllepumpe lässt sich zum Café Racer, Cruiser oder Chopper umbauen. Natürlich erschauern Besitzer von Originalen vor völlig verbastelten CX. 1977 war sie ihrer Zeit voraus. Seit sich Motorradfahrer an kantige Designs und wassergekühlte Naked Bikes gewöhnt haben, erscheinen ihre Formen in rosigerem Licht.

Dass die Güllepumpe heute nicht mehr so abschreckend wirkt, liegt gerade am V-Motor, der als tragendes Teil im Rohrrahmen offen zur Schau gestellt wird. Außerdem ist das Teil unverwechselbar. Oder wie Besitzer Alex Koch sagt: „Das Ding ist so hässlich, dass es schon wieder schön ist.“ Infos auf www.guellepumpe.de, www.cx500-online.de, www.cx-freunde.de

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Foto: Archiv

CX 500 C als Cruiser Matador Gigant

Jörg Wernsmann hat Farbe und Logo der Mähdrescher-Fabrik Claas gewählt. Für den Umbau, der im Jahr 2000 begann, hat der Besitzer den Preis "Pumpe 2006" beim 10. Norddeutschen CX-Treffen des CX/GL Freundeskreis Weser/Ems/Elbe gewonnen.

Wer mehr über die Suche nach Speichenrädern, dem Ärger mit Gabelkits und hülsendrehende Freunde wissen will: www.cx500-online.de
Foto: Archiv

CX 500 C als Rat Bike

Alex Koch hat Spiegel, Blinker und Cockpit durch kleinere Formate ersetzt. Die Sitzbank ist jetzt eine kunstlederbezogene Iso-Matte. Dazu Ape-Hanger, Faltenbälge, und Wirth-Gabelfedern - hält seit sieben Jahren
Foto: Dinkler

CX 500 als britischer Café Racer

Der Mediendesigner Timo Dinkler hat sein Custombike zunächst am Computer entworfen. Eine geschenkte CX hat er dann mit Höcker, Stummellenker und Rücklicht aus dem Internet versehen. In rund hundert Arbeitsstunden hat Dinkler gebürstet, poliert, entchromt, geschwärzt und einen neuen Heckrahmen geflext. Kosten: unter 500 Euro. Fotos und Infos: www.dinkler.de

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