Kawasaki ZX-9R Gebrauchtberatung Der Sport-Allrounder von Kawasaki als Gebrauchte

Supersportlich ist sie seit Ewigkeiten nicht mehr, und als Sporttourer mag sie niemand einstufen. Ein Begriff passt wohl am besten für die Neuner: Sport-Allrounder.

Foto: Gargolov

Komfort und Alltagstauglichkeit  da denkt wohl kaum jemand an Supersportler, oder? Die ZX-9R belehrt eines Besseren. Von 1994 bis 2003 war die Neuner-Ninja Vorzeigeathletin bei Kawasaki, machte mit viel Dampf (rund 140 PS) ihren Job auch recht gut. Anfangs spielte sie in der ersten Liga, bei der zweiten Generation ab 1998 flatterte allerdings in bestimmten Fahrsituationen die (steife) Gabel (Motoraufhängung begünstigt Resonanzschwingungen). Für gemäßigte Sportfahrer kein Drama, aber der Ruf war angeknackst, und seit der Jahrtausendwende deklassierten ultraleichte Brachialgeräte wie Yamaha R1 oder GSX-R 1000 die Kawa zunehmend. Nun gut, auf dem Rund lief es am Ende, zumindest was Rundenzeiten angeht, nicht besonders rund, aber für die Landstraße stellte die Sportmaschine eine runde Sache dar. Das waren jetzt viele Runds, aber genau so ist dieses Motorrad. Windschutz: ausgezeichnet. Bremsanlage: hervorragend. Das alles paart sich mit sehr bequemer Sitzposition, langstreckentauglicher Ergonomie sowie leichtem Handling und souveräner, vergaserbefeuerter Motorleistung. Und spätestens seit der finalen Überarbeitung für das Modell 2002 ist das Fahrwerk tadellos.

Sportfanatiker hören das Wiewort „tourentauglich“ ungerne, doch mit dieser Vierzylindermaschine ist Touring eine große Gaudi. Jedenfalls für Alleinreisende  der Soziuskomfort ist klassentypisch nämlich eher bescheiden. So bietet die mittlerweile betagte Sportlerin ZX-9R als auffällig günstige Gebrauchtmaschine Unvoreingenommenen auch heute noch einen klasse Gegenwert wegen ihrer bemerkenswerten Allroundeigenschaften.

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Foto: Archiv

Besichtigung

Beim Typ B sind undichte Wasserpumpen und Zylinderkopfdichtungen keine Seltenheit, und oftmals haben Laienschrauber an der Maschine wild herumgefrickelt. Auch wenn der Preis niedrig ist, die Folgekosten sind es meist nicht. Grundsätzlich Rahmen und die Plastikverschalung auf Risse und Kratzer absuchen, die viel über Pflegezustand und Sturzfreiheit der Maschine aussagen. Für Renntrainings sind Zubehörverkleidungen beliebt, prüfen, ob die Nachrüstteile straßenzugelassen sind! Da eine sportliche Gangart - auch auf der Landstraße - naturgemäß die Mechanik stark beansprucht, bei höheren Tachoständen (mehr als 40000 Kilometer) auf das Getriebe achten: Rasten die Gänge gut ein, auffällige Geräusche? Die Modelle von 1998 bis 2001 litten an erheblichem Gabelflattern im Extrembereich, für sehr sportliche Fahrer also keine gute Wahl. Relativ unproblematisch, deshalb bester Kauftipp: letzte Serie, Typ F (ab 2002) mit möglichst wenigen Kilometern.

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Marktsituation

Bei den niedrigen Preisen fällt der Einstieg in die Neuner-Ninja-Welt vergleichsweise leicht. Die Billigangebote um 2000 Euro (überwiegend Privatanbieter) sprechen in erster Linie jüngere Sporteinsteiger mit Führerschein „ohne Grenzen“ an, die trotz Mini-Budgets eine sehr starke Maschine ihr Eigen nennen möchten. Da die Dichte an Schrott-Offerten in dieser Preisliga vergleichsweise hoch ist, sollten Interessenten lieber im mittleren Preisniveau zwischen 3000 und 4000 Euro suchen.

Für dieses Geld finden sich anständige Händlerangebote mit Gewährleistung. Mehr als 5000 Euro werden nur in wenigen Fällen für die Neuner hingeblättert, es sei denn, Kenner suchen ein richtig schönes Stück zum Konservieren, wofür sich die letzte Serie gut anbietet. F-Typen werden zahlreich inseriert, sie bilden rund ein Viertel bis ein Drittel des Gesamtangebots, sind echte Secondhand-Lieblinge und verweilen deshalb selten lange im Annoncenteil.

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Modellpflege

1994
Modelldebüt. Die erste Neuner, Typ B, leistet 100 PS. Gewicht: 243 kg. Preis: 19690 Mark (10067 Euro).
1995
Getriebe, Vergaser und Schalldämpfer modifiziert. Preis: 19990 Mark (10221 Euro).
1996
In Deutschland nur noch 98 statt 100 PS, Sechs- statt Vierkolben-Bremsanlage vorn, Haltegriffe für Sozius. Preis: 20190 Mark (10 323 Euro).
1998
Neuer Typ C ohne Leistungsbeschränkung, 143 PS stark. Gewicht: 210 kg. Preis: 20390 Mark (10425 Euro).
2000
Komplette Neukonstruktion, Typ E, mit 142 PS, 211 kg. Preis: 22190 Mark (11346 Euro).
2002
Grundlegende Modellpflege für den neuen Typ F, -unter anderem Modifikationen an Gabel, Motoraufhängung, Bremsanlage und Auspuff. Leistung: 143 PS. Gewicht: 214 kg. Preis: 11595 Euro.
2003
Letztes Baujahr, Preis unverändert.

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Technische Daten

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Vergaser, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 75 x 50,9 mm
Hubraum 899 cm³
Nennleistung 105 kW (143 PS) bei 11 000/min
Max. Drehmoment 100 Nm bei 9200/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen 120/70 ZR 17, 190/50 ZR 17

Maße + Gewichte
Radstand 1417 mm, Lenkkopfwinkel 66 Grad, Nachlauf 98,5 mm, Federweg v/h 120/135 mm, Sitzhöhe* 820 mm, Gewicht vollgetankt* 216 kg, Tankinhalt** 19 Liter.

Messungen
MOTORRAD 3/2002)
Höchstgeschwindigkeit** 276 km/h
Beschleunigung0-100 km/h 2,9 sek
Durchzug
60-140 km/h 4,0 sek
Verbrauch
4,4 l/100 km (bei 100 km/h)
5,9 l/100 km (bei 130 km/h)

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