Gebrauchtberatung: Honda Transalp Die Honda Transalp als Gebrauchte

Keine Schönheit, vergöttert werden andere, und eine Revoluzzerin will sie auch nicht sein. Trotzdem reizt die bourgeoise Honda viele alternativ denkende Fans. Weil sie noch echte Ideale vermittelt.

Foto: jkuenstle.de

Gegen Rüstungswahn, gegen Luxuskonsum. Für mehr Umweltverträglichkeit. Ja zu einem einfachen und bescheidenen (Motorrad-)Leben. Nein zu Aggressionen auf der Straße. Friede! Und wenn es doch mal stressig wird: einfach abhauen, raus aus dem Alltag, rein in die Natur, auf zu anderen Kulturen! Dafür reichen 50 bis 60 PS allemal. Bequem Platz nehmen, vielleicht noch einen Genossen oder eine Genossin mitnehmen, der große Tank macht Fluchtetappen von über 300 Kilometern nonstop möglich. Die Transalp ist ein Reisemobil par excellence: äußerst zuverlässig, sparsam, einfach zu handhaben, niemals überfordernd. Dennoch agil und spurstabil, sodass eine Straße erst noch erfunden werden müsste, mit der die extrem breitbandige Straßenenduro nicht zurechtkäme. Aber auch ohne Asphaltdecke kommt sie gut klar, 18 Zentimeter Federweg helfen, zumindest Schotterpisten und -pässe locker zu meistern. Seit über einem Vierteljahrhundert beweist die „Transe“, dass nicht einzelne Spitzenwerte, sondern ein stimmiges Gesamtpaket ein Erfolgsmodell ausmachen (über 36 000-mal verkauft). Die neueste Einspritzer-Generation (ab 2008) ist mit 60 PS, prima Fahrwerk und besten Bremsen die Überlegene im Familienduell, hängt die älteren 600er- und 650er-Schwestern aber höchstens bis auf Sichtweite ab. Die „Oldies“ können also nach wie vor gut mithalten, und wissende Interessenten schrecken selbst vor Tachoständen jenseits von 50 000 Kilometern nicht zurück - ein Zeichen für den Vertrauensvorschuss in ein Motorrad, das seit Generationen seine inneren Werte nie vernachlässigt hat. Eine grundehrliche Type – ideal.

Besichtigung
Naiv zu glauben, dass bei fast sechsstelligen Laufleistungen Stress ausbleibt. Selbst der äußerst haltbare 600er-V2 benötigt irgendwann mal eine Revision (Ventile, Kolben etc.) - und dann wird es für Schrauberlaien teuer und nervig. Und auch Ärgernisse wie defekte Zündboxen (speziell bei Modellen bis 1993) oder undichte Gabelsimmerringe sind bei betagten Exemplaren keine Seltenheit und machen aus dem maßgeblichen Sparangebot eine teure „Alte“. Rost am Rahmen (keine Seltenheit bei den in Italien gefertigten Modellen) ist nur aufwendig beizukommen (strahlen und lackieren), kann als optischer Mangel bei sehr günstigen Angeboten aber getrost akzeptiert werden. Der Motor sollte dicht sein (nach Ölspuren fahnden) und nicht klingeln oder klappern. Nachfragen, ob Original- oder schon Austauschmotor. Bei neueren Maschinen (ab Baujahr 2000) mit geringeren Laufleistungen (bis 30 000 Kilometer) sind der Zustand von Verschleißteilen und die Zubehörzugaben (Koffer, Alu-Motorschutz, Hauptständer etc.) preisgestaltend.

Marktsituation
„Ur-Transen“ sind bei Liebhabern begehrt, kosten unversehrt aus erster Hand aber bis 2000 Euro. Angekratzte PD06-Modelle mit kleineren technischen Mängeln finden sich als reine Gebrauchsmaschinen indes schon unter 1000 Euro (meist mit weit über 50 000 Kilometern). Empfehlenswerter: weniger strapazierte und gut gewartete 600er aus japanischer Produktion (bis 1996) um 2000 Euro oder, für etwa einen Tausender mehr, ordentliche 650er (ab 2000) mit rund 30 000 Kilometern. Gute gebrauchte 700er (ab 2008) sind ab 4500 Euro zahlreich im Angebot, neuwertige Vorführer mit maximal 3000 Kilometern kosten ab 6500, jungfräuliche Importfahrzeuge und Vorjahresmodelle mit Tageszulassungen um 7000 Euro. Tipp: ABS-Modelle gelten als wertbeständiger.

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Foto: Hersteller

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertaktmotor-52-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 81 x 66 mm
Hubraum 680 cm³
Nennleistung
44 kW (60 PS) bei 7750/min
Max. Drehmoment
60 Nm bei 6000/min

Fahrwerk
Einschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Verbundbremse, ABS. Alu-Gussräder 2.15 x 19; 3.50 x 17, Reifen 100/90-19, 130/80-17.

Maße+Gewichte
Radstand 1515 mm, Lenkkopfwinkel 61,9 Grad, Nachlauf 106 mm, Federweg v/h 177/173 mm, Sitzhöhe* 830 mm, Gewicht vollgetankt* 221 kg, Tankinhalt/Reserve 17/3 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 25/2007)
Höchstgeschwindigkeit** 172 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 5,1 sek
Durchzug
60-100 km/h 5,6 sek
Verbrauch (Landstraße) 4,7 l/100 km
(bei 130 km/h) 4,6 l/100 km

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Foto: Honda

Modellpflege

1987
Markteinführung, Typ: PD06. Gewicht: 194 kg. Leistung: 50 PS. Preis: 8940 Mark (4571 Euro).
1989
Motor überarbeitet, neues Federbein. Preis: 10 090 Mark (5159 Euro).
1991
Gewicht nun 202 kg bei 47 PS, hinten Scheiben- statt Trommelbremse. Preis: 11 100 Mark (5675 Euro).
1994
Neue Frontverkleidung, neuer Scheinwerfer, Bremse modifiziert, neue Ölpumpe, neues Federbein, 50 PS. Preis: 12 530 Mark (6314 Euro).
1996
Letztes Baujahr der Transalp aus japanischer Produktion. Die PD06 läuft erstmalig mit silber- statt goldfarbenen Felgen vom Band, 204 kg Gewicht. Preis: 12 770 Mark (6529 Euro).
1997
Der neue Typ PD10 wird in Italien gefertigt. Doppel- statt Einscheibenbremse vorn, silberne Felgen, 210 kg Gewicht, 50 PS. Preis unverändert.
2000
Komplett neues Motorrad: Typ RD10 als 650er mit 53 PS, 212 kg Gewicht, neuem Auspuffsystem, ungeregeltem Kat, neuer Verkleidung, neuem Tank (19 statt 18 Liter) und überarbeiteten Federelementen (u. a. verstellbare Druckstufe an Federbein). Preis: 14 391 Mark (7358 Euro).
2002
Fertigung in Spanien, Typbezeichnung RD11. Auspuff geändert. Preis: 7390 Euro.
2004
Vergaser modifiziert (Einhaltung der Euro-2-Norm), 55 PS. Preis: 7490 Euro.
2008
Typ RD13 mit neuem Motor (680 cm³, 59 PS, vier statt drei Ventile pro Zylinder, Einspritzung, geregelter Kat, erfüllt Euro-3-Norm) gilt als neue 700er-Transalp. Optional Kombination aus ABS und Verbundbremse CBS für 600 Euro Aufpreis erhältlich, neue Verkleidung, neuer Scheinwerfer, neuer Tank (17,5 Liter), 219 kg Leergewicht. Preis: 7090 Euro.
2011
Fertigung erneut in Italien, Typbezeichnung nun RD15, ABS serienmäßig, Federbein geändert. Preis: 8390 Euro

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