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Diese Modellbezeichnungen gaben die Nutzer von MotoScout24.de seit Mai 2014 am häufigsten in die Suchmaske des Onlineportals ein.

Gebrauchte Motorräder in Deutschland Zweite Hand als erste Wahl

Gebrauchte Motorräder sind im Trend. Knapp eine halbe Million Mal wechselte 2014 ein gebrauchtes Motorrad in Deutschland den Besitzer. So häufig wie nie zuvor. Aber welche Trends gibt es unter Gebrauchten?

Der Motorradmarkt ist in Bewegung. Ja, man darf schon längst sagen: Motorräder boomen wieder. 2014 dank der vielen Neuheiten erst recht. Zuerst haben das die Händler bemerkt. Sie haben im vergangenen Jahr rund zehn Prozent mehr neue Maschinen verkauft als noch 2013. Unterm Strich meldete das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) für das abgelaufene Jahr 96.139 neue Motorräder auf Deutschlands Straßen (siehe MOTORRAD 4/2015). Dem gegenüber steht nun noch eine ganz andere Zahl: 492.745 „Besitzumschreibungen“ von Motorrädern registrierte das KBA im abgelaufenen Jahr. Konkret: Auf ein neu gekauftes Motorrad kamen im letzten Jahr rund fünf gebraucht gekaufte. Am gebrauchtkauffreudigsten waren übrigens die Biker in Nordrhein-Westfalen. Dort gab es 2014 die meisten Besitzumschreibungen (siehe Diagramm in der Bildergalerie). Was nicht etwa daran lag, dass es im und um den Pott am meisten Motorräder gäbe. Den höchsten Motorradbestand verzeichnet nämlich Bayern. Um der Zahlenspielereien Vollständigkeit halber: Insgesamt sind in Deutschland gut vier Millionen Motorräder angemeldet. Jedes achte davon wechselte 2014 gebraucht den Besitzer.

Welche neuen Modelle sich am besten verkaufen (BMWs Dauerbrenner GS), welche Trends (Scrambler, Crossover) im Kommen sind und welche Motorradgattungen (Sportler, Tourer, Reiseenduros usw.) sich wachsender oder auch abnehmender Beliebtheit erfreuen – MOTORRAD-Leser wissen das. Denn zu all dem gibt es reichlich Daten und Statistiken. Doch wie sieht’s bei den Gebrauchten aus? Gibt’s da ebenfalls Trends, gefragte Gattungen, Modelle, die gerade angesagt sind? Solche Infos, die für jeden, der ein gebrauchtes Motorrad anbieten oder kaufen möchte, interessant wären, gibt es von den bundesbehördlichen KBA-Statistikern nicht. Da müssen sich Interessenten selbst ein Bild machen, etwa indem sie die großen Gebrauchtmärkte im Internet im Blick haben: etwa motorradonline.de, mobile.de oder MotoScout24.de.

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Bei mobile.de stehen die Inserate im Winter länger im Netz, allerdings sind die Angebote von November bis März auch teurer. Insgesamt stieg das Preisniveau deutlich.
Bei mobile.de stehen die Inserate im Winter länger im Netz, allerdings sind die Angebote von November bis März auch teurer. Insgesamt stieg das Preisniveau deutlich.

Angebot an gebrauchten Motorrädern so groß wie nie

Aber, und das ist die schlechte Nachricht, die Nachfrage eben auch. So hat Torsten Wesche, Leiter Händlervertrieb von mobile.de, beobachtet, dass „die durchschnittlichen Preise für ein Zweirad“ beim Online-Marktführer „in den letzten drei Jahren um knapp 830 Euro gestiegen sind“. Als Durchschnittspreis registrierte mobile.de im Dezember 2014 die Summe von 7399 Euro, bei 71.615 Zweirad-Inseraten. Im Schnitt waren die darin (zu rund zwei Dritteln von Händlern) angebotenen Maschinen gut drei Jahre alt (37,7 Monate) und hatten 8400 Kilometer gelaufen. Klar unter dem Preisgefüge von mobile.de und auch mit Tendenz nach unten, sprich günstiger werdend, ist das durchschnittliche Preisniveau dagegen beim Konkurrenten MotoScout24. Kostete ein Motorrad dort im Dezember 2013 im Schnitt noch 5917 Euro, betrug der Durchschnittspreis im Dezember 2014 nur mehr 5583 Euro. Eine mögliche Erklärung für die günstigeren Preise auf MotoScout24: Zwar überwiegen auch hier professionelle Händler, aber mit über 46 Prozent stammt doch knapp die Hälfte der Angebote von Privatpersonen.

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Rund drei Viertel der Suchanfragen bei mobile.de setzen die preisliche Obergrenze für ein gebrauchtes Motorrad bei maximal 5000 Euro fest.
Rund drei Viertel der Suchanfragen bei mobile.de setzen die preisliche Obergrenze für ein gebrauchtes Motorrad bei maximal 5000 Euro fest.

Motorräder bis 3000 Euro

Gesucht wird überwiegend – wen wundert’s – nach günstigeren Motorrädern, hauptsächlich im Bereich um die 3000 Euro (siehe Grafiken). Dafür darf das gewünschte Gebrauchtbike auch schon bis zu 30.000 Kilometer gelaufen sein und hat idealerweise 80 PS oder gerne auch mehr. Die Rangfolge der am häufigsten gesuchten Marken (BMW vor Honda, Yamaha und Harley) entspricht auffällig derjenigen der Neuzulassungsstatistik 2014. Auch auf den Folgeplätzen sind die Abweichungen nur gering.

Mit so akkuraten Zahlen kann Klaus Limbächer zwar nicht aufwarten. Aber dafür mit jeder Menge Erfahrung. Seit 1989 betreibt er gemeinsam mit seinem Bruder Fritz in Filderstadt bei Stuttgart die Firma Limbächer & Limbächer (L&L). Sie gilt als einer der größten, wenn nicht der größte Gebrauchtmotorradhändler in Deutschland. Seit den Anfängen 1989 bis heute hat L&L „rund 40.000 Fahrzeuge verkauft“, sagt Klaus Limbächer. Aktuell stehen 1400 Gebrauchtbikes – die Zahl ist permanenter Standard – in der Ausstellungsfläche, die sich über fünf fußballfeldgroße Hallen ersteckt. Trotzdem sagt Limbächer klar: „DAS typische Gebrauchtmotorrad gibt es nicht.“ Vielmehr bestimmt nach seinen Beobachtungen das aktuelle Angebot und Preisgefüge an Neumaschinen auch den Gebrauchtmarkt.

Frage nach dem ABS spielt große Rolle

Beispiel: „Ein gebrauchter Supersportler mittleren Alters ist für viele interessant. Eine Fireblade, Baujahr 2008, ist ein super Motorrad, von der Leistung, vom Fahrwerk, von allem. Ein solches Motorrad für 6000 bis 8000 Euro, da gibt es neu nichts Vergleichbares.“

Und in den anderen Segmenten spielt laut Limbächer die Frage nach dem ABS eine große Rolle – auch wieder beeinflusst vom aktuellen Neumaschinen-Angebot. Grund: „Es gibt heute sehr günstige neue Mitteklasse-­Motorräder mit ABS. Da ist der Preisunterschied zu einer zwei Jahre alten Gebrauchten ohne ABS sehr gering.“ Mit anderen Worten: Ohne ABS ist selbst eine sehr gute Mittelklasse-Gebrauchte heute außer als Billigheimer nicht mehr zu verkaufen. Umgekehrt würden Modelle stark nachgefragt, „die im Modellzyklus wenige technische Innovationen erfahren haben, da sind Gebrauchte dann interessant“. Vereinfacht: Wenn sich das aktuelle Modell XY technisch kaum vom vier Jahre alten unterscheidet, so spart sich mancher die Mehrkosten für die Neumaschine und greift ruhigen Gewissens zur weitaus günstigeren Gebrauchten.

Foto: Schümann

Mit einer gewissen Verzögerung, so Limbächer, setzen sich Trends bei Neufahrzeugen im Gebrauchtbereich fort, schließlich „muss es ja erst entsprechende Gebrauchtfahrzeuge geben“. Ein gutes Beispiel dafür sind sportliche Motorräder. Als Neumaschinen sind Sportler derzeit bei Weitem nicht mehr so begehrt wie noch vor einigen Jahren. Doch gebraucht sieht es ganz anders aus: Der Leiter des Händlervertriebs von mobile.de, Torsten Wesche, bestätigt, dass die beliebtesten Motorradkategorien auf dem größten deutschen Online-Marktplatz „Sport in ihren Genen“ haben. Und auch auf MotoScout24 stellen Sportler und Supersportler die gefragteste Kategorie für die im Netz nach Angeboten stöbernden Kunden. Ein Blick auf die meistgesuchten Modelle auf MotoScout24 bestätigt: Yamaha R1, R6, Honda CBR 600, Fireblade, Suzuki GSX-R 1000 und Co. finden sich ganz vorn in der Liste. Nur nicht auf Platz eins. Da thront – gebraucht wie neu mit dickem Abstand zum restlichen Feld – die BMW R 1200 GS (siehe dazu auch das Interview auf der nächsten Seite).

Foto: Schröder

Interview Heiko Schröder

Heiko Schröder ist Verkaufsberater bei BMW Könemann / Zweirad Technik Könemann e.K. und der ZTK Erlebniswelt Motorrad in Schneverdingen südlich von Hamburg. Bekannt wurde Könemann in den 90er-Jahren als Anbieter von parallel (grau) importierten Maschinen. Heute ist der Firmenverbund großer Vertragshändler für BMW und Triumph, hat aber auch ständig mehrere Hundert Gebrauchte aller möglichen Marken im Angebot.

 ?  Der Bestseller unter den Neumaschinen ist, nicht nur in Deutschland, die BMW GS. Ist die 1200er-Reiseenduro bei Ihnen auch gebraucht die Nummer eins?

 !  Ja, das ist sie. Ob neu oder gebraucht – die BMW R 1200 GS ist nach wie vor die Ikone aller Reiseenduros.

 ?  Welche Modelle sind ansonsten – als Gebrauchte – Ihrer Beobachtung nach die aktuellen Bestseller?

 !  Neben der R 1200 GS erfreut sich die Yamaha FJR 1300 ABS großer Beliebtheit. Bei den kleineren ist’s wieder eine BMW, die F 700 GS. Der Allrounder erlaubt jedem Fahrertyp unbeschwerten Spaß beim Motorradfahren.

 ?  Wenn Sie mal fünf Jahre zurückdenken, welche Modelle waren’s 2010?

 !  Natürlich hat auch vor fünf Jahren kein Weg an der R 1200 GS vorbeigeführt, auch die F 650 GS war beliebt. Daneben war damals die Suzuki Bandit 1250 extrem gefragt. Sie ist bis heute eigentlich ein Klassiker und wird als Gebrauchte immer noch viel gekauft.

 ?  Welche Modelle gehen gar nicht? Von welchen Marken lassen Sie beim Einkauf grundsätzlich die Finger?

 !  Zum einen von der BMW F 650 Scarver, da sie optisch nach Meinung der Kunden sehr stark polarisiert, und zum anderen von sämtlichen Exoten wie Voxan oder Benelli, da diese nicht den technischen Standards entsprechen, welche von unseren Kunden vorausgesetzt werden.

 ?  Welche Wichtigkeit haben Wartungsnachweise/Scheckhefte – für Sie beim Einkauf und beim Weiterverkauf für den Kunden?

 !  In den letzten Jahren stieg die Nachfrage nach scheckheftgepflegten Fahrzeugen immens, weshalb wir als Händler sehr großen Wert auf Wartungsnachweise legen.

 ?  Spielen Elektromotorräder als Gebrauchte schon eine Rolle?

 !  Obwohl deutlich zu merken ist, dass die Gesellschaft zunehmend mehr Wert auf umweltfreundliche Verkehrsmittel legt, können wir noch keine hohe Nachfrage nach Elektromotorrädern verzeichnen.

 ?  Wie hat sich der Markt durch die groß gewordenen Online-Plattformen gewandelt? Nehmen Sie diese als Konkurrenz wahr? Die davon verdrängten klassischen Kleinanzeigen gab es ja früher auch? ...

 !  Die Marktveränderung durch die vielen Onlineplattformen besitzt eine Schatten- und Sonnenseite. Obwohl die Konkurrenz dadurch steigt, gibt es einen Nutzwert für Kalkulationstransparenz.

 ?  Was denken Sie – haben die meisten Kundenbei motorradonline.de und Co. reingeschaut, bevor Sie zu Ihnen kommen?

 !  Ja, klar. Wir schätzen die Zahl jener unserer Kunden, die sich vorher im Internet über Angebot und Preise informiert haben, auf gut 80 Prozent.

 ?  Reden wir über Geld. In welcher Preisregion bewegt sich Ihr Angebot im Schnitt? Mal ganz grob über den Daumen.

 !  Das kann ich aus dem Stand jetzt nur für BMWs beantworten, da liegt bei Neufahrzeugen der Preis bei zirka 13.000 Euro und für gebrauchte BMW-Motorräder sind es ungefähr 6500 Euro.

 ?  Der Gebrauchthandel ist ein klassisches Barzahler-Geschäft. Auch im professionellen Rahmen? Bieten Sie Finanzierungsmöglichkeiten?

 !  Ja, wir bieten äußerst günstige Finanzierungsmöglichkeiten für Gebrauchtfahrzeuge an. Diese werden auch zunehmend von der Kundschaft in Anspruch genommen.

 ?  Stichwort Ihr Einkauf. Wo und wie suchen Sie? Oder kommen die Anbieter alle von allein zu Ihnen?

 !  Neben einer Vielzahl an Inzahlungnahmen von gebrauchten Motorrädern, bieten viele unserer Kunden Ihre Motorräder über uns zum Ankauf an.

 ?  Kaufen Sie auch im EU-Ausland an?

 !  Neufahrzeuge kaufen wir auch im EU-Ausland an, Gebrauchtmotorräder hingegen aufgrund eines zu geringen Angebots noch nicht.

 ?  Welche Rolle spielen angekündigte Modellwechsel bei der Gebrauchtnachfrage? Als BMW zum Beispiel den Wasserboxer ankündigte, wurden da schnell noch viele Luftgekühlte ge- oder verkauft?

 !  Nach dem angekündigten Modellwechsel auf den Wasserboxer war die Nachfrage nach luftgekühlten Modellen der gleichen Baureihe spürbar geringer.

 ?  Was sind Ihrer Meinung nach die meistunterschätzten Motorradmodelle? Drei Bikes, die Sie Ihrem besten Freund empfehlen würden?

 !  BMW K 1300 R, Triumph Rocket III Roadster und Suzuki GSX 1400.

Der Markt auf motorradonline.de

Gestartet 2008, hat sich der Motorrad-Gebrauchtmarkt auf motorradonline.de vom Insider-Tipp zur wichtigen Handelsplattform entwickelt. Auf ihr sind Motorradfahrer unter sich. Mitte Februar waren exakt 30.706 Gebraucht-Angebote von Maschinen jeglichen Kalibers und aller Preisklassen eingestellt. Und da geht richtig was vorwärts. Beträgt doch die durchschnittliche Einstelldauer hier nur rund drei Wochen, bis das Bike erfolgreich den Besitzer wechselt.

Die Marken-Verteilung im Gebrauchtangebot von motorradonline.de deutet auf eine engagierte Japaner-Szene hin: Honda vor Yamaha, Suzuki und Kawasaki. BMW folgt auf Platz fünf, dann KTM, Triumph und Harley-Davidson. Der große Rest, von Aprilia über Ducati bis Zündapp, ist freilich genauso vertreten. Sportliche Bikes sind auch auf motorradonline in der Beliebtheitsskala ganz vorne. Und auch wenn’s mancher einfach nicht mehr hören will: Auf Platz eins aller Angebote steht –auf motorradonline.de wie bei den Mitbewerbern – die R 1200 GS.

Für private Anbieter ist das Einstellen von Angeboten kostenlos. Für Interessenten wichtig: Die Suchmaske wurde von Motorrad-Profis erstellt. Mit ihr lässt sich das Angebot nicht nur nach Modell, Alter, Laufleistung und Standort filtern, sondern gleichzeitig auch nach für Motorradfahrer wichtigen Parametern wie Sitzhöhe, ABS ja/nein, Kardan/Kette/Riemen, Führerscheinklasse und, und, und.

Schauen Sie doch mal rein: http://markt.motorradonline.de

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