Marktsituation Yamaha YZF-R1

MArktsituation
Unproblematisch: eine fast neuwertige R1 als Gebrauchte zu finden. Die Tausender ist ein Bestseller und häufig anzutreffen, seit der Markteinführung 1998 wurden über 20000 Stück verkauft (Stand September 2005). Das Angebot erschlägt einen fast, vorausgesetzt, man ist bereit, mehr als 8000 Euro auszugeben. Da
jedoch im Moment viele Vertragshändler 2005er-Neufahrzeuge als so genannte Joker-Bikes rund 1300 Euro unter dem Listenpreis von 13295 Euro und zu sehr günstigen Finanzierungskonditionen verkaufen, haben’s Privatanbieter und Händler aufgrund der vergleichsweise geringen Differenz zu Neufahrzeugen schwer,
Gebrauchtmaschinen aus dem Preissegment über 8000 Euro loszuwerden. Außerdem stehen Vorführer und
teilweise noch ungefahrene Vorjahresmodelle für rund 10000 Euro zum Verkauf.
Wie alle Supersportmaschinen leidet auch die Yamaha als junge Gebrauchte unter einem überdurchschnittlich hohen Wertverlust. Grund sind die ständigen Überarbeitungen und Verbesserungen, die die Hersteller ihren technischen Aushängeschildern zukommen las-
sen. Und die sorgen bei der typischen Käuferklientel, die sich in der überwiegenden Mehrheit dem Motto »stärker, schneller, leichter« verschrieben hat, für stän-
dig neue Kaufanreize des jeweils aktuellen Modells.
Sehr zur Freude von Gebrauchtkäufern, die bei neuwertigen R1 oftmals ein Schnäppchen machen können: So verlangen manche Verkäufer für ihr 2004er-Modell mit einer Laufleistung um 10000 Kilometer lediglich 8000 Euro und bleiben damit fast 2000 Euro unter der Empfehlung der Schwacke-Liste. Um 9000 Euro finden sich jungfräuliche 2005er-R1 mit rund 5000 Kilometern auf dem Tacho. Wer solche Summen aufbringen kann, hat also beste Aussichten, rasch ein neuwertiges Ex-
emplar des beliebten und sehr zuverlässigen Yamaha-Supersportlers zu ergattern.
Wesentlich schwieriger gestaltet sich die Suche nach einer top gepflegten R1, wenn der finanzielle Rahmen nicht so weit gesteckt ist. Für 6000 und 8000 Euro werden zwar die meisten Fahrzeuge angeboten, wirklich interessant sind aber nur sturzfreie Exemplare mit lückenlosem Serviceheft – und diese Offerten sind überschaubar. Faire Angebote werden von den Käufern goutiert, entsprechend inserierte Maschinen haben selten lange Standzeiten. Solche Gebrauchte werden oftmals auch an Freunde und Bekannte weiterverkauft, landen also gar nicht in der Zeitung oder im Internet. Begehrt sind insbesondere Maschinen in Blau, die Farbe, die über alle Baujahre hinweg von den R1-Fans klar favorisiert wurde. Erst beim aktuellen Modell ab 2004 erfreuen sich die silbernen und roten Lackierungen einer größeren Nachfrage.
Gut erhaltene RN09 (Baujahr 2002/2003), die etwa 10000 Kilometer gelaufen sind, findet man für zirka 7000 Euro. Etwa 1000 Euro weniger kosten Modelle
bis Baujahr 2001 mit rund 20000 Kilometern auf der Uhr, um 5000 Euro gibt’s R1 der Baujahre 1998 bis 2000, deren Laufleistungen meist zwischen 20000 und 40000 Kilometer liegen. Um 4000 Euro kosten diese Baujahre in der Regel bei hohen Laufleistungen über 50000 Kilometer oder wenn es sich um Fahrzeuge mit Sturz- und Kratzspuren sowie Rennstreckenumbauten mit einer oftmals nicht mehr nachvollziehbaren Vorgeschichte handelt. Achtung! Interessenten sollten nicht in die betrügerischen Fallen von unseriösen
Billiganbietern tappen, die angeblich neuwertige R1 für kleines Geld – deutlich weniger als 4000 Euro – inserieren. Realistisch betrachtet gibt es dafür bestenfalls zusammengefrickelte Unfallmaschinen.
Besichtigung
Viele R1-Eigner toben sich hin und wieder auf der Rennstrecke aus. Logisch, dass darunter nicht nur Verschleißteile leiden, sondern der eine oder andere Pilot im Übereifer auch mal im Kiesbett landet. Deshalb gilt die Aufmerksamkeit bei der Besichtigung vorrangig dem Aufspüren verräterischer Sturzspuren an Motordeckeln, Verkleidung, Rasten und Hebeln. Ebenfalls typisch: Einkerbungen an der Schwinge, verursacht vom eingedrückten Auspuff.
Bei einem begründeten Verdacht sollte man besser
die Finger von einer Unfallmaschine lassen, denn Folgeschäden am äußerst filigranen Alu-Rahmen der R1 sind nicht auszuschließen. Hände weg auch von Exemplaren, die vom Vorbesitzer mit einer Höherlegung ausgerüstet wurden. Die Änderungen an der Hebelumlenkung leiten wesentlich höhere Kräfte in den Rahmen ein, wodurch dieser an der Aufnahme
der unteren Umlenkung aufgrund von Rissbildung brechen kann. In einem Rundschreiben an die Händ-
ler stellte Yamaha klar, dass in solchen Fällen weder Garantie noch Kulanz gewährt wird.
Keine Probleme sind vom Triebwerk zu erwarten, denn der Fünfventiler ist äußerst standfest. Ganz im Gegensatz zum Schalldämpfer der ersten Baujahre, dessen Karbonhülle sehr häufig Risse aufweist.

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