Kaufberatung: Schnäppchen am Jahresende

Schwäbisch für Anfänger

In Zeiten der Finanzkrise kann man vom Sparsinn der Schwaben nur lernen. Ob beim Kehraus der Hersteller, Importeure oder Händler tatsächlich echte Schnäppchen dabei sind und ob die einen Haken haben, hat MOTORRAD recherchiert.

Foto: Bilski
In Zeiten der Finanzkrise freuen sich nicht nur Schwaben über Schnäppchen.
In Zeiten der Finanzkrise freuen sich nicht nur Schwaben über Schnäppchen.

Yamaha nannte sie einst Joker Bikes, Kawasaki wirbt mit Jackpot-Modellen und Suzuki mit Best-Price-Bikes. Gemeint sind jeweils neue, besonders günstige Motorräder, meist aktuelle Modelle, manchmal auch noch welche aus dem Vorjahr – Restbestände, die zum Jahresende verkauft werden sollen. Zum einen, um Kapital flüssig zu machen, zum anderen zur Sicherung von Marktanteilen. Unter letzterem Aspekt ist es nicht verwunderlich, dass Kawasaki an seine 2008er-Jackpot-Modelle eine Bedingung knüpft: Sie müssen bis zum Jahresende, Stichtag 31. Dezember, zugelassen werden.

Auf den Internetverkaufsplattformen mobile.de, autoscout24.de und 1000ps.de/gebrauchte-motorraeder tummeln sich Schwärme von Bikes mit Tageszulassungen ohne Kilometer. Obwohl fabrikfrisch, werden diese Motorräder deutlich unter dem einstmals geforderten Neupreis angeboten. Allerdings sollte man einen Blick auf die recht unterschiedlichen Garantiebedingungen werfen: Bei den vier großen japanischen Herstellern beginnt die Garantiezeit am Tag der ersten Zulassung. Und zwar egal, ob das Bike tatsächlich nur für einen Tag vom Händler zugelassen und nie gefahren wurde. Wer also im Februar 2009 ein Motorrad mit Tageszulassung vom Januar 2007 kauft, hat keinen Anspruch auf Werksgarantie. Bei Kawasaki kann diese gegen Gebühr auf bis zu vier Jahre verlängert werden. Bei den anderen Japanern übernehmen, wenn überhaupt möglich, Drittanbieter die Garantieverlängerung. Hier gilt es, auf Klauseln zu Laufleistungsbeschränkungen oder Ähnliches zu achten. Einen kundenfreundlicheren Weg beschreiten Hersteller wie Aprilia, BMW oder Triumph – bei ihnen beginnt die Garantiezeit erst mit der Zulassung auf den Endkunden, auch wenn das Fahrzeug schon mal eine Tageszulassung besessen hat.

Und wer bietet nun die besten Schnäppchen? Beginnen wir alphabetisch. Aprilia wird die RSV 1000 im kommenden Jahr nicht mehr anbieten – ihre Nachfolgerin, die RSV4, steht in den Startlöchern. Zwar gibt es laut Importeur keine Sonderverkäufe, doch einige Händler bieten offiziell nach Deutschland importierte Mille rund 2000 Euro unter Neupreis feil. Effektiver sparen lässt es sich bei Benelli. Beispiel: die TnT 1130 Café Racer wird bei mobile.de für 10990 statt der regulären 13490 Euro angeboten. Und auch die anderen TnT-Modelle unterliegen einem drastischen Preisverfall. Bei BMW stößt man in den Internetmärkten auf viele Modelle mit Tageszulassung, null Kilometern und dem Hinweis „Dienstmotorrad“. Echte tageszugelassene BMW-Schnäppchen sind derzeit K 1200 GT-Modelle, die – mit Vollausstattung – teilweise bis zu 6500 Euro unter Listenpreis gehandelt werden. Diese stammen allerdings manchmal schon aus dem Sommer 2007. Ebenfalls verhältnismäßig günstig: die letzten F 650 GS-Modelle mit dem Rotax-Einzylinder, die für rund 6000 Euro zu haben sind, sowie das G-Modell X-challenge, das vereinzelte Händler ab 7000 Euro anbieten.

Anzeige

Das zahlt sich aus

Bei Buell wie auch Ducati scheint man besser kalkuliert zu haben: Trotz Modellwechsels findet sich kaum eine besonders günstige XB12 oder 1000er-Monster im Netz. Die vier großen Japaner handhaben den Kehraus sehr individuell: Honda beispielsweise spendiert für die Modelle Deauville, Transalp und Varadero 1000 beim Kauf eine Reiseausrüstung im Wert von bis zu 1000 Euro. Kawasaki senkte jüngst die Preise von nagelneuen 2008er-Modellen. Beim Bestseller ER-6n liegt die Ersparnis bei rund 17 Prozent: Wer bis zum Jahresende zulässt, zahlt nur 5495 Euro. Ebenfalls deutlich günstiger, da die Nachfolger praktisch schon in der Tür stehen: ZX-10R für 10995 statt 13545 Euro und die ZX-6R, deren Preis um 1670 Euro auf 8995 Euro reduziert wurde. Aber ist es überhaupt sinnvoll, ein Auslaufmodell zu kaufen? Generelle Vorteile: Die Maschine ist in der Regel ausgereift, der Wertverlust aufgrund des günstigeren Einstandspreises geringer als beim brandneuen Modell. Zudem sind für die meisten Bikes eine große Anzahl von Reifenfreigaben vorhanden, und der Zubehörmarkt hat sich ebenfalls auf das Modell eingestellt. Dagegen spricht eigentlich nur eins: wenn der Nachfolger ungleich besser aussieht oder wesentliche Kritikpunkte gegenüber dem Vorgängers ausgemerzt wurden.

Während KTM praktisch Schnäppchenfreie Zone ist, stehen die Sparchancen bei Moto Guzzi wesentlich besser. Bei mobile tauchen vereinzelte 2007er-Moto Guzzi Breva 1100 ABS auf: Los geht’s hier bei 7800 Euro. Der Listenpreis betrug ehemals 12100 Euro. Ebenfalls lohnenswert und ein echter Tipp: Suzuki Bandit 1250-Modelle mit ABS gibt es bei mobile.de ab 7000 Euro – Knallerpreis für den Bestseller. Suzuki selbst wirft in der Sonderaktion Best-Price-Bikes derzeit 2007er- sowie 2008er-Modelle der SV 650, Bandit 650 sowie die GSX-R-Modelle zu günstigen Konditionen auf den Markt. Ebenfalls empfehlenswert: der Supercruiser M 1800 R, der für knapp unter 10000 Euro über den Tresen geht – rund 3500 Euro unter Listenpreis. Triumph bietet wie Honda einen Preisvorteil in Form von Zubehör. Wer jetzt noch ein 2008er-Modell der Rocket III, Speed Triple, Sprint ST oder Tiger 1050 kauft, erhält einen Bekleidungs- oder Zubehörbonus im Wert von von 555 Euro. Lohnenswerter dagegen die Angebote im Internet: Dort wird die Rocket III Touring 3500 Euro günster als Liste gehandelt. Und Yamahas YZF-R1 gibt‘s im Internet ab 10590 Euro – deutsche Ware, versteht sich. Wem die Garantiezusage des Händlers reicht, der kann bei Grauimporten noch mehr sparen. Doch das ist Vertrauenssache.

Das sollten Sie beachten

Transport:
Müssen Sie das Fahrzeug selbst abholen und dafür einen Hänger oder Transporter mieten, oder wird es angeliefert?

Tageszulassung:
Überprüfen Sie die Garantiebedingungen (siehe Text) – oft läuft die Garantie schon ab der Tageszulassung.

Reifen:
Vor allem bei Tageszulassungen, die bereits länger zurückliegen, auf das Herstellungsdatum der Reifen achten. Und handeln Sie möglichst noch einen Satz raus.

Zustand:
Kaufen Sie nie „blind“ übers Internet, eine Besichtigung ist stets angebracht. Bei längerer Standzeit korrodiert selbst Neuware.

Folge- und Unterhaltskosten:
180 PS für wenig Geld? Spätestens ein Reifenkauf schüttelt Sie aus den Sparträumen. Berücksichtigen Sie Versicherungstarife und Inspektionskosten.

Werkstattgarantie:
Es nützt Ihnen nichts, wenn Sie in Hamburg wohnen, das Motorrad aber in München günstig kaufen und zur Inspektion stets dorthin müssen. Betrifft Grauimporte und ältere Tageszulassungen.

Internetsuche:
Geben Sie als Suchbegriffe doch einfach mal „verkaufe XXXX“ ein – oftmals landen Sie auf kleineren Portalen oder bei Privatverkäufen fernab der großen Verkaufsbörsen.

BMW K 1200 GT

ab 12500 Euro; 6500 Euro gespart
Foto: Archiv
Der Supertourer bietet das größte Sparpotenzial. Aufgrund des Modellwechsels – die K 1300 GT kommt mit vielen Detailänderungen – werden 2007er-wie 2008er-Modelle derzeit mit einem Preisnachlass von bis zu 6500 Euro im Internet angeboten. Die GT, Sieger in diversen Vergleichstests, offeriert hervorragende Reisequalitäten, beste Bremsen und hohen Soziuskomfort. Die Leistung reicht allemal: 152 PS stehen zur Verfügung, das Motorrad ist ausgereift und glänzt mit ausgewogenem Fahrverhalten. Kritik? Derbislang extrem hohe Preis! Na dann ...

BMW F 650 GS

ab 6660 Eruo; 1490 Euro gespart
Foto: Künstle
Trotz des starken, gleichnamigen zweizylindrigen Nachfolgers lohnt der Seitenblick auf die im Internet noch angebotenen Einzylinder. Denn der Single ist agil, ausgereift, standfest und darüber hinaus sehr sparsam. Das Zubehörangebot ist riesig, Gebrauchtteile sind ebenfalls im Überfluss erhältlich. Wer ein genügsames, leicht zu beherrschendes Fahrzeug sucht und es für lange Zeit behalten möchte, ist mit der Baby-GS bestens bedient. Allerdings dürfte der Preisverfall aufgrund des Zweizylinder-Modells sehr hoch sein. Kritikpunkte? Schwere Fahrer oder solche, die oft mit Sozius oder Gepäck fahren, sollten hinten eine härtere Feder nachrüsten.

Benelli TreK 1130 Amazonas

ab 9990 Euro; 3000 Euro gespart
Foto: Gargolov
Schon im Namen schwingt das Fernweh mit – die Amazonas ist ein Exot. Das beginnt mit der vergleichsweise spärlichen Händlerdichte und hört auf mit kleinen Mängeln, die im Lauf diverser Tests immer mal wiederauftauchten wie Elektrikpannen. Für einen Kauf spricht das extrem stabile Fahrwerk und der irrsinnig potente Motor, der praktisch jederzeit und überall Leistung im Überfluss entwickelt. Seine nominal 125 PS fühlen sich manchmal doppelt so stark an. Die Exklusivität dieses Bikes ist hoch. Besonders in der Kritik: die verzögerte Gasannahme und der hohe Verbrauch von bis zu zehn Litern auf 100 Kilometer.

Honda CBF 600

ab 4990 Euro; 2050 Euro gespart
Foto: Jahn
Trotz des Modellwechsels können 2007er-Modellebedenkenlos empfohlen werden. Exemplare mit ABS, Tageszulassung und null Kilometern tauchen bei einigen Händlern ab 4990 Euro auf. Für 2008er-Modelle mit identischer Ausstattung muss man rund 500 Euro mehr kalkulieren – die sich durch den geringeren Wertverfall jedoch wieder auszahlen. Die CBF ist ein Rundumsorglos-Paket. Einfach zu fahren, günstig im Unterhalt, problemlos in der Handhabung und wertig in der Verarbeitung. Trotz des vergleichsweise geringen Hubraums produziert der Reihenvierzylinder neben98 PS auch ausreichend Drehmoment zum genüsslichen Touren, sogar zu zweit.

Moto Guzzi Breva 1100 ABS

ab 7800 Euro; 4300 Euro gespart
Foto: Künstle
Zwar hat die Nachfolgerin einen kleinen Hubraumvorteil und ein paar PS mehr, doch die letzten 1100er sind echte Schnäppchen. Die Maschine bietet viel: hohe Alltagstauglichkeit, ABS, Kardan, allerfeinsten Sitzkomfort für Fahrer wie Beifahrer, große Reichweite, reichlich Zuladung und nicht zuletzt das außergewöhnliche und einzigartige Motorfeeling. Große Guzzi-V2 haben durch ihren Schlag einen hohen Erlebniswert. Allerdings leider auch das kleine Manko, dass sie sich bei 4000/min eine Verschnaufpause gönnen, um dann bei 5500/min extrem loszurocken.

Suzuki SV 650 ABS

ab 5390 Euro; 1235 Euro gespart
Foto: Archiv
Vor rund zehn Jahren war der quirlige 650er-Zweizylindermotor State of the art. Aber auch heute kann der 75 PS starke Antrieb durchaus noch begeistern. Der Motor ist bewährt und ausgereift, das Fahrwerk gut, der Soziuskomfort allerdings bescheiden. Ansonsten erhält bei diesem Modell eigentlich nur noch das Design Kritik –mit der Zuwendung zu einer eckigen Formsprache verlor die stets mit Lob überhäufte SV plötzlich Fans. Suzuki-Händler bieten im Rahmen einer Kehraus-Aktion 2007er-Modelle mit ABS günstig an. Diese Bikes sind ohne Tageszulassung. Wer nicht gerade mit dem potenziellen Nachfolger, der Gladius, liebäugelt, kann bedenkenlos zuschlagen.

Kawasaki ER-6n

ab 5495 Euro; 1100 Euro gespart
Foto: Künstle
Sicher, das Nachfolgemodell ist besser verarbeitet und hat einige Features wie die vibrationsärmere Lagerung des Motors – dennoch ist die2008er-ER-6n ein Schnäppchen, da sich grundlegend nichtsgeändert hat. Für das gesparte Geld gegenüber der Neuen lässt sich ein Top-Federbein aus dem Zubehör einbauen und auch einige rostige Schrauben gegen Exemplare aus Edelstahl tauschen. Denn Federbein und Verarbeitung sind die Hauptkritikpunkte beim Mittelklasse-Bike.

Yamaha YZF-R1

ab 10590 Euro; 3190 Euro gespart
Hier wird hoch gepokert. Zwar wirkt das 2009er-Modell auf den ersten Blick nicht so gefällig, doch der Motor mit Big-Bang-Prinzip könnte einen Meilenstein setzen. Falls das tatsächlich der Fall ist, werden ältere R1-Modelle wahrscheinlich stark im Preis fallen. Doch ungeachtet dessen: Keine R1 war je eine schlechte Wahl, denn der Supersportler ist ausgereift, stark, zuverlässig und gut verarbeitet. 2008er-Modelle gibt‘s bei Yamaha-Händlern vereinzelt ab 10590 Euro.

Artikel teilen

Anzeige
Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote