Modellübersicht

ModellgeschichteGüllepumpe. Einfach nur Güllepumpe. Jeder, der sich in der Motorradszene ein wenig auskennt, weiß sofort, welches Bike gemeint ist. Eigentlich als Verhöhnung der Honda CX 500 gedacht, setzte sich diese Bezeichnung aus einem Werner-Comic (Band 4 »Eiskalt«) als Spitzname für die CX rasch durch. Heute sind Begriff wie Motorrad längst Kult. Daran war bei der Vorstellung Ende 1977 allerdings nicht zu denken. Tester wie potenzielle Käufer rümpften ob des eigenwilli-gen Stylings des Mittelklasse-Tourers die Nase. Die glatten Zylinder mit ihren merkwürdig verdrehten Köpfen, die Zusammenfassung von Lampe und Cockpit unter einer Plastikverkleidung sowie die pummelige Gestaltung von Tank und Sitzbank schreckten viele Ästheten ab. Praktisch veranlagte Zeitgenossen hingegen griffen mit Begeisterung zu. Besonders unter den Tourenfreunden sprachen sich sowohl der hohe Komfort der Honda als auch die unter touristischen Aspekten herausragenden Qualitäten des wassergekühlten V2-Triebwerks rasch herum. So überzeugte der wartungsfreundlich konstruierte Zweizylinder auf Anhieb mit Zuverlässigkeit und Standfestigkeit, die Ende der 70er Jahre längst nicht die Regel waren. Selbst die anfänglichen Probleme mit brechenden Steuerkettenspannern im ersten Produktionsjahr sowie häufiger auftretende Lecks an der Wasserpumpe konnten den alsbald erreichten Nimbus der Unzerstörbarkeit nicht gefährden. Kaum Ölverbrauch, ein für damalige Verhältnisse geringer Spritkonsum sowie die gutmütige Leistungsentfaltung wogen für die Reise-Klientel schwerer als die Schwächen des Fahrwerks, das bei flotter Fahrweise rührend und pendelnd an den unterdimensionierten Zentralrohrrahmen und die schwammigen Federelemente erinnerte. Dennoch wurde die CX 500 für Honda zu einem gigantischen Erfolg mit fast 25000 verkauften Exemplaren. Von den in den folgenden Jahren auf den Markt geworfenen Modellen der CX-Reihe (siehe rechts) konnte jedoch nur noch der Softchopper CX 500 C (etwa 15000 Stück) einen ähnlich großen Erfolg verbuchen. Die ab 1982 angebotenen, deutlich moderneren CX-Varianten verkauften sich dagegen bei weitem nicht so gut, von den 650er fanden insgesamt sogar nur 1446 einen Abnehmer. MarktsituationZusammengenommen sind die Verkaufszahlen aller CX-Varianten wahrlich beeindruckend: Exakt 48310 Stück brachte Honda allein in Deutschland unter das motorradelnde Volk. Von der Ur-CX 500 haben bis heute laut KBA immerhin 11200 Exemplare überlebt. An gebrauchten CX 500 C herrscht kein Mangel, es sind noch immer stolze 10100 Einheiten zugelassen. Seltener stößt man auf eine CX 500 E (2070 Stück) oder GL 500 (1650 Stück). Die 650er sind gar echte Raritäten: Von der CX 650 C existieren noch 414 Stück, von der GL 650 sind es 293, und die CX 650 E ist nur noch 249-mal zugelassen (Stand September 2003). Die Besitzer einer CX 650 Turbo kennen sich vermutlich sogar persönlich, es gibt nämlich lediglich 43 Stück davon. Diese einstigen Technologieträger dürften – falls sie überhaupt angeboten werden – nur für viel Geld zu haben sein. Wesentlich günstiger ist hingegen der Erwerb einer der CX-500-Varianten. Gleichwohl müssen Gebrauchtkäufer mit einem relativ hohen und stabilen Preisniveau rechnen, das angesichts des Alters sowie der zumeist hohen Laufleistungen der Maschinen viele Interessenten überrascht. Während Alltagsfahrzeuge mit enormen Kilometerständen und entsprechenden Gebrauchs- und Verbrauchsspuren noch einigermaßen günstig zu haben sind, werden gepflegte CX 500 im Originalzustand kaum unter 1300 Euro angeboten, auch wenn sie viele Kilometer auf dem Tacho haben. Für Top-Exemplare aus erster Hand mit einer Laufleistung von nachweislich weniger als 30000 Kilometern wird heute fast wieder der einstige Neupreis verlangt – eine Folge des Kults um die Güllepumpe. Den Wert einer CX zu bestimmen fällt allerdings gar nicht so leicht, weil die letzten Exemplare der Baureihe bereits 1987 abverkauft wurden. Im Handel werden praktisch keine Gebrauchten mehr angeboten, und für Privatverkäufe gibt es keine Gebrauchtlisten zur Orientierung mehr. Grundsätzlich kann man jedoch feststellen, dass vor allem das einst so geschmähte Urmodell besonders gesucht ist. Deutlich günstiger sollten die heute nicht sehr gefragten 27-PS-Versionen zu ergattern sein, da eine Entdrosselung ziemlich teuer ist. Wie hoch der Liebhaberwert eines CX-Modells letztlich ausfällt, müssen Anbieter und Käufer somit individuell aushandeln. Je nach Angebot und Nachfrage können die Preise dabei beträchtlich differieren.BesichtigungNoch immer eilt den CX-Modellen der Ruf der Unzerstörbarkeit voraus. Fast 20 Jahre nach der Produktionseinstellung muss dieser jedoch relativiert werden. Zwar gab es neben den bereits angesprochenen Problemen mit dem Steuerkettenspanner sowie der leckenden Wasserpumpendichtung tatsächlich nur wenige modellspezifische Schwachpunkte wie beispielsweise eine hohe Rostanfälligkeit von Auspuffanlage und Rahmen. Aber aufgrund der langen Zeit sowie der zumeist stolzen Laufleistungen zeigen heutzutage natürlich auch die meisten CX-Modelle den üblichen Verschleiß, etwa festgefressene Lager der Umlenkhebelei bei den Pro-Link-Modellen oder versprödete und ausgehärtete Kunststoff- und Gummiteile. Wer mit dem Kauf einer CX liebäugelt, sollte daher ruhig einmal übers Internet eine der zahlreichen Interessensgemeinschaften kontaktieren (sehr empfehlenswert: www.cx500-online.de mit zahlreichen Verweisen zu anderen IGs und Clubs), deren Mitglieder meist ebenso rührig wie hilfsbereit sind. Dort findet man kompetenten Rat und Hilfe bei allen möglichen und unmöglichen Schwierigkeiten. Tests in MOTORRAD*CX 500: 3/1978 (T); 7-8/1978 (VT); 7/1979 (LT); 2-3/1980 (VT); 11-12/1981 (VT); 26/1981 (VT); 1/1982 (VT). CX 500 C: 10/1979 (T). CX 500 T: 12/1981 (T); 22/1981 (T); 13/1982 (VT); 1/1983 (LT). CX 500 E: 16-17/1982 (VT) CX 650 E: 2/1983 (T); 9/1983 (VT). CX 650 T: 11/1983 (T). CX 650 C: 13/1983 (T)

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