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Kawasaki ZX-12R Gebrauchtberatung Uneingeschränkt empfehlenswerte Wuchtbrumme

Die Zielsetzung war so einfach wie beeindruckend. O-Ton Kawasaki: "Sie soll die schnellste, stabilste und stärkste Maschine mit dem besten Leistungsgewicht ihrer Klasse sein." Hat geklappt. Und ist heute für überschaubares Geld zu haben.

Versprochen waren 178 PS. Von MOTORRAD gemessen wurden 182. Und die hatten es im ersten Modelljahr 2000 mit nur 249 Kilogramm zu tun, was unterm Strich für 1,37 Kilo pro PS und echte 303 km/h reichte - Klassenbestwert, wie versprochen. Und wir reden von der Königsklasse! Wen scherte es da noch, dass die Suzuki Hayabusa bereits im Vorjahr die 300-km/h-Marke geknackt hatte?

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Angst vor der eigenen Courage

Niemanden, denn die große Ninja punktete nicht nur mit brachialer Leistung und fettem Eisdielen-Bonus. Es sprach sich auch schnell herum, dass sich besagtes Potenzial prima nutzen lässt. Und das völlig stressfrei, denn Ergonomie sowie Wind- und Wetterschutz für den Fahrer (ausdrücklich NICHT für den Sozius) und der fein ansprechende, schaltfaul zu fahrende Motor machen die ZX-12R zum idealen Langstrecken-Brenner. Der sich auch in der Stadt und auf engen Landstraßen dritter Ordnung problemlos bewegen lässt, denn Handlichkeit und Lenkpräzision sind überraschend gut.

Bereits im zweiten Modelljahr hatte Kawasaki dann aber Angst vor der eigenen Courage - Stichwort „freiwillige Selbstbeschränkung“, aber mit nur noch 298 km/h ließ es sich auch irgendwie leben. Erst recht, weil die Grünen es gut verstanden, ihrem Top-Modell die kleinen Kinderkrankheiten durch dezente, aber wirksame Modellpflege auszutreiben. Spätestens seit der 2002er-Überarbeitung ist die herrlich tönende ZX-12R eine uneingeschränkt empfehlenswerte Wuchtbrumme.

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Foto: Archiv
Bereits die Verschalung des Urmodells von 2000 sorgt dafür, dass der Fahrer lange Strecken mit hohem Tempo entspannt bewältigen kann. Einziger Grund für frühzeitige Stopps: der recht hohe Spritverbrauch.
Bereits die Verschalung des Urmodells von 2000 sorgt dafür, dass der Fahrer lange Strecken mit hohem Tempo entspannt bewältigen kann. Einziger Grund für frühzeitige Stopps: der recht hohe Spritverbrauch.

Besichtigung

Die ZX-12R ist kein Showbike, ihre Leistung wird in der Praxis von den meisten Besitzern regelmäßig gefordert. Dafür ist sie gebaut, und ihre mechanische Zuverlässigkeit ist grundsätzlich sehr gut - nach Aussage von Profischraubern für über 100000 Kilometer ohne Motorrevision. An der Peripherie fordert die Highspeed-Gangart dann aber natürlich doch Tribut. Gern und oft an den Bremsen: Spätestens dann, wenn bei langsamer Fahrt und dem zarten Anlegen der Vorderradbremse ein Pulsieren im Handhebel bemerkbar ist und die ganze Fuhre leicht ruckelt, sind die Stopper fällig. Für die Vorderhand ist man dann ab 500 Euro dabei, daran sind allein die Scheiben mit je 200 Euro beteiligt.

Der Kettensatz hält an der ZX-12R bei guter Pflege erstaunlich lange, aber auch nicht ewig: Ab 25000 Kilometern ist erhöhte Aufmerksamkeit angesagt. Leichtes Getriebehaken ist bei der Ninja fast normal, Störrigkeit aber nicht. Risse an den Verkleidungshaltern und Auspuffkrümmern sind gar nicht so selten.

Foto: Archiv
Zu ihrer Zeit die schnellste, stabilste und stärkste Maschine mit dem besten Leistungsgewicht. Die Kawasaki ZX-12R als Gebrauchte.
Zu ihrer Zeit die schnellste, stabilste und stärkste Maschine mit dem besten Leistungsgewicht. Die Kawasaki ZX-12R als Gebrauchte.

Marktsituation

Die große Ninja ist als Gebrauchte keine Mangelware. Gut abgehangene Kilometerkönige mit über 50000 Kilometern auf dem Tacho sind vereinzelt schon für knapp über 3000 Euro zu bekommen. Das Gros der Offerten bewegt sich aber zwischen 4000 und 5000 Euro, Händler- und Privatangebote halten sich in etwa die Waage. Die Nachfrage ist nicht ganz so üppig wie das Angebot, aber zu einer echten Standuhr wird die ZX-12R praktisch nie.

Der vor ein paar Jahren noch ums 300-km/h-Urmodell herrschende Hype ist abgekühlt. Mittlerweile interessieren sich die Ninja-Käufer mehr für die Sporttourer-Qualitäten und weniger für das Dicke-Hose-Image. Und das eher unabhängig vom Baujahr der Wuchtbrumme.

Foto: Archiv
Ein Monocoque aus Aluteilen verbindet Steuerkopf und Schwingenlagerung - kompakt, leicht und stabil.
Ein Monocoque aus Aluteilen verbindet Steuerkopf und Schwingenlagerung - kompakt, leicht und stabil.

Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, elektronische Saugrohreinspritzung, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.

Bohrung x Hub 83 x 55,4 mm
Hubraum 1199 cm³
Nennleistung 131 kW (178 PS) bei 10 500/min
Max. Drehmoment 134 Nm bei 7500/min

Fahrwerk
Monocoque-Rahmen aus Alu-Blech, Motor mittragend, Upside-down-Gabel, Zweiarmschwinge aus Alu-Profilen, Zentralfederbein mit Hebelsystem, Federelemente jeweils mit verstellbarer Federbasis sowie Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.

Alugussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 200/50 ZR 17

Maße + Gewichte
Radstand 1450 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 98 mm, Federweg v/h 120/140 mm, Sitzhöhe* 830 mm, Gewicht vollgetankt* 248 kg, Tankinhalt** 19 Liter.

Messungen
(MOTORRAD 8/2002)
Höchstgeschwindigkeit**
298 km/h
Beschleunigung
0-100 km/h 2,7 sek
Durchzug
60-140 km/h 7,1 sek
Verbrauch
6,8 l/100 km (Landstraße),
7,0 l/100 km (bei 130 km/h)

*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Foto: Archiv
340 km/h auf dem Tacho, immerhin 308 km/h in den Papieren - die Erstauflage der ZX-12R macht bereits im Stand mächtig was her. Und rannte in der Praxis 303 km/h.
340 km/h auf dem Tacho, immerhin 308 km/h in den Papieren - die Erstauflage der ZX-12R macht bereits im Stand mächtig was her. Und rannte in der Praxis 303 km/h.

Modellpflege

  • 2000 Markteinführung. Farben: Silber, Rot, Grün, Limegreen. Preis: 25 890 Mark (13 237 Euro).
  • 2001 Höchstgeschwindigkeit auf 298 km/h begrenzt; geändertes Motorsteuergerät; Kupplung überarbeitet; modifiziertes Verkleidungsoberteil mit neuen Spiegel-Haltepunkten; neuer Tacho; geänderter Tank (19 Liter) Farben: Silber, Grün, Blau. Preis: 26 690 Mark (13 646 Euro).
  • 2002 Stark überarbeitet (über 140 Änderungen), u. a. Ram-Air-Einlass, Fahrwerk und Scheinwerfer modifiziert; neue Frontverkleidung und neuer Windschutz. Farben: Blau, Rot, Schwarz. Preis: 13 695 Euro.
  • 2003 Automatische Tageslichtfunktion. Farben: Blau, Grün, Silber. Preis: 13 595 Euro.
  • 2004 Einspritzung, Motorsteuergerät, Gabel und Bremsanlage überarbeitet; Diebstahl-sicherung. Farben: Schwarz, Silber. Preis: 13 595 Euro.
  • 2005 Farbe: Blau. Preis: 13 595 Euro.
  • 2006 Letztes offizielles Baujahr. Farbe: Schwarz. Preis: 13 595 Euro.

Rückrufe

  • Anfang 2001 Bruchgefährdete Kraftstoff-überlauf-Leitung im Tank und Fehlfunktion Kraftstoffniveau-Sensor.
  • Oktober 2001 Brechende Ventilmuttern an Vorder- und Hinterrad (ZX1200-A1/A2).
  • Februar 2003 Öl kann in den Lichtmaschinenstecker und darüber aufs Hinterrad gelangen (ZX1200-A1H/A2H/B1H/B2H)

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