Modellgeschichte: HONDA XL 600 R

Modellgeschichte
Den Nachfolger der Halbliter-Enduro XL 500 entwickelte Honda mit großem technischem Aufwand. Heraus kam im Jahr 1983 die XL 600 R mit vier radial angeordneten Ventilen. Damit diese von einer einzigen Nockenwelle aus ohne störende Seitenkräfte geöffnet werden können, ist je ein Kipp- und ein Schlepphebel nötig. Die Zylinderbohrung beträgt gewaltige 100 Millimeter bei lediglich 75 Millimeter Hub. Unter 3000/min reagiert die Honda bisweilen etwas unwillig auf Gasbefehle – unter 2000/min stirbt der Motor manchmal mit einem satten »Plopp« sogar einfach ab. Spätestens ab 4000/min dreht der Kurzhuber hingegen mächtig auf und lässt seinen 44 Pferdchen (ab 1986 sogar 45 an der Zahl) freien Lauf.
Fahrwerksseitig konnte die XL 600 R in sämtlichen MOTORRAD-Tests mit üppigen Federwegen und einer komfortablen Grundeinstellung überzeugen. Vor allem auf kurvigen Landstraßen zweiter und dritter Ordnung fühlt sie sich wohl. Längeren Reiseetappen steht der kleine Zwölf-Liter-Tank im Weg. Am zu knapp ausgefallenen Platzangebot für Mitfahrer hat sich im Lauf
der Marktpräsenz nichts geändert. Da hilft es wenig, dass ab Baujahr 1985 rahmenfeste
Soziusrasten für etwas mehr Komfort auf dem hinteren Platz sorgen.
In den Jahren 1985 bis 1987 erschien parallel zur R-Variante die modernere XL 600 LM mit E-Starter, fettem 28-Liter-Tank, Schlauchlosreifen, Aluschwinge, die satte 190 Kilogramm wog. 1986 gab’s darüber hinaus das Schwestermodell XL 600 RM, ebenfalls mit E-Starter und Aluschwinge, 13-Liter-Tank sowie einem Gewicht von 170 Kilogramm.

Kaufempfehlung
Die meisten Angebote an gebrauchten XL 600 R liegen unabhängig vom Baujahr im Bereich um 1000 Euro. Da sich die Modellpflege (1985 rahmenfeste Soziusrasten; 1986 ein kW mehr) in äußerst überschaubaren Grenzen hält, spielt das Baujahr nur eine untergeordnete Rolle. Wesentlich wichtiger ist der Zustand der Honda. Dass sich nach rund 20 Jahren reichlich Gebrauchsspuren finden, ist nicht ungewöhnlich, dennoch sollten Käufer insbesondere nach auffälligen Sturzschäden forschen. Auch die Kilometerleistung ist nicht alles entscheidend. Schließlich sind 5000 Kilometer auf der Crosspiste wesentlich verschleißfördernder als 20000 gemütliche Kilometer auf der Landstraße.

Tipps
Eine Probefahrt vor dem Kauf ist sehr zu empfehlen. Dabei vorher und nachher den Motor
auf Undichtigkeiten überprüfen. So lassen sich Lecks entlarven, deren Spuren im Vorfeld möglicherweise penibel entfernt wurden. Ein Blick unter die Faltenbälge der Gabelholme dient ebenfalls der Suche nach Undichtigkeiten. Die steinschlag- und rostgefährdete Stahlschwinge ist ein weiterer Schwachpunkt. Ein wenig Korrosion ist durchaus zu tolerieren, doch wenn der Rost gar zu sehr blüht, ist Vorsicht angebracht. Eine empfehlenswerte Homepage für alle XL 600 R-Besitzer und -Kaufwilligen: www.xl600.de.

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