Honda Silver Wing

Kurz nach dem Yamaha TMax betrat der Honda Silver Wing die Bühne der Rollerwelt. Mit 600 cm3 und satten 50 PS übertrifft er zwar die Daten des Yamaha, ist aber von ganz anderem Charakter. Schon das deutlich weniger aggressive Design gibt die Richtung vor. Sie heißt Wandern statt Joggen. Das muss kein Nachteil sein. Die stark gestufte Sitzbank beherbergt nicht nur zwei Personen äußerst kommod, sondern verbirgt auch ein geräumiges Gepäckfach, das seine Ergänzung in zwei Fächern im Beinschild findet. Dem Komfort verpflichtet fühlt sich auch das Fahrwerk. Im Cruising-Modus bietet es sänftengleichen Komfort, kommt aber beim Abrufen der Leistung schnell an seine Grenzen. Dazu kommt, dass der von einer Einspritzung gespeiste Paralleltwin unter Last vibriert und zum Saufen neigt. Mit den hakigen Schlössern ist das Kapitel der negativen Eigenschaften abgeschlossen. Zu den positiven gehören das helle Licht, der ausgeprägte Wind- und Wetterschutz, die gute Verarbeitung, sowie die insgesamt hohe Funktionalität. Technisch ist der Silver Wing konventionell aufgebaut, die Kraftübertragung erfolgt via herkömmliche Variomatik und Keilriemen zum Hinterrad. Ab Modelljahr 2003 war der Silver Wing auf Wunsch und für 500 Euro Aufpreis mit einem vorzüglich funktionierenden ABS zu haben. Doch das hat dem Zweizylinder zumindest in Deutschland nichts genutzt.

Mit dem Erscheinen des Suzuki Burgman 650 brachen die Verkaufszahlen ein und Honda nahm das Sofa Ende 2005 vom Markt. Gebrauchtinteressenten muss dass nicht schrecken, denn die Mechanik gilt als robust, Schwachstellen wurden im Rahmen von Rückrufaktionen beseitigt. Obendrein genießt der größte Teil der silbernen Flügel das Privileg, in pflegenden Händen zu sein.

Daten
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, 582 cm3, 37 kW (50 PS), Gewicht 243 kg, Zuladung 173 kg, Tankinhalt 16 Liter, Sitzhöhe 740 mm, Höchstgeschwindigkeit 162 km/h, Verbrauch 4,2 bis 8,3 l/100 km Normal.

Marktsituation
Mindestens 3000 Euro braucht, wer einen Silver Wing sucht, ABS-Versionen sind rund 1200 Euro teurer. Die meisten der rund 2900 verkauften Sofas sind bis auf ein Topcase im Originalzustand. Außer hakeligen Schlössern und hohem Verbrauch sind keine Mängel bekannt. Bei scheckheft-gepflegten und unfallfreien Exemplaren kann man bedenkenlos zugreifen.

Rückrufe
Es gab es drei Rückrufaktionen, bei denen die Lenkerhalter getauscht, der Tank sowie die Hauptständerhalterung überprüft wurden. Laut Honda Deutschland entsprechen mittlerweile alle offiziell importierten Roller dem neuesten Stand.

Tests in MOTORRAD 20/2002 (TT), 25/2006 (VT),
Tests in roller – Das Scooter-Magazin 6/2002 (VT), 4/2005 (DK)TT = Top-Test, VT = Vergleichstest, DT = Dauertest
Internet www.silver-wing.de
Gebrauchtangebote http://markt.motorradonline.de/bike165.htm

Fazit: TMax und Burgman 650 haben dem Silver Wing in Deutschland den Garaus gemacht. Außer hohem Verbrauch, zu weicher Fahrwerks- abstimmung und teilweise sehr hakeligen Schlössern kann man dem schnellen, zuverlässigen und kom- fortablen Reiseroller nichts ankreiden.

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