Modellgeschichte: KAWASAKI KLR 650 TENGAI

Modellgeschichte
Tengai, was so viel heißt wie »weites Land hinter dem fernen Horizont«, lautete ab 1989 die Zusatzbezeichnung für die zuvor nur KLR genannte 650er-Enduro von Kawasaki. Von der Vor-
gängerin unterschied sich die Neue durch eine
rahmenfeste Vollverkleidung, ein abgesenktes Vorderradschutzblech, einen höher gezogenen Motorschutz (wenn auch nur aus Kunststoff) sowie vorn und hinten um rund 30 Millimeter gekappte Federwege. Die erfolgreiche Transalp von Honda hatte Kawasaki zu diesen Änderungen veranlasst.
Die verringerten Federwege gehen zwar klar zu Lasten der Geländetauglichkeit, dafür taucht die Front beim Bremsen nicht mehr so stark ein. Außerdem überzeugt die Tengai mit stoischem Geradeauslauf und hoher Reisetauglichkeit. Dass die Sitzhöhe spürbar schrumpfte, kommt vor allem Kurzbeinigen sehr entgegen. Der Motor blieb zumindest im ersten Modelljahr mit 48 PS unverändert kräftig. Strengere Geräuschlimits erforderten jedoch schnell Modifikationen am Vergaser und an der Auspuffanlage, so dass die offizielle Leistung ab 1990 auf 41 PS sank.
Bereits 1993 wurde die KLR 650 Tengai von der wesentlich sportlicheren und geländegängigeren KLX 650 abgelöst. Doch von 1995 bis 2003 legte Kawasaki erneut eine KLR 650 auf – diesmal ohne den Zusatz Tengai.

Kaufempfehlung
Die wichtigsten Prüfpunkte einer Tengai sind schnell aufgezählt. Zunächst sollten sich Käufer die großflächigen Verkleidungsteile anschauen. Risse und Absplitterungen zeugen von ungewolltem Bodenkontakt. Auch der Motorschutz aus Kunststoff ist häufig beschädigt. Durch
das vergleichsweise hohe Gewicht der Enduro empfiehlt es sich, die stark beanspruchten
Lenkkopf-, Rad- und Schwingenlager auf übermäßiges Spiel zu überprüfen. Motorseitig gibt es kaum Grund zur Klage. Die anfangs reißenden Ketten für die beiden Ausgleichswellen bekam Kawasaki schnell in den Griff.
Stimmt der Preis und offenbart die Probefahrt keine größeren Mängel, sind auch Modelle mit 100000 Kilometern durchaus eine Überlegung wert. Allerdings nur, wenn Verschleißreparaturen wie Zylinder ausschleifen, Übermaßkolben, neue Lager und Ventile bereits ausgeführt wurden oder in Eigenregie erledigt werden können. In der Werkstatt sind dafür locker 1500 Euro und mehr fällig, lohnt sich also definitiv lediglich für Selbstschrauber.

Tipps
Sinvolles Zubehör für die Tengai ist beispielsweise der Kickstarter aus den Modellen KLR 600/KLX 650, der an die vorhandene Starterwelle passt. So lässt sich der Einzylinder auch bei Strommangel zum Leben erwecken. Schön, wenn der Vorbesitzer den Umbau schon vorgenommen hat. Gleiches gilt für das Trockenlegen (mittels Schrumpfschläuchen oder Silikon) des sehr nässeempfindlichen Seitenständerschalters, der bei Regen gelegentlich den Motor stilllegt, indem er die Zündung unterbricht.

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