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Moto Guzzi V7 in der Gebrauchtberatung Lohnt sich die Neuauflage des Klassikers?

Als typisches Retro-Bike sieht sie ihrer Urahnin, der Moto Guzzi V7 von 1967, erstaunlich ähnlich. Die Fahrdynamik scheint allerdings ebenfalls aus dieser Zeit zu stammen. Doch auch (oder gerade) 48 PS ermöglichen wohltuendes Entschleunigen abseits vom heutigen Leistungsdruck.

Die Leistung ist einsteigerfreundlich: 48 PS. Keineswegs atemberaubend. Auch die für die Modellpflege 2012 homologierten, aber nirgends sonst gemessenen zwei zusätzlichen Pferdestärken ändern nichts am handzahmen Charakter des 2008 präsentierten Retro-Bikes. Und das ist gut so. Denn die Moto Guzzi V7 will nicht rasen, sondern reisen, konkret: zeitreisen. Und zwar in die Vergangenheit.

Chauffiert man diese Maschine, erlebt man eindrücklich, wie die Fuhren der 1970er fuhren. Angenehm nämlich. Mit für heutige Verhältnisse schmalen Reifen und einem leicht zu bewältigenden Gewicht von gut vier Zentnern lässt es sich narrensicher über kurvige Landstraßen wuseln. Die entspannte Sitzposition verstärkt den Zustand völligen Ent­stressens. Die zierliche Moto Guzzi V7 ist kein schnelles, aber ein schönes Motorrad zum Fahren.

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Welche Modellvariante?

Doch welche Modellvariante wählen? Egal, Geschmackssache. Die Modellvarianten der Moto Guzzi V7 unterscheiden sich eher im Aussehen als technisch. Freunde von trendigen Café Racern sind wohl mit der auffälligen Racer (ab 2010) am besten bedient, die wegen Chromtanks, Drahtspeichenrädern und anderen netten optischen Gimmicks allerdings auch die Teuerste im Reigen ist.

Sehr beliebt ist auch die schlichte, aber preisgünstige Stone mit ihren hübschen Gussrädern, hohem Rohrlenker und dem für 2012 auf etwas mehr Drehmoment ausgelegten Motor. Die Nachfolgerin V7 II (ab 2015) bekommt ABS. Gebrauchte V7 ohne Bremsassistent gibt es also naturgemäß günstiger. Da kann und sollte man getrost zuschlagen, denn die Stopper sind bei keiner Moto Guzzi V7 überfordert.

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Foto: fact
Sehr optimistische Tachoskala: 260 Spitze? Bei 100 km/h weniger passt es mit dem Top-Speed.
Sehr optimistische Tachoskala: 260 Spitze? Bei 100 km/h weniger passt es mit dem Top-Speed.

Besichtigung

Die Technik der Moto Guzzi V7 ist recht einfach gestrickt – keine komplizierten Steuergeräte für elektronische Helferlein – und dementsprechend problemlos zu warten. Die Wartung sollte dennoch von fachkundiger Hand ausgeführt werden, bei der Besichtigung also genau ins Serviceheft schauen. Alle 10.000 Kilometer steht eine Inspektion an, die im Routinefall
zwischen 250 und 350 Euro liegt.

Manche Werk­stätten berichten von mitunter undichten Zy­linderköpfen. Es empfiehlt sich deshalb eine penible Sichtkontrolle, insbesondere bei Offerten von Privatanbietern ohne Gewährleistungspflicht. Stimmt aber der allgemeine Pflegezustand und sind die Reifen nicht abgefahren, gilt die Moto Guzzi V7 als guter Deal. Zubehör ist eher Neben­sache: Kleine Windschilder und Hauptständer sind beliebt, Koffer oder eine zusätzliche Zweipersonen-Sitzbank (bei Café oder Racer) dürften bei Preisverhandlungen als minimal wertsteigernd angerechnet werden.

Foto: fact
Moto Guzzi V7 Café.
Moto Guzzi V7 Café.

Marktsituation

Die zum Modelljahr 2015 (endlich) mit ABS bestückte V7 II bewirkt, dass ­Ende 2014 viele Neufahrzeug-„Altlasten“ (Tageszulassungen der Baujahre 2013/2014) bei Händlern zu Schleuderpreisen schon um 6500 Euro feilgeboten werden. Anbieter von zwar picobello gepflegten, aber eben nicht mehr jungfräulichen V7-Gebrauchten können ihre Maschine deshalb wohl nur mit entsprechendem Preisabstand loswerden. Ergo: Mit weniger als 6000 Euro auf Tasche finden Interessenten schnell und leicht eine neuwertige Moto Guzzi V7. Wenn man mit ein paar mehr Kilometern auf dem Tacho leben kann (die Laufleistungen liegen ohnehin selten über 20.000 Kilometer), halten sich die Anfahrtswege zur Besichtigung auch meist in Grenzen. Einsteiger auf der Suche nach einem günstigen 48-Bike unter 5000 Euro müssen sich hingegen anstrengen: Der Bestand ist gering, kaum 1500 Zulassungen in Deutschland – und nur sehr wenige Exemplare sind für unter 5000 Euro auszumachen.

▸ Verfügbarkeit am Markt: gering

Preisniveau in Euro     Baujahrekm-Stand
Niedrig 4500–49002009–201210.000–30.000
Mittel 5000–59002009–20135000–15.000
Hoch 6000–65002012–2014unter 7500
Typim Programm    Verkäufe
LW0/A/B2008–2011540
LWE/G/H/S/T/V2012–2014983*

*Stand November 2014

Foto: Hersteller
Modellriege ab 2012 mit mo­difiziertem Motor, die deutlich günstigere V7 Special und das Modell Stone mit soziustauglicher Sitzbank (von links).
Modellriege ab 2012 mit mo­difiziertem Motor, die deutlich günstigere V7 Special und das Modell Stone mit soziustauglicher Sitzbank (von links).

Technische Daten Moto Guzzi V7

Moto Guzzi V7

Motor: Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, zwei Ventile pro Zylinder, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kardan.
Bohrung x Hub: 80,0 x 74,0 mm
Hubraum: 744 cm³
Nennleistung: 35,5 kW (48 PS) bei 6800/min
Max. Drehmoment: 55 Nm bei 3600/min

Fahrwerk: Doppelschleifenrahmen aus Stahl, Telegabel, Zweiarmschwinge aus Stahl, zwei Federbeine, verstellbare Federbasis, Scheibenbremsen vorn und hinten.
Alu-Gussräder: 2.50 x 18; 3.50 x 17
Reifen: 110/90-18; 130/80-17

MAßE + Gewicht: Radstand 1449 mm, Lenkkopfwinkel 62,5 Grad, Nachlauf 109 mm, Federweg v./h. 130/118 mm, Sitzhöhe* 810 mm, Gewicht vollgetankt* 210 kg, Tankinhalt 17 Liter.

Messungen (MOTORRAD 13/2008)
Höchstgeschwindigkeit**: 155 km/h
Beschleunigung: 0–100 km/h6,0 sek
Durchzug: 60–100 km/h5,7 sek
Verbrauch: 4,1 l/100 km (Landstraße)

*MOTORRAD-Messungen, **Herstellerangaben

Foto: fact
Rares Stück: Die Modellvariante V7 Café (2009–2011) mit Einzelsitzbank wurde nur gut 100-mal verkauft.
Rares Stück: Die Modellvariante V7 Café (2009–2011) mit Einzelsitzbank wurde nur gut 100-mal verkauft.

Modellpflege

2008 Debüt der Moto Guzzi V7 Classic, Typ LW0, (Motortyp LM) mit Speichenrädern. Leis­tung: 48 PS. Nur in Weiß erhältlich. Preis: 8200 Euro.
2009 Modellvariante Moto Guzzi V7 Café (Typ LWA) mit Stummellenker, hochgezogenem Schalldämpfer, Einzelsitzbank. Zweipersonen-Zulassung homologiert bei Mon­tage der Zubehörsitzbank mit Fußrasten. Preis: 8500 Euro.
2010 Modellvariante Moto Guzzi V7 Racer (Typ LWB). Technisch wie V7 Café, aber mit Cockpitverkleidung, rot lackiertem Rahmen und Chromtank. Preis: 9490 Euro (Classic/Café: 8390/8690 Euro).

2012 Neues Modell Moto Guzzi V7 Special (Typ LWG, Motortyp AE). Neuer Motor mit modifizier­ter Einspritzung. Leistung 50 PS (48-PS-Drosselvariante über Gasanschlag homologiert). Drehmoment: 59,5 Nm. Neuer Luft­filterkasten, modifiziertes Getriebe mit neuem Schaltautomaten. Größerer Tank (21 Liter). Modellvariante V7 Stone (Typ LWE) mit Gussrädern, gerade verlaufenden Schalldämpfern sowie einfacherer Lackierung und gegenüber Special reduzierter Ausstattung. Neue V7 Racer (Typ LWH), technisch wie alter Typ LWB, aber genau wie Stone und Special mit neuem Motortyp AE. Preise Stone/Special/Racer: 7990/8490/9690 Euro.
2014 Motor bei Moto Guzzi V7 Stone, Special und Racer nur noch mit 48 PS, neue Typenkennungen (LWS, LWT und LWV). Geänderte Lichtmaschine. Preise Stone/Special/Racer: 7990/8690/9790 Euro.

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