Modellübersicht Honda Varadero 1000

Modellgeschichte
Es hieß, bald käme ein würdiger Nachfolger der Honda Africa Twin: eine XL 1000 V mit dem potenten V2-Motor des Sportlers VTR 1000, angeblich sogar mit G-Kat. Das war Mitte 1998. Zeichnungen in der Presse ließen die Neue schnittig und wild erscheinen. So mancher sah sich in seiner Fantasie bereits
die höchsten Dünenkämme der Sahara erstürmen. Es kam anders. Als die bis heute größte Honda-Enduro Ende 1998 erschien, zuckten viele Stollenreiter zusammen. Da stand im Verkaufsraum ein Trumm von einem Motorrad mit für eine Geländemaschine untypischen Gussrädern, einer Sitzbank breit wie eine Couchgarnitur und einem viel zu braven Plastikkleid. Mit diesem Pummelchen rund um die Welt, durch dick und dünn? Niemals! So blieb die Africa Twin die prädestinierte Partnerin fürs Abenteuer, während die nach dem kubanischen Badeort »Varadero« benannte 1000er als Gefährt für betulichere Reisen in die Alpen, Pyrenäen oder zum Nordkap dienen sollte.

Als Langstrecken-Tourer gewann der Zweizylinder trotz seines allerorts bemängelten Benzinkonsums
sofort Freunde, die getrost auf Feldweg- und Schot-
tereinlagen verzichten konnten. Komfortabler als jedes All-inclusive-Hotel in der Karibik, verwöhnt die Honda ihre Gäste während eines kilometerreichen Tages mit enormem Sitzkomfort und gutem Windschutz. Sportlichen Fahrern war der Komfort, zu-
mindest was das Fahrwerk anging, ein wenig zu viel des Guten. Verglichen mit dem damaligen Klassenprimus unter den Offroad-Dickschiffen, der BMW R 1100 GS, waren die Federelemente zu weich und sorgten für ein schwammiges Gefühl beim Kurven-
wetzen. Das Federbein wurde 2001 nachgebessert, außerdem gab’s eine Wegfahrsperre. 2002 taufte Honda das Motorrad intern von SD01 auf SD02
um und ließ es in Spanien fertigen. Noch im glei-
chen Jahr stellten die Japaner auf der Intermot
in München eine stark überarbeitete Version vor.
Die verbrauchsoptimierte SD02 des Baujahrs 2003 kam mit Einspritzung, G-Kat, einer schnittigeren
Verkleidung sowie strafferen Federelementen und nun mit Sechs- statt Fünfganggetriebe.

Prompt gewann die Honda den großen Reiseenduro-Vergleichstest (MOTORRAD 6/2003) gegen die bisher alles dominierende Kontrahentin BMW R 1150 GS. Seit 2004 wird die Varadero optional mit dem Verbundbremssystem CBS samt ABS offeriert. Trotzdem unterlag sie im jüngsten Vergleich (MOTORRAD 8/2004) der neuen BMW R 1200 GS knapp. Aber was soll’s? Varadero-Fans wollen eine Varadero, nicht eine Africa Twin und auch keine BMW.

Marktsituation
Durch das Erscheinen der BMW R 1200 GS ist
der Konkurrenzdruck auf die Honda noch stärker
gestiegen und die Nachfrage gesunken. Um den
Verkauf anzukurbeln, bieten die Händler nun, 2004, Neufahrzeuge zu günstigen Finanzierungskonditio-
nen an, was wiederum die Preise für Gebraucht-
maschinen drückt. Das berichten jedenfalls verschie-
dene Händler im gesamten Bundesgebiet. Außerdem sind 2003 viele Varadero-Besitzer auf das Einspritzer-Modell mit G-Kat umgestiegen und gaben ihre
Vergaser-Maschine in Zahlung. Diese Gebrauchten wurden erneut an den Mann gebracht, der Markt
für Varadero scheint gesättigt.

Interessenten haben also gute Voraussetzungen zum Verhandeln, wenn Sie das zurzeit nicht besonders populäre Enduro-Dickschiff haben wollen. Nach wie vor gefragt sind Modelle um die 5000 Euro. Das
Angebot an derartigen Fahrzeugen der ersten Baujahre 1999 und 2000 mit Laufleistungen über 30000 Kilometern ist jedoch äußerst spärlich. Nach Angaben von norddeutschen Händlern finden solche Motorräder bei Skandinaviern und Griechen reißen-
den Absatz, in deren Heimat die Varadero wesentlich höher im Kurs steht als hierzulande. Entsprechend spezialisierte Kaufagenten aus diesen Ländern gra-
sen die besten Angebote ab. Das Gros der Maschinen wird über Händler verkauft, der Privatmarkt spielt hingegen eine untergeordnete Rolle. Anscheinend wollen Käufer beim zur Gewährleistung verpflichteten Händler auf Nummer sicher gehen. Tipp: Wer nach einer Vorführmaschine oder Tageszulassung sucht, findet auf der Honda-Homepage (www.honda.de)
einige interessante Inserate ab etwa 8000 Euro.

Trotzdem lohnt es sich, in den Anzeigenteilen der Tageszeitungen und in Annoncenblättern zu recher-
chieren, denn von einer regelmäßig gewarteten Varadero ist nur wenig Stress zu befürchten, und die Preise der Privaten liegen deutlich unter den Händler-Ansagen. Für rund 6000 Euro findet man in den Annoncen eine 2001er mit 15000 bis 20000 Kilometer Laufleistung. Wer noch ein paar Hunderter drauflegt, kann eventuell ein gut gepflegtes Vergaser-Modell des letzten Baujahrs 2002 mit rund 10000 Kilometern auf der Uhr ergattern. Zwar gibt’s dann keinen Kat und kein ABS, aber wem sowieso eher mollige Rundungen als schnittige Kanten am Motor-
rad zusagen, bekommt auch mit der alten Varadero eine treue, meist unterschätze Begleiterin zum wirklich günstigen Preis.

Besichtigung
Die Suche nach spezifischen Fehlern gestaltet sich bei der Varadero schwierig – es existieren kaum welche. Einige Modelle der ersten Serie litten unter einer fehlerhaften Steuerketten-Führung, doch Honda hat dieses Problem an den entsprechenden Fahrzeugen schon längst behoben. Bei der Besichtigung braucht man bis auf Sturzschäden deshalb weniger nach Mängeln zu fahnden, sondern eher nach Verbesserungen. Bei der SD01 der Baujahre 1999 und 2000 sind das in erster Linie Fahrwerksoptimierun-
gen. Gabelfedern und Federbeine von Wirth, Telefon 04189/811020, Wilbers, Telefon 05921/727170, Öhlins, Telefon 08669/848-200, oder White Power, Telefon 05924/7836-0, haben sich bewährt und erhöhen den Wert der Gebrauchten. Trotz des modi-
fizierten Federbeins ab 2001 empfehlen Varadero-Kenner auch für jüngere Modelle bis 2003 den
Wechsel vom Original zu Nachrüstteilen. Ebenso wertsteigernd sind Tourenscheiben von MRA, Telefon 07663/93890, Five Stars (über JF Motorsport), Telefon 06002/9103-91 oder BD Deutschland, Tele-
fon 02161/12787. Dito Hauptständer, Schutzbügel, Gepäcksysteme und andere Zubehörteile von in Fahrerkreisen geschätzten Firmen wie Baehr, Telefon 06331/1432-0, Bagster, Telefon 0681/9963411, Givi, Telefon 0911/955100, Hepco & Becker,
Telefon 06334/9216-0, oder SW Motech, Telefon 06425/82028-0. African Queens, Telefon 08441/
18442, oder Touratech, Telefon 07728/9279-0, bieten außerdem einen robusten Alu-Motorschutz an.

Um den hohen Benzinverbrauch bei den Vergaser-
modellen zu senken, bedüsen einige Fahrer ihre Maschinen um und verwenden einen K&N-Luft-
filter. Als Nachrüst-Schalldämpfer sind BSM, Telefon 06126/6036, sowie Remus, Telefon 0241/5688-222, beliebt. Gute Infos zu Zubehör und Um-
rüstungen liefert die übersichtlich gestaltete Home-
page www.honda-varadero.de. Dort sind zahlreiche Termine zu Treffen und Stammtischen aufgeführt, und im Forum versammeln sich Varadero-Fans zum virtuellen Benzingespräch.

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