22 Bilder

KTM 990 Super Duke in der Gebrauchtberatung Laut, aggressiv und schwer zu finden

Die KTM 990 Super Duke ist ein Punk: laut, rüpelhaft, aggressiv. Außerdem mit Trinksitten, die Gutmenschen erschrecken lassen. Aber im Grunde ein echt guter Typ zum Anfreunden.

Wer Super Duke fährt, fühlt sich wohl in der Rolle, abseits vom Mainstream zu stehen. 2005 setzte die KTM 990 Super Duke als erster großer Straßenburner von KTM ein Gegengewicht zu poppigen, weichgespülten Naked Bikes aus Japan oder München. Allerdings entschieden sich pro Jahr im Schnitt nur kaum 500 Käufer für das ausgesprochen zierliche Geschoss, zum Ende der Bauzeit waren es noch knapp über 100.

Es war zu erwarten, dass die Österreicher ihren seit den 1990ern schon im Endurobereich konsequent verfolgten „Hardcore“-Kurs auch für Straßenmotorräder fortführen würden, folglich ist die KTM 990 Super Duke kein Motorrad für Puffies. Sie taugt nicht fürs Reisen, nicht für Touren zu zweit – und alltagstauglich fühlt sich auch anders an.

Anzeige

Verbrauch ab 2007 auf klassenüblichem Niveau

Bei aggressiver Gangart gönnte sich die KTM 990 Super Duke auch mal über zehn Liter auf 100 Kilometer. Ab 2007 pendelte sich der Verbrauch nach Modellpflege auf klassenübliches Niveau ein. Doch sie behielt den Charakter einer ungeschminkten Fahrmaschine, bei der es um maximalen Kurvenspaß geht. Das seinerzeit neue R-Modell ging – im ersten Jahr mit unverändertem Motor – fahrwerksseitig noch zackiger zur Sache.

Der kompakte V2 der KTM 990 Super Duke mit mindestens 120 PS hackt zwar bei Drehzahlen unter 4000/min etwas genervt auf der Kette, darüber ballert das gut 200 Kilo leichte Motorrad aber energisch los. Beim Landstraßen-Pogo kann der gute Kumpeltyp zudem was wegstecken, Laufleistungen über 50.000 Kilometer sind problemlos möglich. Und auf noch was kann man sich verlassen: Es gibt keine Sekunde Langeweile.

Anzeige
Foto: Gargolov
Für das Debüt der KTM 990 Super Duke mit dem Modelljahr 2005 wurde der aus den LC8-Enduromodellen übernommene Moor mit mehr Bohrung und mehr Hub versehen.
Für das Debüt der KTM 990 Super Duke mit dem Modelljahr 2005 wurde der aus den LC8-Enduromodellen übernommene Moor mit mehr Bohrung und mehr Hub versehen.

Tipps zur Besichtigung

Bei den ersten beiden Modelljahren beklagten Besitzer der KTM 990 Super Duke des Öfteren­ schadhafte Anlasserfreiläufe und teilweise Elektronikprobleme aufgrund defekter Kabel. Diese Probleme sollten aber im Rahmen von Modellpflegemaßnahmen beseitigt worden sein, und KTM-Händler wurden in der Regel gebrieft. Umso wichtiger, sich eine lückenlose Wartungshistorie belegen zu lassen. Außerdem ein bekanntes Problem: mit Motoröl vermischtes Kühlwasser.

Ein Blick in Kühler oder Ausgleichsbehältnis empfiehlt sich. Schwimmt dort eine seltsame Pampe, helfen nur Ölwechsel, Kühlungskreislauf spülen und einen modifizierten Wellendichtring plus eine verstärkte Welle für die Wasserpumpe zu installieren. Generell gilt der Ein-Liter-Motor der KTM 990 Super Duke jedoch als robust und zuverlässig. Was man vom Kupplungsnehmerzylinder nicht gerade behaupten kann – der Kolben verkantet gerne mal nach einiger Zeit, Hydrauliköl tritt dann aus, Kuppeln wird unmöglich. Dauerhafte Abhilfe schafft das Zubehörteil von Sigutech (www.sigutech.com).

MOTORRAD
Verfügbarkeit am Markt: gering.
Verfügbarkeit am Markt: gering.

Marktsituation

Dieses Motorrad findet man nicht an jeder Ecke. Und wer es sucht, muss mitunter längere Anfahrtswege in Kauf nehmen. Die allgemeine Nachfrage ist eher verhalten, allerdings gibt es einen Fankreis für diese Maschine. Steht also ein gutes und günstiges Angebot in den Inseraten, sollte man sich sputen. Mehrheitlich sind es private Anbieter, rund 60 Prozent, die ­jedoch häufig mit naiven Preisvorstellungen ihre KTM 990 Super Duke veräußern möchten.

Beispiel: vier Jahre altes Modell mit Ersatzschalldämpfer, über 10.000 Kilometer, stolze 9000 Euro gefordert. Für dieses Geld finden sich auch schon fast jungfräuliche Exemplare der KTM 990 Super Duke bei Händlern mit Gewährleis­tung. Mehr als 7500 Euro wollen sowieso nur wenige Super Duke-Anwärter hinblättern – und wenn, dann für edle Umbauten mit teuren Teilen und R-Modelle. Es werden auch einige ehemalige Importe aus dem Ausland (z. B. Italien) angeboten, am besten vor dem Kauf Fahrgestellnummer bei KTM prüfen lassen und Fahrzeughistorie checken.

Im Günstig-Segment um 4000 Euro finden sich vergleichsweise wenige Offerten.

Foto: KTM
Unter der Haube der KTM 990 Super Duke steckt ein 75-Grad-V-Motor, der 120 PS (bei 9000/min) und 100 Nm (bei 7000/min) zu leisten vermag.
Unter der Haube der KTM 990 Super Duke steckt ein 75-Grad-V-Motor, der 120 PS (bei 9000/min) und 100 Nm (bei 7000/min) zu leisten vermag.

Modellpflege

2005 Debüt der KTM 990 Super Duke nach verschobenem Verkaufsstart 2003. Stark modifizierter, aus den LC8-Enduro-Modellen übernommener V2-Motor mit mehr Bohrung und mehr Hub, Einspritzung, 120 PS. Neuer, neun Kilogramm schwerer Gitterrohr-Stahlrahmen mit Alu-Heckrahmen. Voll einstellbare Federelemente von WP Suspension (bei Federbein Druckstufe mit Low- und Highspeed-Einstellung), Radialbremsen, Gewicht: 199 kg.
Preis: 11.790 Euro.

2007 Neuer Typ. Anpassung an Euro-3-Norm, deshalb überarbeitete Einspritzanlage, Verbrauch verringert, größeres Tankvolumen (18,5 statt 15 Liter). Etwas flacherer Lenkkopfwinkel, neue Frontmaske für besseren Windschutz, Gewicht: 203 kg. Markteinführung des Modells KTM 990 Super Duke R. Unterschiede zum Standardmodell: Einzelsitzbank, längeres Federbein (Heck steht dadurch steiler) mit geringerem Federweg (150 statt 160 mm), gefräste Gabelbrücken, Lenkungsdämpfer, Karbon-Verkleidungsteile, Rahmen in Orange statt Schwarz. Gewicht: 199 kg.
Preise: 12.495 Euro (R-Modell: 13.698 Euro).

2008 R-Modell nun mit 132 PS starkem Motor (größere Einlass-Ventile aus Titan, leichtere Kurbelwelle).
Preis: 13.795 Euro.

2013 Letztes Modelljahr. Seit 2012 nur noch die „R“ als Zweisitzer mit 125 PS im Programm.
Preis: 11.995 Euro.

Foto: Künstle
Und bei der KTM 990 Super Duke R ist alles noch ein bisschen härter, schneller und leichter.
Und bei der KTM 990 Super Duke R ist alles noch ein bisschen härter, schneller und leichter.

Technische Daten KTM 990 Super Duke

Technische Daten KTM 990 Super Duke (k.A.)
Modelljahr 2007
Motor
Zylinderzahl, Bauart 2 , V-Motor
Bohrung/Hub 101,0 / 62,4 mm
Hubraum 1000 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile
Verdichtung 11,5
Leistung 88,0 kW ( 119,7 PS ) bei 9000 /min
Max. Drehmoment 100 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb O-Ring-Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Gitterrohrrahmen aus Stahl, Motor mittragend
Federweg vorn/hinten 135 mm / 160 mm
Reifen 120/70 ZR 17 , 180/55 ZR 17
Bremse vorn/hinten 320 mm Vierkolben-Festsättel / 240 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Nein
Maße und Gewichte
Radstand 1450 mm
Lenkkopfwinkel 66,1 °
Nachlauf 101 mm
Leergewicht vollgetankt k.A.
Sitzhöhe 850 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 380 kg
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Preis
Neupreis 12498 Euro
Foto: markus-jahn.com
Aufs Wesentliche reduziert: Das Cockpit ist klar strukturiert ...
Aufs Wesentliche reduziert: Das Cockpit ist klar strukturiert ...

Weitere Informationen

Fansites im Internet:
www.ktmforum.eu (allgemeines KTM-Forum mit modellspezifischen ­Bereichen; Infos zu Technik, Tuning und Zubehör für die 990er).

Tests in MOTORRAD:
3/2005 (VT), 9/2006 (VT), 12/2007 (VT), 12/2008 (VT), 12/2009 (VT), 6/2010 (VT), 12 + 13/2011 (Mega-VT); R-Modell: 12/2008 (T), 15/2008 (VT), 7/2012 (VT), 18/2013 (VT)

T = Test, VT = Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 07 11/32 06 88 99, www.motorradonline.de/downloads

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote