Kawasaki Zephyr 750

Foto: Archiv
Die These, dass Motorräder primär aus dem Bauch heraus und weniger mit dem Kopf gekauft werden, muss als widerlegt gelten. Wie sonst wäre es zu erklären, dass von der Honda CB Seven Fifty (siehe nächste Seite) mit rund 20000 Stück ungefähr doppelt so viele Exemplare auf den hiesigen Straßen unterwegs sind wie von der Kawasaki Zephyr 750, obwohl die Honda – mit Verlaub – nicht halb so gut aussieht? Offensichtlich geben sich weniger Menschen als gedacht mit der These „function follows form“ zufrieden. Erfolglos war die Zephyr trotzdem nicht, denn die klassische Linie, die in dem als Entenbürzel bekannten Heck ihren Höhe- und Abschlusspunkt findet, verzückte nicht nur bekennende Klassikerfreunde. Diese wiederum tun sich leichter, die zweifellos vorhandenen Eigenheiten der Zephyr zu akzeptieren. So kennt der Choke des Vierzylinders nur die Stellungen „alles oder nichts“.

Der Motor selbst basiert auf der 1977 vorgestellten Z 650 und gilt allen mechanischen Nebengeräuschen in kaltem Zustand zum Trotz als langlebig und zuverlässig. Warm gefahren sollten die durch die Primärkette verursachten Rumpelgeräusche verschwunden sein, sonst stimmt etwas nicht. Leichte Ölnebel an Zylinderkopf und -fuß der ersten beiden Jahrgänge gelten als unproblematisch, danach wurden verbesserte Dichtungen verwendet. Die Zephyr ist sehr kurz übersetzt, was auf die Lebendigkeit einen ebenso positiven wie auf den Verbrauch negativen Einfluss hat. Bei flotten Autobahnfahrten, die aufgrund des nicht vorhandenen Windschutzes ohnehin kein Spaß sind, dürfen es schon mal rund zehn Liter sowie ein ordentlicher Schluck aus der 10W-40-Pulle sein. Bei flotter Gangart kommt auch die zu weich abgestimmte Telegabel an ihre Grenzen. Straffere Gabelfedern aus dem Zubehörmarkt schaffen Abhilfe. Zweipersonenbetrieb steht die Kawa aufgeschlossen gegenüber, sofern der Beifahrer kein preußisches Gardemaß besitzt. Besonders beliebt bei Klassikfreunden sind die mit Speichenrädern ausgerüsteten Modelle ab 1996. Der stilechten Optik steht hier ein erhöhter Pflege- und Putzaufwand gegenüber. Der lohnt sich bei der Zephyr generell, denn bei vernachlässigten Exemplaren machen sich schnell korrodierende Aluminiumteile sowie rostende Schrauben, Auspuffanlagen und Schweißnähte breit. Besonders betroffen ist der Tank, der an den Falzen schnell zu rosten beginnt. So gesehen erklärt sich der Verkaufserfolg der CB Seven Fifty gegenüber der Zephyr, für nüchterne Zeitgenossen ist sie die erste Wahl. Wer aber ein Faible für die sinnliche Kombination von Poliertuch, Chrom und Edelstahl hat, ist bei der Kawa richtig.

Daten
Luftgekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, 749 cm3, 56 kW (76 PS), Gewicht 227 kg, Zuladung 183 kg, Tankinhalt 17 Liter, Sitzhöhe 760 mm, Höchstgeschwindigkeit 195 km/h, Verbrauch 5,5 bis 7,2 l/100 km Normal.Marktsituation Die Zephyr-Szene ist aktiv und bastelt gerne. Als Pflichtumbauten gelten möglichst hohe und breite Lenker so-wie Miniblinker und der Umbau des Kennzeichenträgers. In der 3000-Euro-Liga finden sich aber auch noch genügend unverbastelte Exemplare mit den beliebten Speichenrädern und Laufleistungen ab 20000 Kilometer aufwärts. Der Einstieg in die Zephyr-Szene beginnt bei rund 1500 Euro mit Gussrädern und Tachoständen ab 50000.Tests in MOTORRAD 5/1991 (T), 11/1992 (VT), 22/1992 (LT), 3/2000 (VT) T=Test, , VT=Vergleichstest, LT=Langstreckentest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229Internet www.zephyrfahrer.de, http://markt.motorradonline.de/bike546.htm

Fazit
Die Zephyr ist das richtige Bike für Genussmenschen, denen der klassische Look so viel gibt, dass sie mit den funktio- nalen Schwächen wie der zu weichen Gabel oder der Verarbeitung leben können. Aber auch damit fährt die Kawa um Welten besser als das Original aus den Siebzigern.

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