Kawasaki VN 900 Gebrauchtberatung Billig und ausgesprochen opulent

In der Cruiser-Mittelklasse sticht die Kawasaki VN 900 mit ausgesprochener Opulenz hervor. Denn obwohl sie beinahe billig zu haben ist, hat sie Klasse.

Foto: Hersteller

Die (gar nicht so) kleine Vulcan - so heißt sie auf dem US-Markt und auch hierzulande bei vielen Fans - macht auf dicker als sie ist. Kawasaki spricht von einem „Long-and-low“-Design, das an die VN 2000 angelehnt ist. Freunde des langen Radstands - bei der Kawasaki VN 900 sind es fast 1,65 Meter - lieben wahre Größe. Aber gerade mal 50 Pferde müssen satte 280 Kilo ziehen. Das Mittelklasse-Bike schafft das absolut überzeugend mit fast 80 Newtonmetern Drehmoment.

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Die große Zweiliter-Schwester bollert mit doppelter Leistung durchs Land, wiegt jedoch auch gut 100 Kilo mehr. Beim offiziellen Verkaufsstart 2006 kostete die Kawasaki VN 900 außerdem fast 10000 (!) Euro -weniger als Kawas dickste Cruiser-Kawumme - Vulcan-Fans ohne schweren Geldbeutel fiel es da natürlich leicht, sich für die 900er zu entscheiden. Zumal sie mit schwarz lackiertem Motorblock und chromglänzendem Zylinder-Feinripp dem Fahrer keine Minderwertigkeitsgefühle beschert, weil sie genauso wertig ist, wie sie aussieht.

2007 gesellte sich zur Classic noch die sexy Kawasaki VN 900 Custom hinzu, die mit schmalem und gro-ßem Vorderrad und cooler Sitzhaltung (gerader T-Lenker) die Chopperfraktion antörnt. Verglichen mit der konservativen Classic lief die Custom im Verkauf nicht ganz so gut, auf der Straße läuft sie dafür umso besser, weil zielgenauer und mit geringerem Aufstellmoment in Kurven. Zwei Varianten des Classic-Modells kamen ab 2011 hinzu (Special Edition und Light Tourer), technisch hat sich seither nicht mehr viel getan. Doch, eines: seit 2013 nur noch 48 PS - spannend für Einsteiger und Wiedereinsteiger nach neuer Führerscheinregelung. Eine Drosselung für ältere VN 900 bietet bisher aber nur der Nachrüstmarkt.

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Foto: Kawasaki

Besichtigung

„226000 Kilometer gelaufen, erster Motor - und mit der Maschine kannst du sofort am Stück nach Spanien und wieder zurück fahren. Das sagt doch alles, oder?“, konstatiert ein Kawa-Händler aus der Eifel. Er beschreibt ein Kundenfahrzeug. Und in der Tat sagt dies viel über die Langlebigkeit der VN 900 aus. Technische Probleme mit dem V2? Unbekannt. Sonstiger Stress? Nein. Bei der Besichtigung reicht ein Blick ins Serviceheft. Ist dieses lückenlos geführt, und steht die Maschine sauber da? Sofort kaufen, Ärger ist nicht zu erwarten. Ein Blick auf den Zahnriemen schadet dennoch nicht, denn unsachgemäße Wartung oder ein Fremdkörper im Antrieb können einen Austausch erfordern (Kosten bis über 1000 Euro). Zubehör ist eher kein Thema, Ori-ginalzustand ist gefragt. Ausnahmen: Bei der Classic sind tourentaugliche Originalteile wie Windschild oder Satteltaschen wertsteigernd, und -eine soundfördernde Auspuffanlage von Miller (neu ab 1250 Euro) wird immer goutiert.

Foto: Archiv

Marktsituation

Sie ist weder teuer noch richtig billig. Um 5000 Euro ist die 900er wegen eines astreinen Gegenwerts ein extrem gefragtes Modell. Mit etwas Glück findet man sie für dieses Geld aus zweiter Hand mit weniger als 10000 Kilometern auf der Uhr, belegter Service-Historie und komplett ohne Macken. Auch wenn Gutachterlisten wie Schwacke suggerieren, ab 3000 Euro ginge es schon los, finden sich Offerten unter 4000 Euro - selbst mit höheren Laufleistungen (deutlich über 40000 Kilometer) und sichtbaren Gebrauchsspuren - nur wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen.

Am anderen Ende der Fahnenstange: Über 7000 Euro tun sich Händler auch bei Tipptopp-Pflegezustand und noch so geringer Laufleistung schwer, die Maschine loszuwerden, weil Neufahrzeuge mit guten Finanzierungskonditionen mitunter kaum teurer angeboten werden. Privatanbieter (immerhin rund ein Drittel) haben mit Forderungen auf hohem Preisniveau (über 6000 Euro) ohnehin schlechte Karten, weil sie keine Gewährleistung bieten. Ebenfalls schwer tun sich Anbieter von Umbauten - es finden sich zwar Interessenten mit gleichem Geschmack, als Gebrauchtkäufer wollen diese die vorherigen Umbau-Investitionen aber nur selten mittragen.

Foto: Kawasaki

Modellpflege

2006: VN 900 Classic (Typ: VN900B) als Nachfolger von VN 800 mit 180er-Hinterreifen, Einspritzanlage, Vierventil-Köpfen und digitaler elektronischer Zündung. Leistung: 50 PS (Variante: 34 PS). Preis: 7495 Euro.

2007: Modell VN 900 Custom (Typ: VN900C) mit 21-Zoll-Vorderrad aus Leichtmetall-Guss, T-Lenker, neuem Scheinwerfer und neuer Sitzbank. Preis: 7695 Euro.

2009: Änderungen an Steuereinheit ECU, Auspuff und Lambdasonde. Preise Classic/Custom: 8195/8295 Euro.

2011: Neue Varianten bei Modell Classic: Special Edition (Weißwandreifen, andere grafische Elemente, Preis: 9095 Euro) und Light Tourer (Satteltaschen, Satteltaschenhalter, Rückenlehne, Windschild und Lightbar, Preis: 10195 Euro). Preise Classic/Custom: 8195/8295 Euro.

2013: Leistung auf 48 PS zurückgenommen. Preise Classic/Custom: jeweils 8995 Euro.

Foto: fact

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-55-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Zahnriemen.
Bohrung x Hub 88 x 74,2 mm
Hubraum 903 cm³
Nennleistung 37 kW (50 PS) bei 5700/min
Max. Drehmoment 78 Nm bei 3700/min

Fahrwerk
Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn und hinten.
Alu-Gussräder 3.00 x 16; 4.50 x 15
Reifen 130/90-16; 180/70-15

Maße + Gewichte
Radstand 1645 mm, Lenkkopfwinkel 58 Grad, Nachlauf 160 mm, Sitzhöhe* 705 mm, Gewicht vollgetankt* 283 kg, Zuladung* 179 kg, Tankinhalt 20 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 8/2010)
Höchstgeschwindigkeit** 160 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 7,3 sek
Durchzug
60-100 km/h 5,8 sek
Verbrauch 4,1 l/100 km (Landstraße)

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