Modellübersicht Kawasaki Zephyr 750

Modellgeschichte
Wenn die Verantwortlichen von Kawasaki geahnt hätten, welchen Boom sie mit der Zephyr 750 auslösen, hätten sie das Naked Bike wohl schon früher auf die Räder gestellt. Und wären damit vermutlich baden gegangen, weil die Zeit für solche Motorräder Ende der 80er Jahre einfach noch nicht reif war.
Als die 750er im Herbst 1990 auf der Kölner Messe IFMA der Weltöffentlichkeit vorgestellt wurde, passte jedoch alles: Die Zephyr wurde von der Motorradgemeinde als schnörkellose, klassische Alternative zu den komplett verschalten Rennern mit großem Beifall aufgenommen. Dank der bewährten und überschaubaren Technik – das luftgekühlte Triebwerk
entstammt in seinen Grundzügen der seligen Z 650 von 1977 – konnte Kawasaki die nackte 750er ab Frühjahr 1991 zum Kampfpreis von gerade einmal 9990 Mark anbieten. Es war jedoch nicht der Preis allein, der die Zephyr zum Verkaufsrenner machte, sondern die ausgewogene Mischung aus Nostal-
gie und moderner Technik. Den Stand der Technik repräsentierten die steife Gabel mit 41er-Standrohren, voll einstellbare Federbeine hinten, die sich über eine hochwertige Alu-Schwinge mit exakter Exzenterverstellung zur Kettenspannung abstützen, sowie die breiten 17-Zoll-Räder und eine bissige Dreischeiben-Bremsanlage.
Zusammen mit dem handlichen Fahrwerk, dem spurtstarken Motor sowie der dynamisch-relaxten Sitzposition war und ist die Zephyr 750 ein prima Landstraßensurfer. Dass Autobahnen nicht zum
bevorzugten Revier der Kawasaki zählen, liegt nicht nur am fehlenden Windschutz, sondern auch an
der sehr kurzen Übersetzung, welche Drehzahl und Verbrauch bei flottem Dauertempo in die Höhe treibt. Weitere Kritikpunkte betreffen das miserable Kaltstartverhalten, die ab Werk zu weichen Gabelfedern und die geringe Zuladung.
Darüber hinaus gibt es an der Kawasaki wenig zu mäkeln. Mit ein wenig Feinschliff in Gestalt progressiver Gabelfedern, hochwertiger Zubehörfederbeine und moderner Reifen wie dem Bridgestone
BT 020 ist eine gebrauchte Zephyr 750 nach wie vor eine empfehlenswerte Allround-Maschine. Die Trends setzen mittlerweile zwar andere, aber mit ihrer standfesten Technik und der absolut zeitlosen Erscheinung gehört sie noch lange nicht zum alten Eisen
Internet: www.igzephyr.de, www.zephyr-750.de.
Marktsituation
Logisch, dass die Zephyr als einstiger Trendsetter
der modernen Vierzylinder-Naked-Bikes mit hohen Verkaufszahlen aufwartet. Zwischen 1991 und 1999 verkaufte der deutsche Importeur fast 11800 Stück von der 750er. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldet noch einen erstaunlich hohen Bestand von rund 10500 Maschinen, wobei zwei Drittel auf
die älteren Modelle mit den Gussrädern entfallen.
Gebrauchtkäufer haben also eine große Auswahl
in allen Preisklassen.
Derzeit ist die Nachfrage nach der 750er aller-
dings eher verhalten, wie die befragten Händler in verschiedenen Regionen Deutschlands übereinstimmend erklärten. Dies bedeutet zwar nicht, dass eine gepflegte Zephyr 750 im Originalzustand mit einer moderaten Laufleistung bis etwa 25000 Kilometern plötzlich zur Standuhr wird, aber die Preise haben doch etwas nachgegeben.
So sind selbst neuwertige Ersthand-Exemplare der letzten Baujahre mit den beliebten Speichenrädern und Laufleistungen um 10000 Kilometer nur noch selten zu Preisen über 3500 Euro loszuschlagen. Wesentlich günstiger werden ältere Modelle gehandelt, besonders bei Laufleistungen von deutlich über 30000 Kilometern, die bereits ab 1500 Euro
fast ausschließlich von Privat angeboten werden. In dieser Preisklasse ist die Zahl geschundener Alltagsbikes jedoch überproportional hoch, sodass man als untere Grenze für eine vernünftige, sturzfreie Gebrauchte von einem Betrag um 2000 Euro ausgehen sollte. Dabei ist Gebrauchtinteressenten – bei einem vergleichbaren Preisgefüge – der gepflegte Originalzustand zumeist wichtiger als die Laufleistung. Größere Umbauten, vor allem im Stile eines Streetfighters, sind hingegen nahezu unverkäuflich.
Hier noch einige Händlerverkaufspreise laut Schwacke-Liste: Danach kostet eine Zephyr 750 von 1999 (44000 Kilometer) noch rund 3400 Euro, ein Gussrad-Exemplar von 1995 (77000 Kilometer) soll noch stolze 2500 Euro bringen, was gemessen
an der aktuellen Marktlage wohl eher unwahrscheinlich ist.

Besichtigung
Die laut rumpelnden und rasselnden Leerlauf-
geräusche – hervorgerufen durch Primär- und Steuerkette – gehören bei der Zephyr 750 zum guten Ton. Unter Last und über Leerlaufdrehzahl sollten
sie jedoch verschwinden. Sind derartige Lebensäußerungen auch bei einer ausgedehnteren Probefahrt zu vernehmen, ist mit dem Triebwerk vermutlich etwas faul. Im Normalfall gehört der betagte, breit bauende Vierzylinder der Zephyr allerdings
zu den sehr robusten Motoren, sofern er behutsam warmgefahren wird und die regelmäßigen Wartungsintervalle eingehalten werden.
Besonders Exemplare mit höheren Laufleistungen zeigen ab und an leichte Ölspuren an Zylinderkopf und -fuß. Bei Modellen ab 1993 sollte dies eigentlich kein Problem mehr sein, da Kawasaki seitdem
verbesserte Dichtungsmaterialien verwendete. Falls nach der Probefahrt stärkerer Ölaustritt in diesem Bereich festgestellt wird, droht unter Umständen eine teure Reparatur. Nichts Ungewöhnliches ist bei einer Zephyr ein erhöhter Ölverbrauch bei forcierter Fahrweise. Ansonsten gibt es keine Auffälligkeiten, die
auf einen typischen mechanischen Schwachpunkt der 750er schließen lassen.
Immer ein Thema ist bei der Zephyr jedoch Korrosion. Mangelnde Pflege rächt sich mit vergammelten Alu-Bauteilen, rostenden Schrauben, Auspuffanlagen und Rahmenschweißnähten. Besonders achten sollten Interessenten zudem auf Rost im Inneren des Tanks sowie an dessen Falzen.

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