KTM Adventure 950/990

Keine Frage, die KTM Adventure gehört zu den Motor-rädern, die ihre Besitzer wachsen lassen. Das liegt zum einen an der enormen Sitzhöhe von knapp 90 Zenti­metern, die zu erklimmen für Nicht-Basketballer eine echte Hürde darstellen kann. Doch während den körperlichen Defiziten durch geschickte Wahl des Schuhwerks (dicke Sohle) respektive Anhaltepunkts (Bordstein verzweifelt gesucht) abgeholfen werden kann, verlangt die Adventure von ihrem Piloten auch psychische Größe. Wer sich dem Charakter des extrem direkt am Gas hängenden, gierig hochdrehenden und überhaupt äußerst lebendigen V2 mit dem ungewöhnlichen 75-Grad-Zylinderwinkel hingibt, der wird schneller Benutzer einer Monatskarte, als er »Boah ey!« sagen kann. Zumal Fahrwerk wie Bremsen beim hurtigen Treiben locker mitspielen – auf der Straße und im Gelände. Mit einem fast serienmäßigen Motorrad hat Fabrizio Meoni 2002 die Rallye Paris–Dakar gewonnen. Noch Fragen? In puncto Zuverlässigkeit ist KTM seit Jahren besser als sein Ruf, Honda-Maßstäbe sollte man allerdings nicht anlegen. So offenbarte der Dauertest (MOTORRAD 16/2005) die eine oder andere Malaise mit der Benzinpumpe oder undichten Zylinderkopfdichtungen. Wichtig ist, bei der Besichtigung auf ein komplett gestempeltes Serviceheft zu achten, denn bei KTM werden Modellpflegemaßnahmen oder verbesserte Detaillösungen im Rahmen der Inspektionen auch rück­-wirkend bei bereits ausgelieferten Modellen durchgeführt. Da die Bikes aus Mattighofen tatsächlich gern im Gelände eingesetzt werden, sind die unvermeidlichen Spuren nicht wirklich ein Mangel, sondern Zeichen artgerechter Haltung. Auch preislich ist die KTM nichts für Kleingeister. 7000 Euro sollte man schon auf der hohen Kante haben, S-Modelle mit nochmals längeren Federwegen sind selten und zirka 300 Euro teurer. Die seit 2006 angebotene 990er mit Einspritzung und ABS spielt auf dem Gebrauchtmarkt noch keine Rolle.

DATEN
(MOTORRAD 2/2005)
Motor
Wassergekühlter 75-Grad-V2-Motor, Kurbelwelle quer liegend, je zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Gleichdruckvergaser, Ø 43 mm, U-Kat mit Sekundärluftsystem, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub100,0 x 60,0 mmHubraum942 cm3Nennleistung72 kW (98 PS) bei 8000/minMax. Drehmoment95 Nm bei 6000/min
Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 48 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, direkt angelenkt, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm.
Reifen90/90 21; 150/70 18

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