Modellübersicht Suzuki VS 1400 Intruder

Modellgeschichte
Das fanden die Amis gar nicht spaßig. Japaner dringen ein. In einen Bereich, der eigentlich nur ihnen vorbehalten war: die Welt der Chopper. Denn die
Suzuki VS 1400 Intruder, deutsch: der Eindringling, sollte bei der Markteinführung 1987 möglichst viele Harley-Davidson-Fans von fernöstlicher ChopperQualität überzeugen. »Unmöglich!« so Kritiker, weil moderne Technik sowie ein moderater Preis von 13999 Mark (zum Vergleich: eine Harley mit 1340er-Evo-Motor kostete damals mindestens 25000 Mark) nicht das ersetzen könnten, was eine Harley begehrenswert mache: Kult. Die Kritiker sollten eines Besseren belehrt werden. Zwar cruisten kein Peter Fonda oder Dennis Hopper jemals mit einer Intruder durch die Staaten. Trotzdem wurde die VS 1400 zum Kultbike. Weil sie einfach hammermäßig aussieht.
Aus der Sicht eines Chopperfreundes hat Suzuki alles richtig gemacht. Der feingerippte, luft-/ölgekühlte
V2-Motor mit satten 1360 cm3 Hubraum und noch satteren 113 Newtonmeter Drehmoment steht im Mittelpunkt des Blickfelds, und der Betrachter erfreut sich an viel serienmäßigem Chrom und poliertem Leichtmetall. Dazu ein kerniger Sound und die unerlässlichen »good vibrations« eines V2-Aggregats.
Ein Lenkkopfwinkel von 55,8 Grad und ein enorm langer Radstand von 1625 Millimetern tun ihr Übriges, um die Intruder stilecht in diesem Genre auftreten zu lassen. Weiteres wichtiges Verkaufsargument: wartungsarmer Kardan und zuverlässiger Motor. Einen heute sehr angesagten Flachlenker konnte 1987 das Modell VS 1400 GLF vorweisen,
die Hochlenker-Version GLP verkaufte sich damals aber besser. Die GLF war 1988 schon nicht mehr im
Angebot und ist deshalb eine Rarität.
Fünf Jahre lang gab es keine bedeutenden technischen Änderungen. 1991 musste das Vierganggetriebe einer Fünfgangvariante weichen, um den strengeren gesetzlichen Bestimmungen Genüge zu tun. Das Fahrgeräusch sank durch die Fünfgang-Box und durch Modifikationen der Auspuffanlage und
des Luftfilters von 86 auf 81 dB (A). Die Leistung
allerdings auch: statt 67 nun 64 kW. Wieder fünf Jahre später, 1996, mussten die Ingenieure erneut
in Sachen Fahrgeräuschminimierung ans Werk. Ein Eingriff in Luftfilter, Vergaser, Auspuffanlage und Zündbox bewirkte ein Dezibel weniger Fahrgeräusch und zwei Kilowatt weniger Leistung. Keine große Änderung, ebenso wenig wie die Tatsache, dass
seit 1995 die Blinker federnd befestigt sind. Ab
1997 gab’s eine Sissybar serienmäßig, nachdem die deutsche Zulassungsregelung, die vorher den An-
bau unterband, europäischen Standards angepasst wurde. Motorgehäuse und Zylinder traten 1999 in zeitgemäßem Schwarz auf, 2000 verbreiterte sich der Lenker.
Erwähnenswert ist noch das Sondermodell »Highway Edition«, das von 1997 bis 2002 zur Wahl stand. Gegen einen geringen Aufpreis rollte die VS 1400 dann mit Extras wie Zusatzleuchten oder Satteltaschen aus dem Laden. Das war’s aber schon, was Modelländerungen angeht. Bei den ersten Baujahren wird abblätternder Chrom bemängelt, unabhängig vom Alter zu wenig Bodenfreiheit, mäßige Bremsleistung und geringe Reichweite. Die 1400er-Intruder gehört zu den wenigen Motorrädern, die fast zwei Jahrzehnte lang nahezu unverändert ihre Fans begeistert hat. In diesem Sinne ein erzkonservatives Motorrad. Womit die Intruder auch in diesem Sinne den amerikanischen Originalen sehr nahe kommt.

Besichtigung
Ein Chopper muss glänzen. Eine gebrauchte Intruder erst recht. Denn eine äußerlich gute Pflege lässt
auf einen guten Allgemeinzustand schließen. Gerade die ersten Baujahre bis Anfang der Neunziger hatten mit marodem Chrom an Speichen, Felgen und Gabelbrücken zu kämpfen. Motor und Endantrieb funktionieren bei eingehaltenen Service-Intervallen hingegen klaglos. Bei der Probefahrt aber darauf achten, ob er abrupt abstirbt oder beim Gaswegnehmen ein Auspuffknallen auftritt. Wenn ja, sind die Vergaser nicht fachgerecht synchronisiert.
Tritt bei hohen Geschwindigkeiten Gabelflattern auf, sind eventuell Lenker und Schutzbleche verbaut, die nicht gut mit dem Fahrwerk harmonieren. Technisch einen Vorteil bringende Umrüstungen wie etwa Stahlflexleitungen für die Bremsanlage (Spiegler, Telefon 0761/61101-0; Lucas, Telefon 02631/9120), härtere Federbeine (Bitubo, Telefon 08036/3007-20; Hagon, Telefon 05921/6057), ein ergonomischer Lenker (zum Beispiel Flachlenker von Fehling aus dem Fachhandel) oder eine bequemere Sitzbank fließen positiv in den Verkaufspreis ein. Optische Retuschen sind hingegen Geschmacks- und damit Verhandlungssache.

Marktsituation
Von den seit 1987 insgesamt 24000 zugelassenen Suzuki VS 1400 Intruder fahren derzeit noch rund 20000 auf deutschen Straßen. Eindeutiges Zeichen für ihre Beliebtheit. Und für ihre Langlebigkeit. Das Motorrad wird hauptsächlich über Anzeigenblätter, Ebay, Internetmärkte, Regionalzeitungen und Motorradzeitschriften gehandelt. Wobei selten eine Suzuki VS 1400 der anderen gleicht, denn meist hat der Vorbesitzer an der Intruder fleißig gebastelt. Chopper-Philosophie eben. Der Wert der Gebrauchtmaschine richtet sich dementsprechend nach der Qualität
der Umbauarbeiten. Bei Vertrags- und Gebraucht-
händlern wird man eher neuwertige Modelle mit wenig Laufleistung und weitgehend im Originalzustand antreffen. Grob orientieren sich die Händler an der Schwackeliste. Danach müsste eine 1996er-Intruder mit rund 50000 Kilometern auf der Uhr knapp unter 5000 Euro kosten.
In der Realität sind die angebotenen Intruder aber weniger gelaufen und werden deutlich teurer verkauft. Modelle ab Baujahr 2000 sind trotz des in
Fankreisen eher unbeliebten schwarzen Motors kaum unter 8000 Euro zu bekommen, manche Gebrauchte werden nur unwesentlich unter Neupreis angeboten. Außerdem sind viele Grauimport-Maschinen im Umlauf, weil diese auch noch nach 1991 mit Vierganggetriebe angeboten wurden. Entscheidender als das Baujahr ist beim Intruder-Gebrauchtkauf der Pflegezustand. Das gilt besonders für den Handel von
privat an privat. Besonderheit für Norddeutschland: Hier sind kaum Intruder beim Händler zu finden, und wenn, dann extrem teuer, weil Skandinavier jede Art von Großchoppern zu Traumpreisen aufkaufen.
In den neuen Bundesländern ist die Intruder vergleichsweise populär, im Ruhrgebiet und in Süddeutschland registrieren die Händler hingegen eine Chopperflaute und haben daher wenig Interesse
an der 1400er-Suzuki. Von privat findet man ordentliche Maschinen ab 4000 Euro, für weniger Geld gehen meist nur verratzte Exemplare in den Besitz eines Bastlers über. Handwerklich gut gemachte Umbauten mit rund 20000 Kilometer Laufleistung liegen bei 7000 bis 10000 Euro.

Internet
www.intruderstammtisch.de
www.intrudertreffen.de
www.vl1500.de

Tests*
4/1987 (T), 17/1987 (VT), 11/1988 (LT), 15/1988 (VT), 10/1993 (VT), 18/1995 (KV), 15/2000 (Test: Nachrüst-Auspuffanlagen)

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