KTM LC4 640 Supermoto

Raubein, derber Geselle, Rüttelplatte – starke Worte für ein starkes Motorrad. Heftige Vibrationen, eine hammerharte Sitzposition (die allerdings auch Großgewachsenen gut passt) und eine Leistungsentfaltung, die einem die Stiefel auszieht: Bei der KTM LC4 640 Supermoto regiert die Unvernunft. Gut so, denn für Kompromisse sind andere da, sie will gepeitscht werden. Auch mit Straßenzulassung ist die KTM ein rassiges Rennpferd. Sie besitzt dessen Renommee, was die Wertstabilität erhöht, aber auch dessen Allüren, denen nur durch besonders aufmerksame Pflege beizukommen ist. Heißt: Alle 5000 Kilometer ab zum Service, nach 10000 Kilometern in forcierter Gangart (bei diesem Motorrad offenbar Normalität) ist eine defekte Zylinderfußdichtung nicht ungewöhnlich. Schon 200 Kilometer Dauervollgas auf der Autobahn können für den Exitus des 54 PS starken Rotax-Einzylinders sorgen, wie einige Werkstätten berichten. Hobbyschrauber müssen wissen: Einfach nur Öl ablassen und neues reinkippen is’ nich’, sonst kommt der Sensenmann! Das komplette Ölsystem muss entlüftet werden, bitte schön mit allergrößter Sorgfalt.

Ein Händler kommentiert: "Die größte Schwachstelle an diesem Motorrad ist meist der Besitzer." Hält er sich er jedoch an alle Wartungsregeln, ist der in den Grundzügen von 1987 stammende Motor eine sichere Bank. Insgesamt ist die von 1998 bis 2006 gebaute Supermoto robust und steckt einiges weg. Nur die Gabel gibt sich bockig, und ab 130 km/h fehlt’s an sicherem Geradeauslauf – das Resultat aus langen Federwegen (vorn/hinten 265/300 Millimeter) und geringem Gewicht (160 Kilogramm). Aber: von null auf 100 km/h in 4,5 Sekunden, ein Top-Wert. Und genau solche sportlichen Höchstleistungen erklären, warum die kultige 640er bei Fans auch als kapriziöse Gebrauchte so beliebt ist.

Plus
+ Motor mit berauschendem Punch
+ Gewicht gering, schließt ernsthaft sportliche Aktivitäten nicht aus
+ Markenimage positiv, Wiederverkauf problemlos

Minus
- Wartungsaufwand sehr hoch
- Upside-down-Gabel spricht nur mäßig an
- Gebrauchte häufig in keinem guten Zustand, da sie unter der Fahrweise der Vorbesitzer arg gelitten haben

Marktsituation
Sehr gefragt sind die Baujahre 2005/2006 wegen der Doppel-Auspuffanlage. Bei gutem Zustand und mit vierstelligem Kilometerstand zahlen Käufer bis 5500 Euro. Die größte Auswahl gibt es für rund 3500 Euro: Baujahr 2002 bis 2004, um die 10000 Kilometer. Der Anteil von Privatanbietern ist umso höher (über die Hälfte aller Offerten), je älter die Gebrauchte ist. Obwohl Preise ab 2000 Euro für die Jahrgänge 1998 bis 2000 gerade junge KTM-Einsteiger zum Kauf animieren, ist Vorsicht geboten: Auf einwandfreien allgemeinen Zustand achten, etwaige Umbauteile sollten eingetragen sein, ansonsten drohen unweigerlich hohe Folgekosten.

Tests in MOTORRAD:
7/1999 (VT), 14/2002 (TT), 24/2002 (T), 12/2004 (VT), 12/2005 (VT), 15/2005 (TT), 18/2005 (VT)

T=Test, TT=Top-Test, VT=Vergleichstest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229*MOTORRAD-Messungen

Internet:
Fansites:
www.ktmforum.eu, www.ktm-lc4.net
Gebrauchtangebote:
http://markt.motorradonline.de/bike1024.htm

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