Modellgeschichte, Marktsituation und Besichtigung

Modellgeschichte
Offiziell ins Kawasaki-Programm aufgenommen wurde die ZZ-R 600 mit der Modellbezeichnung ZX 600 D im Jahr 1990. Die Vorstellung der ersten 600er mit Aluminiumrahmen und mit 98 PS gleichzeitig stärksten Maschine dieser Klasse erfolgte bereits Ende 1989. Das Blaue Band der stärksten 600er ging 1991 wieder an Hondas CBR 600 F, die mit 100 PS noch einen drauflegte. Dieses Niveau erreichte die für 1993
komplett überarbeitete ZZ-R 600 (Typ ZX 600 E) ebenfalls. Entscheidender als diese zwei PS Mehrleistung zur Vorgängerin waren Veränderungen an der Verkleidung, am Fahrwerk und eben am Motor.
Bis heute erfuhr die Kawasaki nur noch kleine Modifikationen. Dazu gehören eine einstellbare Gabel (1995), eine aus Versicherungsgründen wieder auf 98 PS reduzierte Motorleistung (1996), eine aufgrund neuer Geräuschbestimmungen nahezu jährlich überarbeitete Auspuffanlage, eine Digitaluhr im Cockpit (1997), Edelstahlkrümmer samt Kat (2002) und natürlich regelmäßig neue Farbgebungen. Im Lauf der Jahre wandelte sich die ZZ-R 600 vom erfolgreichen Sportler immer mehr in Richtung Sporttourer. Jedoch nicht, weil sich die ZZ-R selbst veränderte, sondern ihre Mitbewerberinnen sportlicher wurden. Bereits seit einiger Zeit rechnen Kawasaki-Händler jährlich mit dem Ende der ZZ-R-Ära. Die schleppenden Verkaufszahlen deuten darauf hin, dass 2005 wohl tatsächlich das letzte Modelljahr sein wird.
Marktsituation
Die ZZ-R 600 wird bereits seit 15 Jahren ohne Unterbrechung angeboten, der Bestand an gebrauchten Fahrzeugen ist entsprechend groß. Gut 12000 Stück sind laut Kraftfahrt-Bundesamt momentan in Deutschland unterwegs, und Gebrauchtinserate finden sich
zuhauf. Angebote unter 1500 oder gar 1000 Euro sind extrem selten und kaum zu empfehlen, da diese Maschinen meist gravierende Schäden aufweisen, einen Unfall hatten oder in jämmerlichem Zustand sind. Vernünftige Fahrzeuge der ersten Baujahre mit Laufleistungen ab 50000 Kilometer gibt’s ab knapp 2000 Euro. Wer die Wahl hat zwischen einem Modell bis 1992 und einem ab 1993, sollte sich für die neuere Variante (Typ ZX 600 E) entscheiden – allein schon wegen der nervigen Reserveleuchten der alten ZZ-R. Weit mehr jedoch, weil die Kawasaki 1993 technisch und optisch eine gelungene Modellpflege erhielt und sich seither nur noch minimal verändert hat.
Das Gros der Angebote liegt im Bereich zwischen
3000 und 4000 Euro. Dafür finden Interessenten zwischen vier und zehn Jahre alte ZZ-R mit teilweise deutlich unter 20000 Kilometer Laufleistung.
Die älteren Baujahre bis 1994 werden nicht mehr
in der Schwacke-Liste geführt. Von Schwacke ermittelte Händlerverkaufspreise für jüngere Modelle: 2025 Euro (Modell 1995 mit 83000 Kilometern); 2850 Euro (Modell 1997 mit 66000 Kilometern); 3700 Euro (Modell 1999 mit 49000 Kilometern); 4500 Euro (Modell 2001 mit 33000 Kilometern); 5600 Euro (Modell 2003 mit 16000 Kilometern).
Da die meisten Motorräder wesentlich weniger Laufleistung aufweisen, müssen folgende Preisaufschläge bei Minderfahrleistung berücksichtigt werden: 7,5 Prozent für 10000 Kilometer Minderfahrleistung (km MFL); 12,5 % für 15000 km MFL; 15,5 % für 20000 km MFL; 18 % für 25000 km MFL; 20 % für 30000 km MFL. Rechenbeispiel: Ein 1995er-Modell mit 53000 Kilometern käme damit laut Schwacke auf 2430 Euro.
Besichtigung
Typische gravierende Mängel sind der Kawasaki fremd. Potenzielle Käufer können sich auf die üblichen Verdächtigen beschränken. Als da wären beispielsweise Lenkkopf-, Rad- und Schwingenlager. Bei Modellen vor 1997 speziell die Lagerungen der Umlenkhebeleien des Federbeins prüfen, die bei hohen Laufleistungen schon mal zu viel Spiel aufweisen. Dank des Hauptständers lassen sich diese Punkte bei aufgebocktem Fahrzeug ziemlich einfach überprüfen. Ruckelt es bei der Probefahrt bei Lastwechseln (Gas auf, Gas zu) spürbar, dann sind möglicherweise die Ruckdämpfer im Hinterrad verschlissen. Vorsicht ist geboten, wenn der Motor beim Gasaufreißen aus niedrigen Drehzahlen und in hohen Gängen schnell hochdreht, ohne dass das Motorrad entsprechend Fahrt aufnimmt. Dies ist ein deutliches Zeichen für durchrutschende (verschlissene) Kupplungsbeläge.
Ein weiterer Prüfpunkt ist die Verkleidung. Kaufin-
teressenten sollten sie vor allem im Bereich der Halterungen auf Risse untersuchen. Dabei auch einen Blick unters Fahrzeug werfen, da die ZZ-R recht niedrig baut und beim Überfahren von Randsteinen gern hängen bleibt – Kratzspuren im Verkleidungsunterteil und Beulen in den Krümmern sind die Folge. Die Krümmer sind ohnehin ein leidiges Thema, da sie erst seit 2002 aus Edelstahl sind und zuvor rosteten, was das Zeug hält.
INTERNET
Auf der privaten Homepage www.zz-r600.de finden Selbstschrauber unter anderem interessante Infos
zu Anzugsmomenten für sämtliche Schraubenver-
bindungen, zur Vergasereinstellung und zu diversen Verschleißgrenzwerten.

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