Kaufberatung Schnäppchen am Jahresende

Zwanzig, ja sogar dreißig Prozent Rabatt - da fliegt manchem Motorrad-Kunden wirklich das Blech weg. Wer sich etwas umschaut, finde vor der Winterpause wirklich höchst attraktive Angebote.

Foto: MRD

Aus der Sicht eines Händlers unterscheiden sich Bikinis und Motorräder kaum voneinander. Zwei Drittel des Jahresumsatzes geht in den Monaten zwischen März und Juli über die Bühne. Danach schwindet das Interesse der Kunden - sowohl an Bikinis als auch an neuen Motorrädern - drastisch. Ergo: Maschinen, die im Herbst noch im Schaufenster stehen, laufen Gefahr, bei Importeur oder Händlern zu überwintern.

Blockierter Lagerraum und vor allem die Zinslast, die tagtäglich von der ohnehin schmalen Marge noch ein Stück mehr abknabbert, zwingen den Handel deshalb zum Angriff in der herbstlichen Rabattschlacht. Zumal die Saison 2009 für die Zweiradbranche bislang nicht zufriedenstellend lief. Um etwa 15 Prozent hinken die Neuzulassungen hinter den Vorjahreszahlen her.

Die Quote drücken vor allem die Supersportfraktion (minus 25 Prozent) und das Enduro/Supermoto-Segment (minus 23 Prozent). Für Schnäppchenjäger eine gute Ausgangsposition. Sollte man meinen. Doch die Importeure haben unter den Vorzeichen der Wirtschaftskrise und des seit Jahren rückläufigen Neumaschinenmarkts bereits zurückhaltend geordert. Weil sich daher aggressive Rabattaktionen nur auf wenige 2009er-Modelle Modelle beschränken, macht es Sinn, das Jagdgebiet auszuweiten.

Auslaufmodelle, Vorjahresmaschinen oder sogar die Vorgänger-Generation aktueller Maschinen bieten derzeit die größeren Chancen auf wirkliche Schnäppchen (Quelle: mobile.de). Beispiele gefällig? Die im Jahr 2007 erschienene und mittlerweile nicht mehr produzierte BMW Xmoto geht mit satten 26 Prozent Nachlass in den Abverkauf. Für den seit drei Jahren im Kawasaki-Portfolio gelisteten Tourer 1400 GTR (Listenpreis: 16 255 Euro) rutschten die Preise mittlerweile auf 13 000 Euro ab. Wer eine - technisch identische - 2008er-GTR wählt, spart nochmals einen Tausender. Macht insgesamt 24 Prozent Ersparnis. Verzichtet man ganz bewusst auf den neuesten Schrei der Technik sind nochmal ein paar Prozent mehr drin. Wer etwa auf den V4-ähnlichen Klang der 2009er Yamaha YZF-R1 Supersportlers verzichten kann, wird mit der konventionell konzipierten 2008er-Ausgabe wohl kaum weniger glücklich - und hat obendrein mindestens 2000 Euro für manches Renntraining übrig.
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Foto: Archiv
Die Ausnahmen: Selbst stattliche Rabatte der Italo-Fraktion um Benelli, Moto Morini, MV Agusta und Co. täuschen nicht über den genauso faszinierenden wie oft eigenwilligen Charakter der südländischen Diven hinweg. Wirklich glücklich wird die günstige Verbindung nur durch kundige Hände und begeisterungsfähige Herzen. Definitiv kein Terrain für kühle Rechner. Weshalb diese Azzurri in den Listen außen vor bleiben.

Genauso wie Harley-Davidson, KTM, Triumph und mit der Mehrheit der Modelle auch Ducati, deren Markt- und Modellpolitik Sparfüchse weitestgehend ins Leere laufen lassen.
Gepirscht wird heutzutage quasi ausschließlich im Internet. Die einschlägigen Foren (mobile.de, ebay.de, motoscout24.de, markt.motorradonline.de) verschaffen in kürzester Zeit einen Überblick über die Marktlage. Die günstigsten Angebote sind in den meisten Fällen Maschinen mit Tageszulassung. Die diente in aller Regel dazu, die Zulassungsstatistik dieses Modells im betreffenden Jahrgang aufzupolieren. Oft gehegte Befürchtungen, dass mit dieser behördlichen Anmeldung auch der Startschuss zur gesetzlich vorgeschriebenen zweijährigen Gewährleistungspflicht gegeben wird, sind allerdings haltlos. Diese Frist beginnt grundsätzlich erst mit dem Zeitpunkt der Übergabe des Motorrads an den Käufer. Das Alter des Fahrzeugs oder der zeitliche Abstand zur Tageszulassung ist nicht relevant.

Das gilt auch für die oft als sogenannte EU-Importe oder fälschlicherweise als Re-Importe angepriesenen Bikes. Meist stammen diese Maschinen aus Überbeständen europäischer Nachbarländer. Durch die vereinheitlichte EU-Homologation unterscheiden sich diese Motorräder jedoch nicht vom Importeur direkt nach Deutschland eingeführten Maschinen. Eine Zulassung ist ohne weiteres möglich.
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Zeichnung: Archiv
Problematisch bleibt in vielen Fällen aber die Entfernung zum Objekt der Begierde. Je günstiger der Preis und je weiter die Distanz, desto größer die Versuchung die Katze im Sack zu kaufen, das heißt auf eine Besichtigung vor Ort zu verzichten. Doch längere Standzeiten im Ausstellungsraum können auch Neumaschinen zusetzen. Kratzer durchs Probesitzen oder leicht verblasster Lack sind auf den Fotos im Internet-Angebot nicht zu erkennen. Ein Streit ist dann vorprogrammiert.
Foto: Archiv
Erst recht, wenn sogar bei der Anlieferung auf das Internet gesetzt wird. Motorradtransport-Firmen, die zum Teil schon für 150 Euro den Versand durch die ganze Republik anbieten, gibt es im Netz zuhauf. Spätestens dann lassen sich Transportschäden nur noch schwer von besagten Standschäden trennen.

Noch schlimmer kommen könnte es, wenn auf die auffallend günstigen - meist nochmals 1000 bis 2000 Euro billigeren - Angebote von meist in Spanien, Italien oder Osteuropa gemeldeten Händlern eingegangen wird. Denn trotz mehrsprachiger Beteuerungen über frachtfreie Anlieferung und unkomplizierte Abwicklung sind die Chancen groß, damit unseriösen Gaunern auf den Leim zu gehen.
Foto: Archiv
Womit sich letztlich der freundliche Motorradhändler um die Ecke wieder ins Spiel bringt. Denn auch der sieht zu, möglichst wenig Altlasten mit über den Winter zu schleppen. Höchstwahrscheinlich wird der lokale Zweiradstützpunkt nicht mit den Sommerschlussverkaufspreisen der Online-Händler konkurrieren können. Dafür fällt es ihm möglicherweise leichter, das ein oder andere Zubehörteil auf die Traummaschine zu packen oder eine Probefahrt zu arrangieren. Und: Vielleicht steht bei ihm auch noch eine gute Gebrauchte für einen akzeptablen Tarif im Lager. Was übrigens generell nicht die schlechteste Alternative zu manch aufwendig zu organisierendem Neumaschinen-Schnäppchen sein kann.
Foto: BMW

Enduro/Supermoto

Sie war im Jahr 2007 einfach zu spät dran. Zu den Boom-Zeiten der großen Viertakt-Einzylinder Mitte der neunziger Jahre hätte die Xmoto den KTM LC4 das Leben verdammt schwer gemacht. Single-Fans können mit der handlichen und robusten BMW aber auch heute noch glücklich werden. 
Foto: Hersteller

Aprilia Pegaso 650 Strada Baujahr '08

Der Einzylindermotor stammt aus der Yamaha XT 660, das sauber ver­-arbeitete Fahrwerk von Aprilia – da kann man nichts falsch machen.
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Honda Transalp Baujahr '08

Lang ersehnt, im Jahr 2008 eingetroffen. Die Neuauflage der Transalp glänzt mit dem bewährten Konzept: unauffällig, aber solide.
 Modell Listenpreis in Euro
Aktueller Preis in Euro
Ersparnis
 Kawasaki Versys '08
 7295,00 6000,00
18 %
 Ducati Hypermotard 1100 S
 13455,00 11400,00 15 %
 Kawasaki Versys
 7395,00 6300,00 15 %
Foto: Hersteller

Chopper/Cruiser

Die Gnade der späten Geburt hat der kleinen Intruder nicht viel geholfen. Aus dem mächtigen Schatten der 1800er-Intruder konnte die erst im Jahr 2009 präsentierte M 1500 nie heraustreten. Ein Schicksal, das sie mit vielen kleinen Schwestern in den Cruiser-Modellfamilien teilt.
Foto: Hersteller

Yamaha XVS 1300 A Baujahr '08

Ihre große Schwester, die XVS 1900, hat eben mehr Hubraum. Das reicht, um in Cruiser-Kreisen ins Hintertreffen zu geraten.
Foto: Hersteller

Honda VT 750 Shadow Spirit

Hubraumnachteil zum dritten. 750 cm3 Hubraum reichen vielleicht nicht für ein Outlaw-Image, wohl aber für ein gutes Motorrad. Und das ist die VT.
 ModellListenpreis in Euro Aktueller Preis in Euro
Ersparnis
 Yamaha XVS 1300 A
 10995,009500,00
 14 %
 Kawasaki VN 1700 Classic
 12495,00 11000,0012 %
Foto: Archiv

Tourer/Sporttourer

1299 statt 1340 cm3 Hubraum und 175 statt 197 PS – das unterscheidet die  2007er-Hayabusa von ihren Nachfolgerinnen. Und wetten, dass das – außer am Stammtisch – kein Mensch merkt. Der Geheimtipp für Speed-Sparfüchse.
Foto: Archiv

Suzuki Hayabusa 1300 Baujahr '08

Mehr Kraft für weniger Geld gibt’s nicht. Die Hayabusa ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Eine, die man sich auch leisten kann.
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Kawasaki 1400 GTR Baujahr '08

Viel Feind, viel Ehr’? Gegen BMW tut sich jeder Tourer schwer. Dennoch: Die sportive GTR verkauft sich seit ihrer Präsentation unter Wert.
 ModellListenpreis in Euro
Aktueller Preis in Euro
Ersparnis
 Suzuki Hayabusa 1300
 13490,00 10400,0023 %
 Kawasaki 1400 GTR
 16255,0013000,00
 20 %
Foto: Archiv

Sportler/Supersportler

Öhlins-Federelemente und den bewährten V2-Motor von Rotax kombiniert Aprilia zum exzellenten Ducati-Jäger. Schade, dass die legendäre Mille nun von der neuen RSV4 abgelöst wird. Die Fans werden sie vermissen. 
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Suzuki GSX-R 1000 Baujahr '08

GSX-R-Freaks halten das 2008er-Modell für optisch geglückter als seinen Nachfolger. Billiger ist es allemal.
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Yamaha YZF-R1 Baujahr '08

Wem der V4-Sound der 2009er-R1 nicht fehlt, der wird mit der 2008er-Version ganz sicher glücklich.
 Modell Listenpreis in Euro
 Aktueller Preis in Euro
 Ersparnis
 Kawasaki ZX-10R '08 13545,0010000 ,00
26 %
 Suzuki GSX-R 750
 12150,00 9000,00 26 %
 Honda CBR 600 RR '07
 10790,008000,00
 26 %
 Kawasaki ZX-6R '08 10665,008000,00
25 %
 Suzuki GSX-R 750 '08
 11590,00 8700,00 25 %
 Yamaha YZF-R1
 15950,0012000,00
 25 %
 Suzuki GSX-R 600 '08 10490,008000,00
 24 %
 Aprilia RSV 1000 R '08
 13699,0010500,00
 23 %
 BMW K 1200 S '08
 16600,0013000,00
 22 %
 Aprilia RSV 1000 R Factory 16490,0013000,00
 21 %
 Honda CBR 600 RR 12600,0010000,00
 21 %
 Yamaha YZF-R6 '08
 11315,009000,00
 20 %
 Honda Fireblade '08
 13760,0011000,00
 20 %
 Aprilia RSV 1000 R 14335,0011500,00
 20 %
 BMW R 1200 S '07
 14900,0012000,00
 19%
 Kawasaki ZX-10R '08
 13545,00 11000,00 19%
 Honda CBR 600 RR '08
 10790,008800,00
 18 %
 Yamaha YZF-R6 12550,0010300,00
 18 %
 Honda Fireblade 15790,0013000,00
 18 %
 Kawasaki ZX-6R '08
 10665,00 9000,0016 %
Foto: Hersteller

Allrounder/Naked Bikes

Seit drei Jahren im Rennen und noch immer ein Renner – auch wenn die kantige Optik polarisiert. Technisch zeigt sich der moderate Streetfighter mit seinem Reihen-Vierzylinderauf der Höhe der Zeit. Das etwas träge Handling lässt sich durch taugliche Reifen verbessern. Der Rest passt.
Foto: Archiv

Aprilia Tuono 1000 R Baujahr '08

ine Nackte mit Superbike-Genen. Seit Jahren eines der bestverkauften Modelle des italienischen Herstellers – und noch immer ein heißer Tipp.
Foto: Archiv

Suzuki B-King

Die eigentümliche Optik hat die B-King um den Erfolg gebracht. Doch Fahrwerk, Motor und Laufkultur des Macho-Bikes sind erstklassig.
 Modell Listenpreis in Euro
 Aktueller Preis in Euro
 Ersparnis
 Suzuki B-King '08
 13690,00 11000,00 20 %
 Suzuki Bandit 650 S '08
 6790,00 5500,00 19 %
 Honda CBF 600 '08
 7340,00 6000,00 18 %
 Yamaha FZ6 Fazer S2
 8550,00 7000,00 18 %
 Aprilia Tuono 1000 R
 12199,00 10000,00 18 %
 Aprilia Tuono 1000 R Factory
 13990,00 11500,00 18 %
 Suzuki SV 650 '08
 6790,00 5600,00 18 %
 Suzuki Bandit 1250 S
 8990,00 7500,00 17 %
 Honda CB 1000 R
 10890,00 9200,00 16%
 Honda Hornet 600 8390,00 7100,00 15 %
Foto: Archiv

Interview mit einem Händler

MOTORRAD: Was verkaufte sich in dieser Saison gut, was nicht?

Trinkner: Allrounder und Naked Bikes liefen gut, Supersportler blieben hinter unseren Erwartungen.

MOTORRAD: Woran liegt das?

Trinkner: Die typische Supersport-Klientel, also die jungen Kunden fehlen. Das liegt zum einen am allgemein fehlenden Nachwuchs bei den Motorrad-Interessierten, aber sicher auch daran, dass sie es sind, die ohne finanzielles Polster von der Rezession am stärksten betroffen sind.

MOTORRAD: Wie reagieren dann gerade diejenigen, die im Frühjahr zum Beispiel für eine CBR 600 RR 2000 Euro mehr bezahlt haben?

Trinkner: Dass am Saisonende die Preise fallen, ist normal. Damit haben die wenigsten Käufer ein Problem.

MOTORRAD:  Zumal durch die Internet-Anbieter die Preise ganzjährig unter Druck sind. Kann ein orts- und zudem noch markengebundener Händler da noch gegenhalten?

Trinkner: Wenn allein der Preis entscheidet, dann nicht. Wir müssen mit anderen Stärken überzeugen. Das heißt vor allem Service, lokale Nähe und Seriosität.

MOTORRAD: Bis zu welcher Preisdifferenz wirken diese Faktoren?

Trinkner: Bis zu etwa 500 Euro. Darüber ist der Kunde weg.

MOTORRAD: Und wie kompensieren Sie diese entgangenen Geschäfte?

Trinkner: Durch den Handel mit Gebrauchten. Dieser Markt ist stabil. Denn man darf sich durch die rückläufigen Zahlen im Neuverkauf nicht täuschen lassen. Das Interesse an Motorrädern ist nach wie vor groß. Sie müssen nur erschwinglich sein. Etwa 6000 Euro ist in dieser Beziehung eine Schallmauer.

MOTORRAD: Wie bieten Sie die Gebrauchten an?

Trinkner: Auf Laufkundschaft kann man heute nicht mehr setzen. Am Internet führt kein Weg vorbei.

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