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Gebrauchtberatung Moto Guzzi Stelvio 1200 Imposante Maxi-Enduro

Groß und mächtig – das Auftreten der italienischen Maxi-Enduro ist imposant. Das reizt Interessenten, die sich vom Einheitsbrei abheben wollen. Das Großartige an der scheinbar schwerfälligen Moto Guzzi Stelvio 1200: Sie besitzt erstaunliche Fahrqualitäten.

Erinnert sich noch jemand an die Moto Guzzi V 65 TT aus den 1980ern? Nein? Macht nichts, war schon damals ein Exot. Auch die noch präsentere Quota aus den Neunzigern ist außer bei Hardcore-Guzzisti kaum noch auf dem Schirm. Was beide Modelle eint: Auf ­losem Grund benehmen sie sich eher wie Landmaschinen als Enduros. Die 2008 eingeführte Moto Guzzi Stelvio 1200 hat zwar ebenfalls einen elefantösen Auftritt, doch als „Maxi-Enduro“ lässt sich der 270-Kilo-Brocken vergleichsweise leichtfüßig bewegen – allerdings auch eher auf Landstraßen denn ernsthaft im Gelände.

Aber konsequent wie nie zuvor hat sich Moto Guzzi des Themas Reiseenduro angenommen und an verstellbaren Fahrersitz und Windschutzscheibe sowie integrierte Kofferträger gedacht. Der drehmomentstarke Vierventil-V2 mit 105 PS ist sehr unterhaltsam, durch das gut gestufte Sechsganggetriebe lässt sich leicht schalten. Die Moto Guzzi Stelvio 1200 bietet Aufrechtsitz-Touristen genug Platz für Sozia und Gepäck. Und, noch wichtiger, jede Menge Fahrfreude sowie einen guten Sound. Damit hebt sich das Italo-Bike vom Mainstream aus Bayern und Japan ab. Seit 2009 ist ABS mit an Bord (in Deutschland). Das Modell NTX (seit 2009) bietet Nebelscheinwerfer, Schutzbügel und Alu-Koffer – und den Auftritt einer martialischen Landmaschine. Den man nicht so schnell vergisst.

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Besichtigung

Der V2-Motor gilt als standhaft, auch das Getriebe bewerten Fachwerkstätten als zuverlässig. Die Verarbeitung des Motorrads ist insgesamt gut, bei regelmäßiger Wartung und Pflege steht einem langen Leben mit hohen Laufleistun­gen also nichts entgegen. Alle 10.000 Kilometer steht eine Inspektion an, die möglichst auch bei einer Kennerwerkstatt durchgeführt werden soll­te (zirka 300 Euro). Die aufwendigere 40.000er-Inspektion kostet schnell mal 500 Euro. Seitens Guzzi werden des Öfteren technische Verbesserungsmaßnahmen angewiesen.

Bei vielen Moto Guzzi Stelvio 1200 wurden schon Scheuerstellen am Kabelbaum behoben oder der Hauptständer und undichte Gehäuse getauscht. Bei privat gewarteten Maschinen oder importierten Gebrauchten ist Vorsicht geboten, wenn keine Werkstatt-Dokumentationen vorliegen. Koffersätze sind als Zubehör beliebt, der wohlklingende Originalauspuff wird nur sehr selten durch Nachrüst-Produkte ersetzt.

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Foto:
Abenteurer-Modell NTX mit Schutzbügeln und Koffern.
Abenteurer-Modell NTX mit Schutzbügeln und Koffern.

Marktsituation

Die Moto Guzzi Stelvio 1200 ist ein gefragtes Motorrad – jedoch wohl nur bei Guzzi-Vertragshändlern mit treuer Kundschaft. Dann wird sie auch als Gebrauchte gesucht, und es werden gute Preise bezahlt. Markenfremde Händler bezeichnen die Maxi-Enduro eher als „speziell“. Nette Umschreibung für „schwierig zu verkaufen“. Bei Preisforderungen über 10.000 Euro tun sich Interessenten schwer, das Jawort zu geben, denn bereits für 11.500 Euro finden sich unbenutzte Tageszulassungen (Neupreis: über 14.000 Euro) und Neuwert-Bikes inklusive Zubehör.

Gute Angebote finden sich zwischen 7500 und 9000 Euro. Beispiel: drei Jahre alt, erste Hand, rund 20.000 Kilometer, sauber gepflegt, Koffer. Unter 7000 Euro sind nur vereinzelte Offerten auszumachen, am ehesten von privat. Weite Anfahrtswege zur Besichtigung sind da vorprogrammiert. 2008er-Modelle und Gebraucht­importe ohne ABS gehen nur über den Preis: mindestens 1000 Euro weniger als in Baujahr und Laufleistung vergleichbare ABS-Modelle.

Verfügbarkeit am Markt: gering

Preisniveau in EuroBaujahrkm-Stand
Niedrig 6500-75002008-201025.000-50.000
Mittel 7600-99002008-201210.000-30.000
Hoch 10.000-11.5002009-2013unter 10.000

Modell

im ProgrammVerkäufe*
Stelvio 12002008 bis heuteca. 750
Stelvio 1200 NTX2009 bis heuteca. 180

 

*Stand Januar 2014

Technische Daten

(Typ Stelvio, Modelljahr 2008)

Motor: Luft-/ölgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, vier Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, hydraulisch betätig­te Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, Kardan.

Bohrung x Hub: 95 x 81,2 mm

Hubraum: 1151 cm³

Nennleistung: 77 kW (105 PS) bei 7500/min

Max. Drehmoment: 108 Nm bei 6500/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweigelenk-Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, ABS.

Alu-Gussräder: 2.50 x 19; 4.00 x 17

Reifen: 110/80 R 19; 150/70 R 17

Maße + Gewichte: Radstand 1535 mm, Lenkkopfwinkel 63 Grad, Nachlauf 125 mm, Sitzhöhe* 835–875 mm, Gewicht vollgetankt* 271 kg, Zuladung* 204 kg, Tankinhalt/Reserve 18/4,5 l.

Messungen (MOTORRAD 15/2008):

Höchstgeschwindigkeit**: 220 km/h

Beschleunigung 0–100 km/h:4,0 sek

Durchzug 60–100 km/h: 5,2 sek

Verbrauch: 5,3 l/100 km (Landstraße)

Modellpflege

2008 Markteinführung des Modells Stelvio 1200 mit Vierventil-Motor (1151 cm³, interne Typenbezeichung für den Motor: A5). Preis: 12.990 Euro.

2009 Neuer Motortyp (A8) mit mehr und verbessertem Drehmoment (113 statt 106 Nm; keine Drehmomentschwäche zwischen 4000 und 5000 min wie beim A5). ABS erhältlich, in Deutschland wird ausschließlich mit ABS (1000 Euro Aufpreis) ausgeliefert. Neue Modellvariante NTX mit Alu-Motorschutz, Schutzbügeln, Nebel­leuchten, Handschalenprotektoren, 37-
Liter­-Alu-Koffern, 4,5-Zoll-Hinterradfelge und ABS im Programm. Preise: 13.990 (mit ABS)/15 790 Euro (NTX).

2010 Neue Gabel, leichtere Sitzbank mit geänderter Höhenverstellung, ABS jetzt von Continental statt von Bosch, leicht ­geändertes Design. Preise: 13 990 (mit ABS)/15.890 Euro (NTX).

2011 ABS von nun an Serie. Neuer, modifizierter Motor (Typ AC), 32- statt 18-Liter-Tank, neues Frontdesign, Traktionskon-
trolle, Alu-Felgen, beide Modellvarianten nun­mehr mit 4,5-Zoll-Hinterradfelge, zweite Steckdose, neue Schaltereinheiten. Preise: 14.090/15.990 Euro (NTX).

2012 Motoren mit Rollenstößeln (ab Februar). Preise: 14.290/16.190 Euro (NTX).

2013 Optische Retuschen (ab September). Preise unverändert.

2014 Preise: 14.990/16.490 Euro (NTX).

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