MOTORRAD-Checkpoint

Marktsituation
Trotz ihres hohen Preises war die VFR 750 F stets ein Bestseller im Programm des deutschen Honda-Importeurs. Zwischen 1986 und 1997 entschieden sich 19665 Kunden für den Sporttourer. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Zahl von Parallelimporten, die jedoch aufgrund fehlender Schlüsselnummern durch das Kraftfahrt-Bundesamt nicht exakt beziffert werden kann. Von den offiziell importierten VFR 750 F sind derzeit noch rund 13400 Exemplare zugelassen (Stand 1. Januar 2005), wobei der Löwenanteil von etwa 10000 Stück auf die ab 1990 gebauten Modelle mit Einarmschwinge (Typ RC 36) entfällt.
An gebrauchten Honda VFR 750 F mangelt es also nicht. An günstigen Offerten indes schon, denn die Preisvorstellungen der meisten Anbieter liegen – analog zum ehedem hohen Neupreis – zumeist deutlich über jenen vergleichbarer gebrauchter Konkurrenzmodelle. Wer sich für eine VFR interessiert, sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Die Nachfrage nach dem Sporttourer ist zwar nach wie vor rege, doch überzogene Preise, die vor allem bei den kostenlosen Anzeigen der Internetbörsen häufiger auftauchen, sind für die 750er nicht zu erzielen. Die meisten Anbieter haben einen gewissen Verhandlungsspielraum einkalkuliert, den es mit Geschick und guten Argumenten auszuschöpfen gilt.
Bei echten Schnäppchen sollte man allerdings nicht lange überlegen, denn eine zweite Chance gibt es
in solchen Fällen erfahrungsgemäß nicht. Zu den
seltenen Schnäppchen zählen bei der VFR 750 F insbesondere RC-36-Modelle der letzten Baujahre mit nachweisbaren Laufleistungen unter 20000 Kilo-
metern und einem Verkaufspreis zwischen 3500 und 3900 Euro. Passen Zustand und Preis, stehen aber auch die Chancen für betagtere Exemplare des Sporttourers nicht schlecht, einen neuen Besitzer zu finden. Dem Ruf der Unverwüstlichkeit sei Dank, gehört die VFR 750 F nämlich zu den wenigen Motorrädern, die sich selbst mit Kilometerständen jenseits der 50000er-Marke noch ordentlich verkaufen lassen. Solche Exemplare findet man jedoch fast nur auf dem privaten Gebrauchtmarkt, während sich die Händler aufgrund der Gewährleistungspflicht zumeist auf
die Modelle der letzten Baujahre beschränken. Laut Schwacke liegt der Händlerverkaufspreis für eine 1996er-VFR derzeit bei rund 3100 Euro (zirka 78000 Kilometer), ein Exemplar von 1997 mit knapp 70000 Kilometern soll noch 3500 Euro kosten.
Wie bei den meisten Motorrädern mit einem
langen Produktionszyklus weisen auch gebrauchte
Honda VFR 750 F trotz ähnlicher Preisforderungen zum Teil erhebliche Unterschiede beim Pflegezustand auf. Wer auf bestimmte Änderungen im Rahmen der Modellpflege keinen besonderen Wert legt (siehe nebenstehende Liste), ist mit einer gepflegten älteren Maschine deshalb oftmals besser bedient als mit einem jüngeren Exemplar mit zweifelhafter Vorge-
schichte.

Besichtigung
Zahlreiche problemlos absolvierte Langstreckentests und begeisterte Leserzuschriften von Vielfahrern mit Laufleistungen im sechsstelligen Bereich zeugen von der mechanischen Robustheit des V-Vierzylinders. Auch die Händler äußern sich ausnahmslos lobend zur Standfestigkeit der VFR 750 F. Dementsprechend kurz kann der Motorcheck bei der Besichtigung einer Gebrauchtmaschine ausfallen. Sofern die regelmäßigen Kontroll- und Einstellarbeiten erledigt wurden, sind keine negativen Überraschungen zu erwarten. Einer rupfenden oder verschlissenen Kupplung sowie heulenden Getrieberädern bei sehr hohen Laufleistungen kommt man bei der obligatorischen Probefahrt auf die Schliche.
Hat sich der Anbieter vor der alle 24000 Kilometer fälligen großen Inspektion mit Ventilspielkontrolle gedrückt, ist ein Preisabschlag gerechtfertigt. Die Händler berechnen für diese Arbeiten am schlecht zugänglichen Triebwerk nämlich rund vier bis fünf Stunden. Je nach Region und Stundensatz der Werkstatt kommen dabei schnell 300 bis 400 Euro zusammen.
Kennt die VFR 750 F antriebsseitig keine Schwächen, erfordert das Alu-Fahrwerk der Honda etwas mehr Aufmerksamkeit. Vor allem bei Maschinen mit höheren Laufleistungen ab 40000 Kilometer sind Schäden am Lenkkopflager sowie den Lagern von Schwinge und Rädern nicht selten. Dann kann es teuer werden, speziell der Austausch des hinteren Radlagers bei den RC-36-Modellen mit Einarmschwinge geht mit rund 400 Euro ganz schön ins Geld.
Der häufigste Mangel, den VFR-Besitzer monieren, ist ein defekter Lichtmaschinenregler. Das elektronische Bauteil scheint der thermischen Belastung nicht gewachsen zu sein und quittiert früher oder später seinen Dienst. Vereinzelt gab es auch Schwierigkeiten mit rubbelnden Bremsscheiben. Verantwortlich da-
für sind nach Auskunft von mehreren Händlern Zubehör-Bremsbeläge, die mit den originalen Bremsscheiben nicht harmonieren. Nicht vergessen wer-
den sollte zuletzt noch die akribische Kontrolle der sündhaft teuren Verkleidungsteile auf Risse oder abgebrochene Haltenasen.
Weitere Informationen, Tipps und Tricks zu den
VFR-Modellen mit Hinweisen zu sinnvollen Verbesserungen und Links zu interessanten Home-
pages gibt es im Internet unter www.vfr-oc.de, der sehr empfehlenswerten Homepage des deutschen VFR-Owners-Clubs.

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