Im Check: Vespa ET4 Vespa ET4

Was "Tempo" für Papiertaschentücher und "Tesa" für Klebefilm, ist "Vespa" für Motorroller: ein Markenname, der zum Gattungsbegriff wurde.

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Der Name Vespa steht für Blechroller, und die ET4 besann sich ab 1996 zurück auf eben diese Tradition des selbsttragenden Stahlblechrahmens. Zehn-Zoll-Räder machen die Vespa zu einem überragend handlichen Fahrzeug, erzeugen aber bei höheren Geschwindigkeiten einen etwas wackeligen Geradeauslauf. Die Sitzposition ermöglicht auch großen Piloten entspanntes Fahren.

Der 125er-Viertaktmotor beschleunigt die Fuhre bis auf knapp 100 km/h; damals waren die Fahrleistungen auf der Höhe der Zeit, heute wirkt die ET4 ein wenig lethargisch. Kräftige und gut dosierbare Bremsen verzögern die Italienerin. Leichte Kritik verdienen die ab und zu hakenden Schlösser und die fummeligen Schalter. Größeren Ärger machten zahlreiche Motorschäden infolge Öl-mangels: Zu lange Kontrollintervalle und zu gering kalkulierter Ölverbrauch waren die Ursachen. Fahrzeuge ab Motor-Nr. M041M 22261 erhielten verbesserte Dichtungen und einen modifizierten Zylinderkopf; ab Modelljahr 2000 kamen Motoren mit Beinamen "Leader" zum Einsatz, die dank größerem Ölvolumen keine Probleme mehr bereiteten.

Räder: Die als Erstausrüstung aufgezogenen Vee Rubber-Reifen aus Thailand gewinnen keinen Blumentopf. Deutlich besser sind die auch bei Nässe gut haftenden und langlebigen Heidenau K 58/K 62.

Schauglas: Der Ölstand sollte häufig kontrolliert werden. Bei der ersten Motorenserie bis Motor-Nr. M041M 22260 kann hoher Ölverbrauch Motorschäden nach sich ziehen.

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Armaturen: Klassisch und nahezu komplett sind die Instrumente der ET4. Lediglich eine Öldruck-Kontrollleuchte, wie sie der Großrad-Bruder Liberty bietet, vermisst man an der ET4.

Scheinwerfer: Die 55-Watt-Glühlampen im klassisch gestylten Scheinwerfer bieten für Roller-Verhältnisse recht gutes Licht. Die kurze Dunkelphase beim Umschalten auf Fernlicht stört aber.

Federbein: Das vierfach einstellbare und ordentlich gedämpfte Federbein verrichtet seine Arbeit im Solobetrieb sehr gut. Nur bei voller Beladung schlägt es auch in der härtesten Stufe gelegentlich durch.

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Steckbrief

Bauzeit (Neupreise): 1996 (2807 Euro) bis 2005 (3199 Euro)

Preise: Die ersten Baujahre werden mit 20 000 km Laufleistung ab 700 Euro angeboten, mehr als 2000 Euro sollte kein Fahrzeug kosten.

Bestand: Zirka 17000 Stück.

Wichtige technische Änderungen:
1997: Verbesserte Dichtungen und Änderungen am Zylinderkopf
2000: "Leader"-Motor mit größerem Ölvolumen
2004: 15 Millimeter niedrigere Sitzhöhe

Daten

Motor: Gebläsegekühlter Einzylinder-Viertakt-Motor, 124 cm³, 7,9 kW (10,7 PS) bei 7700/min, 10,1 Nm bei 7000/min, Vergaser, stufenlose Riemenautomatik

Fahrwerk: Selbsttragende Stahlblechkarosserie, vorn gezogene Kurzschwinge, hinten Triebsatzschwinge mit einem Federbein, vorn Scheibenbremse, hinten Trommelbremse, Reifengröße vorn 100/80-10, hinten 120/70-10

Gewicht: 111 kg mit 8,5 Litern Super

0-100 km/h: 11,9 s

Höchstgeschwindigkeit: 94 km/h

Verbrauch: 3,8 Liter/100 km

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